Zwei plus eins - aus Paaren werden Eltern

Durch ein Kind wird das Leben glücklicher. Und stressiger. Auf jeden Fall anders. Warum ist das so? Und welche Bereiche betrifft es?


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Wenn Paare Eltern werden, wir alles anders. Diese neue Lebenssituation hat auch mit Abschiednehmen zu tun - Abschied von Jugend, von Sorglosigkeit. Der amerikanische Psychologe Daniel Stern vergleicht die enormen Umwälzungen, die das Eltern-werden mit sich bringt, sogar mit einer psychischen Geburt. Und die tut eben manchmal auch weh.

Baby mit Händen


© Thinkstock
Strategien wie Durchsetzungsvermögen und Konsequenz, die im Beruf super funktionierten, sind auf einmal wirkungslos. Ein Baby verlangt anderes ganz andere Dinge - Geduld, Einfühlung, Hingabe. Aber gleichzeitig erdet diese Herausforderung. Und sie macht sogar gesünder. Eltern konsumieren nachweislich weniger Alkohol und weniger Zigaretten. Und der Körperkontakt mit dem Baby sorgt dafür, dass Glückshormone freigesetzt werden, die auch das Immunsystem stärken. „Kinderkriegen bedeutet Organisation und Stress. Da springt das Glück nicht nur aus dem Kasten. Das zu erwarten, wäre naiv“, bestätigt der Soziologe Robert Hettlage von der Universität Regensburg. Aber er meint auch: „Letztlich wird es keiner bedauern, Kinder zu haben.“

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Achtung, Praxisschock!

Wer um die Dreißig sein erstes Kind bekommt, hat schon einiges erreicht: Prüfungen bestanden, Reisen gemacht, Konflikte bewältigt, eine Ausbildung beendet. Im Job ist man kein Anfänger mehr. Kurzum: Man ist im Leben angekommen. Das gibt ein sicheres Gefühl. Und das wird nun erschüttert, wir stehen wieder ganz am Anfang.  Denn egal, wie viel die beste Freundin vorher erzählt hat oder wie oft wir mit unseren Nichten und Neffen im Zoo waren - ein eigenes Kind zu haben, ist etwas ganz anderes. Die ersten Wochen sind für die allermeisten Eltern ein Praxisschock, Hebamme Bettina Salis kennt dieses Gefühl: „Elternsein lässt sich nicht ausprobieren - es ist also ganz selbstverständlich, dass besonders Eltern, die ihr erstes Kind bekommen haben, sich in manchen Momenten schlichtweg von ihrer neuen Aufgabe überfordert fühlen.“
Eltern werden macht schlau

Junges Paar mit Baby

Oft ist nicht alles so eitel Sonnenschein ...


© Thinkstock
Man kann kaum etwas Besseres für sein Gehirn tun, als ein Kind zu bekommen. Die amerikanische Wissenschaftsjournalistin und zweifache Mutter Katherine Ellison kommt zu dem Schluss: Die überwältigende Erfahrung, ein Kind zu bekommen und es aufzuziehen, hinterlässt dauerhafte Spuren im weiblichen Gehirn. Vielfältige Sinneseindrücke schärfen die Wahrnehmungsfähigkeit. Wir können plötzlich das leiseste Fiepen aus dem Nebenzimmer wahrnehmen, das tägliche Multitasking steigert die Effizienz. Die Motivation, ihre Kinder in jeder Form zu schützen, hilft Müttern, kreativ, schnell und selbstbewusst zu handeln. Toll, oder?



Sind wir noch die gleichen Freunde?
Und was wird aus Freundschaften, wenn das Baby da ist? Natürlich ist es Quatsch, dass Eltern und Kinderlose keine Freunde sein können! Aber die Beziehung wird häufig auf eine Probe gestellt. Die kinderlose Freundin hat nämlich nicht gerade eine hormonelle Achterbahn hinter sich, sie hat keine Geburt erlebt und verbringt nicht 24 Stunden am Tag mit einem Baby. Und Sie wiederum müssen nicht mit Ihrem Chef streiten.

Die Beziehung zwischen Kinderlosen und Eltern ist häufig voller Klippen, die umschifft werden müssen. Eine Freundin schenkte mir zum Beispiel zur Geburt einen Flakon mit teurem Parfüm. Lieb gemeint. Aber ich empfand es als ein bisschen unpassend. Was wollte sie mir damit sagen? Werde schnell wieder eine von uns?! Aber dann war sie wiederum enttäuscht, als ich mich nicht aufraffen konnte, zu ihrer Examensparty zu kommen. Plötzlich ist die alte Schulfreundin, mit der man sichgar nicht mehr so viel zu sagen hatte, wieder eine interessante Gesprächspartnerin - eben weil sie auch Kinder hat. Und mit der smarten Kollegin, die immer den neuesten Klatsch und jeden wichtigen Trend kennt, telefoniert man (zumindest eine Weile) nur noch selten. Aber die gute Nachricht ist: Auch wenn so manche Freundschaft lockerer wird, wirklich echte Freunde bleiben und justieren die Beziehung mit Ihnen gemeinsam neu. 

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Die Not mit der Zeit

In fast jedem klugen Ratgeber steht, dass junge Eltern und Paare sich vor lauter Babyglück nicht selbst vergessen sollen. Aber das ist leichter gesagt als getan: Mit der entspannten Freizeit als Paar klappt es nämlich nur selten. Ist das Baby auf der Welt, bleibt es eben nicht wie ein höflicher Gast nur zum Abendbrot, sondern will Aufmerksamkeit - rund um die Uhr an sieben Tagen in der Woche. Ein Säugling braucht seine Eltern in den ersten Monaten so intensiv und existenziell wie nie wieder in seinem Leben. Mit diesem Gefühl des Fremdbestimmtseins umzugehen, ist nicht leicht. Besonders Mütter, die stillen, empfinden das Angebundensein häufig sehr stark. Eine ziemliche Herausforderung. Eine Mutter sagte mir in einem Rückbildungskurs: „Wenn mir jemand vorher wirklich gesagt hätte, was mich erwartet, hätte ich gesagt: Das kann ich nicht schaffen. Es geht einfach nicht. Aber wunderbarerweise schafft man es doch.“ Vielleicht liegt das daran, dass die Natur es netterweise so eingerichtet hat, dass wir für unsere Anstrengungen umgehend belohnt werden! 



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