Einschlafprobleme bei Kindern: Ursachen, Folgen und Tipps

Lesen Sie hier, warum ausreichend Schlaf für Kinder so wichtig ist, ab wann man von ernsten Einschlafproblemen spricht und welche Ursachen sie haben können.


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Einschlafprobleme bei Kindern und ihre Folgen


Mal ist es die Mücke im Zimmer, mal ist es das Monster im Schrank... wenn es darum geht, abends noch ein paar Minuten länger aufzubleiben, sind Kinder sehr erfinderisch. Was aber, wenn aus den wenigen Minuten eine halbe oder sogar eine Stunde wird? Wenn das Kind nach dem Zubettbringen einfach nicht zur Ruhe kommt, durch die Flure geistert und klagt, es könne nicht einschlafen? 

Einschlafprobleme bei Kindern


© iStock
Beim Baby und Kleinkind ist unruhiges Schlafverhalten aus Sicht der Eltern zwar anstrengend, aber relativ normal. Die Kleinen müssen erst ihren Schlafrhythmus finden. Treten Schlafprobleme dagegen beim Schulkind auf, sind Eltern zu Recht besorgt. Grundschüler benötigen in der Regel um die zehn, elf Stunden Schlaf. Weniger kann zu Konzentrations- und Leistungsschwächen führen. Und nicht nur das. „In der Tiefschlafphase werden die körpereigenen Abwehrkräfte gestärkt und das für Kinder so wichtige Wachstumshormon ausgeschüttet“, sagt der renommierte Schlafforscher Professor Dr. Jürgen Zulley, Leiter des Schlafmedizinischen Zentrums der Uni-Klinik Regensburg. „In der darauf folgenden REM-Phase verarbeitet das Gehirn die Tageseindrücke in Träumen.“ Kommen diese Phasen zu kurz, können Immunschwäche und Wachstumsstörung bzw. Stimmungsschwankungen mit Reizbarkeit, Ängsten oder erhöhter Aggressivität die Folge sein.

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Wann man von ernsthaften Einschlafproblemen spricht

Zum Glück hat nicht jeder Knirps, der behauptet: „Mama, ich kann nicht schlafen“, gleich eine Schlafstörung. Von ernsthaften Einschlafproblemen sprechen Experten erst, wenn

•    über mindestens vier Wochen die Nachtruhe gestört und
•    der Tag dadurch beeinträchtigt ist, d.h. das Kind unkonzentriert und nervös ist
•    oder sich schlapp und antriebslos fühlt.

Ist das Kind tagsüber fit, reicht ihm der Schlaf. Aber: „Viele Eltern glauben fälschlicherweise, ein Kind, das zu wenig Schlaf erhält, müsse tagsüber müde sein. Oft ist es ganz im Gegenteil völlig überdreht“, so der Schlafmediziner. Nach Expertenschätzungen leidet inzwischen jedes vierte bis fünfte Kind in den Industriestaaten an echten Schlafstörungen - Tendenz steigend.
Mögliche Ursachen für Einschlafprobleme

Morgens Gameboy, nachmittags ein Videospiel, abends noch ein Stündchen Fernsehen - ständig wechselnde Reize lassen das Gehirn auf Hochtouren laufen. Kommt dann noch ein unruhiger Tagesablauf mit vielen Terminen hinzu, erhält der Kopf keine Chance, die gesammelten Eindrücke zu verarbeiten. „Die meisten Schlafstörungen sind Ausdruck einer Tagstörung“, fasst Jürgen Zulley zusammen. Neben der Reizüberflutung zählt er mangelnde körperliche Auslastung zu den Hauptursachen für Schlafprobleme. Ein Kind, das sich tagsüber nicht ausgetobt hat, fühlt sich abends meist nicht müde.

Nicht zu unterschätzen sind auch Ängste, unter denen das Kind leidet. „Im Schrank sitzt ein Monster“ mag auf uns lächerlich wirken, für Kinder sind Fantasiegestalten oft sehr real und sollten mit dem nötigen Ernst besprochen werden. „Man muss dem Kind klar machen, dass seine Welt sicher ist und dass es kein Monster gibt, das nicht besiegt werden kann“, rät der Hamburger Psychologe Michael Thiel. „Etwa mit Hilfe eines Teddys, der ,magische Kräfte hat.“

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Schwerwiegende seelische Probleme, Stress oder Leistungsdruck können das Kind ebenfalls am Einschlafen hindern, sodass es sich lohnt, die Familiensituation näher zu betrachten: Hat es Veränderungen gegeben? Einen Umzug, einen Trauerfall? Oder liegen die Probleme im Schulbereich? Manchmal steckt auch einfach nur die Angst, etwas zu verpassen hinter der abendlichen Unruhe, schließlich will das Kind ja wissen was Mama und Papa im Wohnzimmer machen.

Und nicht nur Sorgen können Kindern den Schlaf rauben. Die Vorfreude und Aufregung auf ein spannendes Ereignis, wie der Besuch von Oma und Opa am Folgetag, kann den gleichen Effekt erzielen, ist dann jedoch meist zeitlich begrenzt. 
Besser einschlafen: Einschlafrituale sind für Kinder wichtig
Rituale rund um den Schlaf sind für Kinder wichtig und erleichtern den Alltag. Wichtig sind vor allem eine regelmäßige Zubettgeh-Zeit mit stets dem gleichen Ablauf (z.B. Gute-Nacht-Geschichte oder ruhige Musik). Manche Kinder brauchen einen ganz abgedukelten Raum, um einschlafen zu können, andere möchten lieber, dass die Tür einen Spalt offen bleibt oder ein Nachtlicht brennt. Manchmal hilft bei Einschlafproblemen ein Tee, eine warme Milch oder Baldrian (ab sechs Jahren; bitte in der Apotheke beraten lassen). Schlaftabletten sind für Kinder aber tabu!


Einschlafen: Rituale helfen beim Enstpannen


© Thinkstock
Außerdem gelingt einem Kind das Einschlafen besser, wenn:

•   es nachmittags viel an der frischen Luft
     war oder Sport getrieben hat,
•   seine Probleme, Sorgen und Ängste am
     Nachmittag besprochen hat,
•   die Beschäftigungen mit Schulaufgaben,
     Computer oder Fernsehen mindestens
     eine Stunde zurückliegen,
•   das Zimmer gelüftet ist,
•   es einen kuscheligen Schlafanzug trägt,
•   es ggf. eine Wärmflasche im Bett hat,
•   es noch etwas lesen darf,
•   es im Schlafzimmer ruhig ist.

Entspannungstechniken für Kinder ab fünf Jahren
  • 1 / 3
    Fantasiereisen

    Fantasiereisen leben von Sinneseindrücken und harmonischen Inhalten. Die Geschichten werden mit gleichmäßiger Stimme vorgelesen. Das Kind liegt dabei mit geschlossenen Augen im Bett. Es soll die Atmosphäre nachempfinden, zum Beispiel den Sand zwischen den Zehen, das Rauschen der Blätter.

    Buchtipp: Christiane Heyn: Die Elfe Morgentau, mit CD, Heyn Verlag

  • 2 / 3
    Autogenes Training

    Autogenes Training zielt darauf ab, den eigenen Körper bewusster wahrzunehmen und zu beeinflussen. Das Kind lernt durch positive Gedanken und Vorstellungen, seine Gefühle und Ängste zu steuern. So kann es sich z.B. beruhigen, indem es sich selbst gut zuspricht: „Ich bin ganz entspannt“, „Mein Körper wird müde“.

    Buchtipp: Volker Friebel, Entspannung für Kinder, mit CD, Rowohlt

  • 3 / 3
    Progressive Muskelrelaxation

    Bei der Progressiven Muskelrelaxation oder „fortschreitenden Muskel-Entspannung“ werden nacheinander Muskelpartien (in Gesicht, Arme, Beine, Po, Bauch) sehr stark angespannt und dann wieder gelockert, sodass die Glieder warm und schwer werden. Der Trick: Mit der Muskelentspannung kommt auch der Geist zur Ruhe.

    Buchtipp: Ralf Booth, Ich spanne meine Muskeln an, damit ich mich entspannen kann, Verlag „Books on Demand“.


 

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