Check-up für Körper und Seele: Die Jugend-Vorsorgeuntersuchungen J1 und J2

Für Jugendliche gibt es zwei Vorsorgeuntersuchungen: Die J1 findet zwischen 12 und 14 Jahren statt, die J2 zwischen 16 und 17 Jahren.


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Die Pickel sprießen, der Körper schießt in die Höhe und die Laune fällt in den Keller – in der Pubertät ist das alles normal. Aber wie sieht es mit der physischen und psychischen Gesundheit Ihres Kindes aus? Gerade in der Zeit des hormonellen Umbruchs und körperlichen Wachstums sollten Jugendliche das Angebot der Jugend-Vorsorgeuntersuchungen nutzen. Allerdings nehmen lediglich ein Drittel der Teenager die J1-Untersuchungen in Anspruch, bei der J2 sind es sogar nur noch fünf Prozent. Dabei könnten durch die Früherkennung häufige Probleme wie Rückenschmerzen, Essstörungen bei Jugendlichen oder eine falsche Jobwahl besser vermieden werden. Wir erläutern den Ablauf der Früherkennungsprogramme J1 und J2 und zeigen, dass niemand vor den Untersuchungen Angst haben muss.

Was genau ist die Jugend-Vorsorgeuntersuchung?


J1


© Thinkstock
Die Jugend-Vorsorgeuntersuchungen J1 und J2 sind eine Fortsetzung der Vorsorgeuntersuchungen der U-Reihe, die von den ersten Lebensstunden bis zum Alter von elf Jahren in regelmäßigen Abständen stattfinden. Anders als die J-Untersuchungen sind die U-Untersuchungen in vielen Bundesländern Pflicht. Durchgeführt wird die Jugend-Vorsorge entweder vom Kinder- und Jugendarzt oder vom Allgemeinarzt. Die J1- Untersuchung wird, im Gegensatz zur J2-Untersuchung, von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Empfohlen wird die J1-Untersuchung zwischen dem 12. und 15. Geburtstag, die J2 zwischen den 17. und 18. Geburtstag.
Was passiert bei der J1-Untersuchung?

Die Pubertät ist im empfohlenen Alter für die J1 gerade in vollem Gange, die Jugendlichen verändern sich in dieser Zeit besonders stark. Kein Wunder, dass vielen Teenagern beim Gedanken an einen Arztbesuch, bei dem ihr Körper genau unter die Lupe genommen wird, eher mulmig zumute ist. Allerdings können Sie diese Bedenken bei Ihrem Kind zerstreuen, denn die J1 ist keine Prüfung wie die frühere Musterung bei der Bundeswehr. Es müssen keine besonderen Ergebnisse erreicht werden und es kann auch niemand dabei „durchfallen“. Im Rahmen der Untersuchung sollen Hinweise auf Probleme in der körperlichen und geistigen Entwicklung Ihres Kindes entdeckt werden. Dazu gehören Anzeichen chronischer Krankheiten oder Fehlbildungen sowie die Kontrolle der Impfungen und ein intensives Gespräch, bei dem der Jugendliche dem Arzt auch Fragen stellen kann. Grundsätzlich entscheidet der Jugendliche darüber, ob die Eltern während der Untersuchung anwesend sein sollen, oder ob die Privatsphäre zwischen Arzt und Patient gewahrt wird. Nach Wunsch dürfen meist auch Freunde zur Begleitung dabei sein. So wird die J1-Untersuchung häufig zur Premiere, bei der Heranwachsende zum ersten Mal ohne die Eltern einen Arzttermin wahrnehmen.

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Wie läuft die körperliche Untersuchung ab?

Neben den pubertätsbedingten Veränderungen geht es bei der J1 um die Früherkennung von Krankheiten. Dazu gehören nicht nur körperliche Fehlbildungen, sondern auch das Feststellen von eventuell vorhandenen Allergien. Denn diese können entscheidend die spätere Berufswahl beeinflussen. Der Arzt führt einen Hör- und Sehtest durch, wichtige Organe wie Leber, Niere, Schilddrüse und Herz werden mit Ultraschall untersucht. Zum weiteren Gesundheits-Check gehören das Abtasten von Bauch, Hals und Brust, eine Urin- und Blutabnahme zur Kontrolle der Werte, eine eingehende Wirbelsäulenuntersuchung, um Haltungsschäden oder Wachstumsfehlbildungen zu erkennen und die Messung von Größe, Gewicht und Blutdruck. Dabei achtet der Arzt zusätzlich auf Hautprobleme wie beispielsweise Akne und auf Über- oder Untergewicht.

Möglicherweise wird der Arzt auch die Geschlechtsorgane anschauen, um die Entwicklung zu kontrollieren. Bei der körperlichen Untersuchung kann der Jugendliche jederzeit sagen, wenn er die eine oder andere Teiluntersuchung nicht machen lassen will. Normalerweise müssen sich die Patienten bis zur Unterwäsche frei machen, ein komplettes Entkleiden ist nicht nötig. Auch hier kann der Jugendliche das Ablegen von bestimmten Kleidungsstücken ablehnen, falls es ihm unangenehm ist, sich vor dem Arzt auszuziehen. Während der kompletten Untersuchung erklärt der Arzt seine Handlungen. Schließlich geht es bei der J1 zugleich um die Aufklärung über die Entwicklung und Funktionsweisen des eigenen Körpers in der Pubertät. Zum Termin sollte immer der Impfpass mitgebracht werden, da der Arzt bei dieser Gelegenheit den Impfstatus überprüfen kann und gegebenenfalls Auffrischungsimpfungen gegen Diphterie oder Tetanus vornehmen kann. Bei Mädchen besteht zudem die Möglich der Impfung gegen Röteln und HPV.
Das Gespräch bei der J1
Neben der gezielten körperlichen Untersuchung nimmt sich der Arzt Zeit für ein ausführliches Gespräch mit dem Jugendlichen. Angesprochen werden mögliche Befunde, je nach Wunsch allein oder zusammen mit den Eltern. Vor der Untersuchung werden die Teenager oft gebeten, einen ausführlichen Fragebogen auszufüllen, dessen Antworten dann im Gespräch durchgegangen werden. Dabei geht es um den individuellen Drogen- , Alkohol- und Medienkonsum, die Lebensführung im Allgemeinen, um Ernährung und Sport. Aber auch heikle Themen wie Sex, Verhütung, das erste Mal, Probleme in der Schule oder häusliche Gewalt werden erörtert. Trotz anfänglicher Skepsis empfinden die meisten Jugendlichen die Vorsorge letztendlich als positiv.

Ein weiterer Vorteil der Jugenduntersuchung ist, dass so auch Jungen über wichtige Selbstkontrollen und das Abtasten der Hoden aufgeklärt werden, um verdächtige Veränderungen feststellen zu können. Denn während bei Mädchen in diesem Alter häufig der erste Frauenarztbesuch ansteht, bei dem eine Krebsvorsorge durchgeführt wird und sie vom Gynäkologen lernen, wie man Knoten in der Brust selbst ertastet, wird die Entwicklung der Jungen oft überhaupt nicht medizinisch begleitet. Auch unangebrachte Zweifel über den „normalen“  Verlauf der eigenen Entwicklung können im Gespräch mit den Jugendlichen beseitigt werden und stärken deren Selbstbewusstsein. Der Arzt wird im Gespräch auch dazu ermutigen, Fragen zu stellen. Da er der Schweigepflicht unterliegt, trauen sich viele Teenager dort Dinge anzusprechen, die sie ungern mit Eltern oder Freunden besprechen.

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von Evelyn Hosse




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