Fremdsprachen im Kindergarten lernen

Fremdsprachen lernen Kinder intuitiv und spielerisch. Daher halten Englisch und Französisch in immer mehr Kindergärten Einzug.


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Fremdsprachen im Kindergarten

Foto: Thinkstock


„Es ist immer wieder frappierend, wie viel die Kinder schon nach kurzer Zeit verstehen“, sagt Prof. Norbert Huppertz, der im Rahmen des Programms „Bilinguale Bildung - Französisch im Kindergarten“ 40 deutsche Kitas entlang des Oberrheins bei der Einführung des Fremdsprachenangebots wissenschaftlich begleitet hat. Das kann auch Marie-Josèphe Robert vom Deutsch-französischen Kindergarten Bierlehof in Neuenburg bestätigen: „Die meisten Kinder können den Tagesablauf im Kindergarten schon nach wenigen Wochen in der neuen Sprache bewältigen“, sagt die Erzieherin, die mit den Kindern in ihrer Gruppe ausschließlich Französisch spricht. Das Gleiche machen ihre zwei französischen Kolleginnen in den beiden anderen  Kita-Gruppen. Auch sie sprechen mit den Kindern nur in ihrer Muttersprache, die deutsche Kollegin unterhält sich mit ihnen dagegen grundsätzlich auf Deutsch. „Eine Person - eine Sprache“ lautet das  Prinzip, bei dem schon Dreijährige täglich in die neue Sprache eintauchen. Besonders gut funktioniert dieses „Immersion“ genannte Sprachbad, weil der Erwerb der Fremdsprache spielerisch und systematisch erfolgt. So lernen die Kleinen Redewendungen wie „Guten Morgen“, „Zieh dir die Jacke an“, „Putzt euch die Zähne“ oder „Ruhe bitte!“ allein dadurch, dass sie jeden Tag in den entsprechenden Situationen wie selbstverständlich wiederholt  - und nach kurzer Zeit verstanden werden. „Länger dauert es, bis die Kinder anfangen, selbst  Französisch zu sprechen“, sagt Elisabeth Marcisieux, die den bilingualen Kindergarten Bierlehof leitet.  Frühestens mit vier, fünf Jahren beginnen sie, sich in der Zweitsprache zu verständigen - wobei sich das Gesagte meist auf kurze Äußerungen beschränkt.

Es gibt immer mehr zweisprachige Kindergärten

Dass der frühe Erwerb einer Fremdsprache ungeahnte Chancen birgt, haben  Pädagogen, Bildungspolitiker und Wirtschaftsexperten schon vor Längerem erkannt. Um dem Ziel des dreisprachigen Schulabgängers näher zu kommen, lernen  die Kinder in den Grundschulen aller 16 Bundesländer seit 2003 Englisch oder Französisch - meistens ab der 3. Klasse, in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg bereits ab Klasse 1. Weniger verbreitet ist das Fremdsprachenlernen im Kindergarten. Aber die Kitas holen auf: So besuchen im Saarland mittlerweile 25 Prozent aller Kinder einen zweisprachigen Kindergarten, und in Hamburg haben Eltern die Möglichkeit, ihr Kind in einer der zwölf bilingualen Kitas anzumelden. Zwar wird nicht in allen Kindergärten mit Fremdsprachenangebot lupenrein und ganztägig zweisprachig gearbeitet, dafür gibt es dann aber zeitlich begrenzte Angebote, um die Kinder schon früh und möglichst sanft mit einer anderen Sprache und Kultur in Kontakt zu bringen. „Entscheidend ist, dass wir das Potenzial der Kinder nutzen, die im Vorschulalter über eine sehr hohe natürliche Motivation zum Erlernen einer Fremdsprache verfügen“, sagt Prof. Norbert Huppertz. Die einmalige Phase, in der sich Kinder bis zum sechsten Lebensjahr ungehemmt, spielerisch und allein durch Imitieren eine Fremdsprache mühelos aneignen könnten, dürfe man nicht ungenutzt verstreichen lassen, beteuert der Erziehungswissenschaftler - und verweist darauf, dass Millionen Kinder weltweit ganz selbstverständlich zweisprachig aufwachsen. Prinzip "eine Person - eine Sprache" wichtig Bedenken von Eltern, ihre Kinder könnten mit dem Erlernen einer weiteren Sprache überfordert sein, zerstreuen Fachleute wie der Kieler Sprachwissenschaftler Henning Wode mit dem Hinweis darauf, dass sich das Aneignen einer Fremdsprache sogar positiv auf den Erwerb der Muttersprache auswirke. Werde das Prinzip „eine Person - eine Sprache“ eingehalten bzw. die Zweitsprache nur zu festgelegten Zeiten oder in einem eigens dafür reservierten Raum gesprochen, komme es keineswegs zu dem von vielen Eltern befürchteten Sprachchaos. Das ist auch die Erfahrung von Caroline Santener, die den Kindern im Bierlehof seit sechs Jahren die französische Sprache nahebringt: „Natürlich kommt es vor, dass ein Kind auf die Frage, ob es schon gegessen habe, antwortet: ,Ich habe schon mangé.‘“ Das aber sei am Anfang ganz normal und zeige, dass sich das Kind aktiv mit der neuen Sprache auseinandersetze.




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