Zweisprachig erziehen leicht gemacht

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Zweisprachig erziehen leicht gemacht

Zweisprachige Erziehung bietet dem Kind viele Möglichkeiten. Wie Sie Ihr Kind in der Zweisprachigkeit optimal unterstützen, zeigt Ihnen unser Ratgeber.

Zweisprachige Kinder lernen anders

Der „Zeitplan“ beim Erlernen der Muttersprache sieht vor, dass ein Kind mit einem Jahr Mama und Papa sagt, mit etwa rund 18 Monaten Dinge benennt und mit zwei Jahren Sätze spricht, die aus zwei bis drei Wörtern bestehen. Wenn ein Kind zweisprachig aufwächst, verzögert sich die Sprachentwicklung etwas. Verallgemeinern aber sollte man diese Aussage nicht. Genauso gibt es zweisprachige Kinder, die schon sehr früh sprechen. „Die Entwicklung der Grammatik verläuft bei allen Kindern gleich. Nur der Wortschatz ist bei Zweisprachigkeit zunächst kleiner. Wenn der Vater zum Beispiel ein bestimmtes Spiel nur auf Französisch mit seinem Kind spielt, kennt es das Wort dafür auch nur auf Französisch“, erklärt die Sprachforscherin Susanne Rieckborn. Gemeinsames Blättern in Bilderbüchern, Singen und Spielen helfen aber, den zweisprachigen Wortschatz ständig zu bereichern.

Starke und schwache Sprache bei Zweisprachigkeit

Jedes Elternteil sollte dabei in seiner Muttersprache sprechen. „Das ist am glaubwürdigsten. Sprache ist ein Teil der Persönlichkeit. Daher lassen sich Gefühle und spontane Äußerungen auch am besten in der Muttersprache vermitteln“, sagt Rieckborn. Und das ist gerade bei kleinen Babys wichtig, die weniger die Sprache selbst als das Gefühl, das damit ausgedrückt wird, verstehen. Ob zweisprachige Erziehung beide Sprachen von Anfang an gleich gut vermittelt, ist individuell verschieden. „Es gibt eine Sprache, die stärker, und eine, die schwächer ist“, erläutert die Sprachwissenschaftlerin. Die starke Sprache ist in der Regel die Sprache des Landes, in dem das Kind aufwächst. Sie ist später auch in Kita und Kindergarten die Regel. Deshalb sollte bei zweisprachiger Erziehung die schwache Sprache möglichst früh gefördert werden. „Zum Beispiel mit Uraubsreisen. So merkt das Kind, dass es auch mit dieser Sprache etwas ,anfangen' kann.“ Gut für die Zweisprachigkeit ist auch der Kontakt zu anderen zweisprachigen Familien oder einer Tagesmutter, die die schwache Sprache des Kindes spricht. „Ich rate Eltern, die schwache Sprache auf spielerische Art zu fördern“, erklärt Susanne Rieckborn, die auch eine telefonische Beratung für Eltern zweisprachiger Kinder anbietet. Die Hauptsorge vieler Eltern: Was, wenn das Kind die Sprachen mischt? „Ich sage immer, dass das kein Grund zur Beunruhigung ist. Wir haben in Studien nachgewiesen, dass Kinder die Sprachen von früh an trennen können.“ Also keine Angst vor: „Ein Apfel, please!“

Zweisprachig aufwachsen leicht gemacht

Zweisprachigkeit: Kinder können Sprache trennen

Kinder bauen sich nämlich eine eigene Sprachordnung auf, wie Prof. Bernd Kielhöfer von der Freien Universität Berlin erklärt. Sie unterscheiden nicht nur zwischen der Sprache, die sie mit der Mutter, und der, die sie mit dem Vater sprechen, sondern auch zwischen Familiensprache, Spielsprache und Umgebungssprache. „Dieses konsequente Ordnungsprinzip für funktionalen Sprachgebrauch und Sprachtrennung scheint die wichtigste Voraussetzung für das Gelingen der zweisprachigen Erziehung zu sein“, erklärt der Sprachwissenschaftler. Zweisprachige Erziehung weise jeder Sprache eine besondere Aufgabe, ein eigenes Anwendungsgebiet zu. Eltern können diese Ordnung der Zweisprachligkeit nutzen, um die schwache Sprache zu stärken. Etwa indem sie die Spielsprache fördern, die für Kinder schon im zweiten Lebensjahr wichtig wird. Wenn Kinder regelmäßig mit Gleichaltrigen zusammenkommen, mit denen sie in ihrer schwachen Sprache kommunizieren müssen, bekommt die für sie auch mehr Bedeutung.

Kindergarten fördert zweisprachige Erziehung

Denn meist bevorzugen Kinder die starke Sprache, die die Umgebung spricht, auch beim Spiel. Und das kann dazu führen, dass die Kleinen irgendwann die schwache Sprache sogar verweigern. „Dann sollte man nicht aufgeben, sondern konsequent bleiben und weiter mit den Kindern in beiden Sprachen sprechen. Es hat sich gezeigt, dass sich eine Sprache weiterentwickelt, selbst wenn sie über Monate nicht gesprochen wird“, sagt Susanne Rieckborn. Fördern können Eltern die Zweisprachigkeit ihrer Kinder ganz einfach, wenn sie sie in zweisprachige Kitas bringen. Auch einsprachig aufwachsende Kinder können hier übrigens schnell durch zweisprachige Erziehung eine zweite Sprache erwerben.

Zweisprachigkeit auch für einsprachige Kinder durch zweisprachige Erziehung

Eine Studie der Universität Kiel hat gezeigt, dass sogar einsprachig aufwachsende Kinder mit drei Jahren noch Englisch auf dem Niveau von zweisprachigen Kindern erlernen können, wenn sie in eine zweisprachige Kita oder Kindergarten gehen. Das heißt dann „Immersion“, also „Sprachbad“. Voraussetzung ist eine Erzieherin, die die Fremdsprache auf Muttersprach-Niveau beherrscht. Mit viel Gestik und Mimik verstehen Kinder bald, was sie meint - und lernen so, selbst in der Fremdsprache zu sprechen.

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