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Bilinguale Erziehung: So klappt es bei euch mit der Zweisprachigkeit

Entwicklung & Beziehung

Bilinguale Erziehung: So klappt es bei euch mit der Zweisprachigkeit

Bilinguale Erziehung ist für alle Kinder, bei denen mindestens ein Elternteil nicht deutsche*r Muttersprachler*in ist, Fluch und Segen zugleich. Denn einerseits lernt euer Nachwuchs quasi nebenbei eine neue Sprache, andererseits ist gerade der Anfang für die Kleinen eine ganz schöne Herausforderung. Mit einigen Tipps sollte die zweisprachige Erziehung eure Kinder aber gelingen.

Was ist bilinguale Erziehung?

Darunter versteht man, wenn Kinder zweisprachig aufwachsen. Die Sprachen sind dabei nicht entscheidend, ein Elternteil kann z. B. deutsch sprechen, ein anderes japanisch. Die gängigste Variante ist, dass ein Elternteil deutsche*r Muttersprachler*in ist, aber es gibt auch die Variante, bei der beide Eltern eine nicht-deutsche Sprache sprechen. Streng genommen würde es sich dabei um eine trilinguale Erziehung handeln, aber landläufig wird diese Erziehung auch unter Bilingualität gefasst.

Bilinguale Erziehung dreht sich einzig und allein um die Sprache, in der kommuniziert wird und die die Kinder lernen sollen. Erzogen im Wortsinn wird dabei nicht.

Gründe für bilinguale Erziehung

Die Gründe für Zweisprachigkeit sind so verschieden, wie Familien es sind. Die einen möchten, dass ihr Kind gute Startbedingungen hat, um sich früh in zwei Sprachen ausdrücken zu können. Gerade wenn ihr ab der Geburt zweisprachig erzieht, lernt euer Nachwuchs ganz nebenbei sich in zwei Sprachen auszudrücken.

Andere Eltern möchten, dass ihr Kind besser mit Verwandten, die vielleicht kein Deutsch sprechen, kommunizieren kann. Oder ihr wollt eurem Kind etwas ganz persönliches mitgeben und das ist eben eure Sprache. Vor allem bei eher seltenen in Deutschland gesprochenen Sprachen kann eure gemeinsame Sprache einer Erinnerung an Heimat sein.

Vielleicht sind euch auch die späteren Jobaussichten euer Kinder wichtig. Nie wieder lernen Kinder so leicht, begeistert und wie nebenbei eine Sprache, als wenn sie bei euch Zuhause eben dauerhaft davon umgeben sind. Dafür solltet ihr aber auch echte*r Muttersprachler*in sein, weil ihr eurem Nachwuchs sonst falsche Worte oder falsche Grammatik bei bringt.

Wenn ihr euch Sorgen macht, dass euer Kind die Sprachen mischt, kann Sprachforscherin Susanne Rieckborn euch beruhigen. „Ich sage immer, dass das kein Grund zur Beunruhigung ist. Wir haben in Studien nachgewiesen, dass Kinder die Sprachen von früh an trennen können.“ Also keine Angst vor: „Ein Apfel, please!“

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Vorteile bilingualer Erziehung

Eure Kinder lernen die Sprache akzentfrei und intuitiv und können sich außerdem später in mehreren Sprachen ausdrücken. Ihr schenkt ihnen mit einer zweiten Sprache auch eine zweite Heimat, denn Sprache bietet eine wichtige Identifikationsmöglichkeit. Hinter jeder Sprache steckt eine ganze Kultur, und ihr bietet euren Kindern damit ein Tor zu mehr Kulturverständnis.

Das klingt so erschlagend, meint aber nur, dass sie eben schon von früh auf lernen, dass wir alle anders sind, andere Lebenshintergründe haben und dies etwas sehr bereicherndes für eine Gesellschaft ist. Studien kommen außerdem zu dem Ergebnis, dass zweisprachig erzogene Kinder sich besser in andere hinein versetzen können.

Nachteile bilingualer Erziehung

Die zweisprachige Erziehung wird nur dann von Erfolg gekrönt sein, wenn ihr echte Muttersprachler*innen seid. Habt ihr die Sprache auch nur gelernt und sprecht sich vielleicht sogar nur ein wenig, wird das euren Kindern nicht viel nützen.

Kinder lernen, wenn sie bilingual erzogen werden auch manchmal langsamer sprechen. Es wirkt dann, als würden sie hinter ihren Altersgenoss*innen zurückbleiben. Da gibt es selten Grund zur Sorge, in ihren kleinen Köpfen passiert nur sehr viel, weil sie aus der doppelten Anzahl an Worten das richtige in der richtigen Sprache finden müssen.

„Die Entwicklung der Grammatik verläuft bei allen Kindern gleich. Nur der Wortschatz ist bei Zweisprachigkeit zunächst kleiner. Wenn der Vater zum Beispiel ein bestimmtes Spiel nur auf Französisch mit seinem Kind spielt, kennt es das Wort dafür auch nur auf Französisch“, erklärt die Sprachforscherin Susanne Rieckborn. Gemeinsames Blättern in Bilderbüchern, Singen und Spielen helfen aber, den zweisprachigen Wortschatz ständig zu bereichern.

Ein eher spaßiger Grund ist, dass ihr als Eltern nie eine "Geheimsprache" miteinander sprechen könnt, wenn euer Nachwuchs euch in zwei Sprachen so gut versteht und antworten kann.

Wie bilingual erziehen?

Jedes Elternteil sollte in seiner oder ihrer Muttersprache sprechen. „Das ist am glaubwürdigsten. Sprache ist ein Teil der Persönlichkeit. Daher lassen sich Gefühle und spontane Äußerungen auch am besten in der Muttersprache vermitteln“, sagt Rieckborn. Und das ist gerade bei kleinen Babys wichtig, die weniger die Sprache selbst als das Gefühl, das damit ausgedrückt wird, verstehen. Ob zweisprachige Erziehung beide Sprachen von Anfang an gleich gut vermittelt, ist individuell verschieden.

„Es gibt eine Sprache, die stärker, und eine, die schwächer ist“, erläutert die Sprachwissenschaftlerin. Die starke Sprache ist in der Regel die Sprache des Landes, in dem das Kind aufwächst. Sie ist später auch in Kita und Kindergarten die Regel. Deshalb sollte bei zweisprachiger Erziehung die schwache Sprache möglichst früh gefördert werden.

„Zum Beispiel mit Urlaubsreisen. So merkt das Kind, dass es auch mit dieser Sprache etwas ,anfangen' kann.“ Gut für die Zweisprachigkeit ist auch der Kontakt zu anderen zweisprachigen Familien oder einer Tagesmutter, die die schwache Sprache des Kindes spricht.

Ich rate Eltern, die schwache Sprache auf spielerische Art zu fördern.

Susanne Rieckborn

Bilinguale Erziehung: Kinder können Sprachen trennen

Kinder bauen sich eine eigene Sprachordnung auf, wie Prof. Bernd Kielhöfer von der Freien Universität Berlin erklärt. Sie unterscheiden nicht nur zwischen der Sprache, die sie mit der Mutter, und der, die sie mit dem Vater sprechen, sondern auch zwischen Familiensprache, Spielsprache und Umgebungssprache. „Dieses konsequente Ordnungsprinzip für funktionalen Sprachgebrauch und Sprachtrennung scheint die wichtigste Voraussetzung für das Gelingen der zweisprachigen Erziehung zu sein“, erklärt der Sprachwissenschaftler.

Zweisprachige Erziehung weise jeder Sprache eine besondere Aufgabe, ein eigenes Anwendungsgebiet zu. Eltern können diese Ordnung der Zweisprachligkeit nutzen, um die schwache Sprache zu stärken. Etwa indem sie die Spielsprache fördern, die für Kinder schon im zweiten Lebensjahr wichtig wird. Wenn Kinder regelmäßig mit Gleichaltrigen zusammenkommen, mit denen sie in ihrer schwachen Sprache kommunizieren müssen, bekommt die für sie auch mehr Bedeutung.

Wie können Eltern die schwache Sprache stärken?

Meist bevorzugen Kinder die starke Sprache, die die Umgebung spricht, auch beim Spiel. Und das kann dazu führen, dass die Kleinen irgendwann die schwache Sprache sogar verweigern. „Dann sollte man nicht aufgeben, sondern konsequent bleiben und weiter mit den Kindern in beiden Sprachen sprechen. Es hat sich gezeigt, dass sich eine Sprache weiterentwickelt, selbst wenn sie über Monate nicht gesprochen wird“, sagt Susanne Rieckborn.

Wie können Eltern Zweisprachigkeit fördern?

Fördern können Eltern die Zweisprachigkeit ihrer Kinder ganz einfach, wenn sie sie in zweisprachige Kitas bringen. Auch einsprachig aufwachsende Kinder können hier übrigens schnell durch zweisprachige Erziehung eine zweite Sprache erwerben.

Eine Studie der Universität Kiel hat gezeigt, dass sogar einsprachig aufwachsende Kinder mit drei Jahren noch Englisch auf dem Niveau von zweisprachigen Kindern erlernen können, wenn sie in eine zweisprachige Kita oder Kindergarten gehen. Das heißt dann „Immersion“, also „Sprachbad“.

Voraussetzung ist eine Erzieherin, die die Fremdsprache auf Muttersprach-Niveau beherrscht. Mit viel Gestik und Mimik verstehen Kinder bald, was sie meint - und lernen so, selbst in der Fremdsprache zu sprechen. Für alle, die eben "nur" deutsch Zuhause sprechen, bietet so eine bilinguale Kita noch einen guten Weg in die Zweisprachigkeit. Ihr solltet dann nur in der Familie auch mit lernen, damit ihr wisst, wo von eure Kinder da in ihrem manchmal herrlichen Kauderwelsch erzählen.

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Andrea Zschocher
Das sagtAndrea Zschocher:

Meine Meinung

Ich finde bilinguale Erziehung super. Weil es Kindern immer auch ein Stück mehr Identität schenkt, wenn sie die Sprache beider Eltern sprechen können. In meinem Freundeskreis gibt es viel zweisprachige Kinder und ich liebe dieses Kauderwelsch mit dem sie mir antworten sehr.

Meine Kinder wachsen nur mit einer Sprache auf. Wenn mein Mann und ich etwas vor den Kinder besprechen wollen, sie das aber nicht mitbekommen sollen (ich sage nur EIS), dann wechseln wir ins Englische. Inzwischen wissen die Kinder aber sehr genau, dass wir über "Icecream" reden und reiben sich die Finger.

Bildquelle: getty images / iStock / Getty Images Plus/ monkeybusinessimages

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