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Wichtig zu wissen

Wie entsteht Muttermilch? Der Supernahrung auf der Spur

Wenn dein Baby auf die Welt kommt, hat dein Körper viele Monate lang Höchstarbeit geleistet. Doch in ihm ist nicht nur ein kleiner Mensch herangewachsen. Er hat sich auch auf die Zeit nach der Geburt und das Stillen bestens vorbereitet. Die ersten Tropfen Nahrung sind direkt für dein Baby verfügbar. Doch wo kommen diese her und wie entsteht Muttermilch eigentlich?

Um das Stillen ranken sich viele Mythen, die Mamas stark verunsichern können. Wenn du gerne stillen möchtest, kann es dir helfen zu verstehen, wie Muttermilch entsteht und was zum Beispiel hinter dem Milchspendereflex steckt. So kannst du mit den Startschwierigkeiten beim Stillen, die oft nach der Geburt des ersten Babys auftreten, ganz anders umgehen. Und einer erfolgreichen Stillbeziehung zwischen dir und deinem Baby steht dank dieses Wissens viel weniger im Weg.

Wie entsteht Muttermilch? Das passiert in der Schwangerschaft

Bereits während der Schwangerschaft beginnt der Körper, sich auf die Muttermilch-Produktion einzustellen. Ab ungefähr der sechsten Woche bildet dein Körper aus dem Blut eine ganz neue Art von Zellen in den Brüsten, die sogenannten Laktozyten.

Aus diesen Zellen wird später die Muttermilch in den Brustdrüsen „gebaut" und in Milchbläschen (Alveolen) gespeichert. Etwa zeitgleich entsteht in den Brüsten auch das weit verzweigte Netz aus Milchkanälen, durch die die Vor- und Muttermilch fließen wird.

Schon verrückt, was der Körper alles leisten kann oder? Im Video verraten wir dir, welche sieben Dinge Muttermilch alles kann!

7 Dinge, die Muttermilch kann Abonniere uns
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Wie entsteht Muttermilch nach der Geburt?

Wie bei sehr vielen Vorgängen in unserem Körper sind auch bei der Entstehung von Muttermilch Hormone im Spiel.

Die Rolle der Hormone Prolaktin und Oxytocin

Das Hormon Prolaktin entsteht im Gehirn und gelangt über unser Blut in die Brust. Dort bewirkt es, dass in den Alveolen Muttermilch gebildet wird. Ein weiteres wichtiges Hormon ist Oxytocin. Auch dieses wird im Gehirn gebildet und wandert zusammen mit dem Prolaktin in die Brust. Die Aufgabe des Oxytocins ist es, Muskelzellen dazu anzuregen, die Muttermilch aus den Alveolen zu drücken. So kann die Milch dann nach vorne bis zu deinen Brustwarzen fließen und ist dort für dein Baby verfügbar.

Erst nach der Geburt geht es richtig los

Im Gegensatz zum Kolostrum, das schon in der Schwangerschaft gebildet wird und so deinem Baby bereits vor dem Milcheinschuss zur Verfügung steht, kommt die Muttermilchproduktion erst etwas später in Gang. Mache dir also keine Gedanken, wenn du am ersten Tag nach der Geburt noch keine Muttermilch produzierst, das ist ganz normal!

Wesentlich für die Entstehung von Muttermilch ist das Abstoßen der Plazenta. Dadurch sinken die Werte der Hormone Progesteron und Östrogen in deinem Körper, der Prolaktin-Spiegel steigt. Damit der Prolaktin-Spiegel weiter steigt (und nicht wieder abfällt), ist es in den ersten Stunden und Tagen nach der Geburt wichtig, dass du versuchst, dein Baby regelmäßig anzulegen und saugen zu lassen. Die Empfehlung liegt bei acht bis zwölf Mal pro Tag.

Hintergrund: Durch das Saugen an der Brust wird ebenfalls Prolaktin ausgeschüttet. Wenn möglich, lege dein Baby dabei nackt auf deine eigene nackte Haut – so wird das „Kuschelhormon" Oxytocin stärker ausgeschüttet, ohne das die Milch nicht aus den Alveolen kommt.

Der Milcheinschuss

Legst du dein Baby nach der Geburt regelmäßig an und lässt es an der Brust saugen, sollte es zwei bis drei Tage später (nach einem Kaiserschnitt kann es etwas länger dauern) zum Milcheinschuss kommen. Die Vormilch (Kolostrum) wird dann von der Übergangsmilch abgelöst. Etwa zwei Wochen später steht dann die reife Muttermilch zur Verfügung.

Julia Windhövel

Ich wünsche mir Stillvorbereitungskurse!

Ich wollte meine erste Tochter unbedingt stillen. Und war maßlos frustriert, als das zunächst nicht klappte. Ich dachte, ich hätte nicht genug Milch, wusste nicht, dass das sehr viel unwahrscheinlicher war, als dass ich sie einfach nicht richtig und oft genug angelegt hatte. Zum Glück erkannte meine Hebamme, was los war und konnte mir helfen.

Ich würde mir wünschen, dass es nicht nur quasi selbstverständlich ist, einen Geburtsvorbereitungskurs zu besuchen, sondern auch einen für die Vorbereitung auf das Stillen. Dann könnte man dort in Ruhe alles über die Vorgänge im Körper lernen und wäre für die ersten Tage super gewappnet. Ist das Baby erstmal da, ist man nämlich nicht mehr ganz so aufnahmefähig für Informationen wie davor. Mir hätte das Mehr an Wissen rund um das Thema Stillen auf jeden Fall sehr geholfen, entspannter in die Stillzeit mit meiner Tochter zu starten.

Wie entsteht Muttermilch? Die Relevanz des Milchspendereflexes

Ist der Milcheinschuss einmal da, stellt dein Körper die Milchmenge nach und nach auf die Bedürfnisse deines Babys ein. Damit es trinken kann, wird mehrere Male während des Stillens der Milchspendereflex ausgelöst. Ohne diesen würde dein Baby nämlich nur an der Brust nuckeln, ohne dass die Muttermilch aus den Alveolen zur Brustwarze schießt.

Zwei bis neun Milchspendereflexe können so pro Stillmahlzeit zusammenkommen. Bemerkt wird meistens nur der erste, der sich wie ein leichtes Kribbeln, Ziehen und Warmwerden anfühlen kann. Durch wechselseitiges und häufiges Anlegen kannst du immer wieder neue Milchspendereflexe auslösen, sodass die Brüste sehr gut geleert werden.

Warum es wichtig ist, die Brüste beim Stillen gut zu leeren

Wie weiter oben bereits beschrieben, wird die Muttermilch in den Brüsten in den Milchbläschen (Alveolen) gespeichert. Dort liegt sie aber nicht in der weißlich-gelben Flüssigkeit vor, wie man sie außerhalb des Körpers sehen kann. In den Bläschen ist sie in einen wässrigen und einen fettreichen Teil gespalten. Vereinfacht gesagt haften die Fettkügelchen an den Wänden der Alveolen, der wässrige Teil füllt die übrige Alveole aus.

Beim Milchspendereflex schießt zunächst der wässrige Anteil der Milch nach vorne in die Brustwarzen. Bis sich die Fettkügelchen lösen und sich mit Hilfe des Milchspendereflexes mit dem wässrigen Teil vermischen, dauert es einen Moment. Deswegen ist der erste Schuss, den dein Baby aus der Brust trinkt, auch immer weniger fetthaltig als die Milch am Ende einer Stillmahlzeit.

Wer kann, legt auf beiden Seiten an

Da der Milchspendereflex immer an beiden Brüsten gleichzeitig ausgelöst wird, macht es Sinn, dass du dein Baby nacheinander an beiden Brüsten anlegst: An der anderen Brust sind dann nämlich bereits der wässrige und fetthaltige Teil der Milch vermischt, die Milch also schon fettreich.

Hilfe, wenn es mit dem Stillen noch nicht klappt

Du möchtest gern stillen, brauchst aber noch ein bisschen Unterstützung dabei? Wenn möglich, wende dich zunächst an (d)eine Hebamme – oder direkt an eine zertifizierte Stillberaterin. In vielen Kranken- und Geburtshäusern wird auch eine Stillberatung angeboten.

Hier gibt es mehr Infos:

Quellen: frauenaerzte-im-netz.de, stillkinder.de , netdoktor.de, still-lexikon.de

Du würdest gern herausfinden, was du schon alles über das Thema Stillen weißt? Teste dein Wissen in unserem Quiz!

Still-Quiz: Was weißt du über Muttermilch und das Stillen?

Bildquelle: Getty Images/ szeyuen