10 Dinge, die Sie Ihrem Kind zuliebe bei einer Trennung nicht tun sollten

Wenn eine Beziehung nicht mehr funktioniert, ist es oft besser, die Wege trennen sich. Doch Paare, die ein oder mehrere Kinder haben, treffen diese Entscheidung nicht nur für sich, sondern auch für ihren Nachwuchs. Zehn Dinge, die Sie Ihrem Kind zuliebe bei einer Trennung nicht tun sollten.


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1. Über den Ex-Partner vor Ihrem Kind lästern


Es ist menschlich, einem großen seelischen Schmerz wie Enttäuschung, Trauer und Wut mit Rache zu begegnen. Um auszuhalten, was die Trennung mit einem macht, fängt man an, den Ex-Partner schlecht zu machen, über ihn herzuziehen und sich so etwas Linderung in der aufreibenden Trennungszeit und danach zu verschaffen. „Broken-Heart-Syndrom“ lässt sich dieses Verhalten betiteln.
Doch sind Kinder von Ihrer Trennung betroffen, gilt: Stopp! Ihr Kind ist nicht der richtige Empfänger für Ihren Schmerz, denn es hat selbst mit der Situation zu kämpfen und braucht umso mehr Halt. Wichtig ist Ihrem Kind zu vermitteln, dass es nicht allein ist, auch wenn Mama oder Papa ausgezogen ist. 

Eltern streiten sich


© iStock
Egal wie tief der Schmerz oder wie groß die Wut über den Ex-Partner ist – lassen sie das nicht bei ihrem Kind raus. Da eine Trennung oder Scheidung der Eltern das Kind ohnehin stark betrifft, ist es wichtig die Erwachsenenprobleme soweit es geht von Ihrem Kind fernzuhalten. Dazu gehört der Groll auf den Ex-Partner, denn für das Kind bleibt es trotz der Trennung der geliebte Vater (oder Mutter). Machen Eltern den anderen Elternteil vor dem Kind schlecht, nehmen sie im Extremfall dem Kind den Zugang zu seinem zweiten Elternteil. Unabhängig davon, wer oder ob jemand Schuld an der Trennung hat, hat das Kind ein Recht auf eine Beziehung zum getrennten Elternteil, es darf nicht gezwungen werden, den Groll der Eltern zu leben. Kinder wollen auf beide Eltern stolz sein. Wenn Sie über den Papa (oder die Mama) lästern, erleben Kinder eine Abwertung ihrer eigenen Person.
2. Das Kind als Boten benutzen
Nach einer Trennung am liebsten kein Wort mehr mit dem Ex-Partner sprechen zu wollen ist verständlich. Zu groß sind oft die Enttäuschungen, zu frisch die seelischen Wunden. Doch bei einer Trennung mit Kind den Sohn oder die Tochter als Überbringer von Nachrichten zu benutzen, ist keine Alternative zum Gespräch mit dem ehemaligen Partner. „Frag den Papa, ob er dir was für die Klassenfahrt gibt. Der kann ruhig auch mal was zahlen!“ Sätze, wie dieser, die womöglich sogar noch einen vorwurfsvollen oder ärgerlichen Beiklang haben, gehören nicht hierher, sondern sollten zwischen den Eltern direkt geklärt werden. Das Kind ist weder ein Bote noch ein Richter. Wird es dennoch für diese Rolle missbraucht, laden die Eltern oft unwissentlich Ballast auf den Schultern ihres Kindes ab, den sie selbst gerade tragen müssen.

Durch ein oder mehrere Kinder bleibt man auch nach einer Scheidung verbunden. Gemeinsame Kinder ziehen eine gemeinsame Verantwortung nach sich, die größer ist als der Schmerz des Einzelnen. Es gilt, trotz der eigenen Situation in Kommunikation zu treten und zu lernen Differenzen zu überbrücken.
3. Vor dem Kind streiten
Was die Kommunikation betrifft, heißt es auch hier: Halten Sie die Probleme zwischen Ihnen und Ihrem Ex-Partner bei sich. Dass die Stimmung nicht gut ist, wird das Kind trotzdem merken, selbst kleine Kinder haben hochsensible Antennen für die Atmosphäre im Raum. Gespräche, die Streitpotenzial haben, sollten Sie am besten nicht in Gegenwart des Kindes führen. Denn streiten sich die Eltern, facht das die Verlustängste des ohnehin durch die Trennung verunsicherten Kindes zusätzlich an.
Findet ein sachliches freundliches Gespräch vor dem Kind statt, sollte man das Telefon weiter reichen: „Mama ist am Telefon, magst du mit ihr reden?" Das vermittelt ein Gefühl von Gemeinsamkeit statt ein Gegeneinanderarbeiten. Das zu erfahren ist sehr wichtig für ein Kind, um nicht in Loyalitätskonflikte zwischen Mama und Papa zu geraten. 

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4. Einen Wettkampf um die Liebe Ihres Kindes mit dem Ex-Partner anfangen

„Bei Papa ist immer alles toll und ich bin immer die Böse, weil du bei mir lernen musst.“ Wer eine Wochenendregelung mit dem Partner vereinbart hat, wird diese Problematik nur zu gut kennen. Es ist verständlich, dass man die fehlende gemeinsame Zeit mit den Kindern durch extra tolle Ausflüge, Restaurant-Besuche und Fernsehabende wettmachen will. Vergessen Sie dabei aber nicht, dass für das Kind die gemeinsame Zeit zählt, denn das Wissen einen Papa zu haben – trotz der Trennung – ist das Entscheidende. Daher trübt ein bisschen Alltag das kostbare Wochenende nicht – im Gegenteil: Gerade im Alltag wird der Elternteil, der aus der gemeinsamen Wohnung auszieht und das Kind nur zu bestimmten Besuchszeiten sieht, besonders vermisst. Rituale wie die Gute-Nacht-Geschichte fallen von heute auf morgen weg. Umso wichtiger ist es, beide Elternteile trotz Trennung als verlässlichen Teil des Alltags zu erleben, indem man gemeinsam die Hausaufgaben erledigt oder zusammen einkaufen geht.
Es geht nicht darum, dem Kind das tollere Programm zu bieten, denn das ist nicht das, wonach sich Scheidungskinder sehnen. Ein Kind braucht die Gewissheit, keinen der Elternteile verloren zu haben und vor allem, beide lieben zu dürfen.
5. Ihr Kind auf Ihre Seite ziehen
Kinder werden leider oft zum Spielball zwischen den Eltern, die sich nicht mehr verstehen. Der vermeintlich einzig gemeinsame Nenner ist das Kind. Das rechtfertigt aber nicht, dass Konflikte auf dem Rücken des Kindes ausgetragen werden, sondern dass Konflikte eben wegen dieses gemeinsamen Nenners gelöst werden – und zwar von den Eltern. Verteufeln sich die Eltern gegenseitig, kommt das Kind zwangsläufig zwischen die Fronten und muss sich entscheiden: Bin ich für Team Mama oder für Team Papa?
Kinder neigen dazu, sich auf die Seite des Elternteils zu schlagen, der mehr leidet. Nach Kinder-Logik gleicht das Kind durch seine Loyalität gegenüber diesem Elternteil die fehlende Liebe des anderen aus – was natürlich so nicht stimmt.

Machen Sie sich immer wieder bewusst: Sie und Ihr Partner haben sich getrennt, nicht das Kind. Ihr Kind braucht und liebt beide Eltern und dieses Recht sollten Sie Ihrem Kind trotz Ihrer eigenen Differenzen zugestehen.
6. Über die Gründe der Trennung schweigen
Kinder haben keine Sorgen und vergessen schnell – einer der größten Irrtümer der Menschheit. Was in den kleinen Köpfen vorgeht und wieviel Leid auf den jungen Schultern lastet, darf niemals unterschätzt werden. Daher hat jedes Kind, auch wenn es noch sehr jung ist, eine Erklärung verdient, wenn sich die Eltern trennen. Entfallen erklärende Worte, findet das Kind eine eigene Version von Erklärung und diese fällt meist nicht zu seinen Gunsten aus. Kinder denken häufig, sie seien selbst schuld daran, dass Mama und Papa sich nicht mehr verstehen. Sie kommen zum Schluss, sie hätten die Trennung mit dem richtigen Verhalten verhindern können. Diese Überzeugung sollten Sie Ihrem Kind unbedingt nehmen. Sprechen Sie mit Ihrem Kind und machen Sie deutlich, dass die Trennung rein gar nichts mit dem Verhalten des Kindes zu tun hat.


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Sind die Kinder etwas älter, übernehmen sie bei einer Trennung oft mehr Verantwortung als es ihrem Alter entspricht. Sie sorgen sich um die Eltern und stellen ihre eigenen Probleme zurück, wenn sie sehen, wie schlecht es der Mutter oder dem Vater geht. Auch hier ist ein ehrlicher und offener Umgang wichtig, um klare Verhältnisse zu schaffen. Eine Trennung der Eltern belastet ein Kind natürlich, doch sollte es nicht seine Rolle als Kind aufgeben und alle Sorgen auf sich nehmen.
Viele Scheidungskinder, vor allem Kinder im Grundschulalter, schämen sich für die als problematisch empfundene Familiensituation. Sie vergleichen sich mit den anderen scheinbar perfekten Familien und genieren sich für ihre Situation. Sie können Ihrem Kind auch hier mit Gespräch helfen. Fragen Sie Ihr Kind zum Beispiel, ob es noch ein Kind mit getrennten Eltern kennt (sicher!) und ob dieses Kind jetzt auch zwei Kinderzimmer hat? Nehmen Sie Ihrem Kind das Tabu, was es sich selbst möglicherweise auferlegt hat, denn getrennte Eltern sind heutzutage keine Seltenheit mehr.
7. Besuche zu oft absagen

Die Angst, einen Elternteil komplett zu verlieren, ist bei Kindern sehr groß. Zu offenen, erklärenden Gesprächen kommt ein weiterer Aspekt, um Ihr Kind zu beruhigen: Halten Sie Verabredungen ein. Alle guten Worte nutzen nichts, wenn in der Praxis die Papa-Besuche doch ständig entfallen. Ihr Kind muss sich auf Sie verlassen können, um die Erschütterung durch die Trennung heilen zu lassen. Es bedeutet für Kinder unheimlich viel, wenn sich manche Dinge trotz Trennung nicht ändern. Waren Sie als Papa immer bei den sonntäglichen Fußball-Turnieren dabei? Versuchen Sie es weiterhin einzurichten. Das zeigt dem Kind, dass sich an der Liebe der Eltern zu ihm auch nach der Scheidung nichts geändert hat.
8. Alles alleine stemmen wollen
Eine Trennung ist für alle Beteiligten eine Zeit der Krise. Ein großer Umbruch für Eltern und Kind fordert alle nervlichen Ressourcen. Dabei gelingt es nicht immer, die Kinder von seinem Ärger über den Ex-Partner fernzuhalten oder seinen eigenen Schmerz zu verbergen. Und auch praktische Veränderungen wie der Umzug, Teilung der gemeinsamen Besitztümer oder Behördengänge fordern viel Zeit, Kraft und Nerven. Lassen Sie sich in dieser Zeit helfen und nehmen Sie Unterstützung an! Die Kinder ein Wochenende bei der Oma unterzubringen lässt Sie durchatmen und gibt Raum, um mit der Situation klarkommen. Unparteiische Helfer, die weder die eine oder andere Fraktion sind, helfen Ihrem Kind durch diese aufreibende Zeit und verschaffen Ihnen Verschnaufpausen.
9. Die Verletzung des Kindes unterschätzen
Verändert sich die Familiensituation drastisch, reagieren Kinder ganz unterschiedlich darauf. Grundsätzlich sollte Ihr Kind immer das Gefühl haben, dass es seine Empfindungen ausdrücken darf. Plötzliche Wutanfälle, ein ausgeprägtes Kuschelbedürfnis oder Trauer müssen kein Anzeichen einer Entwicklungsstörung sein, sondern sind die Art und Weise, wie sich Ihr Kind auf die veränderte Familiensituation einstellt. Das Verhalten Ihres Kindes zeigt Ihnen, was Ihr Kind braucht. Sucht es häufiger als sonst Ihre Nähe, reagieren Sie darauf und gehen Sie auf diese Bedürfnisse ein. Ist es plötzlich auffällig aggressiv, sprechen Sie mit Ihrem Kind darüber, was es wirklich beschäftigt. Hinter einem Wutanfall steckt meist eine verängstigte, traurige und verwirrte Kinderseele, die in den Arm genommen werden will.
10. Das Kind als Druckmittel benutzen
Leider nicht selten kommt es vor, dass Eltern Ihr Kind als Druckmittel missbrauchen. Wenn diese oder jene Bedingungen nicht erfüllt werden, darf der andere Elternteil das Kind einfach nicht mehr sehen. Derartige Drohungen sind völlig unangebracht, denn eine Erpressung mit der größten Angst – das Kind nicht mehr sehen zu dürfen – wirkt sich auch auf das Kind aus. Die Angst des Anderen auszunutzen vergiftet die Atmosphäre und stört eine gesunde Beziehung zwischen Eltern und Kind. Ausstehende Unterhaltszahlungen und andere hochbrisante und schwierige Themen sind sehr sehr schwierig zu lösen – keine Frage. Doch niemals sollte das Kind dafür leiden müssen, denn das kann am allerwenigsten dafür. Behandeln Sie es auch so, denn trotz allen Streits gibt es wohl eine Sache, bei der sich alle Mamas und Papas, geschieden oder nicht, einig sind: Die Liebe zu ihrem Kind.

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Sophia Gesierich

von Sophia Gesierich