10 Gründe, warum wir wegen unseres Kindes zu spät kommen

Früher war ich die Pünktlichkeit in Person. Bin ich immer noch, wenn mir das Kind nicht dazwischen kommt… und das tut es öfter als mir lieb ist.

Kolumne Charoline Bauer: Warum wir wegen unseres Kindes zu spät kommen

Kinder können selbst die organisiertesten Eltern aus den Tritt bringen und für Verspätungen sorgen


Am 30. Juli ist der offizielle Zuspätkomm-Tag. Für viele Familien ist dieser Tag gefühlt jeden Tag. Auch für uns! Als wir noch kein Kind hatten, habe ich mich immer ein bisschen über meine Freunde mit Kindern geärgert, die zu unseren Verabredungen grundsätzlich zu spät kamen. Nun haben wir seit ein paar Jahren selber ein Kind und ich muss gestehen: auch wir kommen jetzt zu spät! Nicht immer, aber viel zu oft und ich hasse mich dafür. Denn ich halte Zuspätkommen trotz besseren Wissens immer noch für ein Versagen der Eltern. Denn wer sich verspätet, hat sich, ganz grob gesagt, zeitlich verkalkuliert. Um dieses Risiko zu minimieren, müssen Eltern nur mehr Zeit und Vorlauf für Verabredungen einplanen, dann klappt es auch mit dem Pünktlichsein!

So einfach die Theorie und so schwer die Praxis. Denn als Mama habe ich gelernt, dass so ein Kind unendlich viele Variablen mit sich bringt, die ein Zuspätkommen verursachen können, dass nicht einmal ein Supercomputer sie alle einrechnen könnte. Um alle Eventualitäten auszuschließen, wegen denen man als Eltern zu spät zu einem Termin kommen könnte, müsste man montags schon mit der Vorbereitung für seine Verabredung am Freitag beginnen – und selbst dann ist eine Verspätung nicht ausgeschlossen.

Klingt absurd? Ist es auch. Aber so ist das Leben mit Kindern manchmal (ok, immer!), wie meine 10 Gründe, warum ich wegen meines Kindes schon zu spät gekommen bin, zeigen:

1. Windel schon wieder voll! Verspätungszeit: 35 Minuten

Mein süßes Baby ist frisch gewickelt, die Sachen sind gepackt, es kann losgehen. Aber was riecht da so? Nicht schon wieder! Keine 5 Minuten nach dem Wickeln ist die Windel schon wieder voll. Und wie! Beim Wickeln gibt es noch einen Pinkelunfall obendrauf und ich muss vorm Losgehen selbst nochmal schnell duschen.

2. Papa, du hast da was! Verspätungszeit: 5 Minuten

Alle Mann sind Abmarsch bereit zum Picknick mit Freunden im Park: Ähm, Schatz, du hast da was! Wo denn? Auf der Schulter! Das Kind hat seinem Papa unbemerkt auf die Schulter gespuckt. Also nochmal schnell zurück und Shirt wechseln.
Übrigens konnten uns solche kleinen Malheure im weiteren Verlaufe unseres Elternseins nicht mehr davon abhalten pünktlich zu sein. Wir nennen die Babyflecken auf unseren Oberteilen liebevoll “Elternorden” und gehen einfach mit dreckigem Shirt los.

3. So willst du gehen? Verspätungszeit: 20 Minuten

Das Baby ist angezogen und sauber, die Windel frisch und leer, die Babytasche gepackt, es kann losgehen. Beim Verlassen der Wohnung werfe ich einen letzten Blick in den Spiegel und bleibe entsetzt stehen: Ich habe vergessen mich anzuziehen! Um ein Haar wäre ich in meinem Schlafanzug aus dem Haus gestürmt – und damit meine ich kein sexy Negligee, das man in Berlin vielleicht noch als coolen Hipster-Mum-Look akzeptiert hätte, sondern die ausgeleierte Schlapper-Gemütlich-Variante voller Milchflecken! Passend dazu auch schon passiert: Nur die Hälfte des Gesichts geschminkt und erst beim Blick in den Spiegel im Büro bemerkt!

4. Schlaf, Kindlein, Schlaf! Verspätungszeit: bis zu 2 Stunden

Wenn mein Baby endlich mal schläft, mache ich vor Erleichterung ganz leise einen Freudentanz. Anschließend versuche ich dann in einer Stunde liegengebliebene Erledigungen von mehreren Tagen aufzuholen oder sinke einfach erschöpft aufs Sofa und penne selber ein. Beides führt gerne zu erheblichen Verspätungen. Bei der Mitschlafvariante wache ich aus Erschöpfung nicht wieder auf, bis das Kind sich meldet. Und wenn ich im Erledigungsrausch bin, will ich mein Kind partout nicht wecken, sondern noch ganz schnell auch noch Dies und Jenes machen. Und schon ist die Zeit vergessen, aber leider nicht stehen geblieben!

5. Spontaner Dammbruch. Verspätungszeit: 20 Minuten

Musst du nochmal Pipi? Nein! Sicher? Ja. Willst du nicht nochmal gehen? ICH MUSS KEIN PIPI! Ok, dann los. Mama, eingepullert!

6. Dammbruch Reloaded. Verspätungszeit: 45 Minuten

Mit Kind ist es oft so: Wenn es unten nicht gerade ausläuft, dann oben. Mein Kind bekommt gerne in den ungünstigsten Momenten, z. B. wenn wir gerade zu seinem eigentlich heißgeliebten Schwimmkurs los wollen, einen Heulkrampf. Die Gründe dafür sind so vielfältig wie absurd: weil gerade die Sonne scheint oder die Treppe so viele Stufen hat oder das Auto blau ist oder Mama gelbe Socken an hat oder… Ihr versteht das Prinzip schon, oder? Ein Zufallsgenerator ist absolut berechenbar gegen die Launen meines Kindes!

7. Mama, wo ist mein (beliebiges Spielzeug einsetzen)? Verspätungszeit: 30 Minuten

Kinderzimmer sind die reinsten Bermuda-Dreiecke. Darin verschwinden so viele Dinge spurlos, dass David Copperfield vor Neid erblassen würde. Und mein Sohn will kurz vom Weggehen garantiert immer genau das Auto oder Stofftier, das er gerade partout nicht finden kann. Bei uns gilt ja die Regel: Was Mama nicht findet, ist für immer verloren! Und in den meisten Fällen finde ich verschollene Spielzeuge mit der Präzision eines auf Spielsachen abgerichteten Bluthundes. Manchmal aber auch nicht und dann kommen wir unweigerlich zu spät. Zwar ist es möglich, das Kind auch ohne das Objekt seiner Begierde aus der Wohnung zu bugsieren, aber der Tag ist dann gelaufen. Das mache ich nur, wenn ich ihn danach in der Kita abgeben kann. Böse Mama, ich weiß!

8. Ich hab Hunger! Verspätungszeit: 15 Minuten

Mein Kind hat eigentlich nie hunger, außer wir wollen dringend irgendwohin. Dann kann es auf einmal nicht genug zu Essen und Trinken bekommen und würde schon auf dem Weg zum Auto verhungern. Dann wird in der Küche noch in Seelenruhe einen Joghurt gelöffelt (Nein, etwas anderes auf die Hand geht jetzt nicht. Warum? Woher soll ich das wissen, fragt das Kind!). Womit wir dann mit großer Wahrscheinlichkeit direkt bei Punkt 3 (Kind oder ich versaut) landen, was uns weitere 20 Minuten Verspätung kostet.

9. Nur 5 Minuten Ruhe! Verspätungszeit: 30 Minuten

Gestern erschien es eine gute Idee, mir mit dem Autoschlüssel fünf Minuten Ruhe zu erkaufen. Das Kind spielte selig damit und zauberte mir mit seinen süßen Brummbrumm-Geräuschen auch noch ein Lächeln auf die Lippen. Das ist heute schon lange verschwunden, nämlich schon genau so lange, wie ich jetzt schon damit beschäftigt bin, eben diesen verflixten Schlüssel wiederzufinden. Wo kann ein Kind einen Autoschlüssel überall verstecken? Nein, ihr braucht nicht zu antworten. Das war eine rhetorische Frage. (Er war übrigens in der Waschmaschine.)

10. Picasso lässt grüßen. Verspätung: 20 Minuten

Das ist ausnahmsweise nicht mir passiert, denn ich habe nur ein Kind. Aber meine Freundin kam letzte Woche zu unserer Verabredung zu spät, weil ihre große Tochter den kleinen Bruder vor dem Weggehen heimlich geschminkt hat. Mit Edding! Trotz elterlicher Waschaktion und damit einhergehender Verspätung, hatte der Kleine immer noch schwarze “Rouge”-Bäckchen und hübsch nachgezogene Augenbrauen. Es war ein herrlicher Anblick und die Verspätung allemal wert!

Welche lustigen, absurden, nervenaufreibenden Gründe habe euch schon zum Zuspätkommen gebracht? Der offizielle Zuspätkomm-Tag ist der perfekte Moment sie mit uns auf Facebook zu teilen!

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