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"Andere Eltern": 8 Eltern-No-Gos, die ich aus der grandiosen ZDF-Eltern-Serie gelernt habe

"Andere Eltern": 8 Eltern-No-Gos, die ich aus der grandiosen ZDF-Eltern-Serie gelernt habe

Serientipp

Kürzlich habe ich in der ZDF-Mediathek eine großartig-witzige deutsche Elternserie entdeckt, die ich allen Großstadteltern empfehlen möchte. Ein Must-See, das allen Hipster- und Helikopter-Eltern mit lakonisch-witzigen Pointen den Spiegel vorhält. Vielleicht kennt ihr auch solche Eltern oder fühlt euch beim Schauen ertappt? Dann kommen hier acht Gründe, warum ihr die Serie unbedingt schauen solltet und was wir dabei übereinander lernen können.

Großstadteltern gründen in Köln eine eigene Kita

Die Mocumentary "Andere Eltern" von 2019 könnt ihr aktuell bei Amazon Prime und Joyn streamen. Ich habe sie noch in der ZDF-Mediathek gesehen, wo sie mittlerweile nicht mehr verfügbar ist. Die Comedy-Serie von Lutz Heineking Junior beobachtet im Sinne einer Doku, wie moderne Großstadteltern in den 30ern und 40ern aus Mangel an Betreuungsplätzen eine eigene Kita in Köln Nippes gründen. Beobachtet werden sie dabei von Dokumentarfilmerin Ini, die die Ausgangsszenerie treffend umschreibt:

"Das Aufzuchtgelände wird millimetergenau dem Nachwuchs angepasst, biodynamisch und nachhaltig. Von sogenannten Helikoptereltern, die versuchen, das Leben ihrer Kinder zu optimieren, jeden Herzschlag überwachen und jeden Schritt ökologisch wertvoll planen."

Dokumentarfilmerin Ini über das Projekt 'Kita-Gründung'

Im Mittelpunkt steht die schwangere Zweifachmutter Nina (Lavinia Wilson), die eine Elterninitiative zur Gründung einer Kita startet. Gemeinsam mit ihrem Mann (Agenturleiter) und einigen Freund*innen (einem Paar mit unerfülltem Kinderwunsch, einer alleinerziehenden Musikmanagerin, einem schwulen Sänger (Daniel Zillmann), der Vater werden möchte und einem Pärchen, bei dem die Beziehung schon kriselt) versucht Nina, die äußerst hohen Erziehungsansprüche und neurotischen Vorstellungen aller Beteiligten auf einen Nenner zu bringen.

Dabei wird kein Fettnäpfchen ausgelassen und es kommen alle Themen auf den Tisch, bei denen jedes (zukünftige) Elternpaar eine ganz eigene Meinung hat: Masernimpfung, Erziehungskonzepte, vegetarisches Essen für die Kinder, Gendernorm, Vielfalt und Diversität bis zur Wandfarbe der Kita und altersgerechte Spielgeräte für den Garten. Beim Schauen fallen mir so einige Dinge auf, aus denen wir Eltern einfach nur lernen können.

#1 "Andere Eltern" ... nerven einfach

Man muss es einfach so sagen, auch wenn es ein No-Go ist. Denn letztlich sitzen wir alle im selben Boot und sollten uns miteinander solidarisieren anstatt zu ignorieren. Wenn man das Elternsein in der heutigen Gesellschaft mal von außen betrachtet, merkt man, wie anstrengend doch Eltern sein können. Genau das erreicht die Serie, indem sie alle Klischees von Großstadteltern durchdekliniert, die es tatsächlich so oder auf ähnliche Weise gibt. Die Schwächen der Figuren werden vom großartigen Improvisationstalent der Schauspieler*innen so authentisch und liebevoll dargestellt, ohne sie einfach nur vorzuführen oder sich reinweg lustig darüber zu machen.

#2 Perfektion vorleben, die es nicht gibt

Die Doku ist so lustig und wertvoll, weil sie uns Eltern zeigt, dass wir nicht alles in der Hand haben und unser Perfektionismus uns noch viel unglücklicher macht. Kita-Chefin Nina versucht alles in ihrem Leben im Griff zu haben und dabei merkt man von Folge zu Folge, dass das einfach nicht geht und sie in Wirklichkeit auch überfordert ist. Doch das würde sie sich vor ihrer Freundin Yaa nie eingestehen, bei der auch alles perfekt scheint: Ihr Freund Björn ist zu Hause und kümmert sich um die Kinder, doch in der Beziehung kriselt es.

Auch wenn es von außen so wirkt: Keine Familie ist perfekt, nur weil sie alles daran setz, dass es so aussieht. Es ist ein reiner Schutzmechanismus. Wir sollten alle vielmehr einander unsere Schwächen gestehen und auch mal zugeben, wenn wir keine Lösung für Probleme haben.

#3 Sich nicht verbünden, sondern gegeneinander arbeiten

Auch wenn es so schwer ist, all die Ansprüche der verschiedenen Elternteile in einem Kitakonzept zu vereinen: Es lohnt sich am Ende, wenn man etwas gemeinsam macht und aufeinander zugeht. Das Elternkollektiv versucht in Zeiten der größten Uneinigkeit durch einen Teamurlaub Kraft zu schöpfen. Das geht leider in die Hose, weil nur noch mehr Konflikte aufbrechen. Aber am Ende wissen alle: Keiner ist besser als der andere und wir wollen einander helfen.

#4 Auch andere Kinder zählen, nicht nur das eigene

Das Paradebeispiel der Helikoptermutter ist Hauptfigur Nina, die alles richtig machen will. Natürlich geht es ihr dabei vor allem um ihre eigenen Kinder, doch sie möchte ebenfalls, dass alle Eltern sich repräsentiert fühlen. Dabei versucht sie offen für alle Meinungen zu sein und gerät dann doch wieder an ihre Grenzen, wenn ein anderer Elternteil aus dem Team vorprescht und eine Idee verwirklicht, die sie vielleicht auch hatte. Einfach jede Mutter und jeder Vater hält das Glück des eigenen Kindes für extrem wichtig, das heißt nicht, dass andere Kinder uns egal sein dürfen. Versetzt euch öfter mal in die Lage der anderen.

#5 Sich viel zu wichtig nehmen

Dieser Punkt gilt nicht nur für Eltern. Doch er fällt immer wieder dort auf, wo mehrere Eltern sich treffen: Wir nehmen uns zu wichtig und beharren darauf, dass wir ganz genau wissen, was das Richtige für unser Kind und in dem Fall für die gemeinsame Kita ist. Wenn dann jemand Außenstehendes Fragen aufwirft, wollen wir das nicht hören. In der Serie fällt der älteren Dokumentarfilmerin Ini immer wieder die Rolle zu, das Geschehen einzuordnen und von außen zu betrachten. Dabei legt sie pointiert den Finger in die Wunde:

"Was in meiner Generation noch ein Happening oder Come-Together war und meist zu noch mehr Kindern führte, läuft heute drogenfrei und demokratisch-effizient in einem Workflow ab, der positives Karma in den Räumlichkeiten verteilen soll."

Dokumentarfilmerin Ini über die Eltern

#6 Egal wie wir es machen, Hauptsache nicht wie früher!

Das Essen muss vegetarisch sein, die Farben der Wandfarben sind ultrawichtig für das angenehmste Raumgefühl und das Erziehungskonzept muss unbedingt einem alternativen Ansatz entsprechen. Heutzutage heißt es oft: Wir machen alles neu, Hauptsache nicht so wie früher, das war meistens schlechter. Die Serie entlarvt diesen Anspruch und stellt die Frage: Kann die aktuelle Generation es nur dann besser machen, indem sie die vermeintlichen Fehler der Elterngeneration radikal vermeidet? Wenn das so einfach wäre ...

#7 Intolerantes Denken über schwule Väter

Die Serie bildet ganz verschiedene Paarkonstellationen ab. So gibt es den schwulen Single Malte, der eine lesbische Partnerin finden möchte, um Vater zu werden und eine Co-Elternschaft zu leben. Seine Vorstellungen von Elternschaft gehen sehr mit dem tatsächlichen Alltag auseinander. Letztlich wird er in einer Dreieckskonstellation Vater, bei der die Ansprüche aller Parteien erst einmal vereint werden müssen. Seine Ängste und Unsicherheiten sind kaum anders als diejenigen anderer Väter und er wünscht sich für sein Kind genau dasselbe wie jeder Vater. Die Sexualität hat damit nichts zu tun. Werdende Eltern sind emotional einfach alle gleich.

#8 Jedem seine Erziehungsweisheiten unter die Nase reiben

Davon kann sich doch wirklich kaum ein Elternteil freimachen: Sehr gern reiben vor allem akademisch gebildete Eltern, die hunderte von Elternratgebern gelesen haben, ständig anderen Erziehungsweisheiten unter die Nase. Auch in der Serie gibt es viel Streit um Erziehungs- und Pädagogikkonzepte und es ist herrlich absurd-witzig das Ganze anzusehen. Irgendwann nervt es hart und letztlich muss man sagen: Es sollte jede*r so erziehen, wie er oder sie denkt. Dafür braucht es nicht unbedingt einen Begriff. Wir sollten einander nur Ratschläge geben, wenn wirklich danach gefragt wird.

Ich empfehle euch, guckt diese sehr unterhaltsame, kluge Serie und ihr werdet wirklich etwas daraus lernen. In diesem Video seht ihr, dass einfach alle Eltern im selben Boot sitzen.

Katja Nauck

Unbedingte Streaming-Empfehlung!

Eine Freundin hat mir die Serie empfohlen und ich war genauso begeistert wie sie. "Andere Eltern" ist nicht nur großartig besetzt, sondern der Mix von Dokumentarfilm und Comedy ist einfach extrem gelungen. Am besten gefällt mir, dass sie sich nicht einfach nur über Elterntypen lustig macht, sondern auch die verletzliche Seite von allen Eltern zeigt. Am Ende merken wir, dass wir mit all unseren Neurosen, Marotten und Eigenheiten nicht alleine sind, weil jeder irgendwo solche "Problemchen" hat und um sich kreist. Die Serie ist so lustig mit gleichzeitig ernstem Unterton und das macht sie so gut. Am Ende geht man mit vielen Fragen und Anregungen heraus und wir so manches Mal von einer unerwarteten Wendung überrascht.

Helikopter-Eltern: Wie übervorsichtig seid ihr wirklich?

Bildquelle: ZDF
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