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Co-Parenting: Co-Elternschaft als Weg zum Familienglück?

Familienmodell

Co-Parenting: Co-Elternschaft als Weg zum Familienglück?

Das Konzept "Co-Parenting" bringt unsere klassische Vorstellung von Familie gehörig ins Wanken. Doch wer schreibt eigentlich vor, dass zu diesem Modell unbedingt die große Liebe gehören muss? Eine verabredete Elternschaft ohne Liebe kann für manche tatsächlich eine gute Idee sein.

Co-Parenting als neues Familienmodell

Vater, Mutter und Kind: Das ist für uns das klassische Modell der Familie. Aber Liebe alleine ist nicht alles. Eine Familie muss vor allem ein gutes Team sein und die Eltern müssen in etwa die gleichen Werte vertreten und eine ähnliche Weltanschauung haben.

Co-Elternschaft ist genau das: Zwei erwachsene Menschen tun sich zusammen und bekommen ein Kind. Die Liebe zueinander spielt dabei keine Rolle, genauso wenig wie ihre Sexualität.

Es ist als modernes Patchwork-Prinzip zu verstehen, welches es Kindern ermöglicht, unabhängig der Sexualität ihrer Eltern, mit Vater und Mutter aufzuwachsen. Auch heterosexuelle Männer und Frauen leben dieses Familienmodell.

Kritiker fragen sich nun vielleicht “Warum?”: Warum kann man mit dem Kinderkriegen nicht warten, bis man den/die richtige/n Partner*in dafür gefunden hat? Eigentlich ganz einfach: Weil unser Leben vielleicht verplant, unsere Zeit aber begrenzt ist.

Wir wollen eine gute Ausbildung, den Traumjob, Karriere machen, Geld verdienen, die Welt entdecken, uns verwirklichen, einen tollen Partner finden und eine Familie gründen. Doch wir alle haben schon gelernt: das Leben ist keine stringente Liste, die sich von oben nach unten in Ruhe abarbeiten lässt. Und so kommt es nicht selten vor, dass etwas unseren super Pläne unschön in die Quere kommt. Also stellen wir die Gegenfrage: Muss man auf die große Liebe warten, um ein Kind zu bekommen?

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Co-Parenting: Wie funktioniert das?

Wer Co-Parenting leben will, braucht einen Menschen, mit dem er das Kind zeugt und möglicherweise auch die Elternaufgaben teilt. Klingt ziemlich nüchtern und auf den Punkt gebracht? Das war die emotionslose Beschreibung.

Kommen wir nun zum praktischen Teil – nein, es folgt kein Exkurs zur Aufklärung, sondern zur Erklärung, wie ihr einen Co-Partenting-Partner finden könnt: Ihr könnt euch zum Beispiel als Frau mit eurem besten Freund zusammen tun. Alternativ sucht ihr euch jemanden Fremden. Manchmal beschließen aber auch ein lesbisches und ein schwules Paar, als Elternquartett gemeinsamen ein Kind aufzuziehen.

Um eine fremde Person zu finden, helfen euch z.B. diese Co-Parenting Portale: Familyship.org, Co-Eltern.de und Coparentalys.com.

Kommen wir nun doch zum Aufklärungsteil, weil ihr alle oben so schockiert geschaut habt: Wenn ihr zueinandergefunden habt und euch einig seid, müsst ihr natürlich nicht unbedingt ein paar heiße Nächte zusammen verbringen, bis es klappt – in den meisten Fällen setzen Co-Parents auf Insemination, sodass die Zeugung ohne Sex über die Bühne gehen kann. Doch das Wichtigste: Bloß nichts überstürzen, denn die Entscheidung für ein gemeinsames Kind sollte gut überlegt sein.

Pros und Contras beim Co-Parenting

Wenn ihr euch ein Kind wünscht, aber keinen Partner habt oder einfach nicht wollt, dann ist Co-Parenting eine Möglichkeit, ein Kind mit einem anderen Menschen zusammen aufzuziehen. Diese freundschaftliche Elternschaft kann so eng oder locker gelebt werden, wie ihr euch das vorstellt.

Vorteile des Co-Parentings:

  • Keine störenden Gefühle
  • Planungssicherheit
  • Einigkeit hinsichtlich Erziehung, Wertevermittlung etc.

Nachteile des Co-Parentings:

  • Spätere Liebe und “neue” Familie: Wenn man sich plötzlich verliebt und mit dem neuen Partner eine „klassische“ eigene Familie gründet, bleibt immer noch die Verantwortung gegenüber dem Co-Parent und dem Kind.
  • Verpflichtung: Man sollte sich für viele Jahre festlegen können.
  • Kompromissfähigkeit

Worauf solltet ihr bei der Auswahl eines Co-Parents achten?

In allererster Linie ist natürlich wichtig, dass ihr euch versteht und die gleiche Vorstellung von Erziehung und Werten habt. Auch Ehrlichkeit ist ein wichtiger Punkt. Besprecht im Vorfeld schon, wie ihr die Finanzen organisieren möchtet. Wer kommt für was auf?

Und wahrscheinlich die wichtigste Frage: Wo lebt das Kind, wie sieht das gemeinsame Familienleben aus? Welche Rolle spielt der andere Elternteil im Leben des Kindes – wie involviert ist er oder sie? Manchmal lebt das Kind bei der Mutter und der "Erzeuger" tritt eher als Freund der Familie in Erscheinung, der vermutlich einen finanziellen Beitrag leistet und praktische Unterstützung bietet, aber nicht unbedingt im Alltag ständig präsent ist.

Manchmal soll das Kind auch beim Vater leben, während die Mutter sich lediglich eine Art Tantenfunktion wünscht. Oder Co-Parents leben zusammen und mit anderen in einer WG als moderne Großfamilie. Egal, wie ihr es macht – wichtig ist, dass ihr euch vorher darüber einigt und dass jeder sich an die Abmachungen hält. Eine vertragliche Vereinbarung, ähnlich wie ein Ehevertrag, kann helfen, Rechte und Pflichten zu klären und insbesondere das Kind abzusichern.

Rechtliche Fragen zum Co-Parenting vorher klären

Eine Co-Parenting-Familie zu gründen, ist eine bewusste Entscheidung: Eltern zu sein ohne Liebe und Sex, aber mit Zuneigung, Respekt und Verbindlichkeit sowie der gemeinsamen Liebe für das Kind.

Rechtlich gesehen werden Co-Parents wie andere unverheiratete Eltern behandelt. Ratsam ist es, wenn der Vater eine Sorgeerklärung unterschreibt und als Vater anerkannt wird. So bekommen beide das gemeinsame Sorgerecht und Umgangsrecht. Dadurch wird der Vater unterhaltspflichtig, und die Mutter des Kindes kann ebenfalls in den ersten drei Lebensjahren des Kindes unter Umständen auch länger ein Anrecht auf finanzielle Unterstützung haben.

Auch wenn es mühsam ist – der Gang zum Anwalt lohnt sich, denn auch dieses Familienmodell kann in Streit und Trennung enden. Wer dann einen eindeutigen Vertrag in Händen hält, der Rechte und Pflichten aller Beteiligten klärt, macht es sich in diesem traurigen Fall wenigstens etwas leichter.

Sarah Plück
Das sagtSarah Plück:

Warum denn nicht?

Ich finde diese alternativen Familienmodelle toll. Warum sollten diese besser oder schlechter funktionieren als die klassischen Modelle? Wir alle wissen, dass auch Vater-Mutter-Kind-Familien häufig nicht klappen. Es ist doch eine super Möglichkeit, sein Leben so zu leben, wie man es sich vorstellt. Das Wichtigste ist, dass die Eltern ihr Kind lieben und entsprechend Verantwortung übernehmen und das hat wahrlich nichts mit dem Familienmodell zu tun, in dem sie leben.

Bildquelle: Gettyimages/FatCamera

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