Konfliktpotential Oma: Wenn die Großeltern sich einmischen

 Großeltern sind wichtig. Aber miterziehende Omas und Opas können einen auch zur Weißglut bringen. Was tun?


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In Deutschland betreuen über die Hälfte der Großeltern ihre Enkel, ein Viertel von ihnen macht es sogar regelmäßig. Oma und Opa sind für viele junge Eltern der Garant, dass beide wieder beruhigt arbeiten können, wenn Betreuungsplätze fehlen. Der Mutter oder dem Vater vertraut man doch eher sein Kleinkind an - und es ist viel billiger als sich professionelle Hilfe zu holen.
Aber es birgt auch hohen Konfliktstoff. Wenn das Kind zum Beispiel gar nicht so viel Zucker essen soll und es dann doch von Oma und Opa ein paar Kekse zugesteckt bekommt, nach dem Motto "Das bisschen Zucker ist doch nicht tragisch!"



Wenn die Oma miterziehen will, kann dies Konflikte geben


© Getty Images

Unterschiedliche Erziehungsstile

Der eigene Erziehungsstil kann sich manchmal gewaltig von dem der Eltern unterscheiden. Wie in Sachen Süßigkeiten. Das belegt sogar eine Studie der Universität Glasgow, die zum Schluss kam, dass Kinder, die von den Großeltern betreut werden, eher das Risiko tragen, übergewichtig zu werden. Zuckrige Kekse, die in die kleinen Patschehände gedrückt werden, könnten dafür der Grund sein.



Aber nicht nur verbotene Süßigkeiten können das Blut der Haupterziehungsberechtigten  in Wallung bringen - vermittelnde Rollenbilder sind es auch. Wenn man zum Beispiel versucht, die Tochter so zu erziehen, dass sie nicht alles auf ihr Aussehen beziehen soll, wird es schwierig, wenn der Opa oder die Oma immer wieder betonen, wie hübsch sie doch ist und wie wichtig das schicke Kleidchen ist. Viele Großeltern wollen wahrscheinlich auch gar nicht erziehen, sondern einfach nur verwöhnen. Die Enkel sollen sich schließlich bei ihnen wohlfühlen.

Lang gezüchtete Konflikte

Viele der Streitigkeiten resultieren aus lang gezüchteten Konflikten zwischen Eltern und ihren erwachsenen Kindern. Wenn die eigene Tochter oder der eigene Sohn nun selbst für ein Wesen verantwortlich ist, fällt es einigen Erzeugern schwer, diese neue Rolle mit dem Bild, das sie von ihnen haben, zu vereinbaren. Man traut es ihnen einfach nicht zu. So sehen es jedenfalls die Babyeltern, während die eigenen Eltern denken, dass sie doch nur helfen wollen.



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Was also tun? Wegatmen? Das geht nur in wenigen Fällen und sorgt oft dafür, dass der Streit irgendwann eskaliert und es nachher nicht so leicht ist, die Scherben wieder aufzusammeln. Junge Mütter und Väter sind hier in einer Zwickmühle - sie sind dankbar, dass die Großeltern sie bei der Kinderbetreuung sehr unterstützen, aber auf der anderen Seite ärgern sie sich furchtbar über sie - und haben deshalb ein schlechtes Gewissen.

Aufschreiben, was nervt

"Man sollte immer miteinander reden", empfiehlt die kanadische Erziehungsberaterin Kate Lynn in ihren Vorträgen und gibt gleich einen praktischen Tipp: "Man sollte die fünf nervigsten Sachen aufschreiben und nach Wichtigkeit ordnen. Dann sollte man die beiden wichtigsten Sachen ansprechen." Oft sei es schon gut, wenn man es überhaupt mal in Worte gefasst habe. 


Beim Gespräch sollte man - wie bei allen Konfliktgesprächen - von puren Anschuldigungen absehen. Besser ist es, wenn man seine eigene Gefühlswelt preisgibt, ein ruhig vorgetragenes "Ich habe das Gefühl, dass du mich nicht ernst nimmst" kommt beim Gegenüber besser an als "Du nimmst mich nie ernst!". Ruhig bleiben lautet die Devise und bereit sein, die Perspektive des Gegenüber wahrzunehmen. Zuhören und nicht ständig unterbrechen. Auch sollte man einen günstigen Zeitpunkt wählen. Eine hektische Kinderübergabe bietet sich nicht gerade an.



Wertschätzung und Respekt

Das Ziel des Gesprächs sollte man nicht aus den Augen lassen - man will ja weiterhin, dass die Kinder von den Großeltern betreut werden. Nur möchte man eben nicht, dass die lieben Kleinen beispielsweise zu viel Süßigkeiten bekommen. Denn genau wie es diese Studien gibt, dass Großeltern den Nachwuchs zu schlecht ernähren, kann man auf noch mehr Untersuchungen verweisen, in denen die Wichtigkeit von Großeltern, Ersatz-Omas und -Opas hervorgehoben wird. Kinder brauchen mehrere Bezugspersonen und ältere Menschen, bei denen sie sich gut aufgehoben fühlen, sind Gold wert.

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Im Prinzip geht es doch wie bei allen persönlichen Beziehungen um Wertschätzung und Respekt, viel zu oft nehmen wir die Dinge und Menschen als selbstverständlich an. Ja, es nervt, wenn Oma oder Opa dazwischen grätschen, aber sie sind zumindest da. Wie viele haben das nicht? Junge Eltern in Großstädten, die eben nicht in Notfällen auf Oma oder Opa zurückgreifen können oder auf der anderen Seite Großeltern, die ihre Enkelkinder nie sehen, da sie weit weg wohnen. Da könnte man doch vielleicht auch Verständnis dafür aufbringen, dass sich die Zeiten geändert haben und akzeptieren, dass die eigenen Kinder diejenigen sind, die ihren Nachwuchs erziehen.

Fazit: Ansprechen!

Also bitte den Konflikt ansprechen und zwar in Ruhe und mit klarer Zielvorstellung, was man erreichen will. Minimalziel kann auch sein, dass man sich darauf einigt, eine unterschiedliche Meinung zu haben. Wer man dem Gegenüber mit Respekt entgegentritt, sollte eine Atmosphäre entstehen, in der man die Dinge ansprechen kann, die einen bedrücken. Es mag nicht leicht sein, aber es lohnt sich, denn ständig die Dinge herunterschlucken, verbraucht viel zu viel negative Energie. Und wer hat schon genügend Energiereserven – vor allem wenn ein Kleinkind im Lebensmittelpunkt steht.



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