"Gute Mutter sein" - was bedeutet das?

Familienleben

"Gute Mutter sein" - was bedeutet das?

Muss man als Mutter immer ausgeglichen, hilfsbereit, geduldig sein? Mit einem Wort: perfekt? Was es heißt, eine „gute Mutter“ zu sein – und wie Sie bei aller Hingabe selbst nicht zu kurz kommen.

Auch wenn man als Mutter den Alltag gut im Griff hat und die lieben Kleinen eigentlich ganz vergnügt aus der Wäsche schauen und sich prima entwickeln: Die Frage, ob man eine gute Mutter ist, bewegt jede Mutter, auch wenn man schon Großmutter ist.

Aber wie sieht sie eigentlich aus, die „perfekte Mutter“?

Jede Mutter interpretiert das mit der „perfekten Mutter“ für sich ein wenig anders. Die Hamburger Psychologin Angelika Faas sagt: „Keine Mutter bietet ihrem Kind alles. Das geht nicht und ist auch gar nicht nötig. Deshalb sollte auch keine Mutter ein schlechtes Gewissen haben, wenn der eine oder andere gute Vorsatz im Kindertrubel untergeht.“ Jede Mutter hat ihre „Spezialitäten“ und ist keine „Allround-Maschine“, die alles kann. „Man sollte auch nie vergessen: Was für ein anderes Kind ganz toll ist, muss nicht unbedingt ideal für das eigene sein“, sagt Angelika Faas. Und, ganz wichtig: Wer bei einer vermeintlichen Super-Mutter nachfragt, bekommt ziemlich häufig die Antwort: „Perfekt? Quatsch! Bei uns geht es drunter und drüber.“ Von außen scheinen die Dinge oft anders, als sie wirklich sind.

Auch mal die „gemeinste Mutter der Welt“ sein dürfen…

Die Frage: „Muss eine Mutter perfekt sein?“, lässt sich also einfach beantworten: Natürlich nicht. Denn perfekt zu sein ist ein Anspruch, den niemand erfüllen kann. Eine Mutter ist vermutlich genau richtig, wie sie ist. Und dazu gehört, dass eine Mutter auch einmal ungerecht, vergesslich, schlecht gelaunt ist, dass sie ihre Kinder mit Gummibärchen besticht, den Haushalt vernachlässigt und mit den Türen knallt. Oder sogar „die gemeinste Mutter der ganzen Welt“ ist.
„Eine gute Mutter ist keine, die sich für Kinder und Familie aufopfert. Sondern eine, die im Einklang mit den eigenen Bedürfnissen und denen des Kindes lebt“, sagt Angelika Faas. „Eine Mutter, die im Alltag solch eine Balance gefunden hat, ist einfach glücklicher, und das ist natürlich auch gut für die Kinder. Wer nie innerlich abschalten kann, dessen Akkus sind bald leer.“ Die Psychologin rät daher: „Organisieren Sie sich im Alltag genügend Zeit für sich; Zeit, in der Ihre Kinder von anderen Menschen betreut werden. Nur dann haben Sie die innere Freiheit, sich anderen Dinge zu widmen, die Ihnen auch noch wichtig sind.“

Kinder lieben ihre Mutter bedingungslos, so wie sie sind. Das ist ein großes Glück, aber auch eine Verantwortung: nämlich die, diese Liebe nicht zu enttäuschen. Wer Kinder großzieht, fühlt: Das Wesen des Mutter seins liegt nicht nur darin, Schoko-Muffins mit Smartie-Dekoration für die Geburtstagsparty zu backen oder Neunjährige rechtzeitig zum Fußball zu kutschieren – obwohl solche praktischen Dinge auch sehr wichtig sind. Mutter sein bedeutet, zugewandt sein, sich in die Seele eines Kindes einfühlen, es behüten – und im rechten Moment in der Lage sein, sich zu lösen und das Kind auch seine eigenen Wege gehen zu lassen. Und Mutter sein bedeutet, prägendes Vorbild zu sein.

Mütter im Perfektionswahn

Eine Studie zeigt, dass Mütter größeren Einfluss auf das soziale Leben und den Schulerfolg der Kinder haben als Väter. Was aber nicht dazu führen sollte, dem Perfektionswahn zu verfallen!

Mutter hat großen Einfluss auf das Leben der Kinder

Eine Studie des Deutschen Jugendinstituts ergab: „Die soziale Einbindung des Kindes im Freundeskreis wird von der Bildung der Mutter beeinflusst, nicht der des Vaters.“ Und auch für den Schulerfolg gilt die Bildung der Mutter als entscheidender als die des Vaters. Pathetisch ausgedrückt: Mutter zu sein heißt, teilzuhaben an der Erschaffung einer neuen Generation, und ist in vielen Momenten ein schöpferischer und erfüllender Vorgang. Allerdings steht das Leben mit Kindern häufig in Konkurrenz zur Berufswelt. Auch heute ist es nicht einfach, das Mutter sein mit der Erfüllung in Einklang zu bringen, die das Erwerbsleben mit sich bringt. Oder auch nur mit der Notwendigkeit, genügend Geld für die Familie zu verdienen.Aber noch etwas ist interessant: Seltsamerweise scheint man es als Mutter der Gesellschaft sowieso nie ganz recht machen zu können. Eine Mutter, die sich entscheidet, während der ersten Lebensjahre ihrer Kinder zu Hause zu bleiben, wird von manchen angeschaut, als widmete sie sich einem exotischen Hobby. Und einer Mutter, die kurz nach der Geburt wieder arbeitet, wird immer noch gelegentlich unterstellt, sie wollte Karriere zulasten der Kinder machen. Eines wie das andere ist absurd. Studien haben gezeigt, dass Kinder glücklich sind und sich gut entwickeln, wenn sie liebevolle, verlässliche Eltern haben – ob die Mutter arbeitete oder nicht, spielte für ihr Lebensglück eine eher geringe Rolle.

Größter Fehler einer Mutter: Zu viel wollen

Aber vielleicht tappt man als Mutter doch noch zu häufig in die Perfektionsfalle. Irgendwie will man es als Mutter doch allen recht machen. Kein Wunder: Ständig begegnen wir Ansprüchen und Idealen, wie man denn zu sein hat als Frau und Mutter. Heidi Klum und Claudia Schiffer führen vor, dass man nur Wochen nach der Geburt wieder eine Traumfigur haben kann. Die Psychologin Angelika Faas sagt: „Unser Mutterbild ist immer noch überhöht. Und oftmals haben wir Frauen es unbewusst stark verinnerlicht. Wir fühlen uns für alles, was Kinder und Familie betrifft, doppelt verantwortlich. An gute Väter werden viel weniger Ansprüche gestellt.“
Ihr Rat: „Wenn Sie sich als Mutter unvollkommen fühlen, fragen Sie doch zunächst einmal: Woher kommt dieses Gefühl? Ist es überhaupt berechtigt? Und nicht gleich: Wie kann ich es besser machen?“ In Fernsehserien oder -filmen kann eine Mutter kaum Vorbilder finden.

Woher kommt die Mutterliebe?

Mutter sein ist ein Geschenk und pures Glück. Aber es gibt auch Schattenseiten und stressige Phasen. Trotzdem sollte jede Mama niemals vergessen, stolz auf sich zu sein!

Mutter sein hat auch Schattenseiten

Es ist nicht alles nur perfekt. Nach der Geburt eines oder mehrerer Kinder verändert sich der Körper. Bei manchen mehr, bei anderen weniger. Und die Partnerschaft wird gerade in den ersten Jahren auf eine Probe gestellt. Hinzu kommt, dass eine Familie mit mehreren Kindern durchschnittlich weniger Geld zur Verfügung hat als ein kinderloses Paar. Und in der Zeit bis zum Schulabschluss der Lieblinge bleibt einer Mutter einfach wenig Freiraum. Aber wollte deshalb eine Mutter tauschen? Trotz dieser Mühen und Hindernisse: Mutter zu werden, ein Kind zu haben, es groß werden sehen, Zeit mit ihm verbringen, ist einfach ein großes Geschenk.
Wissenschaftler haben erforscht, wie Mutterliebe entsteht: Während des Geburtsvorgangs und beim Stillen werden bei der Mutter verstärkt so genannte „Bindungshormone“ wie Oxytocin und Prolaktin ausgeschüttet, die das Bindungssystem von Mutter und Kind im Gehirn aktivieren. Oxytozin sorgt auch beim Sex für Glücksgefühle. Während des „Bondings“, der Phase kurz nach der Geburt, verstärkt das Hormon die positiven Gefühle. Manche Mutter erlebt diese Momente fast rauschhaft. In den ersten Wochen nach der Geburt fast so etwas wie „Flitterwochen“ mit dem Baby. Aber auch „Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt“-Gefühle sind bei einer frisch gebackenen Mutter ganz normal.Das so genannte Kindchenschema (Kulleraugen, großer Kopf) weckt zusätzlich in der Mutter den Beschützerinstinkt. Durch die Hilfsbedürftigkeit, das Weinen und besonders das Lächeln, wird das elterliche Fürsorgeverhalten bei der Mutter geweckt und aufrechterhalten. Aber das Entstehen der Mutterliebe ist nicht nur ein biologischer und instinktiver Vorgang, sondern auch kulturell bedingt. Psychologen haben herausgefunden, dass es Frauen, die selbst eine liebevolle, zärtliche Mutter hatten, leichter fällt, ihre Kinder ebenso zu behandeln.

Fünf Gründe, warum eine Mutter stolz auf sich sein kann

➤ 1. Sie haben diese wunderbaren Wesen auf die Welt gebracht!
➤ 2. Sie sind jeden Tag wieder bereit, ihnen Liebe zu schenken, sie zu versorgen und mit ihnen zu spielen, sie zu trösten, ihnen zuzuhören, Grenzen zu setzen, vorzulesen und die Lieblingsnudelsoße zu kochen!
➤ 3. Sie verzweifeln nicht, wenn Ihre Kinder mit Shampoo experimentieren, auf die Toilette müssen, wenn Sie ihnen gerade den Schneeanzug fertig angezogen haben, oder das Baby Fieber bekommt, wenn Sie in die Oper wollen.
➤ 4. Sie nehmen die Rosa-Pink-Phase Ihrer Tochter und die „Ich esse nur Nudeln“-Zeit mit Ihrem Sohn gelassen. Und Ihr musikalisches Empfinden übersteht auch einige Jahre mit Rolf Zukkowski und anderen Hör-CD-Superhits.
➤ 5. Sie managen ein kleines Familienunternehmen! Elternabende, Fußballturniere, neue Zahnspangen, Flötenunterricht und Glückwünschkarten für Omi – Sie bekommen es hin!

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