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Homeoffice mit Kindern: Ändert sich was?

hart aber fair

Homeoffice mit Kindern: Ändert sich was?

Endlich nimmt auch die Politik mal Notiz vom Homeoffice mit Kindern. Denn die allermeisten Eltern zerreißen sich zwischen Arbeit und Kinderbetreuung, und das schon seit mehreren Wochen.

Dauerquarantäne mit Kindern

"Wie schädlich ist die Dauerquarantäne", war das Thema bei "hart aber fair" und tatsächlich drehte sich vieles in der Sendung um Eltern und Kinder. Leider war nur eine Frau für den Talk eingeladen. Genau die, Journalistin Barbara Vorsamer,  wurde dann auch als einzige gefragt, wie es im Homeoffice mit Kindern bei ihr so läuft. Der ebenfalls anwesende Ministerpräsident vom Saarland, Tobias Hans, Vater von einjährigen Zwillingen, wurde bei der Frage direkt übergangen.

Homeoffice mit Kindern

Vermutlich haben besonders viele Eltern diese Sendung gesehen, weil sie sich Hinweise darauf erhofften, wie es weitergeht mit dem Homeschooling und dem Homeoffice. Natürlich wollen Eltern wissen, wie es weitergeht mit der Dreifachbelastung. Gibt es Hoffnung auf baldige Entlastung?
Ein paar Ausblicke gab es: Die Notbetreuung in den Kitas soll weiter ausgebaut werden, sie wird aktuell tatsächlich recht wenig in Anspruch genommen. Das liegt aber (noch) an den strengen Regeln, nach denen Eltern sie nutzen dürfen. Hier wurde Besserung in Aussicht gestellt.

Spielplätze bleiben auf unbestimmte Zeit geschlossen

Außerdem erklärte SPD-Politiker und Epidemiologe Prof. Karl Lauterbach, dass die Spielplätze auf unbestimmte Zeit geschlossen bleiben werden. Die Gefahr von Schmierinfektionen ist zu groß. Kinder gelten als sogenannte Superspreader. Das sind Personen, die potenziell viele Menschen gleichzeitig anstecken können. Weil Kinder aber die Abstandsregeln weniger gut beherrschen als Erwachsene, bleiben die Spielplätze weiter gesperrt.

Sind Kinder Superspreader?

Ob Kinder wirklich Virenschleudern sind, ist indes überhaupt nicht klar. Es werden viele Studien zu allen möglichen Themen rund um Covid-19 durchgeführt, aber diese wichtige Information ist nach wie vor nur eine Annahme. Es fehlen Studien dazu und das ist ärgerlich, weil es schon auch zeigt, wie wenig wahrgenommen wird, wie belastend die aktuelle Situation für Familien ist. Der Forschungsstand ist nach wie vor der: Kinder erkranken in der Regel weniger dramatisch bis gar nicht an Corona, können das Virus aber verbreiten. Ob das wirklich stimmt, ist nicht bestätigt.

Es geht nicht darum, dass von jetzt auf gleich alle Kinder wieder in die Kita und in die Schulen zurückkehren und im schlimmsten Fall ganz viele andere Menschen anstecken. Aber es ist wichtig zu wissen, ob an der Superspreader-Theorie wirklich etwas dran ist.

Dank fürs Homeoffice mit Kindern

Der Politiker Tobias Hans bedankte sich explizit bei allen Familien, weil auch sie natürlich maßgeblich dazu beitragen, dass die Ansteckungsrate niedriger gehalten wird. Sie sind es, die sich an die Kontaktbeschränkungen halten. Der Dank ist schön, da freuen wir uns sicher alle drüber. Noch wichtiger ist aber, dass es eine Perspektive gibt, wie es weiter geht. Wie viele Wochen oder gar Monate müssen wir unsere Kinder noch zuhause beschäftigen?

Homeschooling im Homeoffice mit Kindern

Gerade das Homeschooling ist extrem belastend für alle Familienmitglieder. Es sorgt für den meisten Stress in vielen Familien. Die Talkrunde zeigte sich verwundert, dass überhaupt darauf bestanden wird, dass Schüler*innen das Lernpensum beibehalten müssen, dass zu normalen Schulzeiten üblich ist. Vor Kurzem war Homeschooling in Deutschland noch verboten. Plötzlich sollen Eltern ihren Kindern neuen Stoff vermitteln. Das klappt oft genug nicht. Fürs Homeschooling gab es in der Talkrunde keine Lösung. Es wurde aber auf den Fakt eingegangen, dass viele Lehrer*innen auch Teil der Risikogruppe sind, und entsprechend geschützt werden müssen. Das ist wichtig und nachvollziehbar, aber es bietet Eltern keine Perspektive.

Coronaelterngeld fürs Homeoffice mit Kindern

Aktuell wurschteln sich viele Eltern mit Überstunden, Urlaubstagen und täglichem Aushandeln durch ihren Alltag. Es wäre denkbar, diese mit einem Corona-Elterngeld zu entlasten. Hierbei würde ein bestimmter, noch zu definierender Betrag gezahlt werden, den Eltern bekommen, die ihre Kinder zuhause betreuen. Damit einher ginge auch ein Kündigungsschutz, sodass Eltern sich nicht sorgen müssen, ihren Arbeitsplatz zu verlieren, weil sie sich um ihre Familien kümmern. Eine Befreiung von der Arbeit muss sein, war der allgemeine Tenor. Aber sofort kam auch der Einwurf, dass die Regierung ja nicht Unmengen an Geld zur Verfügung hätte, um es in der Bevölkerung zu verteilen. Das stimmt. Aber dass große Firmen Subventionen erhalten, während bei Familien gespart wird, das leuchtet auch nicht jedem ein.

Impfung wird es 2020 nicht geben

Dass es eine Impfung gegen Covid-19 noch im Jahr 2020 geben wird, gilt als extrem unwahrscheinlich. Umso wichtiger ist es, nicht nur Lösungsvorschläge für die Wirtschaft zu suchen, sondern für Familien. Es kann einfach nicht sein, dass wochenlang über Fußballspiele diskutiert wird, aber nicht über die verzweifelte Situation vieler Eltern.

Wir brauchen Perspektive

Es ist Zeit für Taten, für kreative Lösungen und für einen Blick in die Zukunft. Wir Familien brauchen nicht noch mehr Malvorlagen und Beschäftigungstipps, wir brauchen eine Perspektive.

Andrea Zschocher
Das sagtAndrea Zschocher:

Mein Fazit

So, wie es ist, kann es nicht weitergehen. Ich sitze im Homeoffice mit meinem Mann und drei Kitakindern. Die vermissen ihre Freund*innen, ich vermisse Ruhe. Zeit zum Nachdenken. Ich bin von morgens bis abends im Dauereinsatz, wenn ich nicht selbst arbeite, dann bespaße, betreue, fördere ich. Wenn ich eigentlich mal zehn Minuten Freizeit bräuchte, dann putze ich unsere kleine Wohnung. Und wenn ich mit Lust kochen wollte, gibt es zum 20. Mal Nudeln, weil die Kraft für mehr nicht reicht. Wir Eltern brauchen eine Perspektive, wie es weitergehen kann. Bis August oder September weiter in dieser Arbeitssituation, das schaffen wir nicht.

Bildquelle: getty images / Kerkez

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