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Silbertelefon: Diese Hotline können Ältere anrufen, die keinen zum Reden haben

Gegen die Einsamkeit

Silbertelefon: Diese Hotline können Ältere anrufen, die keinen zum Reden haben

Vor allem ältere Menschen trifft die Ausgangssperre und das Kontaktverbot der Corona-Krise besonders hart. Sie sind isoliert und werden nicht mehr besucht. Die Hotline Silbertelefon will das ändern und ist mit Rat und Tat für diese Menschen da.

Kontaktverbot führt zur Isolation

Um die Ausbreitung des Corona-Virus einzudämmen, sollen alle Menschen zu Hause bleiben und sich nur für die nötigsten Wege wie Einkaufen oder den Hund ausführen, nach draußen begeben. Zudem wurde das Besuchsrecht in Krankenhäusern und Pflegeheimen drastisch verschärft und es gilt seit gestern für ganz Deutschland ein Kontaktverbot. Bei diesen Maßnahmen geht es darum, die zu schützen, deren Gesundheit am meisten vom Virus betroffen ist: die Kranken und Älteren.

Ein Gespräch wider die Einsamkeit

Doch genau diese leiden unter der aktuellen Situation stark: Sie dürfen nicht mehr von der Familie besucht werden. Selbst der Pflegedienst schränkt die Besuche ein. Dies bedeutet eine größtmögliche Isolation und Einsamkeit für einen älteren Menschen. Dem will eine Hotline entgegen wirken, die es bereits länger schon gibt und aktuell wichtiger denn je wird. Das Silbertelefon ist eine telefonische Anlaufstelle für ältere einsame Menschen ab 60, die nicht das Krisentelefon oder die Telefonseelsorge anrufen möchten bzw. dort nicht durchkommen.

Seit über einem Jahr nehmen ehrenamtliche Helfer, die selbst oft Senioren sind, Telefonate mit älteren Menschen entgegen, die einfach mal reden möchten. Anrufen kann jeder Senior, der Redebedarf hat und sich psychisch nicht wohl fühlt. Die Telefonhotline Silbertelefon ist täglich von 08:00 Uhr bis 22:00 Uhr unter der kostenfreien Rufnummer 0800 470 80 90 erreichbar.

Eine ehrenamtliche Initiative aus Berlin

Ins Leben gerufen hat das Silbertelefon die Initiative Silbernetz aus Berlin. Sie bietet neben der Hotline auch einen regelmäßigen Anruf eines Silbernetz-Freundes an, bei dem man einmal pro Woche immer zur selben Zeit von der gleichen Person telefonisch kontaktiert wird. In Berlin bietet Silbernetz nicht nur telefonische Hilfe an, sondern vernetzt Menschen im Kiez miteinander und hat Informationen zur Nachbarschaftshilfe. Für viele Senioren, die selbst keinen Partner und keine Familie (mehr) haben, ist dies der einzige menschliche Kontakt. Manchmal kann dieser auch lebensrettend sein, denn viele Senioren drohen zu vereinsamen und können sich allein nicht mehr helfen. Manchmal fehlt es ihnen jedoch einfach nur an menschlichem Kontakt und jemandem, der zuhört.

Häufigstes Problem der Senioren: Fehlende Ware durch Hamsterkäufe

Seit Bestehen der Hotline vor fast 1,5 Jahren gingen bereits über 7.000 Gespräch ein. Insgesamt wurde die Nummer über 30.000 Mal gewählt. In der aktuellen Krise laufen die Telefone besonders heiß und die ehrenamtlichen Mitarbeiter können den Bedarf kaum bedienen. Es rufen so viele ältere Menschen an, dass viele leider nicht durchkommen. Laut Initiatorin Elke Schilling beschweren sich aktuell viele Senioren über die leeren Supermarktregale. Wer fit ist, kann noch einkaufen gehen. Doch viele Produkte wie Mehl und Klopapier sind aktuell rar. Für einen älteren Menschen ist dies eine Katastrophe, weil er nicht die Möglichkeit hat, eben mal schnell in einen anderen Markt zu fahren. Aktuell sind 16 Mitarbeiter im Schichtsystem für den Telefondienst an der Leitung. Die Senioren sind über dieses Angebot mehr als dankbar, wie man am überlasteten Telefonnetz sieht. Es bleibt zu hoffen, dass sich weiterhin ehrenamtliche Mitarbeiter finden, die trotz Ausgangssperre ihren Weg ans Telefon finden.

Weitere Informationen zur Initiative und ihrem Angebot findet ihr auf der Website des Vereins.

Katja Nauck
Das sagtKatja Nauck:

Ruft eure Oma und euren Opa einmal mehr an

Sich an das Kontaktverbot zu halten, ist aktuell sehr wichtig. Wenn es gerade auch für die Großeltern sehr schwierig ist, von der Familie keine Hilfe zu bekommen bzw. die Enkelkinder nicht zu sehen. Es gibt bestimmt Wege, wie ihr euren Älteren trotzdem helfen könnt, ohne zu nahen direkten Kontakt. Ruft sie auch vielleicht einmal mehr als sonst an. Vielleicht könnt ihr Oma und Opa, die noch digital fit sind, erläutern, wie ein Videochat funktioniert und täglich mit ihnen skypen. Euch und die Kinder zu sehen, wird sie glücklich machen und ist die beste Medizin gegen Kummer und Langeweile.

Bildquelle: Getty Images/Dobrila Vignjevic

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