Die richtige Leih-Oma finden

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Die richtige Leih-Oma finden

Nicht immer wohnen die Großeltern um die Ecke und gehören zum Familienalltag. Dann kann eine Leih-Oma für eine Begegnung der Generationen sorgen.

Die Nachfrage nach "Leih-Omas" ist groß

Senioren für die Kinderbetreuung – dieses Modell wird immer beliebter. Auf rund 2.500 schätzt Dr. Randolf Gränzer vom Verein Patenschaften-Aktiv die Zahl der sogenannten Leih-Omas in Deutschland, Tendenz steigend.
Fest steht: Die Nachfrage von Familien, die eine Oma in ihrer näheren Umgebung suchen, ist größer als das Angebot. So auch im Oma-Kind-Kontaktbüro Freiburg. „Zurzeit haben wir 29 Seniorinnen, die Kinder betreuen. Aber bei den Familien gibt es lange Wartelisten“, sagt Christa Schmidt, ehrenamtliche Mitarbeiterin des Büros.

Menschliche Beziehung steht im Mittelpunkt

Hilfe und Unterstützung im Familienalltag – auch das kann zu den Aufgaben einer Leih-Oma gehören. Obwohl die grundlegende Idee weniger die Kinderbetreuung ist – vor allem anderen geht es um die Begegnung der Generationen. Gerade für Kinder, deren Großeltern weit weg wohnen, ist es bereichernd, eine Oma oder einen Opa vor Ort zu haben.

„Die menschliche Beziehung steht im Mittelpunkt. Deshalb sprechen wir von ,Patenomas‘“, sagt Randolf Gränzer vom Verein Patenschaften-Aktiv. „Viele Mütter stellen sich eine Oma so vor, dass die nur zu Hause ist und strickt. Dabei sind unsere Seniorinnen sehr aktiv, viel unterwegs und haben meist nur wenig Zeit für die Kinderbetreuung, was ich den Müttern dann erklären muss“, sagt Christa Schmidt vom Oma-Kind-Kontaktbüro in Freiburg. Eine Ganztags-Betreuung wie bei Tagesmüttern gibt es daher nicht.
Was genau die Leih-Oma machen will oder soll, wird vor Beginn der Betreuung genau geklärt. Auch wie lang der Anfahrtsweg sein darf, wird festgelegt. „Wir achten darauf, dass die Familie nicht zu weit weg wohnt“, sagt Christa Schmidt. Eine gut erreichbare Oma ist für das Verhältnis sehr wichtig. „Oft halten die Kontakte zwischen den Seniorinnen und den Familien noch lange über das Betreuungsverhältnis hinaus. Nicht selten werden die Leih-Omas zu Familienfesten eingeladen und bekommen Post und Geschenke zu Ostern und Weihnachten.“

Leih-Oma: Das sollten Sie vorher klären

Wir geben Tipps und informieren Sie darüber, wie und wo Sie die passende Leih-Oma für Ihren Nachwuchs finden.

Tipps für die Suche nach einer Patenoma

Was zu klären ist, wenn Sie Ihre Kinder von einer Leih-Oma betreuen lassen wollen:

Informieren: Erkundigen Sie sich bei einer Vermittlungsstelle in Ihrer Stadt nach den Bedingungen für eine Aufnahme in deren Kartei.
Genaue Angaben machen: Warum suche ich eine „Oma“ oder einen „Opa“ für meine Kinder? Ist es mir egal, wie viel Zeit in der Woche die Rentner für die Kinderbetreuung haben? Suche ich feste Betreuungszeiten, z.B. an einem bestimmten Tag in der Woche, oder nur für sechs Stunden? Was sollte die Leih-Oma machen – auch Hausaufgaben betreuen und vom Kindergarten abholen? Sollte sie ein Auto haben? Soll sie zu uns kommen, oder bringe ich die Kinder zu ihr? Sind die Kinder im Kindergarten- oder Schulalter? Solche Dinge werden meist anhand eines Fragebogens geklärt. Umgekehrt füllen auch interessierte Rentnerinnen und Rentner einen solchen Bogen aus – und die Vermittlungs­stelle sucht dann passende „Paare“.
Geduld mitbringen: Bei fast allen Einrichtungen, die Leih-Omas vermitteln, ist das Angebot gering und die Nachfrage groß. Also: Viel Geduld mitbringen – und bereit sein, möglicherweise mehrere Monate abzuwarten.
Das erste Treffen: Bei der ersten Begegnung sollten Sie vor allem auf Ihr Bauchgefühl achten. Ist mir mein Gegenüber sympathisch? Beruht die Sympathie auf Gegen­seitigkeit? Außerdem sollten beide Seiten sich kompromissbereit zeigen: Vielleicht kann die Leih-Oma auch eine Stunde länger auf die Kinder ­auf­passen, wenn Sie sie dafür nach Hause fahren? Auch sollte man die Betreuungstage und den Ort, wo die Kinder betreut werden, festlegen.
Geldfrage klären: Leih-Omas werden oft von Freiwilligenagenturen vermittelt – in diesem Fall ist das Engagement ehrenamtlich und es werden nur Auslagen für Bus, Benzin etc. vergütet. Manchmal ist es aber auch üblich, einen Stundenlohn zu vereinbaren, der etwa zwischen fünf und acht Euro liegt.

Hier finden Sie Ihre Leih-Oma

Eine Leih-Oma wird meist von lokalen Organisationen vermittelt. Aber auch hier können Sie sich informieren:
www.leihomas-leihopas.de
die Seite des Vereins Aktiv-Patenschaften. Hier finden Sie eine Liste mit knapp 1000 Adressen von Organisationen, die Aktiv-Patenschaften vermitteln, etwa Familienpatenschaften und Lern- und Lesepaten. Darunter rund 200 lokale Projekte mit Wunschgroßeltern-Vermittlung. Tel.: 089-4209516071
www.bagfa.de
Die Bundesarbeits­gemeinschaft der Freiwilligenagenturen verfügt über eine Liste mit etwa 300 lokalen Freiwilligenagenturen.
www.help-deutschland.de
Der Verein Human Environment Life Protection, HELP, sucht und vermittelt Wunschgroß­eltern, vor allem in Hannover und ­Umgebung, aber auch deutschlandweit. Infos unter Tel. 0511-26277930
Jugendamt:
Das örtliche Jugendamt kann eine hilfreiche Anlaufstelle sein. Hier wissen die Mitarbeiter, welche caritativen Organisationen vor Ort einen Service wie etwa eine Wunschgroßeltern-Vermittlung anbieten.
Selbst aktiv werden
: Sie können auch eine Suche-Anzeige in einer Zeitung oder einem Anzeigenblatt schalten oder einen Zettel ans schwarze Brett des Kindergartens heften – wie bei der Babysittersuche kann man auch so fündig werden.

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