Hilfe, Kinderkeime! Sind Kinder wirklich besonders ansteckend?

Kaum besuchen die Kleinen regelmäßig den Kindergarten, bringen sie oft auch schon einen Infekt nach dem anderen mit nach Hause. Und nicht nur die Kinder sind gefühlt permanent krank, auch Mama und Papa liegen dann ständig flach. Warum kranke Kinder für Erwachsene besonders ansteckend sein können.


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Sind "Kinderkeime" besonders ansteckend?


© iStock
„Wenn dein Kind in den Kindergarten kommt, dann seid ihr eh erstmal alle krank.“ – Diesen Satz werden alle Eltern kennen, die kurz vor der Kita-Eingewöhnung stehen. Bloß eine Floskel oder nachgewiesener Effekt? Verlässliche Studien zu dem Thema gibt es keine, doch können viele Eltern bestätigen, dass die erste Zeit im Kindergarten häufig geprägt ist von Rotznasen und Magen-Darm-Infekten – und zwar bei Kindern und den Eltern. Wie kommt es dazu?

Unreifes Immunsystem trifft auf Tummelplatz von Viren und Bakterien


Je jünger ein Kind ist, desto anfälliger ist es für Krankheitserreger. Ursache dessen ist das noch unausgereifte Immunsystem. Kinder kommen mit dem so genannten Nestschutz zur Welt, eine Art Grundausstattung an Abwehrkräften, die das Neugeborene die ersten Wochen und Monaten vor vielen Krankheiten schützt. Mit etwa drei Monaten beginnt dieser Schutz nachzulassen und das körpereigene Immunsystem nimmt seine Arbeit auf. Bei jedem Kontakt mit einem Keim lernt das Immunsystem dann, sich dagegen zu wehren. So reift bei gesunden Kindern nach und nach ein stabiles Abwehrsystem gegen die gängigsten Viren und Bakterien heran. Doch dafür braucht es Zeit. Das Immunsystem von Kindern im Kita-Eingewöhnungsalter steht häufig noch am Anfang seiner Entwicklung.

Und dann trifft dieses noch unreife Immunsystem auf einen wahren Tummelplatz an Krankheitserregern: die Kita. Dort kommt es mit bisher unbekannten Keimen in Kontakt, denen es oft noch nichts entgegenzusetzen hat. Die Folge: Das Kind wird krank.

Doch keine Sorge, Kitas an sich sind nicht etwa besonders unhygienisch. Jedoch zeigen Studien, dass kleine Kinder häufig mehrere Viren in sich tragen, die sie beim Spielen in der Kita natürlich verteilen. Kleine Kinder halten sich noch nicht an die geliebten Hygieneregeln der Erwachsenen – sie wischen sich die Nase mit bloßer Hand ab, husten und niesen nicht in die Armbeuge sondern frei heraus und waschen sich nicht regelmäßig die Hände. Und so werden die Krankheitserreger schnell von Kind zu Kind übertragen. Das klingt jetzt zwar recht dramatisch und ja, auch ziemlich eklig, ist aber im Grunde genommen ein gewünschter Effekt. Mit jedem Keim, der auf das Immunsystem des Kindes trifft, wird dieses trainiert und stärker. Bis zu zwölf Infekte pro Jahr sind bei kleinen Kindern übrigens ganz normal.
Kind krank, Eltern krank – warum?
Dass sich die Kleinen gefühlt jeden Infekt auflesen, kann man jetzt also gut verstehen. Aber warum trifft es oft auch Mama und Papa, die doch eigentlich über ein reifes Immunsystem verfügen sollten? Die Erklärung dafür ist auch recht simpel: Kinder bringen aus der Kita häufig Keime mit nach Hause, mit denen die Eltern lange nicht mehr in Kontakt waren. Und während sie gegen die üblichen Viren und Bakterien relativ immun sind, kann doch immer wieder ein Erreger dabei sein, den ihr Immunsystem noch nicht oder nicht mehr kennt. Außerdem kann die schiere Anzahl an Erregern, die die Kleinen so im Gepäck haben, auch das stärkste Immunsystem mal überfordern.

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Dazu kommt, dass Eltern häufig unter Stress und Schlafmangel leiden. Zwei Dinge, die das Immunsystem schwächen und angreifbarer machen. Zuletzt fördert auch der enge Körperkontakt, den Eltern nun mal mit ihren Kindern haben, die Übertragung von Krankheitserregern. 
Erkrankungen und Ansteckung vorbeugen
Es ist also ganz normal, wenn Kind und Eltern nach der Kita-Eingewöhnung häufiger krank sind. Die gute Nachricht ist: Früher oder später härten alle Familienmitglieder ab und werden weniger anfällig für lästige Kita-Keime. Um einer Erkrankung und Ansteckung vorzubeugen, sollten Sie aber folgende Maßnahmen beachten: 15 Maßnahmen, um Erkältungen vorzubeugen

Übrigens: In der Regel handelt es sich bei den typischen Kita-Erkrankungen um harmlose Erkältungs- oder Magen-Darm-Infekte. Doch überall dort, wo viele Kinder zusammen kommen, können auch ernstere Erkrankungen in Umlauf kommen, zum Beispiel Keuchhusten, Windpocken oder Masern. Impfungen können Ihr Kind davor schützen. Checken Sie auch Ihren eigenen Impfstatus regelmäßig, denn für Erwachsene können die typischen Kinderkrankheiten schnell gefährlich werden.

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