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Richtig vorbeugen

Keuchhusten: Symptome, Verlauf und wie ihr euer Baby schützen könnt

Keuchhusten ist eine hochansteckende Infektionskrankheit, die besonders für Babys schnell lebensbedrohlich werden kann. Leider sind die Zahlen der Keuchhusten-Infektionen in Deutschland stark an die Impfquote gebunden. Weshalb es so wichtig ist, dass ihr euch impfen lasst – und euer Umfeld über Pertussis aufklärt, wenn ihr ein Baby und besonders ein Neugeborenes habt.

Keuchhusten in Deutschland

Keuchhusten zählt weltweit zu den häufigsten Infektionskrankheiten für Kinder, kann aber genauso Erwachsene betreffen. Deshalb wird Pertussis auch nicht als Kinderkrankheit definiert. In Deutschland gab es 2019 10.315 Keuchhustenfälle – vorrangig Babys – und vier Menschen sind daran gestorben. Seit den Kontaktbeschränkungen 2020 sind die Zahlen stark gefallen, sodass 2021 nur noch 727 Fälle gemeldet wurden.

Grund zum Aufatmen ist das für uns Eltern aber nur bedingt, denn ein nachlassender Impfschutz hat historisch immer einen starken Anstieg der Fallzahlen bedeutet. In 2016 waren so bei nachlassender Impfbeteiligung über 22.000 Menschen an Keuchhusten erkrankt. Und zu Zeiten, in denen es noch keine Impfung gab, endete Keuchhusten für 10.000 Babys pro Jahr tödlich.

Keuchhusten-Symptome & Verlauf

Oft können ein bis zwei Wochen nach der Ansteckung mit Keuchhusten vergehen, bis typische Erkältungssymptome auftreten:

"Die Symptome lassen sich noch leicht mit einer banalen Atemwegsinfektion verwechseln. Das Tückische ist aber, dass die Erkrankten schon in diesem Stadium hochansteckend sind", erklärt Dr. Roswitha Bruns, Oberärztin der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin der Universität Greifswald. So haben die Pertussis Erreger ungestört Zeit, sich weiter zu verbreiten. Denn der Verdacht fällt meist erst dann auf Keuchhusten, wenn es richtig losgeht:

Nach ein bis zwei Wochen beginnt das zweite Erkrankungsstadium mit den charakteristischen, stakkatoartigen Hustenanfällen, die oft auch zum Erbrechen führen. Bis zu 40 solcher Hustenattacken pro Tag sind möglich.

Dr. Roswitha Bruns, Oberärztin der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Universität Greifswald

Typisch bei Keuchhusten sind dann die lauten, stakkatoartigen und anfallartigen Hustenstöße. Anschließend atmen Kinder pfeifend und keuchend ein: Das Geräusch, dem Keuchhusten seinen Namen verdankt.

Kaum eine andere Infektionskrankheit ist für Kinder und Eltern so anstrengend. Besonders in der Nacht leiden die Kinder unter den ständigen Hustenattacken, um den zähen Schleim loszuwerden, der sich in den Bronchien ansammelt.

Verlauf von Keuchhusten bei Kindern

Nach dem Anfangsstadium beginnt die extrem belastende zweite Phase und dauert meist zwischen vier und sechs Wochen. Anschließend, im dritten Stadium, geht es allmählich bergauf: Die Hustenattacken werden seltener und klingen schließlich ab. Trotzdem kann es noch sechs bis zehn Wochen dauern, bis die Symptome bei Säuglingen nachlassen.

Es vergehen oft mehr als drei Monate, bis der Keuchhusten endgültig überstanden ist.

Wie lässt sich Keuchhusten behandeln?

Sobald ihr bei euch oder bei eurem Kind Symptome für Keuchhusten bemerkt, ist eine ärztliche Abklärung wichtig. Die frühzeitige Gabe von Antibiotika kann den Verlauf verkürzen und eine Ansteckung für andere verhindern.

"Wichtig ist, dass schon zu einem frühen Erkrankungszeitpunkt eine Behandlung mit Antibiotika erfolgt. Nur so lässt sich der Verlauf etwas verkürzen", sagt Roswitha Bruns. Später können Antibiotika lediglich noch die Gefahr mindern, dass sich weitere Menschen anstecken.

 

Warum ist Keuchhusten so gefährlich für Babys?

Bei vielen Krankheiten greift bei Neugeborenen der Nestschutz, sodass sie bis zur ersten Impfung mit ca. zwei Monaten vor Infektionen geschützt sind. Keuchhusten gehört leider nicht dazu, sodass neugeborene Babys besonders gefährdet sind, sich anzustecken. Gleichzeitig haben Säuglinge bei Weitem das größte Risiko eines schweren oder tödlichen Verlaufs.

Säuglinge erkranken meist schwer, jedoch ohne die typischen Hustenanfälle. Vielmehr kann es bei ihnen zu lebensbedrohlichen Atemstillständen, sogenannten Apnoen, kommen.

Dr. Roswitha Bruns

Die Bronchien von Babys sind noch eng und können dadurch schnell blockiert werden oder zuschwellen. Laufen die Kinder blau an, besteht akute Erstickungsgefahr. Die Atemaussetzer können zudem zu einem Sauerstoffmangel im Gehirn führen und es dauerhaft schädigen. Weitere mögliche Komplikationen sind vor allem im ersten Lebensjahr bakterielle Zusatzinfektionen wie eine Lungenentzündung.

Cocooning: So schützt ihr euer Baby vor Keuchhusten

Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut empfiehlt Familien, eine "Schutzblase" um ihr Baby aufzubauen, bis es vollständig gegen Keuchhusten geimpft ist. Der Begriff Cocooning kommt aus dem Englischen und wird in vielen Ländern, z. B. Australien schon lange praktiziert. So lautet auch die Empfehlung der STIKO, dass alle Erwachsenen bei ihrer nächsten Impfung gegen Tetanus und Diptherie gleichzeitig eine Auffrischung für Keuchhusten erhalten. Da es keinen Einzelimpfstoff gibt, wird in dieser Kombination geimpft.

So funktioniert Cocooning gegen Keuchhusten

Es ist wichtig, dass nicht nur der engste Familienkreis, sondern alle, die euer Baby besuchen wollen, gegen Keuchhusten geimpft sind und bei kleinsten Erkältungsanzeichen zu Hause bleiben. Denn selbst wenn sie keine eindeutigen Symptome haben, können Menschen mit Keuchhusten hochansteckend sein und euer Baby infizieren.

Da Neugeborene nicht sofort geimpft werden können, muss man ihnen den Nestschutz anders geben – indem man die Umgebung gut durchimpft

Dr. Roswitha Bruns

Jennifer Kober

Traut euch, für euer Baby zu sprechen

Euer Umfeld auf die Keuchhusten-Gefahr hinzuweisen, kostet vielleicht etwas Überwindung, aber braucht euch nicht unangenehm sein. Schließlich seid ihr die größten Fürsprecher für euer Baby, das auf euren Schutz angewiesen ist. Und für die meisten Erwachsenen bedeutet das vor dem Besuch nur einen Blick in den Impfpass, ob die letzte Keuchhusten-Impfung weniger als 10 Jahre zurückliegt.

Ist das doch der Fall, dann ist der schnelle Piks doch auch nur ein kleiner Preis dafür, euer Neugeborenes kennenzulernen und vor einer potentiell tödlichen Krankheit zu schützen, oder?! Das Problem ist, dass die wenigsten von uns über diese Gefahr für Babys wissen, wenn sie nicht selbst eins erwarten. Deshalb hat auch unser Umfeld erst erstaunt, dann aber total verständnisvoll reagiert.

Und dass wir mit Erkältungssymptomen von einem Wochenbett-Besuch absehen, sollte spätestens seit Corona eine Selbstverständlichkeit sein. Darauf könnt ihr absolut bestehen.

Keuchhusten-Impfung

Die Keuchhusten-Impfung ist für alle wichtig, weil wir trotz eines milden Verlaufs andere vulnerable Personen und besonders Babys anstecken können. In diesem Fall ist sie aber besonders dringend:

  • Familien mit Kinderwunsch: Am besten lasst ihr die Impfung noch vor der Schwangerschaft vornehmen, wenn ihr eine Auffrischung benötigt. Gut zu wissen: Eine Infektion mit Keuchhusten während der Schwangerschaft hat in der Regel keine Auswirkung auf euer Baby, kann natürlich aber für euch unangenehm sein und ihr könntet andere Babys bei Arztbesuchen anstecken.
  • Schwangere: Auch während der Schwangerschaft ist die Keuchhusten-Impfung kein Problem, sondern wird ausdrücklich empfohlen. Studien zeigen nämlich, dass die Auffrischimpfung im dritten Trimester eurem Baby den größtmöglichen Schutz bietet, weil so ein kleiner Nestschutz aufgebaut wird. Sprecht also unbedingt mit eurer Frauen- oder Hausärztin, ob die Auffrischung bei euch infrage kommt!

Eine Keuchhusten-Impfung in der Schwangerschaft erhöht die schützenden Antikörperkonzentrationen sowohl bei der Schwangeren als auch beim Neugeborenen wirksam. Jede Schwangere sollte sich daher in jeder Schwangerschaft unabhängig von ihrem Pertussisimpfstatus im frühen dritten Schwangerschaftsdrittel gegen Pertussis impfen lassen.

Dr. Cornelia Hösemann, Vorstand des Berufsverbandes der Frauenärzte e.V. (BVF)

  • Bezugspersonen von Babys: Auch hier ist die Impfung noch vor der Geburt sinnvoll, um den Säugling nicht anstecken zu können.
  • Babys ab 2 Monaten: Ab etwa der achten Lebenswoche wird empfohlen, dass ihr die Grundimmunisierung bei eurem Baby vornehmen lasst. Keuchhusten ist Teil der ersten Impfserie.

"Entscheidend ist natürlich, dass auch das Kind selbst zum frühestmöglichen Zeitpunkt, also ab der achten Lebenswoche, die Grundimmunisierung erhält", so Roswitha Bruns. Schwere Nebenwirkungen sind dabei nicht mehr zu befürchten. Denn anders als früher verwenden die heutigen Keuchhusten-Impfstoffe nur noch Teile des abgetöteten Erregers, nicht den ganzen Keim. Dadurch gelten sie als sehr gut verträglich.

Keuchhusten bei Erwachsenen

Was viele nicht wissen: Keuchhusten ist keine reine Kinderkrankheit. Trat Pertussis, so der medizinische Fachbegriff, vor 30 Jahren noch überwiegend bei Säuglingen und Kleinkindern auf, sind heute acht von zehn Patient*innen über 15 Jahre alt, jede*r dritte ist älter als 45 Jahre. Das liegt daran, dass die Kinder überwiegend geimpft werden, der Impfschutz jedoch nicht ewig anhält.

Und auch eine durchgemachte Erkrankung bietet keine lebenslange Immunität. Nach etwa zehn Jahren verliert das Immunsystem seine Fähigkeit, sich gegen die Bakterien zur Wehr zu setzen. Weil Keuchhusten bei Jugendlichen und Erwachsenen meist milder verläuft, wird er sehr selten als solcher erkannt und mit Bronchitis, Asthma oder einer langwierigen Erkältung verwechselt. Dabei stellen Erkrankte jedoch eine gefährliche Infektionsquelle für ihre Umgebung dar – vor allem für die Kleinsten, die noch nicht (vollständig) geimpft werden können.

Quellen: STIKO, Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte, GSK

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Bildquelle: Getty Images/jacoblund

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