Geschwisterkurse: Wenn das zweite Baby kommt

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Geschwisterkurse: Wenn das zweite Baby kommt

Wenn sich Familienzuwachs angekündigt hat, kann das für ein Kind eine ganz schöne Herausforderung sein. Zum Glück kann man "großer Bruder" und "große Schwester" lernen. In Geschwisterkursen werden Kinder auf ihre neue Rolle vorbereitet. 

Mit der Ankündigung, dass ein Geschwisterchen unterwegs ist, kommt bei vielen Kindern zugleich auch Angst auf: Da kommt ein Konkurrent, der mir Liebe und Zuwendung, Essen, Spielsachen und noch mehr wegnimmt. Natürlich betont ihr als Eltern, dass das nie und nimmer geschehen wird. Allein: Ob euer Sprössling euch glaubt, ist eine andere Frage.

Geschwisterliebe – dafür gibt es sogar Kurse

Geschwisterkurse bereiten auf den Familienzuwachs vor

Um die Angst bei deinem ersten Kind nicht zu groß werden zu lassen und von vornherein das Auftreten von Neid, Eifersucht und Ablehnung zu unterbinden, bieten immer mehr Kliniken, Geburtshäuser, Hebammenpraxen und andere diese besonderen Kurse an, in denen Kinder auf ihre künftige Rolle als "großer Bruder" oder "große Schwester" vorbereitet werden. Ob sie unter der Überschrift Geschwisterpass, Geschwisterdiplom, Geschwisterkurs oder Geschwisterschule laufen – was hier überall vermittelt wird, kann helfen, durch die aktive Beteiligung deines Kindes an der spannenden Wartezeit auf das Baby das Zusammenwachsen der Geschwister viel unkomplizierter zu machen. Die Kinder sollen in den Kursen vor allem merken, wie schön es sein wird, eine Schwester oder einen Bruder zu haben.

10 Ziele eines Geschwisterkurses:

  1. eine positive Einstellung gegenüber Veränderungen entwickeln
  2. Ängste und Unsicherheiten verringern und oder ganz nehmen
  3. Eifersucht und Neid vorbeugen
  4. auf die künftige Rolle als großer Bruder oder große Schwester vorbereiten
  5. das Interesse am künftigen Geschwisterkind wecken
  6. die Bedürfnisse eines Babys erklären
  7. Verständnis wecken gegenüber dem Familienzuwachs
  8. die vorhandene Mutter-Kind-Beziehung festigen
  9. die Position des großen Kindes in der Familie festigen
  10. den Familienzusammenhalt stärken

Darüber hinaus werden die baldigen großen Geschwisterkinder sehr anschaulich, und teilweise mit praktischen Übungen, mit dem Gesamtthema Schwangerschaft und den gegenwärtigen Abläufen in Mamas Bauch vertraut gemacht.

Die Kinder bekommen Antworten auf zahlreiche Fragen, die sie beschäftigen:

  • Was macht das Baby in Mamas Bauch?
  • Was sieht man auf dem Ultraschallbild?
  • Wo Mama bleibt, wenn das Baby geboren wird?
  • Was ist ein Kreißsaal?
  • Wie kommt das Baby zur Welt?
  • Was kann ein neugeborenes Baby?
  • Was mag es und was nicht?
  • Wie wird ein Baby gewickelt? Wie kann auch ich es wickeln?
  • Wie kann ich Mama und Papa helfen?
  • Was isst oder trinkt ein Baby?
  • Wie wird ein Baby gebadet?
  • Wie kann ich das Baby tragen?

Geschwisterkind sein kann man trainieren

Sofern Praxisübungen Teil des Kurses sind, können die Kinder an ihren mitgebrachten Puppen oder Teddys lernen, wie man das Baby an- und auszieht, badet, wickelt, füttert und mit ihm kuschelt und schmust. Selbstverständlich können die Kinder hier auch weitere Fragen loswerden, die sie beschäftigen, seit sie erfahren haben, dass sie bald nicht mehr der einzige Liebling in der Familie sind. Kursaufbau und -inhalte sind nicht festgeschrieben und können daher verschieden sein. So bieten einige Kurse den Kids sogar eine Inspektion des Kreißsaales an, andere wiederum zusätzliche, kindgerechte Angebote, die die Vorfreude auf das kommende Geschwisterchen unterstützen sollen, wie zum Beispiel das Basteln eines Begrüßungsgeschenkes für das Baby. Ein spaßiges Erlebnis ist manchmal auch das Anmalen von Mamas Babybauch. Als Höhepunkt zum Ende der Kursteilnahme wird den Kindern häufig ein Geschwisterdiplom überreicht. Auf diese Urkunde sind die Kinder besonders stolz – und sie erinnert sie daheim immer wieder an ihre neue Aufgabe.

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Grundsätzlich gibt es drei Arten von Geschwisterkursen:

  1. Reine Kinderkurse: Diese Kurse besuchen die Kinder allein, ohne elterliche Begleitung. Daher sind sie eher für bereits etwas ältere Kinder geeignet, die schon eine begrenzte Zeit ohne ihre Eltern sein können. Ein Vorteil hierbei ist, dass das Kind seine Fragen ohne Hemmungen stellen kann, da es nicht befürchten muss, die Eltern mit möglichen negativen Empfindungen - dem ungeborenen Baby gegenüber - zu belasten.
  2. Eltern-Kind-Kurse: Für kleinere Kinder ist diese Kursart die bessere Alternative. Oder auch, wenn das Kind in diesem Stadium schon starke Eifersucht erkennen lässt. Das gemeinsame Erleben im Kurs stärkt dann zusätzlich noch einmal den Familienzusammenhalt.
  3. Kinderkurse mit Elternnachmittagen: Hierbei gibt es, zusätzlich zum reinen Kinderkurs, einzelne Familiennachmittage. Allerdings eignet sich diese Kursart nur bei mehrwöchigen Kursen, und es gibt von dieser gemischten Form der Geschwisterkurse bislang auch nur sehr wenige Angebote.

Wo kann ich einen Geschwisterkurs buchen?

Geschwisterkurse werden von Personen mit Erfahrung geleitet, wenn es um Fragen, Gedanken und Probleme mit dem kommenden Familienzuwachs geht. Theoretisch kann jeder einen solchen Kurs anbieten, der sich mit der Thematik auskennt. Eine spezielle Ausbildung ist nicht erforderlich, es gibt auch keine übergeordnete Kontrollinstanz. Wenn du nun einen Geschwisterkurs für dein großes Kind buchen möchtest, so frag zunächst am besten zuerst bei deiner Geburtsklinik nach.

Geschwisterkurse bieten außerdem an:

  • Geburtshäuser
  • Elternschulen
  • Hebammenpraxen
  • freiberufliche Hebammen
  • freiberufliche Kinder- und Säuglingskrankenschwestern
  • Familienbildungszentren
  • Vereine für Eltern-Kind-Angebote wie PEKiP und Eltern-Kind-Turnen

Aus diesen Anbietern kannst du aussuchen, welches Kursangebot dir am meisten liegt. Du solltest allerdings bei der Kursleitung nach nachweisbaren Qualifikationen fragen.

Was kostet ein Geschwisterkurs?

Die Kursgebühren sind abhängig von der Dauer, vom Anbieter und dessen individuellem Angebot. Ein-Tages-Kurse liegen bei 10.- bis 20.- Euro. Mehrtägige Kurse sind entsprechend teurer. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten nicht, da die Teilnahme nicht vorgeschrieben, sondern freiwillig ist.

Geschwisterkurs: Wann? Wo? Wie?

Zum Schluss eine kleine Checkliste, wenn du dein großes Kind in einen solchen Geschwisterkurs schicken möchtest:

  • Buchung: möglichst frühzeitig nach dem Feststellen der Schwangerschaft
  • Beginn: im ersten oder zweiten Schwangerschaftsdrittel - am besten, bevor Mamas Babybauch, oder andere, räumliche Veränderungen zuhause, zu merken sind
  • Ende: unbedingt vor der Geburt, optimalerweise vor dem Ende des zweiten Schwangerschaftsdrittels
  • Dauer: etwa eine Stunde je Kurstag
  • Häufigkeit: üblich sind einmalige Veranstaltungen, zumeist am Wochenende. Das Angebot wird in der Regel jeden Monat wiederholt.

Geschwisterkurse sind das einzige Schulungsangebot, das sich mit dem Thema Schwangerschaft und Geburt ausschließlich an das zukünftige Geschwisterkind richtet, und dessen Bedürfnisse dabei absolut im Mittelpunkt stehen. So kann ein solcher Geschwisterkurs etwas leisten, was ihr als Eltern oder die Familie alleine nicht kann. Und sogar Erwachsene können durch so einen Geschwisterkurs noch etwas lernen - zum Beispiel, in welcher Entwicklungsphase dein großes Kind derzeit steckt und warum es gerade so und nicht anders reagiert.

Bildquelle: Getty Images

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