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Besorgniserregend: Corona-Krise verschärft Situation in Armut lebender Kinder

Neue Studie

Besorgniserregend: Corona-Krise verschärft Situation in Armut lebender Kinder

Eine neue Studie der Bertelsmann Stiftung zeigt, dass die Corona-Krise Kinderarmut verschärft. Denn die Krise trifft die Eltern der benachteiligten Kinder und Jugendlichen besonders hart.

Nach wie vor überschattet Armut den Alltag von mehr als einem Fünftel aller Kinder in Deutschland. Genauer gesagt sind es 21,3 % bzw. 2,8 Mio. Kinder und Jugendliche unter 18, die in Armut leben. Das zeigt eine neue Studie der Bertelsmann Stiftung. Etwa jedes siebte Kind in Deutschland (13,8 %) muss von Hartz-IV leben – und das meist für einen langen Zeitraum.

Was auffällt: Es sind besonders zwei Familienformen, bei denen die Kinder von Armut betroffen sind: 34 % aller Kinder von Alleinerziehenden leben von Hartz IV, bei Alleinerziehenden mit mehr als drei Kindern sind es sogar 66,7 %. Ähnliches gilt für kinderreiche Familien, in denen noch beide Eltern da sind: Knapp 20 % der Familien mit drei und mehr Kindern befinden sich im Hartz IV-System.

Daran fehlt es Kindern, die in Armut leben

Die Studie deckt auf, was Kinderarmut ganz konkret bedeutet: Ein Leben im Mangel. Torsten Lietzmann und Claudia Wenzig vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung  haben für die Bertelsmann Stiftung ermittelt, woran genau es den Kindern fehlt:

  • Rückzugsort oder ruhiger Ort zum Lernen Zuhause (13%)
  • Computer mit Internet (24%)
  • ab und zu neue Kleidung kaufen (24,5%)
  • Mobilität (in der Hälfte der Familien im SGB II-Bezug fehlt ein Auto aus finanziellen Gründen)
  • Freizeitaktivitäten (ins Kino gehen, Eis essen, Mitglied in einem Verein werden, etc.)
  • Taschengeld (20% der Eltern im SGB II-Bezug geben ihren Kindern aus finanziellen Gründen kein Taschengeld)
  • eine Woche im Jahr in den Urlaub fahren (67,6% der Familien im SGB II-Bezug fahren aus finanziellen Gründen nicht in den Urlaub im Vergleich zu 12,1% aus anderen Familien)
  • uvm.

Corona-Krise verschärft Situation armer Kinder

Was die Studie auch beleuchtet: Die Auswirkungen der Corona-Krise auf Kinderarmut. Die Ergebnisse sind besorgniserregend. Da die Eltern von benachteiligten Kindern häufiger in Teilzeit oder als Minijobber arbeiten, gehören sie zu der Gruppe, die als erste ihre Jobs verlieren oder wenig oder gar kein Kurzarbeitergeld bekommen. Laut Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung, drohen viele arme Kinder „durchs Raster zu fallen“.

Zahlreiche Unterstützungsangebote konnten während des Corona-Lockdowns nicht fortgesetzt werden – mit Folgen für die bedürftigsten Kinder und Jugendlichen. Auch beim Homeschooling sind Kinder aus armen Verhältnissen benachteiligt, da es an technische Ausstattung und Rückzugsorten zum ungestörten Lernen mangelt. Fast die Hälfte der Kinder wohnt in einer Wohnung, in der nicht ausreichend Zimmer zur Verfügung stehen. Insgesamt kritisiert Dräger die zu geringen Anstrengungen der Politik, um Kinderarmut zu reduzieren: „Die Politik tut zu wenig, um Kindern Armut zu ersparen. Gerade die Corona-Krise droht die Situation noch zu verschärfen. Die Politik muss jetzt handeln!“

Raus aus dem Hartz-IV-System

Um gegen Kinderarmut vorzugehen, fordert die Stiftung mehr Teilhabe für Kinder und Jugendliche. Denn auch hier habe die Corona-Krise gezeigt, wie die Wünsche und Bedarfe von Kindern und Jugendlichen von der Politik nicht richtig erfasst und sie
auf ihre Rolle als Schülerinnen und Schüler reduziert würden. Dazu plädieren die Autorinnen und Autoren der Studie, unter anderem für eine eigene Kindergrundsicherung. Kinder sollten aus dem Hartz-IV-System herausgenommen werden. Diese Grundsicherung solle so hoch angesetzt werden, dass sie eine „normale oder durchschnittliche Kindheit oder Jugend“ ermöglicht.

Quelle: Bertelsmann Stiftung

Bildquelle: Getty Images/PeopleImages

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