Mutproben: Internet-Challenges zwischen Spaß und tödlicher Gefahr

Von Nervenkitzel und Gruppenzwang

Mutproben: Internet-Challenges zwischen Spaß und tödlicher Gefahr

Durch soziale Netzwerke werden Mutproben auf ein ganz neues Level gehoben: War es früher das Höchste der Gefühle, einen Regenwurm zu essen, so kursieren im Netz immer mehr lebensgefährliche Challenges.

Ein Sprung vom Dreimeterbrett? Für Kinder eine ganz schön große Mutprobe.

Es fängt meist schon in frühen Kindheitsjahren an: “Ich wette, du traust dich nicht, auf den Baum zu klettern!” Mutproben, bei denen Kinder unter Beweis stellen, was sie sich alles trauen, gehören zur Kindheit wie Popcorn zum Kinofilm. Was die Aufgabe, um ihren Mut zu zeigen, angeht, lassen sich Kinder so einiges einfallen: Von harmlosen Dingen wie eine Spinne auf die Hand nehmen, vom Dreier springen, nachts über einen Friedhof laufen oder in eine Zitrone beißen, bis hin zu unerlaubten Mutproben wie ein Päckchen Kaugummi im Supermarkt klauen, ein Graffiti gegen eine Hauswand sprayen oder an einer Zigarette ziehen. Das ist zwar absolut nicht okay und hier solltest du deinem Kind unbedingt Grenzen aufzeigen, aber seien wir ehrlich: Wer von uns hat als Kind nicht ein paar Dummheiten ausprobiert? Wichtig bei all diesen Mutproben ist: Sie bergen keine besonderen Gefahren.

Mittlerweile kommen Jugendliche durch das Internet jedoch auf immer wildere Ideen. In sozialen Netzwerken rufen Gleichaltrige dazu auf, an “Internet-Challenges” teilzunehmen. Viele dieser Challenges sind lustig, doch beim Mut-unter-Beweis-stellen gibt es mittlerweile wohl keine Grenzen mehr. Und so enden die Mutproben mittlerweile immer wieder tödlich: Bei einer Selfie-Challenge beispielsweise, bei der junge Menschen Fotos von sich auf einem Bahngleis machten, wurden einige von Zügen erfasst.

Wieso Mutproben für Kinder wichtig sind

Durch Mutproben lernen Kinder, ihre Ängste zu überwinden und gleichzeitig Grenzen auszutesten. Der Adrenalinkick, den eine Mutprobe auslöst, ermöglicht es Kindern, über sich hinauszuwachsen und Erfolgserlebnisse zu sammeln. Das sind sehr wichtige Erfahrungen, die jeder Mensch im Laufe seines Lebens machen sollte. Wichtig ist jedoch: Die Mutproben sollten nicht schädlich für das Kind sein. Deshalb ist es wichtig, genau hinzuhören, wenn dein Kind dir von Mutproben oder Internet-Challenges erzählt.

Gefährliche Internet-Challenges

Viele Mutproben, die mittlerweile durch die sozialen Netzwerke gehen, sind einfach nur hirnrissig und lebensgefährlich. Das sind die riskantesten Mutproben:

Die 48-Stunden-Challenge: Bei dieser Mutprobe versuchen Teenager, für mindestens 2 Tage spurlos von der Bildfläche zu verschwinden. Weder Eltern noch Freunde wissen, wo sie sind. Je länger Teilnehmer der Challenge das schaffen, desto mehr Punkte bekommen sie. Auch Hilfegesuche der Eltern, wenn die Polizei eingeschaltet wird oder Zettel aufgehängt werden, bringen den Jugendlichen mehr Punkte ein. Eine unfassbare Challenge - schließlich sind Eltern und Freunde krank vor Sorge!

Cinnamon-Challenge: Bei dieser Mutprobe essen Jugendliche (meist vor der Kamera) einen gehäuften Teelöffel Zimt. Sie müssen versuchen, ihn nicht auszuspucken und den Zimt wirklich runterzuschlucken. Das ist extrem gefährlich: der trockene Zimt kann zu Atemnot und sogar zum Erstickungstod führen.

Body-Challenges: Gerade für junge Mädchen kursieren in den sozialen Netzwerken viele Wettbewerbe, die auf den Körper abzielen. Hierbei geht es immer darum, möglichst dünn zu sein und somit eine “perfekte” Figur zu haben. Von welchen krankhaften Idealvorstellungen hierbei die Rede ist, zeigen die einzelnen Challenges: Bei der Collarbone-Challenge versuchen Mädchen, so viele Münzen wie möglich auf ihrem Schlüsselbein abzulegen. Das funktioniert natürlich nur, wenn die Teilnehmerin möglichst dünn ist. Je mehr Münzen sie auf ihrem Schlüsselbein ablegen kann, desto größer die Anerkennung bei Instagram & Co. Eine andere Körper-Challenge ist die DIN A4-Challenge. Hier halten Mädchen ein Din A4-Blatt direkt vor ihre Taille. Wird diese von dem Papier vollständig verdeckt, hat sie die Challenge bestanden. Wenn nicht, ist sie nicht dünn genug, um die Probe erfolgreich zu bestehen.

Solche und viele andere Körper-Challenges setzen Mädchen unter einen gewaltigen Druck. Natürlich möchte jede Teilnehmerin die Wettbewerbe bestehen, also wird mit allen Mitteln versucht, den unnatürlichen und ungesunden Körperidealen gerecht zu werden. Das führt im Zweifel hin zu einer Essstörung und Magersucht.

Ohnmacht-Challenge: Kaum zu fassen - hier versuchen Jugendliche, durch Würgen oder falsche Atmung einen Sauerstoffmangel im Gehirn zu provozieren und schlussendlich in Ohnmacht zu fallen. Ein absurder Wettbewerb, der unglaublich gefährlich ist. So machte ein Bericht über eine Schülerin im Juli 2019 die Runde, die bei dieser Challenge tatsächlich in Ohnmacht viel und sich dabei eine schwere Kopfverletzung zuzog.

Lustige Internet-Challenges

Neben den ganzen lebensgefährdenden Challenges gibt es aber auch viele lustige und völlig harmlose Mutproben, bei denen vor allem die Angst überwunden werden muss, sich vor anderen Menschen zum Affen zu machen - manchmal eine ganz schön große Herausforderung! Wir zeigen dir die lustigsten Challenges:

Ice-Bucket-Challenge: Eiskalte Erfrischung gefällig? Bei der Ice-Bucket-Challenge gießen sich Teilnehmer einen Eimer eiskaltes Wasser über den Kopf. Diese Mutprobe machte vor allem im Sommer 2014 die Runde, als Teilnehmende in sozialen Netzwerken die Aufmerksamkeit, die ihnen durch die Challenge zuteil kam, nutzten, um über die Nervenkrankheit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) aufklärten und dazu aufriefen, für die Erforschung der Krankheit zu spenden.

Mannequin-Challenge: Hierfür braucht man eine Gruppe Menschen und eine Person, die die Challenge auf Video festhält. Plötzlich sagt jemand “freeze” und alle Teilnehmer frieren in ihrer Bewegung ein und stehen still wie Schaufensterpuppen. Das kann ganz schön lustig aussehen, wie zum Beispiel dieses Video aus einem Flugzeug zeigt:

Planking: Bei dieser Challenge geht es darum, sich an öffentlichen Plätzen stocksteif wie ein Brett auf den Boden, eine Bank oder an andere Orte zu legen. Dabei entstehen oft lustige Fotos. Leider wählen die Teilnehmer mit der Zeit auch immer wieder gewagte Orte wie Zäune oder Brücken aus, bei denen das Spiel gefährlich wird.

Was kann ich tun, um mein Kind von riskanten Mutproben fernzuhalten?

Mit der Teilnahme an gefährlichen Mutproben wollen Jugendliche sich beweisen und suchen ganz bewusst den Adrenalinkick. Wenn dein Kind einen Hang zu solchen hirnrissigen Aktionen hat, dann fehlen ihm vielleicht die Möglichkeiten, sich im Alltag auszupowern, seine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen und sich mit anderen Teenagern zu messen. Eine Wettkampfsportart oder ein anderes Hobby können dafür eine tolle Chance und gute Alternative sein. Gerade bei Sportarten wie Klettern, Parcours oder Trampolin geht es darum, Mut zu beweisen und seine eigenen Grenzen zu überwinden.  Solche und andere Freizeitaktivitäten sorgen auch dafür, dass bei deinem Kind keine Langeweile mehr aufkommt. Jugendliche, denen es an Beschäftigung mangelt, neigen eher dazu, sich die Zeit mit Mutproben zu vertreiben.

Bildquelle: Getty Images

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