Die Ferien stehen vor der Tür. Deshalb solltest du die Erkenntnisse aus dieser Studie unbedingt kennen, wenn du Teenagerkinder hast. Denn die Studie zeigt: Überbehütung kann die Entwicklung hemmen – gerade im Urlaub. Gut, dass sich beim Reisen für dich die Chance bietet, deinem jugendlichen Kind mehr Selbstständigkeit zuzutrauen und wichtige Lebenskompetenzen zu fördern. Gehörst du auch zu den vielen Eltern in der Umfrage, denen es schwerfällt loszulassen?
Schockierende Zahlen: So wenig trauen wir unseren Teenager*innen zu
Die Urlaubszeit ist da, aber für viele Teenager*innen bedeutet das nicht automatisch mehr Freiheit. Eine aktuelle Umfrage des C.S. Mott Children's Hospital zeigt: Weniger als die Hälfte der US-Eltern fühlt sich wohl dabei, ihr Teenagerkind allein im Hotelzimmer zu lassen, während sie frühstücken gehen. Nur ein Drittel würde ihrem Kind erlauben, allein zu einem Café zu laufen, und gerade einmal 20 Prozent wären damit einverstanden, dass ihr Teenager oder ihre Teenagerin selbstständig einen Freizeitpark erkundet. Diese Zahlen sind besorgniserregend, denn sie zeigen, wie sehr wir als Eltern dazu neigen, unseren Kindern wichtige Erfahrungen vorzuenthalten.
Und ja, wir wissen, dass die USA nicht Deutschland ist. Aber auch bei uns sind die Eltern in den letzten Jahren vorsichtiger geworden und gewähren ihren Teenagern weniger Freiheiten als es die Eltern vor 20 oder 30 Jahren getan haben.
Was dein*e Teenager*in wirklich braucht (und du vielleicht verhinderst)
Experten sind sich einig: Jugendliche brauchen Freiheit, um Selbstvertrauen zu entwickeln und zu lernen, wie sie sich eigenständig in der Welt zurechtfinden können. Sarah Clark, Expertin für öffentliche Gesundheit und Co-Direktorin der Umfrage, betont die Bedeutung dieser Unabhängigkeit für die gesunde Entwicklung von Teenagern. Die repräsentative Befragung unter mehr als 1.000 US-Eltern mit Kindern zwischen 13 und 18 Jahren zeigt einen besorgniserregenden Trend zur Überbehütung.
Früher war mehr Freiheit – warum uns das heute fehlt
Seit Jahren warnen Forscher*innen und politische Entscheidungsträger*innen vor den eingeschränkten Möglichkeiten, die Kinder und Jugendliche heute haben, um ohne Erwachsene zu spielen und die Welt zu erkunden. Im Vergleich zu früheren Generationen gehen Kinder in der westlichen Welt seltener allein zu Fuß oder mit dem Fahrrad zur Schule und haben weniger Teilzeitjobs, wie der Psychologe Peter Gray und seine Kollegen in einer Übersichtsarbeit vom September 2023 im Journal of Pediatrics feststellten. Andere Studien zeigen, dass Eltern zunehmend Unbehagen dabei empfinden, ihre Kinder unbeaufsichtigt spielen zu lassen – besonders wenn Risiken involviert sind.
Mit Risiken sind hier aber nicht wilde Tiere, fiese Fallgruben oder sonstige lebensbedrohliche Gegebenheiten gemeint, sondern normale Alltagsdinge wie Klettergerüste auf dem Spielplatz oder Straßenkreuzungen.
Angst und Depression – der hohe Preis der Überbehütung
Dieser Verlust an Freiheit fällt zeitlich mit einem jahrzehntelangen Anstieg psychischer Probleme bei Jugendlichen zusammen, wie Langzeitstudien zeigen. Obwohl es schwierig ist, einen direkten kausalen Zusammenhang herzustellen – da sich auch viele andere Aspekte der Kindheit verändert haben, wie etwa die Technologienutzung – ist eines klar: Die Einschränkung kindlicher Unabhängigkeit untergräbt die normale Entwicklung.
Peter Gray von der Boston University erklärt: "Es ist für mich absolut keine Überraschung, dass wir diese dramatischen Anstiege bei Angstzuständen, Depressionen und sogar Selbstmorden unter Teenagern sehen." Besonders die angeborene Notwendigkeit, enge Beziehungen zu Gleichaltrigen und intime Partnerschaften zu entwickeln, wird durch übermäßige Kontrolle beeinträchtigt.
Dein nächster Urlaub als Chance – so gelingt der Freiraum
Familienurlaube bieten eine ideale Gelegenheit für Teenager*innen, Unabhängigkeit zu üben. Ihr könnt als Eltern bewusst Unterkünfte wählen, die jugendliche Freiheit fördern, und klare Parameter setzen – etwa indem ihr eure Kinder bittet, eine Textnachricht zu schicken, wenn sie an ihrem Ziel angekommen sind. Oder ihr vereinbart, wann und wo ihr euch zu einem späteren Zeitpunkt trefft. Ermutigend ist, dass laut der Umfrage zwei Drittel der Eltern darauf vertrauen, dass ihre Teenager*innen die Regeln auch ohne ihre Anwesenheit befolgen würden.
Von der Helikopter-Eltern zu Mutmachenden – so klappt der Wandel
Eltern müssen ihre Denkweise ändern: Statt Teenager vor allen Gefahren zu schützen, sollten sie ihnen helfen, lebenswichtige Fähigkeiten zu üben. Dazu gehört, öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen, zu wissen, wie man auf Fremde reagiert, oder selbstständig ein Sandwich zu bestellen. Sarah Clark ist optimistisch: "Wenn wir einige Familien erreichen und sie den kommenden Sommer etwas anders angehen, empfinde ich das als großen Erfolg."
So förderst du die Selbstständigkeit deines Teenagerkindes im Urlaub
- Wähle Unterkünfte, die jugendliche Unabhängigkeit ermöglichen
- Setze klare Regeln und Kommunikationswege (z. B. regelmäßige Textnachrichten)
- Vereinbare feste Treffpunkte und -zeiten
- Ermutige zu kleinen selbstständigen Aktivitäten (Einkäufe, Bestellungen)
- Vertraue darauf, dass dein Kind Regeln einhalten kann
Mutiger Schritt, große Wirkung: Dein*e Teenager*in dankt es dir
Als Eltern ist es unsere Aufgabe, unsere Kinder auf ein selbstständiges Leben vorzubereiten. Der Familienurlaub bietet dafür eine perfekte Gelegenheit, mit überschaubarem Risiko. Indem wir unseren Teenagern schrittweise mehr Freiheit und Verantwortung zugestehen, helfen wir ihnen, Selbstvertrauen und wichtige Lebenskompetenzen zu entwickeln. Der nächste Urlaub könnte der ideale Zeitpunkt sein, um damit zu beginnen – für dich und dein Kind.
Wir wissen, dass es manchmal nicht einfach ist loszulassen – das fällt uns als Eltern selbst nicht immer leicht. Aber die Zahlen der verschiedenen Studien und die Aussagen der Expert*innen haben mich überzeugt, meinem Kind mehr zuzutrauen. Meine Eltern haben mich schon mit 8 Jahren den halben Tag allein auf der Skipiste gelassen. So weit würde ich mit meinem Kind jetzt nicht gehen, aber ich versuche mir meine eigenen Vorgaben jetzt genauer anzuschauen und öfters auch mal zusagen: "Du schaffst das schon. Bis später!"
Verrate mir gerne in einer E-Mail, wie du das mit deinem Kind oder deinen Kindern handhabst und wie das bei dir früher war.