Der „Husband Stitch“

Wenn Sie heute noch keinen Grund dazu hatten, Ihren Kopf in Verzweiflung mehrfach gegen die Wand zu hämmern, haben wir nun den passenden Artikel für Sie: Das ist die Wahrheit hinter dem "Husband Stitch".


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Husband Stitch

Bittere Realität für manche Frauen: der "Husband Stitch".


© iStock
Es hört sich an wie eine dieser Horrorgeschichten aus dem Mittelalter: Frauen, die nach der Geburt "enger" zugenäht werden, um den Geschlechtsverkehr für den Mann "lustvoller" zu machen. Der sogenannte "Husband-Stitch" ist aber keine Fabel aus längst vergangenen Zeiten, sondern bittere Realität.

"Husband Stitch" – Wenn Frauen ihrer körperlichen Autonomie beraubt werden

Verlässliche Informationen über den "Husband Stitch" (manchmal auch noch schlimmer: "daddy stitch") gibt es kaum. Sogar eine offizielle Definition ist auffallend abwesend im Internet oder Duden. Wikipedia nennt den Vorgang in einem kurzen Artikel ein "angeblich historisches chirurgisches Verfahren" und spricht von einer Urban Legend oder einem Witz.

Auf der anderen Seite gibt es aber Berichte über Berichte im Internet in Schwangerschaftsforen und –communities von Frauen, denen, als sie am verletzlichsten waren, ihre körperliche Autonomie genommen wurde. Frauen, die im Deckmantel der Anonymität über die schrecklichen Schmerzen schreiben, die sie erleiden mussten, weil ihr Arzt "ihrem Mann einen Gefallen getan hat". Frauen, deren Sexleben zur Qual geworden ist, weil Ärzte zum Wohl des Ehemannes und nicht zum Wohl der Frau gehandelt haben. Frauen, die sich im Kreißsaal Witze darüber anhören mussten, dass sie "so gut wie neu – vielleicht sogar besser – sein werden". Frauen, deren Angst vor der Geburt von solchen archaischen Praktiken nur noch ins Unermessliche gesteigert wird.

Das Prekäre: Die Erfahrungen und Ängste dieser Frauen werden weitläufig als Paranoia abgetan. Wie der Wikipedia-Eintrag zeigt, werden diese Erlebnisse zu alten Fabeln oder Witzen gemacht – was uns in den Zeiten von #metoo einiges darüber verrät, wie viel Glaubwürdigkeit Frauen in der Gesellschaft wirklich eingeräumt wird.

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Schmerzen und Qual

Im Medizinlexikon möge sich keine Definition des "Husband Sitch" finden lassen. Über die Realität der extra Naht, die den Vaginaleingang verengen soll, um dem Mann beim Geschlechtsverkehr mehr Lust zu verschaffen, berichten aber zahlreiche Frauen in teilweise erschütternden Kommentaren.

Die Website "MAMA BIRTH" zitiert anonyme Mütter:
 
"Ich wusste nicht, dass ich einen Husband Stitch als Teil einer Reparatur eines Dammrisses dritten Grades bekommen hatte. Ich fand es nur Monate später heraus, als ich unter anderem wegen schmerzhaften Sex untersucht wurde. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich irgendjemand dieser Praxis freiwillig unterziehen würde. Sie hat unser Sexualleben ruiniert."

"Ich hatte bei meinem ersten Baby einen Dammschnitt (dem ich nicht zustimmte ... die Ärztin hat mich informiert, während sie den Schnitt durchgeführt hat). Danach hat sie mich zu eng zugenäht. Geschlechtsverkehr hat mir sechs Monate lang Schmerzen bereitet ... Zuerst war es so qualvoll, dass wir es nicht einmal probieren konnten. Ich weinte jedes Mal, wenn wir es versuchten.“
 
Wenn Sie nun glauben, der "Husband Stitch" sei nur ein amerikanisches Phänomen, müssen wir Sie leider enttäuschen. Das Magazin Edition F hat auf seiner Facebook-Seite deutsche Frauen nach ihren Erfahrungen bezüglich des "Husband Stitches" befragt:
 
"Ich bin Gynäkologin und wurde im Kreißsaal mehrmals von den Ehemännern/Partnern pseudo-scherzhaft gefragt, ob ich nicht 'noch ein, zwei Stiche mehr machen' könne. Ich habe einfach nicht geantwortet und gehofft, dass die Frauen nicht gehört haben, was der Vater ihres Neugeborenen da gerade gesagt hat. Schwer vorstellbar, dass es Ärzte gibt, die sowas tatsächlich tun. Andererseits, so schwer auch wieder nicht, ältere männliche Gynäkologen mit einem mehr als fragwürdigen Frauenbild gibt es leider so einige."

"'Ach, ich näh einfach noch ein bisschen enger', sagte mein Arzt nach der Entbindung und grinste meinen Ex-Mann an ..."

Wie soll der "Husband Stitch" funktionieren? Gar nicht!
Die bittere Wahrheit: Das Resultat dieses übergriffigen Verhaltens funktioniert nicht einmal wie es soll (was dennoch noch das kleinste Problem am "Husband Stitch" ist).
 
Fakt ist: Bei einer vaginalen Geburt kann das Gewebe zwischen Vulva und After der Frau - der sogenannte Damm – reißen. Das bezeichnet man als Dammriss. Früher führten Ärzte deshalb häufig einen vorbeugenden Dammschnitt durch, heute vertritt man allerdings den Standpunkt, dass ein spontaner Dammriss besser verheilen kann, weswegen ein Dammschnitt nur noch selten vorbeugend durchgeführt wird. Egal, ob Riss oder Schnitt, das Gewebe muss nach der Geburt genäht werden. Beim "Husband Stitch" näht der Arzt das Gewebe noch etwas weiter zu, um den Vaginaleingang enger zu machen. Aber: Das hat keinen Einfluss auf den Lustgewinn des Mannes, denn die Vagina an sich wird so nicht enger. Also: Männer erfahren dadurch keinen lustvolleren Sex. Frauen erfahren dagegen bei der Penetration schreckliche Schmerzen. Was für eine sinnvolle Praxis. Nicht.
Was für ein sexistischer Mist
An alle Frauen – schwanger oder nicht: Bitte lasst euch durch solche Berichte nicht noch mehr Angst vor der Geburt machen! Dieser Artikel soll keineswegs eure Bedenken vor der Geburt noch vergrößern! Vielmehr soll und muss er auf eine Praxis hinweisen, die leider immer noch der Realität angehört und Sexismus von einer seiner dunkelsten Seiten darstellt. Denn der "Husband Stitch" ist nur ein Phänomen eines immer noch prävalenten Gedankens: Frauenkörper existieren nur für Männer – für ihre Lust, ihr Schönheitsempfinden, ihren Komfort. Die Wünsche des Mannes werden priorisiert, die Wünsche, gar das Wohlergehen der Frau hinten angestellt.

Das einzige, das bei der Geburt eine Rolle spielen sollte, ist aber genau das: das Wohl von Mutter und Kind – und nicht der vermeintliche Lustgewinn des Mannes, der neben ihnen steht.

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von Nicole Metz




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