Schilddrüsen­unterfunktion in der Schwangerschaft: Gefährlich fürs Baby?

Alle Infos!

Schilddrüsen­unterfunktion in der Schwangerschaft: Gefährlich fürs Baby?

Kaum sind wir schwanger, wird unser Körper von einer höheren Macht regiert: den Hormonen! Denn von ihnen brauchen wir auf einmal mehr als sonst. So kann es auch nicht selten zu einer Unterfunktion der Schilddrüse in der Schwangerschaft kommen.

Nicht selten werden bei werdenden Mamas Probleme mit der Schilddrüse, besonders eine Unterfunktion, festgestellt. Das liegt laut Wissenschaft daran, dass viele von uns schon vor der Schwangerschaft eine minimale Unterfunktion haben, die sich nicht in Symptomen bemerkbar macht. Soll unser Organismus dann unser Baby mitversorgen, entsteht oft ein Engpass. Aber was bewirkt eine Unterfunktion der Schilddrüse, welche Risiken gibt es und was bedeutet das für unser Kleines?

Was ist die Funktion der Schilddrüse?

Die Schilddrüse ist ein kleines, schmetterlingsförmiges Organ, das unter dem Kehlkopf sitzt. Sie produziert Hormone, die an allen Stoffwechselvorgängen im Körper beteiligt sind und so z. B. Herz, Gehirn und Verdauung mit steuern. Eine Unter- oder Überfunktion kann sich also auf viele verschiedene Bereiche auswirken, zum Beispiel auch auf den Energiestoffwechsel und die Hormonproduktion, die beide in der Schwangerschaft optimal laufen müssen.

Wie entsteht eine Schilddrüsenunterfunktion in der Schwangerschaft?

Mit dem wachsenden Baby im Bauch erhöht sich auch unser täglicher Bedarf an Thyroxin, dem Hormon, das die Schilddrüse bildet – manchmal sogar, wenn wir vorher nie Probleme mit der Schilddrüse hatten. Bei manchen Mamas reagiert der Körper hier mit einer Überproduktion – geht sprichwörtlich in Overdrive. Eine Schilddrüsenüberfunktion ist die Folge. Bei anderen reicht die körpereigene Thyroxinproduktion nicht mehr aus. Der niedrige Wert zeigt sich dann im Blutbild. Verwirrend: Ärzte sprechen von einem erhöhten Schilddrüsen–Wert, wenn eine Unterfunktion vorliegt.

Schilddrüsen­unterfunktion: Symptome

Die Hypothyreose kann so geringfügig sein, dass kaum oder keine Symptome auftreten. Typische Anzeichen sind:

  • Abgeschlagenheit
  • Müdigkeit
  • Verstopfung
  • Frieren
  • Gewichtszunahme
  • trockene Haut

Richtig, alles Symptome, die für die meisten von uns ohnehin mit einer Frühschwangerschaft einhergehen. Wenn ihr schon vor der Schwangerschaft Verdacht auf eine Hypothyreose habt, ist ein Bluttest sinnvoll. Generell ist er Teil der regulären Schwangerenvorsorge im 1. Trimester, sodass eure Ärzte die Werte routinemäßig kontrollieren.

Schilddrüsenunterfunktion in der Schwangerschaft: Gefährlich fürs Baby?

Da die Unterfunktion der Schilddrüse in Stoffwechselprozesse und die Hormonbildung eingreift, kann sich das auch auf die Entwicklung des Babys und den Verlauf der Schwangerschaft auswirken. Das ist aber meist nur bei einer fortgeschrittenen Unterfunktion der Fall. Die Unterfunktion kann auch so gering sein, dass eine Behandlung nicht unbedingt notwendig ist: Studien zufolge scheint eine minimale Schilddrüsenunterfunktion keine Auswirkungen aufs Baby – und auch eine geringfügige medikamentöse Behandlung hier keinen positiven Einfluss zu haben.

Langjährige Studien zeigen aber auch, dass eine unbehandelte Schilddrüsenunterfunktion in der Schwangerschaft Auswirkungen auf die geistige Entwicklung des Kindes haben – und sogar zu einer Fehlgeburt führen kann. Auch Frühgeburten und ein geringes Geburtsgewicht des Babys sind häufiger, wenn die Mutter an Hypothyreose leidet.

Ab wann ist der TSH-Wert zu hoch?

Der normale TSH-Wert liegt je nach Alter und Geschlecht zwischen 0,40 und 4,0 mU/l, der gängige Schwellenwert für Frauen im gebärfähigen Alter ist 2,5 mU/l. In einer US-Studie stieg die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind eine kognitive Einschränkung hat, mit dem TSH-Wert der Mutter: So lag die Wahrscheinlichkeit bei unter 3,8 mU/l bei rund 2,5 %, bei 3,8 bis 8 mU/l bei 7 % und bei über 8 mU/l bei 15 % – also das Sechsfache einer Mama mit gesundem TSH-Wert. Einige Mediziner raten aber, dass nicht der Wert selbst, sondern eine unterliegende Erkrankung und Symptome das Problem sind und eine Behandlung deshalb nicht immer nötig bzw. sinnvoll ist, weil sie stark in den Hormonhaushalt eingreifen kann und nicht immer Vorteile bringt.

Schilddrüsen­unterfunktion in der Schwangerschaft: Behandlung

Wird eine behandlungsbedürftige Unterfunktion festgestellt, wird dir deine Frauenärztin L-Thyroxin-Tabletten verschreiben und deinen TSH-Wert überwachen. Dabei ist es wichtig, dass du dich genau an die Dosierung hältst: L-Thyroxin ist schnell über- oder unterdosiert. Oft dauert es aber ein paar Wochen, manchmal sogar Monate, bis die perfekte Dosis gefunden wurde. Deswegen ist es gut, wenn du (noch!) genauer auf deinen Körper achtest. Fühlst du dich nicht besser, ist die Dosis ggf. zu gering. Treten Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion auf, sollte die Dosis vielleicht verringert werden:

  • Hitzewallungen
  • Gewichtsverlust
  • innere Unruhe
  • Herzrhythmusstörungen
  • Magen-Darm-Probleme

Gut zu wissen: Du musst nicht auf den nächsten Termin beim Frauenarzt warten und kannst dich z. B. auch kurzfristig hausärztlich untersuchen lassen. So kann die Dosis schnell angepasst werden, wenn bei dir Nebenwirkungen auftreten.

Einnahme von L-Thyroxin: Timing ist alles!

Deine Ärztin wird die Einnahme der Tabletten genau mit dir besprechen, aber meist wird das Hormon morgens auf leeren Magen eingenommen. Wechselwirkungen mit verschiedenen Medikamenten sind möglich. Gut zu wissen: Eisen- und Kalziumpräparate, wie viele Mamas sie während der Schwangerschaft einnehmen müssen, blockieren die Aufnahme und sollten mit einigen Stunden Abstand eingenommen werden.

Quellen:
Berufsverband Deutscher Internisten e.V.
ÄrzteZeitung

Jennifer Kober
Das sagtJennifer Kober:

So war es bei uns:

Kurz nach der ersten Untersuchung beim Frauenarzt bekam ich einen Anruf, der natürlich gleich in wilder Googelei meinerseits endete: meine Schilddrüsenwerte wären erhöht, das sei aber gar nicht selten. In Absprache mit meiner Gynäkologin hat meine Hausärztin L-Thyroxin verschrieben und gezeigt, wie man die ganz schön fummeligen Tabletten für die exakte Dosis teilt. Für den Rest der Schwangerschaft nahm ich die Hormone, mir und dem Baby ging es dabei gut. Der erste Bluttest nach der Ankunft unseres Kleinen zeigte dann gleich wieder “normale” Werte an und der Spuk war vorbei. Tricky fand ich besonders das Timing aller Medikamente, als mehrmals täglich Magnesium, Bryophyllum und Eisentabletten zu den “normalen” Schwangerschaftsvitaminen, Omega-3 und L-Thyroxin dazukam. Mit Baby Brain eine ganz schöne Herausforderung! Aber das gesunde, kleine Bündel auf dem Arm war es definitiv wert.

Bildquelle: Getty Images/Rawpixel

Galerien

Lies auch

Teste dich