Baby pucken - oder lieber nicht?

Das ist die Frage, die sich viele Eltern stellen. Hebammen, Ratgeberbücher und andere Eltern schwören auf diese Wickeltechnik, die das Baby beruhigen soll. Kinderärzte aber warnen immer wieder vor den Gefahren des Puckens.


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Was ist Pucken überhaupt?


Pucken (im Englischen heißt es swaddling) nennt man die Technik, bei der man ein Baby fest in ein Tuch oder eine Decke einwickelt. Das Ganze hat zwei Hintergedanken: Einmal soll durch die Fixierung der Gliedmaßen an den Körper der Moro-Reflex abgeschwächt werden. Dieser ist angeboren und sorgt dafür, dass das Baby bei plötzlichen Geräuschen und Erschütterungen ruckartig die Arme und Beine ausbreitet – und zwar auch, wenn das Baby schläft oder gerade dabei ist einzuschlafen. Durch die Bewegung erschrickt es und wird jäh aus der Entspannung herausgerissen. Zum anderen soll das umwickelte Tuch dem Baby die Enge vermitteln, die es noch aus der wohligen Gemütlichkeit der Gebärmutter kennt. Insbesondere der letzte Aspekt ist es, der auch den meisten Laien einleuchtet. Schließlich kann man sich gut vorstellen, wie überwältigend es für ein Neugeborenes sein muss, plötzlich völlig frei in der großen kalten Welt zu sein, ohne die Wärme und schützende Begrenzung in Mamas Bauch. 

Gepucktes Baby

Hilft Pucken den Babys wirklich beim Schlafen?


© Thinkstock
Soviel zur Theorie, und in der Praxis?

Studien zum Pucken zeigen, dass diese Wickeltechnik tatsächlich positive Auswirkungen auf Babys hat. So schlafen gepuckte Kinder im Durchschnitt länger und werden zwischendurch weniger spontan munter. Pucken fördert also den ruhigeren Schlaf von Babys. Ebenso ließ sich in Untersuchungen beobachten, dass vor allem Schreibabys durch das Pucken schneller beruhigt werden konnten und die Schreidauer insgesamt deutlich abnahm. Außerdem soll das Pucken zur Akzeptanz der gesünderen Rückenlage beitragen, wenn das Baby sonst lieber in Bauchlage schläft.
Kinderärzte warnen: „Pucken ist überflüssig und gefährlich“
Vielen Kinderärzten ist das Pucken dennoch ein Dorn im Auge. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e. V. (BvKJ) hat 2012 zum Pucken Stellung bezogen und rät von der Wickeltechnik ab*. Denn bewiesen ist auch: Pucken erhöht das Risiko für eine Hüftdysplasie beim Baby. Wird das Baby zu fest gepuckt, können wohl auch Nerven abgeklemmt und die Atmung beeinträchtigt werden (v.a. beim Schreien und Weinen). Zudem besteht die Gefahr der Abplattung des Hinterkopfes, wenn das Baby durch das Pucken zu lange und häufig in Rückenlage liegt. Der BvKJ weist außerdem auf die Gefahr der Überhitzung und Dehydrierung des Babys hin, besonders im Sommer und in geheizten Räumen. Zuletzt stellt der Verband auch den Sinn des Puckens in Frage, da das gepuckte Kind sich keineswegs „wie in der Gebärmutter“ fühlen kann. Dort lag es in Embryonalstellung und hatte zumindest ein wenig Bewegungsfreiraum – bei der üblichen Pucken-Technik liegt das Kind aber ausgestreckt und ist in seiner Bewegungsfreiheit stark eingeschränkt. Und weniger schreien würde das Kind nur, weil es durch die Eingeschränktheit frustriert und passiv wird; weil es einfach aufgibt. Im Sinne der gesunden seelischen und körperlichen Entwicklung sei vom Pucken also besser abzusehen.

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Die einseitige Stellungsnahme des BvKJ bringt noch heute die Pucken-Befürworter in Rage, zu denen auch viele erfahrene Hebammen gehören. Sie entkräften die kritischen Argumente des BvKJ damit, dass diese allein auf ein falsches Pucken zutreffen. Richtiges Pucken, das heißt mit der richtigen Technik und der nötigen Sorgfalt, würde keinem Kind schaden.
Deshalb: Wenn pucken, dann richtig!
Das liest man auch immer wieder: Pucken ist kein Allheilmittel. Es kann Eltern von Schreibabys aber eine enorme Erleichterung verschaffen. Wenn Sie das Pucken also ausprobieren möchten, dann lassen Sie sich die richtige Technik zum Beispiel von Ihrer Hebamme zeigen. Lesen Sie außerdem die folgenden Punkte gut durch, um Ihr Kind beim Pucken keinem Risiko auszusetzen.

So geht richtiges Pucken
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    Welchen Babys kann pucken helfen?

    Sehen Sie das Pucken als Methode, sehr quengelige Babys zu beruhigen. Vor allem bei Schreibabys und Babys, die große Probleme mit dem Einschlafen haben, kann das Pucken ausprobiert werden. Kinder, die gar nicht oder nur in normalem Maß quengeln, brauchen nicht gepuckt werden. Babys, die wegen Hüftproblemen eine Spreizhose tragen müssen, sollten ebenfalls nicht gepuckt werden. Achten Sie außerdem auf die Signale Ihres Kindes – manche Babys mögen es einfach nicht, gepuckt zu sein.

  • 2 / 5
    Wann und wie lange kann man Babys pucken?

    Gepuckt werden können Neugeborene bis zu einem Alter von ca. zwei bis drei Monaten. Sobald sich das Kind selbstständig vom Rücken auf den Bauch drehen kann, darf nicht mehr gepuckt werden! Pucken Sie Ihr Baby auch nur zum Schlafen, vorwiegend nachts, wenn die Schlafphasen etwas länger sein sollen.

  • 3 / 5
    Wie sollte man das Baby pucken?

    Hat man früher sowohl Ober- als auch Unterkörper des Babys fest eingewickelt, weiß man heute, dass die Beinchen mehr Platz brauchen und nicht fixiert gehören, um keine Hüftdysplasie hervorzurufen. Die Arme des Babys brauchen auch nicht gestreckt zu werden; die Hände können zum Nuckeln auch ans Gesicht gelegt werden. Das Gesicht muss immer frei bleiben beim Pucken!

  • 4 / 5
    Womit kann man pucken?

    Gepuckt wird mit einer dünnen Baumwolldecke, einem Pucktuch oder Pucksack. Moderne und gute Puckhilfen helfen dabei, das Baby richtig zu pucken und den Beinen genug Freiraum zu lassen. Lassen Sie sich dazu von Ihrer Hebamme oder anderen Experten beraten.

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    Worauf sollte man beim Pucken außerdem achten?

    Gepuckte Babys dürfen nur auf dem Rücken liegen! Die Bauchlage würde das Risiko des plötzlichen Kindstods erhöhen. Achten Sie darauf, dass es Ihrem Baby nicht zu warm ist und prüfen Sie das durch Fühlen seines Nackens.
    Leider geht durch das Pucken häufig der Körperkontakt verloren, den das schreiende Baby anstelle des Gepucktseins auf den wiegenden Armen der Eltern noch gehabt hätte. Deshalb stellen Sie sicher, dass Ihr Baby trotzdem möglichst viel Körperkontakt mit Ihnen hat. Das gelingt Ihnen zum Beispiel durch das häufige Tragen Ihres Babys im Tragetuch.



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* Kinder- und Jugendärzte warnen vor Pucken: „Pucken ist überflüssig und gefährlich für Säuglinge“ - der ganze Artikel ist hier nachzulesen





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Kommentare
  • Liberty-Kuschel

    Ich denke, wir alle und auch die Kleinkinder haben frei bewegliche Extremitäten aus einem guten Grund. Damit können wir bei unvorhergesehenen, heftigen Bewegungen im Liegen ganz geschwind unser Gleichgewicht wieder erlangen. Ein gepucktes Baby kann das nicht und ist daher im Nachteil gegenüber anderen Kleinkindern in vergleichbarer Situation.Für mich ein No-No. Vorsicht auch bei weiteren korrigierenden Eingriffen. Ein anderes Beispiel sind Handschuhe gegen Fingerspitzen-Kauen oder -Knubbeln. Und dann kommen wir schon bald zu Themen wie Händigkeit. Schön, dass man heute hier weiter ist als in der Mitte des letzten Jahrhunderts. Immer daran denken: Erziehung und Betreuung, die sich als Dressur zeigen, rauben wertvolle lebensenergie.