Bonding: Verbindung zwischen Eltern und Baby

Beim Bonding schlagen Babys ihre Wurzeln, die auch das Fundament für ihre spätere Selbstständigkeit bilden. Lesen Sie hier, was Sie unter Bonding verstehen können und warum es so wichtig ist.


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Bonding: Das Baby kennenlernen

Willkommen auf der Welt!


© Thinkstock


Direkt nach der Geburt sucht das Neugeborene Schutz, Wärme, Liebe und Zuwendung . Es braucht einen sicheren Hafen, der ihn versorgt und ihm Geborgenheit bietet. Da sich der Säugling nicht selbst versorgen kann, ist es für ihn überlebenswichtig, so schnell wie möglich Bezugspersonen zu finden, die sich um ihn kümmern. Diese Aufgabe übernehmen natürlich die Eltern, die ihren langerwarteten Nachwuchs nach dem Wunder der Geburt endlich in die Arme schließen können. Und genau dann beginnt das Bonding, womit Psychologen die Entwicklung eines emotionalen Bandes zwischen Eltern und Kind bezeichnen.


Bonding ist der Beginn der Eltern-Kind-Beziehung
Im Idealfall wirkt Bonding wie ein "emotionaler Sekundenkleber", der Eltern und Kind lebenslang zusammenschweißt. Diese innere Bindung zwischen Eltern und Kind ist die wichtigste und stärkste, die ein Mensch im Laufe seines Lebens eingeht. Dem Neugeborenen sichert sie sein Leben und sorgt dafür, dass es Urvertrauen bildet. Den Eltern schenkt diese Bindung so viel Stärke, dass sie in der Lage sind, für ihr Baby alles zu opfern – angefangen beim Schlaf, bis hin zur eigenen körperlichen Unversehrtheit in Notsituationen.

Allerdings werden in den ersten Lebensminuten nicht gleich die Weichen für immer unverrückbar gestellt. Es gibt also keinen Grund zur Sorge, wenn die Geburt nicht kein besonders romantisches Erlebnis ist und Sie auch beim ersten Anblick Ihres Babys nicht total verzückt sind. Doch die Nähe, Mamas Herzschlag, der Duft von Babyhaut können etwas auslösen, das bleibt.
Warum ist Bonding so wichtig?
Die Bonding-Phase prägt, wie das Kind zukünftig Beziehungen zu anderen empfindet und auf neue, unbekannte Situationen reagiert. Es wird dazu beitragen, festes Vertrauen dafür zu schaffen, dass es im Leben wenig zu fürchten gibt, wenn man sich aufeinander verlassen kann. Dieses Gefühl der Sicherheit entwickelt das Baby daraus, wie seine Bezugspersonen, also die Eltern, auf seine Bedürfnisse reagieren. Ein Säugling kann sich nur mit seiner Körpersprache und durch Emotionen ausdrücken; kann weinen oder schreien, verstimmt meckern, aufmerksam schauen und später freudig plappern. Im besten Fall reagieren die Eltern sehr feinfühlig auf ihr Baby und verstehen schnell, was es gerade braucht. Daraus lernt es: mir kann nichts passieren, es ist jemand da, der sich um mich kümmert. Das schafft Vertrauen - eine wichtige Voraussetzung für das Erkundungsverhalten des Babys. So zeigen sicher gebundene Babys später z.B. größeres Interesse an der Umgebung, ein ausgeglichenes Wesen, Selbstbewusstsein und weniger Furcht vor allem Neuem. Und auch für Eltern ist die Bonding-Phase wichtig. Sie hilft dabei, die (neue) Elternrolle anzunehmen und gibt Zuversicht in die eigenen Fähigkeiten als Mutter bzw. Vater. Auch in der Erziehung kann gelungenes Bonding helfen, denn  bei einer guten Bindung zum Kind verstehen sie es besser und können sie sich besser in es hineinversetzen.
Bonding ist ein Prozess und braucht Zeit
Eine Fehlannahme (und leider Quelle vieler quälender Sorgen) ist die völlige Überschätzung der Wichtigkeit des Geburtsereignisses fürs Bonding. Bonding ist keine Frage von Ja oder Nein während oder kurz nach der Geburt, sondern ein Prozess, der Zeit braucht.


Bonding mit Baby

Durch Bonding als Familie zusammenwachsen.


© Thinkstock
Tatsächlich ist die erste Stunde direkt nach der Geburt die sensibelste Phase für das Knüpfen erster Bande zwischen Eltern und Baby. Das Neugeborene ist dann besonders wach und aufmerksam, ebenso die Mutter. Eltern und Baby können sich das erste Mal ansehen, den Duft des anderen wahrnehmen und sich spüren. Auch die hormonelle Situation bei Mutter und Kind ist meistens sehr förderlich für den Beginn des Bondings. Wir Menschen sind biologisch so gebaut, dass der Funke zwischen Baby und Eltern ziemlich leicht überspringt. Insbesondere das Hormon Oxytocin - jenes, das die Wehen auslöst, das Stillen ermöglicht und Stress dämpft - hat sich als Treibstoff der Beziehungsbildung erwiesen.

In vielen Geburtskliniken wird die sensible Phase des Kennenlernens und Sich-Verliebens auch respektiert: Sobald das Nötigste getan ist, wird Eltern und Baby eine Zeit lang Privatsphäre gegönnt. Die meisten Untersuchungen können warten.

So unterstützen Sie das Bonding
  • 1 / 7
    Intimsphäre

    Genießen Sie sobald wie möglich ungestörte Momente mit Ihrem Baby. Das gilt nicht nur für die Zeit im Krankenhaus sondern auch noch danach.

  • 2 / 7
    Hautkontakt

    Schmusen, schmusen, schmusen! Das macht nicht nur besonders viel Freude, sondern ist auch fürs Bonding ganz wichtig. So können Sie sich in Ruhe den Duft des anderen einprägen und das Baby fühlt sich geborgen an Ihrer warmen Haut.

  • 3 / 7
    Stillen

    Auch das Stillen unterstützt das Bonding durch die regelmäßige innige Nähe, die Ausschüttung von Oxytocin und das Versorgen des Babys, welches die Mutter als nährende Quelle begreift.

  • 4 / 7
    Wärme

    Sorgen Sie beim Kuscheln und Schmusen oder gemeinsamen Baden immer für ausreichend Wärme, damit sich Ihr Kleines besonders wohl fühlt.

  • 5 / 7
    Blickkontakt

    Suchen Sie oft Blickkontakt zum Baby und schauen Sie es dabei immer freundlich an.

  • 6 / 7
    Feinfühligkeit

    Reagieren Sie möglichst sensibel auf die Signale, die Ihr Baby aussendet. Keine Sorge, bei frischgebackenen Eltern kann das Verstehen von Babys Körpersprache anfangs eine Weile dauern. Das nimmt Ihnen Ihr Kind auch nicht übel. Irgendwann wissen Sie genau, was es gerade braucht.

  • 7 / 7
    Tragen

    Tragen Sie Ihr Baby und nehmen Sie es oft auf den Arm. Das hat nichts mit Verwöhnen zu tun, sondern hilft beim Kennenlernen und Beruhigen durch sanftes Schaukeln, Wärme und Körperkontakt.


Wichtig ist es aber, Bonding nicht als Ereignis zu verstehen, für welches es nur ein bestimmtes kurzes Zeitfenster gibt. Bonding ist ein Prozess, der Zeit braucht. Er beginnt nicht automatisch, sobald das Kind auf der Welt ist, sondern dann, wenn Sie es das erste Mal im Arm halten und für sich allein haben. Es ist also nicht abhängig von den ersten Minuten und Stunden nach der Geburt, sondern von den gemeinsamen Stunden und der erlebten Intimität zwischen Eltern und Kind. Besonders das erste Lebensjahr ist dabei prägend für die Eltern-Kind-Bindung, aber auch danach geht das Bonding noch weiter.
Deshalb: Kaiserschnitt verhindert Bindungsprozess nicht
Natürlich ist das Zur-Welt-Bringen eines Babys ein fundamentales Geschehen, etwas, das man nie vergisst. Dennoch muss man in Sachen Bonding vor der Idee warnen, dass sich im Kreißsaal schon entscheidet, ob ein Baby fremdelt oder vertrauensselig ist, wie schnell es lernt, wie tief es liebt. Das ist nicht der Fall. Ein Erwartungsdruck an die Geburt als allentscheidend tut eher weh als gut.

In einer berühmten Studie hat der schwedische Forscher Carl Philip Hwang schon 1987 die Entwicklungs-Unterschiede zwischen Kindern, die per Kaiserschnitt und natürlicher Geburt zur Welt kamen, aufgeklärt. Er fand bedeutende Unterschiede - doch nach acht Monaten waren sie vollständig verschwunden. Und das war zu einer Zeit, in der die operative Entbindung noch unter Vollnarkose ausgeführt wurde. "Heute ist die Regel, dass auch der Kaiserschnitt unter lokaler Betäubung per PDA gemacht wird", sagt Marit Richter, Hebamme aus Hildesheim, "nur in akuten Notfällen geht das nicht." So oder so achten Hebammen darauf, dass das Neugeborene gleich Hautkontakt bekommt. Das beruhigt, stellt das Einheitsgefühl mit Mama wieder her und bringt nicht nur Emotionen, sondern auch viele Organfunktionen auf den rechten Weg.
Bonding kann nachgeholt werden
Die ersten Minuten und Stunden nach der Geburt sind für das Bonding zwar wesentlich, aber nicht über alles entscheidend. Sollte die erste Zeit mit dem Baby aufgrund einer Frühgeburt und/oder medizinisch notwendigen Nachbehandlungen nicht vollkommen ungestört genossen werden können, dann kann Bonding auch nachgeholt werden. Die gemeinsamen Schmusestunden sollten dann umso intensiver sein, ja sogar zu ganzen Bonding-Tagen ausgedehnt werden, in denen nichts anderes zählt, als dass Sie und Ihr Baby sich nach den Strapazen in Ruhe kennenlernen können.






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