Wann beginnt Erziehung? - Dem Baby erste Grenzen setzen

Babys wollen ihre Umwelt entdecken und möglichst viel ausprobieren. Und die Eltern sollten ihnen den Freiraum dafür lassen. Doch nicht alles geht und darf. Wann und wie Sie Ihrem Baby erste Grenzen setzen können und Tipps zur sanften Erziehung.


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Nach dem Stolz und der Freude über die ersten gekrabbelten Meter des Babys folgt bei vielen Eltern die Erkenntnis: Als das Kleine noch nicht mobil war, war das Beaufsichtigen ein bisschen leichter. Denn jetzt erreicht Ihr Kleines zuvor Unerreichbares: Treppenabsätze, Blumentöpfe, Elektrogeräte, Tischdeckenzipfel – eben alles, was Mamas und Papas nervöses Herzklopfen bereitet, wenn Ihr Spross in dessen Nähe kommt. Und spätestens jetzt fragen sich die meisten Eltern:

Ab wann kann man das Baby erziehen?



Ihr Baby wird selbstständiger - jetzt ist es an der Zeit, erste Grenzen zu setzen.


© Thinkstock
Im ersten halben Lebensjahr ist es noch nicht möglich, ein Baby zu erziehen, übrigens ebenso wenig wie es zu „verziehen“. Denn in diesem jungen Alter kann ihr Baby entwicklungsbedingt noch gar nicht unterscheiden, was richtig und falsch, ja und nein bedeutet. Es kann bisher lediglich auf seine Bedürfnisse aufmerksam machen und ist darauf angewiesen, dass Sie als Eltern diese befriedigen. Machen sich also keine Sorgen, dass Sie Ihr Kind zu sehr verwöhnen könnten, weil Sie es nicht lange schreien lassen möchten. Im Gegenteil, das schnelle Reagieren auf seine Signale stärkt das Urvertrauen und schafft eine sichere Bindung. Geben Sie Ihrem Kind im ersten Halbjahr also ruhig so viel Aufmerksamkeit, Zuwendung, Nähe und Körperkontakt, wie es einfordert.

Erst in der zweiten Hälfte des ersten Lebensjahres entwickeln Babys allmählich einen eigenen Willen und lernen, dass sie durch bestimmtes Verhalten konkrete Reaktionen provozieren können: „Intentional cry“ nennen es die Wissenschaftler beispielsweise, wenn Babys beginnen, durch zielgerichtetes Schreien die Handlungen der Eltern beeinflussen zu wollen. Frühestens jetzt wird ein Erziehen des Babys möglich: Wenn es seine Handlungen bewusst steuert um damit etwas zu erreichen, müssen Eltern ihm beibringen, dass nicht immer alles nach seinem kleinen Köpfchen gehen kann.
Jetzt ist es an der Zeit Ihrem Baby erste Grenzen zu setzen 
Gegen Ende des 1. Lebensjahres können Sie von Ihrem Baby schon ein bisschen Geduld einfordern. Sie müssen nicht gleich springen, wenn es etwas von Ihnen möchte, es kann jetzt durchaus mal kurz warten. In der Regel lernen Eltern schnell, ob wirklich etwas ist oder ob Ihr Baby nur jammert, um ihre Aufmerksamkeit zu erregen oder etwas einzufordern. Dieses Quengeln dürfen Sie nun auch mal ohne schlechtes Gewissen ignorieren.

Und wie sieht es mit Verboten aus? Die ersten Verbote können Sie nun auch aussprechen, aber gehen Sie davon aus, dass diese noch nicht gleich fruchten. Die Wörter „Ja“ und „Nein“ bekommen für Babys erst gegen Ende des ersten Lebensjahres überhaupt eine Bedeutung. Und bis sie anfangen, den Sinn von Regeln und Verboten zu erfassen, dauert es dann noch mindestens ein weiteres Jahr.
Nein, Baby!
Wie einem Baby ab dem zweiten Lebenshalbjahr also ein „Nein“ am eindringlichsten vermitteln? Wenn Sie Ihrem Krabbelkind etwas verbieten möchten, dann sagen Sie mit ernstem Gesicht „Nein!“ und nehmen ihm den Gegenstand weg bzw. tragen Sie Ihr Kind aus der „Gefahrenzone“. Eventuell können Sie Ihr Verbot noch kurz begründen, zum Beispiel: „Nein, heiß, aua!“. Weitere Erklärungen bringen einfach noch nichts. Am besten lenken Sie Ihr Baby dann direkt mit etwas anderem ab. Das ist im Krabbelalter die effektivste Lösung.

Tipps für die Erziehung des Babys
  • 1 / 5
    Weniger ist mehr

    Ein „Nein“ wirkt eindrucksvoller, wenn es nicht so oft ausgesprochen wird. Lassen Sie sich nicht dazu hinreißen, es allzu oft zu sagen. Nutzen Sie es wirklich nur als Verbotswort, insbesondere dann, wenn es dem Schutz des Kindes dient, also bei gefährlichen Gegenständen und Situationen.

  • 2 / 5
    Tonlage und Mimik nutzen

    Bleiben Sie unbedingt konsequent. Ein „Nein“ ist ein ernstgemeintes Verbot, was sich auch in Ihrer Stimmlage und in Ihrer Mimik zeigen sollte. Vermeiden Sie es „Nein“ im Spaß zu sagen, womöglich noch während Sie lachen. Dann verliert das Verbotswort an Bedeutung.

  • 3 / 5
    Die Gunst der Stunde

    Verlassen Sie sich nicht darauf, dass sich Ihr Baby und Kleinkind an Verbote hält, selbst wenn es sie offenbar verstanden hat. In einem unbeobachteten Moment kann die Neugier ganz schnell die Oberhand gewinnen.

  • 4 / 5
    Lob wirkt besser als Strafe

    Strafen bringen nichts, denn Ihr Baby kann Strafen noch nicht mit dem Fehlverhalten in Verbindung bringen. Besser als Strafen bei ungewünschtem Verhalten wirken Lob und liebevolle Zuwendung bei gewünschtem Verhalten.

  • 5 / 5
    Vorbild sein

    Seien Sie ein Vorbild! Babys lernen durch Nachahmung. Leben Sie Ihrem Kind also vor, was Sie sich von ihm wünschen, insbesondere im Umgang mit anderen Menschen.


Das Wichtigste dabei ist: Bleiben Sie konsequent. Und unterstützen Sie ein „Nein“ immer auch mit ernstem Gesicht und entsprechender Mimik und Gestik. So wird Ihr Baby schnell lernen, dass Sie es mit dem Verbot ernst meinen.
Wiederholungen machen Verbote für Babys verständlich
Aber selbst wenn Babys klar wird, was mit „Nein“ gemeint ist, heißt das nicht, dass sie sich auch daran halten. „Vor allem selbstbewusste Kinder haben oft viel Ausdauer und überprüfen immer wieder, was möglich ist und was nicht“, sagt Diplom-Familienberaterin Christine Kügerl. Dabei gehen stets prüfende Blicke zu Mama oder Papa. Es könnte ja sein, dass das Verbot heute nicht gilt.

„Es braucht viele Wiederholungen, bis ein Verbot selbstverständlich eingehalten wird“, so Kügerl. Dazu komme, dass Babys Erlaubnis und Verbot mit der jeweiligen Person verbinden, die sie ausspricht. Wenn bei Mama etwas verboten ist, heißt das für Babys nicht automatisch, dass es bei Papa ebenso ist. Bei Oma könnte sowieso alles anders sein, und wenn man ganz allein im Zimmer ist, erst recht. „Es dauert sehr lange, bis Kinder Regeln so verinnerlicht haben, dass sie sich auch daran halten, wenn niemand aufpasst“, sagt Kügerl. 

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Lieber wenige Regeln, dafür Konsequenz

Sich ständig zu wiederholen, ist ermüdend. Außerdem wäre es falsch, das Baby in seinem Entdeckerdrang mit einem Netz aus Verboten einzuengen. „Daher ist es für alle besser, wenn es in der Kleinkinderzeit nur einige wenige und wirklich notwendige Regeln gibt“, empfiehlt Kügerl. Eltern sollten sich daher genau überlegen, welche Regeln ihnen so wichtig sind, dass sie sie mit ihren Kindern trainieren wollen. Und wo sie bereit sind, Abstriche zu machen.

Während es bei einigen Dingen keine Diskussion geben sollte, zum Beispiel bei allem, was für Ihr Baby gefährlich sein könnte, ist es bei anderen leicht, einen Kompromiss zu finden. So ist es für die meisten Eltern kein Drama, wenn ihr Kind an der alten Stereoanlage herumspielt oder der Küchentisch einige Kratzer mehr bekommt. Sorgen Sie einfach dafür, dass Ihre Wohnung bzw. der erkrabbelbare Bereich Ihres Babys kindersicher sind, damit es sich bei seinen Erkundungstouren nicht verletzen kann.

Wichtig bei allen Kompromissen ist, dass alle Erwachsenen und großen Geschwister bereit sind, sie als Familienregeln zu akzeptieren. Denn Kindern fällt es leichter, sich innerhalb eines festen Regelgerüstes zu orientieren. Liebevoll gesetzte Grenzen geben Sicherheit.




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