Wohnung kindersicher machen: So beugst du Unfällen vor

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Wohnung kindersicher machen: So beugst du Unfällen vor

Viele Kinder-Unfälle im Haushalt sind vermeidbar. Wir zeigen, wie du mit einfachen Einbauten und Verhaltensregeln die Kindersicherheit in Haus und Garten erhöhst.

Kindersicherheit vermeidet Unfälle im Haushalt

Viele der über 200.000 Kinderunfälle pro Jahr im häuslichen Bereich sind vermeidbar (Angaben der Bundesarbeitsgemeinschaft Mehr Sicherheit für Kinder auf Grundlage von Daten der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin):

  • 47 Prozent der Unfälle in Haus und Garten betreffen Kinder unter 6 Jahren,mit 58 Prozent mehr Jungen als Mädchen

  • 47 Prozent der Unfälle sind Stürze,

  • 26 Prozent Zusammenstöße,

  • 15 Prozent Verbrennungen und

  • 5 Prozent Verbrühungen.

Damit die lieben Kleinen erst gar nicht in Gefahr kommen, mach deine Wohnung kindersicher.

Unfälle von Kindern im Haushalt nicht selten

Unfälle sind die häufigste Todesursache bei Kindern und Jugendlichen. Nach Ergebnissen der "Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland 2013" (KIGGS-Studie) hatten rund 16 Prozent der Kinder zwischen 1 und 17 Jahren innerhalb eines Jahres einen Unfall.

Am häufigsten kracht es zu Hause: "So gehen (...) inzwischen knapp die Hälfte (44 Prozent) aller behandlungsbedürftigen Verletzungen, bei den 1- bis 2-Jährigen sogar 85 Prozent, auf einen Hausunfall zurück." (KIGGS Broschüre zur Studie 2013). Viele dieser Unfälle hätten nicht sein müssen. Gesundheitsforscherin Anke-Christine Saß vom Robert Koch-Institut sieht die Eltern in der Pflicht, in Wohnung und Garten Vorsichtsmaßnahmen zu treffen.

Wohnung mit Kinderaugen sehen

Gehe in die Knie und schaue dich mit Kinderaugen in der Wohnung um:

  • Was kannst du alles erreichen?

  • Wofür brauchst du Hilfe oder Hilfsmittel?

  • Was ist interessant?

Alle Zimmer und Flure aus Kindersicht zu betrachten, ist der wichtigste Schritt, um für mehr Sicherheit zu sorgen! Mit diesem Blick solltest du deine Kinder auf Gefahren im Haushalt aufmerksam machen.

Dieses Video zeigt dir die Gefahrenquellen in der Wohnung und im Haus:

Rauchmelder können Leben retten

Neben Treppen- und Steckdosensicherungen etc. sollte zum Beispiel auch die Wichtigkeit von Rauchmeldern nicht vernachlässigt werden. Rauchmelder können Leben retten, wenn im Kinderzimmer Feuer ausbricht. "Gerade kleine Kinder geraten schnell in Panik, wenn sie Rauch bemerken. Sie verkriechen sich unter dem Tisch oder gar im Schrank. Das kann eine Falle sein, gerade wenn sich bei einem Schwelbrand der Rauch in Bodennähe sammelt.", so Martina Abel, Geschäftsführerin der BAG Mehr Sicherheit für Kinder. Dann sei bereits nach wenigen Atemzügen eine Ohnmacht möglich - und dann ginge es tatsächlich um Sekunden.

Wichtig ist es also auch, mit Kindern das richtige Verhalten in Gefahrensituationen zu üben. Im Brandfall heißt das: Schnell raus aus dem Zimmer, Erwachsene alarmieren, die Feuerwehr anrufen, die Wohnung verlassen. "Die 112 am besten groß und gut sichtbar am Telefon anbringen", rät Martina Abel.

Tipps für ein kindersicheres Kinderzimmer

Im Kinderzimmer wird gespielt, getobt und geschlafen. Wir sagen dir, welche Maßnhamen du treffen sollest, damit dein Kind dabei weitgehend vor Unfällen geschützt ist.

So sorgst du für Sicherheit im Kinderzimmer

1. Möbel kippsicher montieren und kindgerecht einräumen

Man mag gar nicht hinschauen! Deshalb: nur kippsichere Möbel im Kinderzimmer.

Möbel, Regale und Schränke werden gern zum Klettergerüst umfunktioniert. Deshalb sollten sie kippsicher an der Wand fixiert sein, das Kreuz an der Rückseite reicht nicht aus!
Um Kletterversuchen vorzubeugen solltest du aktuell beliebte Spielzeuge am besten weit unten lagern und, wenn nötig, den Kindern den Gebrauch eines Tritthockers nahebringen.
Schwere Gegenstände wie zum Beispiel Puppenhaus oder Autogarage sollten in Regalen generell immer unten gelagert werden oder aber, wenn aktuell nicht mit ihnen gespielt wird, auf "unerkletterbaren" Möbeln wie dem Kleiderschrank. So verhinderst du, dass das Spielgerät beim Fischen aus dem Regal auf Ihr Kind fällt.

2. Kanten von Möbeln polstern
Kanten von Möbeln lassen sich abpolstern. Dafür gibt es spezielles Kantenschutz-Zubehör oder Sie schützen Ecken und scharfe Kanten mit Schaumstoff oder Kissen. Auf jeden Fall sollten alle Möbel "entschärft" werden, die entlang der meistgenutzten Laufwege deines Kindes liegen - auch in der Küche und im Wohnzimmer!

3. Ordnung halten und damit Stolperfallen vermeiden
Zu viele Möbel und Spielzeuge, die herum stehen oder liegen, nehmen Platz weg und stellen Stolperfallen dar. Kleinteile, wie Legosteine oder Spielfiguren bergen außerdem ein Verletzungsrisiko, wenn auf sie getreten wird. Deshalb achte auf Ordnung im Kinderzimmer!

4. Achtung bei Teppichen und Läufern
Lose Teppiche und Läufer im Kinderzimmer sollten rutschfest verlegt sein und keine Stolperkanten haben. Achte außerdem auf die entsprechende Pflege der Teppiche, um das Umfeld deines Kindes hygienisch sauber zu halten.

5. Schubladen sichern
Schubladen, auch am Schreibtisch, sollten mit einer Sperre ausgestattet sein, damit sie nicht herausrutschen.

6. Kindersicherung an der Elektrizität
An die Kindersicherungen in den Steckdosen denken die meisten Eltern. Aber wie sieht es mit den Leitungen aus? Stromleitungen sollten unter Putz liegen, die Zuleitungen zu Lampen oder dem Kassettenrekorder sollten fest und stolpersicher montiert sein.

7. Sicherungen am Fenster anbringen
So mancher Schlafwandler wollte schon des Nachts aus dem Fenster klettern. Doch auch tagsüber ist das Geschehen auf der Straße so interessant, dass man sich ganz unbedingt hinauslehnen muss. Also die Fenster möglichst mit Riegeln versehen - am besten mit abschließbaren Griffen. Das gilt natürlich nicht nur für das Kinderzimmer.

8. Balkon absichern
Grenzt ein Balkon an, achten Sie darauf, dass keine Kletterhilfen wie zum Beispiel große Blumentöpfe herumstehen. Und bringe bitte ein Sicherungsgitter an!

9. Schlummerlicht für die Nacht
Viele Kinder wachen in der Nacht auf, müssen auf die Toilette oder wandern ins Schlafzimmer ihrer Eltern. Damit sie sich im Dunkeln zurechtfinden, sich nicht stoßen oder hinfallen, gibt es Schlummerlichter.

Kindersicher in Küche, Bad und Garten

Miniköche, kleine Hobbygärtner und wilde Piratenspiele: Auch Küche, Garten und Badezimmer müssen für unfallfreien Kinderspaß gesichert werden. Darauf solltest du achten.

Kindersicherheit in der Küche

Hier wird gekocht und gegessen, da wollen alle Miniköche mithelfen!

Lassen Sie keine gefährlichen Gegenstände in greifbarer Nähre Ihrer Kinder herumliegen.

1. Spielbereich in der Küche einrichten
Ein fester Platz zum Spielen, abgegrenzt durch ein Laufgitter oder optisch über eine Unterlage, gibt Kindern das Gefühl, auch hier ein eigenes Reich zu haben. Zum Rennen und Toben ist es der falsche Ort, spritzendes Fett oder Wasser können den Boden sehr glatt werden lassen - Ausrutschgefahr!

2. Elektrische Geräte außer Reichweite stellen
Stelle elektrische Geräte wie Kaffeemaschinen oder Wasserkocher außerhalb der Reichweite der Kinder auf. Und lasse die Kabel nicht herunterhängen!

3. Backofen und Spülmaschine sichern
Spülmaschine und Backofen sollten stets geschlossen sein. Beim Kochen solltest du die Pfannenstiele nach hinten drehen, sonst sind sie schnell heruntergerissen. Am besten sichere den Herd noch mit einem Herdgitter. Vor allem ältere Backöfen brauchen einen Fensterschutz, da sie schnell zu heiß werden!

4. Putzmittel wegsperren
Reinigungs- und Putzmittel gehören in einen abschließbaren Schrank, sie können zu Vergiftungen und Verätzungen führen.

Den Garten kindersicher machen

1. Keine Gartengeräte herumliegen lassen
Ein Klassiker in jedem Slapstickfilm, in der Realität jedoch hochgefährlich: Ein Tritt auf die Harke, der Stiel kippt hoch und haut heftig auf die Nase. Lasse also Gartengeräte nicht herumliegen! Auch der Gartenschlauch sollte sofort nach Gebrauch eingerollt werden, er kann sonst zur Stolperfalle werden und im schlimmsten Fall das Kind beim Spielen strangulieren.

2. Bäume und Zäune vorm Klettern schützen
Bäume immer wieder überprüfen, ob für Kinder erreichbare Äste morsch geworden sind und Stürmen sowie Kletteraktionen nicht mehr standhalten. Auch Zäune sollten für Kinder nicht zu erklettern sein.

3. Gartenteich einzäunen
Ein Gartenteich sollte unbedingt eingezäunt werden - einen Meter Abstand zum Ufer einhalten!

Um den Gartenteich gehört ein Zaun!

Das kindersischere Badezimmer

Planschen und baden - ein Hochgenuss! Damit es auch so bleibt:
1. Kind nie allein im Bad lassen
Lass dein Kind nie allein im Bad! Denn auch in niedrigem Wasser in der Badewanne können Kleinkinder ertrinken. Außerdem haben die meisten Badezimmertüren ein Schloss oder einen Schlüssel stecken, mit denen sich das Kind aus Versehen einschließen könnte.

2. Rutschfallen beseitigen
Der Boden ist meist wischfreundlich mit Fliesen ausgestattet, auf denen man leicht ausrutschen kann. Verwende  Anti-Rutsch-Matten – auch in der Badewanne.

3. Armaturen sichern
Die Armaturen lassen sich mit Stoßsicherungen ausstatten. Die Mischbatterie kann man mit einem Temperaturregler ausstatten, damit es nicht über 50 Grad heiß wird und Verbrühungen vermieden werden.

4. Elektrische Geräte wegschließen
Und den Föhn sofort nach Gebrauch vom Stromnetz nehmen und wegräumen!

Fitness und Motorik schützen vor Unfällen

Kindersicherheit im Haushalt ist nicht nur eine Frage der elterlichen Vorsorge und Vorbereitung. Wenn Kinder ein gutes Körpergefühl haben, können sie ihre Umgebung besser einschätzen. So kannst du dabei helfen.

Sport und Bewegung schützen vor Verletzungen

Die meisten Kinder verletzen sich bei Stürzen und Zusammenstößen. "Sie haben nicht gelernt, schnell und richtig auszuweichen, sich abzufangen oder abzurollen", sagt Susanne Brand, Jugendbildungsreferentin der Deutschen Turnerjugend. Sie meint, etwa 60 Prozent der Unfälle seien vermeidbar. "Kinder haben heute ein eingeschränktes Bewegungsfeld. Sie sitzen mehr statt sich draußen zu bewegen. Dadurch gehen Kondition, Ausdauer, Kraft und Beweglichkeit immer mehr verloren", erklärt sie.

Eine gute Motorikschulung macht Kinder mit der Schwerkraft vertraut, vermittelt ein gutes Gefühl für den eigenen Körper. Purzelbaum, sich auf eine Matratze fallen lassen, kopfüber an einer Stange pendeln, an einem Gerüst klettern - all diese klassischen Übungen und Spiele sind hierfür geeignet. In der Gruppe macht das natürlich am meisten Spaß.
Doch nicht nur das Training im Verein hält fit. "Es gilt, die nähere Umgebung als Raum für Bewegungsspiele zu entdecken", sagt die Jugendbildungsreferentin. Schärfe also den Blick für interessante Bewegungsmöglichkeiten: Vielleicht ist der Vorgarten der Nachbarn mit einem Mäuerchen eingefasst, auf dem man balancieren kann. Bei Regen kann man, statt zu Hause fernzusehen, wunderbar in Gummistiefeln über Pfützen springen. Eltern, die mitmachen, sind immer die allerbeste Motivationshilfe!

Infografik: Wachsende Gefahrenquellen mit wachsenden Fähigkeiten der Kinder.

Noch mehr ausführliche Tipps für eine kindersichere Wohnung finden Sie in dieser PDF-Broschüre zum Download und in unserem Video:

Bildquelle:

Getty Images,Thinkstock,gutefrage.net

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