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Zimmer aufräumen!

So lernen Kinder, Ordnung zu halten und 8 Experten-Tipps zum Aufräumen

Mädchen räumt auf Getty Images Mkovalevskaya
© Getty Images/ Mkovalevskaya

Kinder haben meistens eine ganz eigene Vorstellungen davon, was Ordnung ist und wann man aufräumen sollte. Wie bringt man also ein Kind, das sich im Chaos wohlfühlt, zum Aufräumen? Das hängt vom Alter ab, weiß die Diplom-Psychologin Dr. Veronika Voss. Sie meint, Eltern sollten ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen – manchmal aber auch beide Augen zudrücken.

Ordnung halten im Vorschulalter, geht das überhaupt?

Kleinkinder können ihr Zimmer nicht allein aufräumen, selbst dann nicht, wenn sie es wollten. Denn erst müssen sie lernen, wie Ordnung funktioniert. „In den ersten Lebensjahren sind Kinder voll damit beschäftigt, in einer verwirrenden Welt Strukturen zu erkennen und nachzuahmen.“, erklärt Dr. Veronika Voss.

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Um zu verstehen, was die Psychologin meint, muss ich nur unserem Nachbarskind Janna (2) beim Spielen über die Schulter schauen: Ihr absolutes Lieblingsspiel ist ein Würfel, bei dem eckige Klötze in eckige Löcher und runde Klötze in runde Löcher gesteckt werden sollen. Was gehört wohin? Aufräumen ist im Prinzip nichts anderes, als für jeden Klotz das richtige Loch zu finden. Auch hier muss Gleiches zu Gleichem gelegt, Spielzeug nach Farbe, Form, Größe oder Zweck sortiert werden.

Das Allerwichtigste ist, Kindern unaufgeregt eine gewisse Ordnung vorzuleben. Die Kunst des Sortierens, die lernen sie notfalls auch ganz nebenbei beim Spielen. Damit die Kinder den Spaß an der Sache behalten, können Eltern einiges tun:

  • Nicht zu penibel sortieren. Lieber wenige große Kisten aufstellen als viele kleine.
  • Alles muss einen eindeutigen Platz haben.
  • Die Spielzeugmenge überschaubar halten.
  • Klare Aufgaben formulieren.
  • Fotos vom Inhalt auf die Kisten kleben.
  • Erklären, was man gerade tut: „Schau mal, den Kran lege ich in die Autokiste.“

Video-Tipp der Redaktion: Weil's bei Familien selten lange aufgeräumt aussieht, hier die besten Aufräum-Hacks für Erwachsene und Kinder: 

Aufräum-Hacks: So sieht es schnell ordentlich aus!
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Ordnung halten im Schulalter

Mit fünf bis sechs Jahren wissen die meisten Kinder, wie Aufräumen funktioniert. Aber einfach die Ordnung der Eltern nachahmen finden sie blöd. Lieber entwickeln sie eigene Ideen, wie sie ihre Siebensachen sortieren. Eltern sollten das fördern. Kopfschüttelnd zusehen, wenn die Stocksammlung einen Stammplatz auf dem Schreibtisch kriegt, das müssen sie jedoch nicht.

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Bei Grundschülern ist Aufräumen nämlich Absprachesache: Wie oft wird aufgeräumt? Einmal pro Woche? Wann wird aufgeräumt? Was ist überhaupt ein aufgeräumtes Zimmer? Und: Wo haben die Dinge ihren Platz? Möglichst viele Feinheiten sollten geklärt sein.

Und wenn man sich gar nicht einigen kann? Dr. Voss empfiehlt in diesem Fall: „Zunächst sollten die Eltern prüfen: Sind wir vielleicht etwas zu pingelig? Und im Zweifelsfall toleranter sein. Für die Entwicklung der Kinder ist es wichtig, möglichst früh vieles nach dem eigenen Geschmack regeln zu dürfen. Das dient dem Erziehungsziel, das alle Eltern haben: Dass ihr Kind ein selbstständiger Mensch wird, der sich frei entwickelt und entfaltet. Und die Energien nicht darauf verschwendet, eine von außen antrainierte Ordnung herzustellen.“

Zunächst sollten die Eltern prüfen: Sind wir vielleicht etwas zu pingelig?
Dr. Voss

Klingt gut. Was aber, wenn eine Vereinbarung getroffen wurde und die Kinder sich trotzdem nicht dran halten? Die Expertin rät zur Konsequenz. Also: nicht eigenhändig die Spielsachen vom Fußboden klauben, sondern darauf bestehen, dass es erledigt wird. Schnell selber machen ist einfacher, als lange zu diskutieren. Aber sinnvoll ist es nicht. Denn, so Dr. Voss: „Das Kind muss Aufräumen jetzt als seine eigene Sache begreifen.“

Für Eltern heißt das: sich zurücknehmen und den Nachwuchs machen lassen. Etwa so:

  • „Wir hatten doch vereinbart, dass du heute aufräumst.“
  • „Ich bin eben fast auf die Kassette getreten, heb sie lieber auf, bevor sie kaputtgeht.“
  • „Gut, bis übermorgen kann die Burg stehen bleiben. Dann räumst du sie bitte weg.“
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6 Tipps zum (möglichst konfliktfreien) Aufräumen 

  1. Auf lange Sicht sinnvoll: den Blick für Unordnung schulen. Die Kinder müssen selbst erst mal erkennen können, was denn aktuell getan werden muss (Stichwort: Wäschekorb auf der Treppe ...). Machen wir uns nichts vor, das geht nicht von heute auf morgen und auch nicht ohne Gemaule. Lohnt sich aber.
  2. Nicht mit Belohnung locken: Das Kind soll aufräumen, weil es das Leben leichter macht. Nicht, um ein Eis zu bekommen oder nachher fernsehen zu dürfen. Voll okay dagegen: "Nach dem Aufräumen darfst Du aussuchen, was wir spielen!"
  3. Wie bei allem, hilft auch hier das Kind in Entscheidungen einbeziehen: "Was meinst du, ist diese Jeans schon reif für die Wäsche?"
  4. Wir Eltern haben natürlich viel Aufräum-Erfahrung und so viele Tipps auf Lager, aber, wenn wir nicht um Hilfe gebeten werden, sollten wir uns tunlichst zurückhalten damit – auch wenn's manchmal schwerfällt.
  5. Wichtig fürs Kinderzimmer aufräumen: Der Stauraum muss gut erreichbar sein.
  6. Jedes Kind braucht einen Bereich, wo es auf seine Art Ordnung halten kann. Oder einfach Dinge ungeordnet aufbewahren kann. Und wenn's nur eine eigene Schublade ist.
  7. Findet die Aufräum-Methode, die am besten zu euch passt, z.B. erst mal alles, was rumliegt in einen Korb und dann die einzelnen Teile aufräumen oder in einer Ecke anfangen und sich so vorarbeiten. 
  8. Oft entwickeln Kinder selbst abgefahrene Aufräum-Ideen, die sich mit den eingefahrenen Vorstellungen der Erwachsenen beißen und trotz dem Sinn machen. Oder gerade deshalb. Hinhören lohnt also unbedingt. 

Ordnung halten und Aufräumen in der Pubertät

Bei den meisten Kindern ist jetzt Chaos angesagt. Meckern, Sticheln und Nörgeln – nichts davon nützt. Und nichts davon wird von den ExpertInnen empfohlen. Wir Eltern sollten uns einfach raushalten, soweit es irgendwie geht – aus dem Thema und aus dem Zimmer. Ja, richtig gelesen, raushalten!  Wir müssen es aushalten, wenn teure Geräte auf dem Boden liegen, das Bett nicht gemacht wird und der Schrank lieblos voll gestopft ist. „In der Pubertät lernen Kinder, völlig eigene Strukturen zu schaffen“, erklärt die Psychologin. „Sie wollen sich ausprobieren und gegen die Eltern abgrenzen. Das muss sein, damit sich ihre Persönlichkeit formt. Wenn das Kind erst wieder Fuß fasst, relativiert sich alles.“

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In der Zwischenzeit bleibt uns Eltern nichts anderes übrig, als darauf zu vertrauen, dass die bisherige Erziehung nicht spurlos am Kind vorbeigegangen ist. Und auf einige Minimalforderungen in Sachen Ordnung und Aufräumen zu bestehen:

  • Im gemeinsamen Wohnraum gelten gemeinsame Regeln: Küche & Bad müssen
    so ordentlich sein, dass sich alle wohl fühlen.
  • Ein Mindestmaß an Ordnung auch fürs Kinderzimmer vereinbaren. Zum Beispiel:
    Ein Durchgang zum Fenster bleibt frei, damit man lüften kann.
  • Wenn jemand sich gestört fühlt, muss das Kind etwas ändern. Ebenso, wenn es
    sich durch seine Unordnung selbst schadet, bspw. Schulhefte nicht findet.
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Micky Moses

Mein Fazit

Wie man sieht: Aufräumen ist in jedem Alter anders. Das Argument, mit dem man Kinder für eine gewisse Ordnung erwärmen kann, ist jedoch immer dasselbe: Nicht weil ein ordentliches Zimmer schön aussieht. Nicht weil Ordnung angeblich das halbe Leben ist. Sondern einzig und allein: Weil es richtig praktisch ist, Dinge ganz schnell finden zu können! Wer ordnet, der findet.

Wie bei vielem gilt auch hier: Je früher man damit anfängt, desto leichter fällt es einem. Wenn die Pubertät anklopft, hilft nur noch hoffen und vertrauen. 

Micky Moses

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