Vegane Ernährung von Kindern: richtig oder falsch?

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Vegane Ernährung von Kindern: richtig oder falsch?

Es ist das Gesündeste überhaupt, sagen die einen. Es gefährdet das Kindswohl, behaupten die anderen: Bei veganer Ernährung von Kindern erhitzen sich die Gemüter und die Verunsicherung ist groß. Doch kann pflanzliche Kost mit Mischkost mithalten und Heranwachsende ausgewogen ernähren?

Veganismus liegt voll im Trend. Ob der eigenen Gesundheit zuliebe, aus Umweltschutzgründen oder um das Tierwohl zu wahren: Immer mehr Menschen entscheiden sich für einen radikalen Verzicht auf tierische Produkte. Das betrifft vor allem die Ernährung, zieht sich aber für die meisten konsequent durch alle Lebensbereiche: Auch Kosmetika, Mode und Lifestyleprodukte kommen für Veganer nur ohne Leder, Pelz und Co. in Frage. Erwachsene können die Entscheidung für ein veganes Leben eigenverantwortlich treffen. Doch wie sieht es mit Kindern aus? Bekommen sie mit solch einer Ernährung als Heranwachsende in ausreichender Menge alle Nährstoffe, die sie für ihre Entwicklung brauchen, oder wird ihnen ein Trend aufgezwungen, den sie möglicherweise einmal mit ihrer Gesundheit bezahlen werden?

Gesund oder zu einseitig? Viele Eltern sind verunsichert, wenn es um die vegane Ernährung ihres Kindes geht.

Was bedeutet vegane Ernährung?

Ein Leben ohne Fleisch und Fisch, also eine vegetarische Ernährung, ist mittlerweile im Mainstream angekommen. Rund 10% der Deutschen haben Schweinerippchen und Co. abgeschworen, Tendenz steigend. Milchprodukte, Eier und Honig stehen bei den Vegetariern dagegen immer noch auf dem Speiseplan. Radikaler mutet dagegen der Lebensstil von Veganern an: Sie verzichten generell auf sämtliche Tierprodukte, vor allem in der Nahrung. Mittlerweile leben in Deutschland über 1,3 Millionen Menschen vegan (skopos.de) auch hier ist die Tendenz steigend. Neben den Vorteilen für Tiere, Umwelt und Natur ist vor allem die eigene Gesundheit ein Motor für die wachsende Bedeutung dieses Trends. Die Wissenschaft bestätigt das: Zahlreiche Studien belegen, dass vegetarisch und vegan lebende Erwachsene deutlich weniger an chronischen Krankheiten leiden oder erst erkranken. Viele vegane Eltern möchten auch ihrem Nachwuchs die Werte einer pflanzenbasierten Ernährung mitgeben. Gesundheit und der bewusste Umgang mit Umwelt, Mitlebewesen und Natur soll auf diese Weise von Anfang an ins Leben integriert werden. Und das passiert schon lange nicht mehr im stillen Kämmerlein: Die ersten veganen Kitas zeugen vom steigenden Interesse an dieser Lebensweise.

Gefährdet vegane Kost die Gesundheit der Kinder?

Was bei Erwachsenen von Kritikern oft noch als Spleen abgetan wird, erhitzt jedoch die Gemüter der Gegner und verunsichert Interessierte, wenn es um Kinder geht. Brauchen Heranwachsende nicht eine Mischkost aus pflanzlichen und tierischen Produkten, damit sie mit allen Nährstoffen optimal versorgt sind, die sie für eine gesunde Entwicklung lebenswichtig brauchen? Fehlt im Falle der einseitig pflanzlichen Ernährung nicht zum Beispiel das Kalzium aus der Milch und Eisen und Proteine aus dem Fleisch?

Was brauchen Kinder in der Ernährung?

Kinder brauchen für ihr gesundes Wachstum eine - und darauf liegt die Betonung - ausgewogene und auf ihre Bedürfnisse abgestimmte Ernährung. Das kann auch eine rein pflanzliche Kost leisten, wenn sie richtig zusammengestellt wird. Denn es kommt nicht auf den Ursprung der Nahrungsmittel an, sondern auf bestimmte Stoffe, die Kinder im Wachstum neben dem essentiellen Jod, Omega-3-Fettsäuren, Vitamin B und Selen vermehrt benötigen:

  • erhöhter Energiebedarf in Form von mehr Kilokalorien

  • Erhöhter Proteinbedarf für den Aufbau essentieller Aminosäuren

  • Erhöhter Bedarf an Nährstoffen wie Eisen, Kalzium, Zink, Vitamin D, B Vitaminen, insbesondere B12

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Decken Pflanzen den Bedarf?

Wissenschaftliche Studien zeigen: Pflanzliche Kost kann den erhöhten Bedarf von Heranwachsenden decken. Sie birgt dank ihrer hohen Nährstoffdichte und der dabei geringen Energiedichte zudem ein großes Präventionspotential vor chronischen Krankheiten wie Herz-Kreislauferkrankungen, Krebs oder Diabetes. Durch seinen geringeren Energiewert und der optimalen Verwertbarkeit der Nährstoffe schützt vegane Kost auch vor Fettleibigkeit, die oftmals das Tor zu einer chronischen Krankheit ist. Somit ist sie auch weit im Voraus vorbeugend wirksam. Und so deckt reine Pflanzenkost den Bedarf an Nährstoffen:

  • Erhöhter Energie/Kilokalorienzahl: Die Kilokalorienzahl ist bei Pflanzenkost geringer als bei tierischen Nahrungsmitteln, kann jedoch durch bestimmte vegane Produkte wie zum Beispiel durch Nüsse oder Avocados aufgefangen werden.

  • Proteine: Viele Proteine für die Bildung der lebenswichtigen Aminosäuren liefert die Pflanzenwelt in Form von Sprossen, Nüssen, Ölsaaten und Hülsenfrüchten. Soja hat zum Beispiel einen dem Fleisch von Hühnern entsprechenden Eiweißgehalt. Die Wertigkeit von Getreideproteinen kann außerdem durch Zugabe anderer pflanzlichen Produkte, wie Nüsse und Ölsaaten, aufgewertet werden.

  • Vitamine & Mineralstoffe: Die Versorgung mit essentiellen Mikronährstoffen wie den Antioxidantien Vitamine C und E, Folsäure und ß-Carotin ist bei rein pflanzlicher Ernährung besser als bei Mischkost.

  • Eisen: Zwar ist die Bioverfügbarkeit an Eisen aus Pflanzenkost auf den ersten Blick geringer als im tierischen Produkt. Durch eine Kombination mit Vitamin C kann eine optimale Aufnahme im Darm jedoch gefördert werden. Viel Eisen findet sich u.a. in Vollkornprodukten, Nüssen, Hülsenfrüchten, Blattgemüse und Trockenfrüchten.

  • Kalzium: Im Pflanzenreich gibt es Kalziumquellen, die der Milch in nichts nachstehen. Grünkohl, Trockenfrüchte, aber auch Mohn, Sesam oder Amaranth sowie Mandeln und Haselnüsse haben den größten Kalziumgehalt. Für den Knochenaufbau kooperiert das Kalzium mit Vitamin D, das ebenfalls essentiell ist.

  • Vitamin D: Vitamin D wird mithilfe des Sonnenlichts in der Haut gebildet. In der dunklen Jahreszeit sollte es immer zusätzlich, z.B. in Form von Tropfen ergänzt werden.

  • Zink: Als lebenswichtiger Nährstoff kann Zink aus Getreide und Nüssen aufgenommen werden, auch die Kombination mit Vitamin C fördert die bessere Aufnahme.

  • B Vitamine insbesondere B12: Vitamin B12 steht nicht ausreichender Form aus pflanzlichen Quellen zur Verfügung. Auch wenn bestimmte Algen (z.B. Chlorella) darüber verfügen, sollte es ebenfalls zusätzlich ergänzt werden, damit es ausreichend im Körper vorhanden ist.

Was belegen Studien?

Auch wenn Veganismus, insbesondere bei Kindern, noch ein junges Forschungsfeld ist, belegen einige Studien die Tauglichkeit veganer Ernährung bei Kindern, die demnach einer gesunden Mischkost in nichts nachsteht. Die amerikanische Academy of Nutrition and Dietetics hat in mehreren Untersuchungen das Thema für alle Altersgruppen erforscht und kommt zu dem Ergebnis, dass eine gut geplante pflanzliche Kost für jedes Lebensalter, auch für Kinder und Jugendliche, geeignet ist.

Die VeChi Studie

In 2018 wurde in Deutschland mit der VeChi-Studie ("Vegetarian and vegan children study") bislang weltweit größte Studie zum Thema vegane Ernährung bei Kindern erhoben. Sie verglich das Essverhalten und die körperliche Entwicklung von Kindern im Alter von ein bis drei Jahren, die sich vegan, vegetarisch und mit Mischkost ernähren. Auch sie kam zu dem Ergebnis, dass eine vegane Ernährung bei Kindern möglich ist, sofern dafür gesorgt wird, dass alle notwendigen Vitamine und Nährstoffe erhalten sind. Eine detaillierte Auswertung ist für 2019 angekündigt.

Die vegane Ernährungspyramide

Hilfestellung bei der Zusammenstellung ausgewogener Mahlzeiten für dein Kind, gibt dir die vegane Ernährungspyramide  inklusive Verzehrempfehlungen. Die hat der Vegetarierbund Deutschland (VEBU) auf Basis wissenschaftlicher Untersuchungen erstellt. Demnach sollte die Kost für dein Kind vor allem abwechslungsreich, im wahrsten Sinne des Wortes bunt und vielfältig sein.  Spannende Anregungen findest du mittlerweile auch in den zahlreich erschienenen, veganen Kochbüchern*, die auf die Bedürfnisse und geschmäcker aller Familienmitglieder abgestimmt sind.

Vegan ist nicht gleich vegan

Vegan ist nicht gleich vegan. Gerade mit steigendem Zulauf des Trends wird das Label „vegan“ auch in der Wirtschaft ein immer lukrativer werdender Markt. Mehr und mehr Convenient-Artikel erobern die Läden auch in diesem Segment. Doch Vorsicht: Je weiter ein Produkt verarbeitet ist, umso weniger Nährstoffe hat es meist.

Worauf du achten solltest

Du solltest unbedingt nicht nur auf Bioqualität oder regionale Herkunft, sondern auch auf Rohstoffqualität bei der Auswahl deiner veganen Lebensmittel achten. Denn nur in diesen Produkten sind noch die meisten Nährstoffe enthalten. Es ist immer gesünder, die Mahlzeiten selbst zu kochen oder zuzubereiten, als vegane Fertiggerichte zu kaufen. Nur dann weißt du sicher, welche Stoffe enthalten sind. Außerdem weisen sie die beste Energie/Nährstoff-Bilanz auf. Willst du dein Kind gesund vegan ernähren, solltest du außerdem Kenntnisse darüber haben, welche Nährstoffe dein Nachwuchs für Wachstum und Entwicklung ganz besonders benötigt, wie du diese Lebensmittel optimal kombinierst und was du eventuell hinzufügen solltest.

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Bildquelle: Getty Images

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