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Schreiambulanz: Schnelle Hilfe für Eltern von Schreibabys

Rettung naht

Schreiambulanz: Schnelle Hilfe für Eltern von Schreibabys

Wenn das Baby ohne Pause schreit, dann geht es der ganzen Familie an die Substanz. Eine Schreiambulanz berät euch, wie ihr als Eltern eurem Schreibaby zur Seite stehen könnt. 

Der Alltag der Säuglinge nach der Geburt: schlafen, essen, volle Windeln machen – und schreien. Wenn aber das Brüllen überhandnimmt und den Alltag bestimmt, dann ist das nur schwer auszuhalten. Stundenlanges Schreien geht auf die Psyche der Eltern. Und ständig diese Fragen im überlasteten Kopf: "Was hat der kleine Wurm denn nur? Was machen wir denn falsch? Warum sind die anderen Babys viel ruhiger?"

Wenn Babys weinen und schreien, ist der erste Instinkt der Eltern, die Ursache dafür zu finden. Meistens hat es Hunger, die volle Windel ist unangenehm, der Winzling ist zu warm oder zu kühl angezogen und manchmal ist es auch einfach eine Reizüberflutung wie z. B. zu viel Lärm. Wenn aber keines der Gründe hier die Antwort ist, dann hat das Baby eventuell eine Regulationsstörung und kann sich somit nicht selbst zur Ruhe bringen. Die Folge: Es schreit und schreit und schreit. Besonders in den ersten drei Monaten. Durchschnittlich zwei Stunden pro Tag, ab drei Stunden gilt es als "exzessives Schreien" und fällt in die Kategorie "Schreikind". Der Teufelskreis dreht sich immer weiter, denn durch das Brüllen schluckt das Baby noch mehr Luft und das verursacht ein geblähtes Bäuchlein. Sehr unangenehm für die Kleinen und wieder einen Grund mehr, warum das Schreien nicht weniger wird.

Schreiambulanz oder Arzt: Auf jeden Fall Rat suchen

Nun muss aber keine Mama und kein Papa "abwarten", bis ihr Baby wirklich drei Stunden schreit und medizinisch als Schreibaby gilt. Sucht euch sofort Hilfe. Wendet euch an die Nachsorgehebamme oder geht zum Kinderarzt. Es kann hinter dem Brüllen auch in seltenen Fällen eine organische Ursache dahinterstecken wie etwa Sodbrennen, Milcheiweißunverträglichkeit oder sonstige Verdauungsprobleme. Es hilft auch einfach für die Psyche schon ungemein, mit Fachpersonal darüber zu reden, für die Schreibabys kein absolut seltener Fall ist. Wenn ein medizinischer Hintergrund ausgeschlossen ist, dann wendet euch an eine Schreiambulanz (siehe unten).

Und was ist mit Schreien lassen? Jeder von uns kennt den veralteten Spruch „Man muss ein Kind auch mal schreien lassen, das stärkt die Lungen.“ In einer aktuellen britischen Studie geht es genau um dieses sensible Thema. Dr. Ayten Bilgin und Professor Dr. Dieter Wolke beobachteten 178 Neugeborene und deren Eltern über 18 Monate. Wenn Mama oder Papa in den ersten drei Monaten schnell auf ihr Kleines reagierten, mit der Zeit aber ihr Baby länger schreien ließen, waren die Kinder im Alter von 1,5 Jahren ruhiger. Der Nachwuchs hat die Möglichkeit bekommen, sein Verhalten selber zu regulieren. Die Studie ist aber kein "Freifahrtsschein" dafür, die Kinder wirklich einfach schreien zu lassen. Die beiden Wissenschaftler plädieren dafür, sich in dieser Frage auf die eigene Intuition zu verlassen. In den ersten drei Lebensmonaten, die ebenfalls für Schreibabys die kritischste Phase ist, war es aber wichtig, auf die Säuglinge zu reagieren.

Schreiambulanzen und weitere Hilfen für Eltern von Schreibabys:

  • Eine Suche nach Schreiambulanzen bundesweit, teilweise auch telefonische Beratung, gibt es unter www.elternsein.info
  • Das Krisentelefon für Eltern mit einem schreienden Säugling des kbo-Kinderzentrums erreicht ihr unter der kostenfreien Rufnummer 0800/7100900. Es ist jeden Freitag, Samstag und Sonntag zwischen 19 und 22 Uhr besetzt.
  • Das Elterntelefon - die "Nummer gegen Kummer" - ist unter der gebührenfreien Telefonnummer 0800/111 0 550 montags, mittwochs und freitags von 9 bis 17 Uhr und dienstags und donnerstags 9 bis 19 Uhr für euch da. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter sind auf die Beratung von Eltern mit Kinder von 0 bis 3 Jahren spezialisiert.
  • Die Bundeskonferenz für Erziehungsberatung e.V. (bke-Elternberatung) bietet professionelle Erziehungsberatung und Austausch mit anderen Eltern in Form von offenen Sprechstunden, Mailberatung, Einzelchats und Gruppenchats nach Registrierung. Und das alles anonym, kostenfrei und datensicher.
  • Schnellen Rat bei Baby-Stress bekommt ihr ebenfalls über Hilfsangebote wie www.wellcome-online.de und www.fruehehilfen.de.

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Still-Quiz: Was weißt du über Muttermilch, die Quelle des Lebens?

Quelle: The Journal of Child Psychology und Psychiatry

Yao Fordemann
Das sagtYao Fordemann:

Dringender Rat: Bitte nie euer Baby schütteln!

Es ist eine absolut menschliche Reaktion, wenn ihr das Dauergeschrei irgendwann nicht mehr aushalten könnt – auch wenn es das eigene Fleisch und Blut ist. Aber so verzweifelt und wütend ihr euch auch fühlt, bitte schüttelt euer hilfloses Kind niemals! Ein Schütteltrauma kann schwere Folgen für das Baby haben und führt sogar bis zum Tod.

Bildquelle: Halfpoint/iStock/Getty Images Plus

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