Tipps gegen die Angst vorm Stuhlgang

Nach schmerzhaftem Stuhlgang in Folge einer Verstopfung entwickeln viele Kinder eine Angst vorm "Groß machen". Diese Angst gilt es mit viel Geduld und Einfühlungsvermögen zu behandeln.


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Verstopfung bei Babys und Kleinkindern - Tipps gegen die Angst vorm Stuhlgang

Kinder entwickeln schnell eine Angst nach schmerzhaften Stuhlgang.


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Sobald ein Kind im Alter von zwei bis drei Jahren gelernt hat, den Stuhlgang bewusst zurückzuhalten, können schmerzhafte Erlebnisse bei der Darmentleerung (z.B. nach einer Verstopfung) einen Teufelskreis in Gang setzen. Aus Angst vor erneuten Schmerzen verkneift sich das Kind dann den Stuhlgang bis zur erneuten Verstopfung. Diesen Kreislauf zu durchbrechen ist schwierig und braucht oftmals viel Zeit.

➤ Am wichtigsten: Die Angst ernst nehmen! Mit einem "So schlimm kann es doch nicht sein!" oder "Stell‘ dich nicht so an!" ist keinem Kind in der beschriebenen Situation geholfen. Auch wenn Sie der Meinung sind, dass einmal die Zähne zusammenbeißen und drücken nicht so schwer sein kann, kann genau das für Ihr Kind eine riesige Hürde darstellen.

Angst vor Schmerzen sollten Sie immer ernst nehmen und mit viel Einfühlungsvermögen entgegentreten. Ihr Kind muss spüren, dass es Ihnen vertrauen kann und dass Sie ihm glauben. Sprechen Sie also ganz ruhig mit ihm darüber, wovor es genau Angst hat und versuchen Sie zu erklären, was in seinem Körper vorgeht und woher die Schmerzen beim letzten Mal kamen.

➤ Keinen Druck aufbauen:
Catherine Giessen, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin aus München rät: "Man sollte versuchen, den Kindern so wenig Stress und Druck wie möglich zu machen, da somit die gesamte Toilettensituation zu einer traumatischen Erfahrung werden kann." Das heißt, egal wie verzweifelt Sie oder das Kind bereits sind, Ungeduld, Drohungen und Schimpfen wirken sich in jedem Fall kontraproduktiv aus.

Verkneifen Sie sich auch Sätze wie "Du bist doch schon groß!". Ihr Kind ist in der Situation sowieso schon überfordert und darf nicht noch zusätzlich belastet werden. Kleineren Kindern kann sogar die Windel wieder angeboten werden, "damit die negative Assoziation mit der Toilette verringert wird".

Giessen rät außerdem davon ab, der gesamten Situation zu viel Aufmerksamkeit zu schenken, da dies eventuell als Verstärker der Probleme wirken kann. "Das Kind bekommt das Gefühl, dass die schwierige Situation auch Vorteile mit sich bringt, nämlich die komplette Aufmerksamkeit der Eltern".

➤ Medikamente erklären und "Wundermedizin" geben: Sollten Sie bereits Hausmittel oder Medikamente einsetzen, die den Stuhl weicher machen, dann jubeln Sie diese Ihrem Kind nach Möglichkeit nicht irgendwie unter. Zeigen Sie ihm die Medizin und erklären genau aber kindgerecht, wofür sie da ist, "damit es eine Idee von den Prozessen bekommt, die im Körper ablaufen und Hoffnung schöpft, dass ihm dadurch geholfen wird", so Giessen.

Sollte Ihr Kind die Medizin verweigern, dann hilft ein bisschen Flunkern. Ein kleines TicTac zum Beispiel kann eine tolle "Wundermedizin" aus einem weit entfernten Zauberland sein. Denken Sie sich eine schöne Geschichte aus und Ihr Kind lässt sich dann vielleicht auf den Placebo-Effekt ein. Das gleiche funktioniert natürlich auch mit "Wunderzäpfchen" und "Wundersalben".

➤ Ablenken und positive Zeit haben: Eines der besten Mittel gegen die Angst ist Ablenkung. Das heißt ganz viele Bücher, Spiele und Spielzeuge werden mit ins Badezimmer genommen und dann wird die Toilettenzeit zur positiv empfundenen Spielzeit. Sie können auch gemeinsam singen oder sich verrückte Reimgeschichten ausdenken. Achten Sie aber darauf, dass das Kind nicht zu lange auf dem Töpfchen oder der Toilette sitzt und legen Sie Pausen ein, in denen getobt wird.

Ablenkung und spielen gegen die Angst vorm Stuhlgang

Machen Sie die Toilettenzeit zur Spielzeit!


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➤ Selbstständigkeit fördern und belohnen: Am besten geht das laut Giessen mit einer Art Bonusplan, den Sie gemeinsam mit dem Kind erstellen können. Immer, wenn das Kind dann selbstständig auf die Toilette gegangen ist, darf es einen Sticker oder Smiley in den Plan kleben. War der Toilettengang erfolgreich, dürfen mehrere Sticker bzw. Smileys eingeklebt werden. Diese sollten dann für eine kleine Belohung eingetauscht werden können, wie z.B. gemeinsames Spielen, ein Kinobesuch oder ein neues Spielzeug.

"Wichtig ist", meint Giessen, "dass jeder realistische Versuch des Toilettengangs bereits belohnt wird, damit das Kind nicht zu lange aushält. Wenn es dann erfolgreich war, sollte es so viele Smileys bekommen, dass es zeitnah seine Belohnung eintauschen kann. Der Zusammenhang zwischen erwünschtem Verhalten und Belohnung sollte deutlich sein".

Nachdem die größte Angst überwunden ist und das Kind einige erfolgreiche Toilettengänge gemacht hat, sollte das Belohnungssystem langsam heruntergefahren werden, indem zum Beispiel nur noch wochenweise Sticker verteilt werden.

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