Kinderfüße brauchen Bewegung

Und sie brauchen die richtigen Schuhe. Lesen Sie hier, welche Fußfehlstellungen bei Kindern häufig sind und wie Sie diesen Problemen vorbeugen und entgegenwirken können. Dazu gibt’s Tipps für spielerische Fußgymnastik mit Kindern.


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Zeigt her eure Füße!


Darum baten zuletzt 2007 die Bayerischen Betriebskrankenkassen (BKK) in einer groß angelegten Studie rund 1.500 Kindergarten und Schulkinder. Damals wies jedes 8. Kind einen orthopädisch auffälligen Befund auf: vom Knick-Senk-Fuß bis zu Muskelverkürzungen, Koordinationsstörungen und dicken Schwielen. Da der Trend bei Kindern leider zu immer weniger Bewegung geht, ist davon auszugehen, dass sich diese Zahl bis heute nicht zum Guten verbessert hat. Dabei ließen sich Fußprobleme durchaus vermeiden! Doch dazu muss man wissen, was unsere Füße brauchen, damit sie uns problemlos durchs Leben tragen können.


Kinderfüße brauchen Bewegung!


© Thinkstock

Ein Viertel aller menschlichen Knochen befindet sich allein in den Füßen. Dabei sorgen etliche Gelenke, Muskeln und Bänder dafür, dass der Nachwuchs fest mit beiden Beinen auf dem Erdboden steht, zugleich aber auch hüpfen, toben, springen und laufen kann. Die sie umgebende Haut und Sehnen werden von einer Vielzahl feiner Nerven durchzogen, die dem „Laufgestell“ eine so hohe Sensibilität verleihen, dass es kleinste Unebenheit auf Untergründen erspürt und ausgleicht. Je häufiger und stärker die Funktionen des Fußes gefordert werden, desto ausgeprägter sind seine Fähigkeiten. Doch die müssen sich die Kleinen nach und nach erwerben.

Kinderfüße: Kurzzeitige Fehlstellungen sind normal
So alarmierend die Studienergebnisse auch klingen, zumeist sind „Fehlentwicklungen“ der Beine und Füße in unterschiedlichen Altersgruppen kein Grund zur Sorge, sondern völlig normal. „In 99,9 Prozent aller Fälle richten sich die vermeintlichen Deformierungen von selbst, insbesondere wenn sie an beiden Beinen auftreten“, meint der Hamburger Orthopäde Dr. Matthias Dittberner und beruhigt: „Von schweren Erkrankungen wie Klump-, Sichel- oder Serpentinenfüßen, die spezieller Therapien oder gar Operationen bedürfen, sind nur rund zwei Prozent aller Kinder betroffen.“ 

Ebenso wie der ganze Körper sind auch Beine und Füße des Nachwuchses einer Entwicklung unterworfen. Doch mit jedem Schritt, den Ihr Kind macht, werden seine Muskeln und Bänder stärker. Das beginnt mit dem Aufstellen eines Kleinkindes ab dem 10. Monat. Plötzlich müssen die Beine und Füße das gesamte Körpergewicht tragen. Die Folge: die noch überbeweglichen Gelenke und der schwache Bandapparat der Kleinen bieten keine ausreichende Stütze, es kann zu Knick-Senk- oder Plattfüßchen, X-und O-Beinen kommen. Die O-Form aber hat sich zumeist bis zum Alter von etwa drei Jahren ausgewachsen, X-Beine werden in der Regel bis zum Eintritt ins Schulalter von der Natur gerichtet. Vermeintlich fehlentwickelte Knick-Senk-Füßchen können vorübergehend sogar nützlich sein: „Der flexible Knick-Senk-Fuß erleichtert zusammen mit dem durch Fett gepolsterten Längsgewölbe das Laufenlernen. Im Laufe des weiteren Wachstums entwickelt sich das Fettpolster schließlich zurück, und das Fußgewölbe richtet sich auf“, so Dittberner.

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Den idealen Fuß gibt es nicht

Den idealen Fuß, gibt's den überhaupt? Nein, meint der Kinderfußexperte und räumt auch gleich mit dem Vorteil auf, dass jeder Plattfuß krankhaft sei: „In vielen afrikanischen oder asiatischen Völkern haben die meisten Menschen Senkfüße.“ Man kann damit sogar äußerst erfolgreich sein: „Die besten Langstreckenläufer der Welt sind afrikanische ,Plattfüßler'.“

Generell gilt: Die meisten Fuß- und Beinprobleme wachsen sich bis zum Alter von etwa 15 Jahren aus, denn erst dann sind das Längenwachstum und die Ausdifferenzierung der Muskeln abgeschlossen. Sollten die Sprösslinge jedoch über Fuß-, Knie-, Hüft- und Rückenschmerzen klagen, für die man keine andere Erklärung findet, sollte man einen Kinderorthopäden zu Rate ziehen. Das Gleiche gilt auch bei motorischen Entwicklungsverzögerungen oder Koordinationsstörungen. Sie können mit sogenannten sensomotorischen Einlagen ausgeglichen werden. Für alle anderen Kinder gilt: Optimales Training fördert eine lebenslange Fußgesundheit!
Kinderfüße richtig trainieren
Gut trainierte Füße haben entscheidenden Einfluss auf die gesamte Haltung, denn die Körperspannung baut sich durch eine Wellenbewegung von den Zehen über das Längs- und Quergewölbe, dann die Ferse über die Beine zum Rücken hin auf. Experten wissen: Nichts ist für eine Kräftigung der Fuß-, Unterschenkel- und Rückenmuskulatur besser geeignet als Bewegung - am besten ohne Schuhe. 

Wir zeigen Ihnen in unserem Video sechs spielerische Übungen für starke und gesunde Kinderfüße.

Das Problem beim Kinderschuh

Barfuß laufen ist ja gut und schön, aber immer geht das natürlich nicht. Leider aber bieten Kinderschuhe dem Fuß nicht immer den optimalen Bewegungsraum. Das ist fatal, besonders in der sensiblen Wachstumsphase bis zur Pubertät. Steckt der Fuß in zu kleinen Schuhen, kann er nicht abrollen, er wird gestaucht, in die Breite gespreizt, und die Zehen verkrallen sich. Ähnlich geschädigt wird er auch, wenn er in zu großen Schuhen steckt, weil er beim Vorwärtsgehen ständig nach vorne rutscht. Doch es ist oft nicht so ganz einfach festzustellen, ob die Kleinen ihren Kinderschuhen schon entwachsen sind. Kinderfüße wachsen phasenweise in rasantem Tempo - bis zu zwei Millimeter pro Monat. Ist das Jahr rum, ist mancher Knirpsfuß drei Schuhgrößen länger! Die Kleinen spüren den zunehmenden Druck jedoch kaum, weil ihre Nerven noch nicht ausgereift sind.

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