Sinkende Schülerzahlen bieten große Chancen


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Sinkende Schülerzahlen bieten große Chancen

Dabei beinhaltet gerade der Rückgang der Schülerzahlen eine immense Chance, das Schulsystem endlich grundlegend und pädagogisch sinnvoll zu reformieren. Jahrgangsübergreifenden Unterricht, flächendeckende Einführung von Ganztagsschulen, individuelle Lerndiagnostik und persönliche Förderung der SchülerInnen - all das steht seit Jahrzehnten auf der pädagogischen Agenda. Nicht nur bei ProfessorInnen, auch bei den Eltern. Isabell Zacharias, Landesvorsitzende des Bayerischen Elternverbandes, spricht sich dafür aus, scheinbar überzählige Lehrer endlich für eine bessere Unterstützung einzelner Kinder einzusetzen: "Hier können die Politiker Mut beweisen und jedem Kind wirklich die individuelle Förderung bieten, von der sie seit Jahren reden." Bezahlbar sind solche Reformen mit der "Kinderschwundprämie" allemal. "Die durch die Entwicklung der Schülerzahlen möglichen Einsparungen könnten 75 Prozent einer umfassenden Reform im Schulbereich finanzieren", heißt es in der Prognos-Untersuchung. Das Geld müsse vor allem in den Grundschulbereich fließen, denn hier bestehe im internationalen Vergleich erheblicher Handlungsbedarf. Die Politik ist wegen sinkender Schülerzahlen gefordert Behindert werden Reformbestrebungen vor allem von bürokratischer Seite: So bezieht sich der Regierungsbezirk Düsseldorf in einer Pressemitteilung auf die laut Schulgesetz festgelegten "Klassenbildungswerte": für Grundschulen 18 bis 30 Schüler. Entsprechend würden kleinere Klassen zu mehr Unterrichtsausfall führen, da die Lehrkraftzuweisung nach Schülerzahl erfolgt. Außerdem dürfe es zu keiner für größere Schulen ungerechten Umverteilung der Lehrer kommen. Mit entsprechendem politischen Willen sind hier Änderungen durchaus möglich. Was spricht dagegen,  eine Klasse schon mit zwölf Schülern einzurichten? Oder mehrere Jahrgänge in eine Klasse zu setzen? Oder auf dem Land andere Regeln gelten zu lassen als in der Stadt? Doch hier schieben sich Kommune (Schulträger) und Land (staatliche Aufsicht) den Schwarzen Peter zu. Zulasten der Schüler. Anja Ziegon nennt solches Bürokratiegebaren "organisierte Nichtverantwortlichkeit". Doch von massivem Engagement lassen sich auch Regierungen beeindrucken. In Bayern sollen in diesem Jahr 30 neue Ganztagsgrundschulen eingerichtet werden. Allerdings nur als Modellprojekt für die nächsten vier Jahre. Auf engagierte Eltern kommt noch viel Arbeit zu!