Mutterschutz: Das Mutterschutzgesetz im Überblick

Wenn Sie schwanger sind, haben Sie besondere Rechte. Geregelt sind diese im Mutterschutzgesetz. Doch nicht nur der Arbeitgeber hat Vorschriften, an die er sich halten muss. Auch Sie als Schwangere haben einige Pflichten.


(0)

Melden Sie sich in unserer Community an, um Beiträge zu Ihren Favoriten hinzuzufügen.

Jetzt anmelden


+++ Update vom 04.05.2016 +++
Das Bundeskabinett hat nun endgültig einen Gesetzentwurf zur Modernisierung des Mutterschutzes zugestimmt. Damit geht das Kabinett auf die Forderungen von Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) ein. Sie möchte das Mutterschutzgesetz - welches seit 1952 unverändert besteht - entstauben und den Bedürfnissen der heutigen Zeit anpassen. Schwesig: "Mit dieser Reform passen wir den Mutterschutz an die heutigen Realitäten an. Das Gesetz war veraltet – wir bringen es auf die Höhe der Zeit."

Ein ganz zentraler Punkt der Reform ist, dass künftig auch Schülerinnen und Studentinnen vom Mutterschutz profitieren können. Sie waren bisher vom Mutterschutzgesetz ausgeschlossen. Außerdem soll das neue Mutterschutzgesetz Frauen mehr Freiheiten ermöglichen. So soll es jeder Schwangeren möglich sein, auf eigenen Wunsch länger bis vor der Geburt zu arbeiten. Das hatten vor allem Ärztinnen immer wieder bemängelt.

Weitere Neuregelungen im Überblick: 
• Die Schutzfrist nach der Geburt eines Kindes mit Behinderung wird von acht auf zwölf Wochen verlängert.
• Es wird ein Kündigungsschutz für Frauen nach einer nach der zwölften Woche erfolgten Fehlgeburt neu eingeführt.
• Die Regelungen zur Mehr- und Nachtarbeit sowie zur Sonn- und Feiertagsarbeit werden branchenunabhängig gefasst.
• Auch selbständige Geschäftsführerinnen, Soldatinnen sowie Beamtinnen werden zukünftig vom Mutterschutz geschützt.

Das Gesetz soll noch im Jahr 2016 verabschiedet werden und ab dem 1. Januar 2017 in Kraft treten. Mehr Informationen dazu auch beim Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. 

Wie der Mutterschutz Schwangere absichert


© Thinkstock
Wenn der Babybauch gegen Ende der Schwangerschaft ständig irgendwie im Weg und jede Bewegung zu viel ist, sind werdende Mütter froh endlich in den wohlverdienten Mutterschutz gehen zu dürfen. Der gesetzliche Mutterschutz beginnt etwa sechs Wochen vor der Geburt und schützt Mutter und Kind auch noch bis zu zwei Monate danach. Bei Früh- oder Mehrlingsschwangerschaften wird der Schutz auf 12 Wochen verlängert. In dieser Zeit dürfen Frauen, die eigentlich einen festen Job haben nicht mehr beschäftigt werden – dazu ist der Arbeitgeber verpflichtet. Das gilt für alle Festangestellte und Teilzeitbeschäftigte, Auszubildende, Hausangestellte oder Heimarbeiterinnen. Für Beamtinnen gelten Sonderregelungen. Derzeit vom Mutterschutzgesetz ausgenommen sind Selbstständige, Geschäftsführerinnnen, Freiberuflerinnen und Studentinnen.

Festgehalten ist das, zusammen mit anderen Schutzregelungen, im Mutterschutzgesetz (MuSchG). Primär dient dieses Gesetz dazu, die werdende Mutter und ihr ungeborenes Kind vor Gefahren am Arbeitsplatz zu schützen. Doch jeder Schwangeren kommen durch den gesetzlichen Mutterschutz auch besondere Rechte zu. So kann ihnen beispielsweise nicht einfach gekündigt werden. Hier haben wir für Sie die wichtigsten Punkte des Mutterschutzgesetzes zusammengefasst.

Vorgeschriebene Leistungen
  • 1 / 8
    Geltungsbereich

    Das Mutterschutzgesetz gilt grundsätzlich für alle werdenden Mütter, die in einem Arbeitsverhältnis stehen. Dabei spielt es keine Rolle, ob Sie voll- oder teilzeit, haupt- oder nebenberuflich arbeiten, ob Sie als Aushilfe beschäftigt sind oder eine Ausbildung machen. Vom Mutterschutzgesetzt ausgenommen sind Selbstständige und Hausfrauen.

  • 2 / 8
    Schutzfristen vor der Geburt

    Das Mutterschutzgesetzt beginnt sechs Wochen vor dem errechneten Geburtstermin. Dann dürfen Schwangere nicht mehr beschäftigt sein. Ausnahme: wenn es Ihr ausdrücklicher Wunsch ist, können Sie auch noch in diesen sechs Wochen arbeiten. Diese Erklärung können Sie jedoch jederzeit wiederrufen.

  • 3 / 8
    Schutzfristen nach der Geburt

    Auch nach der Entbindung sind Mütter durch das Gesetz geschützt: insgesamt acht Wochen lang. An dieser Schutzfrist ändert sich auch nichts, wenn der errechnete Geburtstermin überschritten wurde. Bei medizinischen Frühgeburten oder bei Mehrlingsgeburten wird die Frist auf zwölf Wochen nach der Geburt verlängert.

  • 4 / 8
    Mutterschaftsgeld gesetzliche Krankenkasse

    Während der gesamten Schutzfrist erhalten alle werdenden Mütter mit einer gesetzlichen Krankenversicherung Mutterschaftsgeld: pro Kalendertag sind das 13 Euro. Dafür müssen Sie einen entsprechenden Antrag stellen und einen ärztlichen Nachweis Ihrer Schwangerschaft vorlegen.

  • 5 / 8
    Mutterschaftsgeld private Krankenkasse

    Schwangere, die nicht in einer gesetzlichen Krankenversicherung Mitglied sind (z.B. privat Versicherte), erhalten auf Antrag vom Bundesversicherungsamt Mutterschaftsgeld von maximal 210 Euro. Egal bei welcher Versicherung: der Arbeitgeber ist immer verpflichtet, einen Zuschuss in Höhe der Differenz zwischen 13 € und dem durchschnittlichen Nettoarbeitsentgelt zu zahlen.

  • 6 / 8
    Mutterschaftsgeld bei Arbeitslosigkeit

    Frauen, deren Arbeitsverhältnis während der Schwangerschaft vom Arbeitgeber zulässig aufgelöst wurde, erhalten ebenfalls 13 Euro Mutterschaftsgeld pro Tag. Den Arbeitgeberzuschuss zahlt in diesem Fall Krankenkasse oder dem Bundesversicherungsamt. Beziehen Sie Arbeitslosengeld-II, dann erhalten Sie ab der 13. SSW zu den Regelleistungen einen zusätzlichen Mehrbedarf. Dieser wird bis zum Tag der Entbindung gezahlt.

  • 7 / 8
    Urlaubsanspruch

    Die Ausfallzeiten wegen mutterschutzrechtlicher Beschäftigungsverbote gelten laut Mutterschutz als Arbeitszeit. So können Schwangere, die ihren Urlaub vor dem Beschäftigungsverbot noch nicht oder nicht vollständig genommen haben, auch nach Ablauf der Schutzfristen den Resturlaub im laufenden oder kommenden Urlaubsjahr beantragen.

  • 8 / 8
    Stillzeit

    Eine Frau, die stillt, kann nach Wiederaufnahme ihrer Arbeit Stillpausen während der Arbeitszeit beanspruchen. Die Zeit zum Stillen ist durch das Mutterschutzgesetz gesichert: mindestens zweimal täglich eine halbe Stunde oder einmal pro Tag eine Stunde.


Sie sind also sowohl während der Schwangerschaft als auch die ersten beiden Monaten nach der Geburt durch den gesetzlichen Mutterschutz gut abgesichert - auch finanziell. Doch der Arbeitgeber verpflichtet sich nicht nur dazu, sich an diese Schutzfristen und Ausgleichszahlungen zu halten. Er muss Ihnen auch zu jeder Zeit garantieren können, dass für Sie und das Baby keine Gefahr besteht. Deshalb ist im Mutterschutzgesetz außerdem genau geregelt, wie lange eine Schwangere noch arbeiten darf und welche Arbeiten sie noch leisten darf. Es gelten folgende Verbote:

Verbote für den Arbeitgeber
  • 1 / 5
    Kündigungsverbot

    Das wichtigste Verbot des Mutterschutzes ist das Kündigungsverbot. Vom Beginn der Schwangerschaft an bis vier Monate nach der Entbindung ist die Kündigung des Arbeitsverhältnisses durch das Unternehmen bis auf wenige Ausnahmen unzulässig. Das gilt allerdings nur, wenn dem Unternehmen zum Zeitpunkt der Kündigung die Schwangerschaft oder die Entbindung bekannt war. Außerdem haben Frauen während der Schwangerschaft laut Mutterschutz ein Sonderkündigungsrecht ohne Einhaltung einer Frist.

  • 2 / 5
    Verbotene Risiken

    Um die Gesundheit von Mutter und Kind zu garantieren, sind für Schwangere bestimmte Arbeiten grundsätzlich verboten. Dazu zählen alle Aufgaben, bei denen Mutter und Kind gesundheitsgefährdenden Stoffen sowie Strahlen, Staub, Gasen oder Dämpfen, Hitze, Kälte, Nässe, Erschütterungen oder Lärm ausgesetzt sind.

  • 3 / 5
    Verbotene Arbeit

    Akkordarbeit oder Fließbandarbeit mit vorgeschriebenem Arbeitstempo ist Schwangeren laut Mutterschutzgesetz ebenfalls nicht gestattet. Mehrarbeit oder Nachtarbeit zwischen 20 Uhr und 6 Uhr ist außer in der Gastronomie und bei Musik- und Theateraufführungen ebenfalls nicht erlaubt. Ausnahmen gelten laut Mutterschutzgesetz unter anderem im Hotel- und Gaststättengewerbe, in der Krankenpflege und in Familienhaushalten.

  • 4 / 5
    Beschäftigungsverbot vom Arzt

    Neben diesen allgemeinen Verboten, kann der Arzt auch ein individuelles Beschäftigungsverbot erteilen. Liegt eine Krankheit vor, die die Schwangerschaft gefährden, kann er ein entsprechendes Attest ausstellen. Dieses muss das Beschäftigungsverbot, dessen Umfang und Gründe genau erfassen. Aus der Bescheinigung muss dabei genau hervorgehen, welche Arbeiten die Schwangere nicht leisten darf.

  • 5 / 5
    Schutz am Arbeitsplatz

    Weiterhin müssen auch der Arbeitsplatz und Arbeitsablauf der Schwangeren laut Mutterschutzgesetz so gestaltet sein, dass keine Gefahren für die werdende oder stillende Mutter und das Kind entstehen. Muss die Schwangere bei der Arbeit ständig stehen, hat sie laut Mutterschutzgesetz Anspruch auf Ruhepausen im Sitzen. Umgekehrt dürfen Schwangere, die hauptsächlich im Sitzen arbeiten, ihre Arbeit zur Entspannung unterbrechen.


Der gesetzliche Mutterschutz regelt also viele wichtige Details geregelt, die Ihnen die Vorbereitung auf die Geburt und die erste Zeit mit Baby erleichtern. Also genießen Sie die sechs Wochen freie Zeit, um sich zu entsapnnen Kraft zu tanken- fernab vom Arbeitsstress. Denn letztendlich erhöht auch Stress das Risiko einer Frühgeburt. Und auch wenn das Baby endlich da ist, gilt das gleiche. Nehmen Sie sich die Zeit, die Ihnen der Mutterschutz zuspricht: Vor allem, damit sich der Körper regenierieren kann und Sie eine Bindung zu dem Baby aufzubauen. Dieses sogenannte Bonding ist wichtig für seine ganze weitere Entwicklung.

Doch ganz umsonst sind all diese Schutzmaßnahmen, die Ihnen als Schwangere beziehungsweise als Wöchnerin zukommen, nicht. Auch Sie müssen ein paar Pflichten erfüllen. Zunächst muss erwähnt werden, dass der gesetzliche Mutterschutz nur dann greift, wenn Sie Ihren Arbeitgeber rechtzeitig über Ihre Schwangerschaft informiert haben. Einen festen Stichtag gibt es dafür nicht. Allerdings sollten Sie das bis Anfang des zweiten Trimesters erledigt haben. Dann ist die erste noch kritische Phase der Schwangerschaft vorbei und der Babybauch noch nicht so groß, dass Ihr Mutterglück schon offensichtlich ist. Normalerweise reicht es aus, Ihrem Arbeitgeber zu melden, dass Sie schwanger sind. Allerdings kann dieser von Ihnen auch einen schriftlichen Nachweis verlangen. Diesen stellt die Hebamme oder der Frauenarzt aus, inklusive des voraussichtlichen Geburtstermins. Weitere Pflichten im Überblick:

Pflichten für die Schwangere
  • 1 / 3
    Mitteilungspflicht

    Sobald Sie von ihrer Schwangerschaft erfahren haben, sollte sie ihrem Arbeitgeber die Schwangerschaft mitteilen. Dieser muss die Schwangerschaft dann der Aufsichtsbehörde melden. Laut Mutterschutzgesetz besteht kein Zwang, die Schwangerschaft mitzuteilen. Allerdings verzichtet Sie dann auch auf die im Mutterschutz geregelten Maßnahmen.

  • 2 / 3
    Schriftlicher Nachweis

    Normalerweise reicht es aus, Ihrem Arbeitgeber zu melden, dass Sie schwanger sind. Allerdings kann dieser von Ihnen auch einen schriftlichen Nachweis verlangen. Diesen stellt die Hebamme oder der Frauenarzt aus, inklusive des voraussichtlichen Geburtstermins.

  • 3 / 3
    Antrag auf Mutterschaftsgeld

    Um Ihren Anspruch auf Mutterschaftsgeld trotz privater Krankenversicherung geltend zu machen, müssen Sie einen entsprechenden Antrag an das Bundesversicherungsamt stellen. Eine bestimmte Frist, wann der Antrag eingereicht sein muss gibt es nicht. Allerdings muss er dem Bundesversicherungsamt noch vor der Entbindung vorliegen.



Wie oben bereits erwähnt sind manche Arbeiten für Schwangere kategorisch verboten. Vor allem solche Tätigkeiten, die viel körperliche Anstrengung bedeuten oder ein großes gesundheitliches Risiko bergen. Aber auch ein genauer Blick in den Impfpass kann manchmal zu einem Beschäftigungsverbot in der Schwangerschaft führen. Lesen Sie hier mehr darüber:

 Das könnte Sie interessieren: Beschäftigungsverbot

Ein kurzer Überblick über das Beschäftigungsverbot in der Schwangerschaft. Erfahren Sie, welche Arbeiten erlaubt und welche verboten sind.






mehr zum Thema
Babybauch Schwangerschaftswochen Vereinbarkeit Familienrecht Mama
Artikel kommentieren
Login