Alles über den Mutterpass

Schwangerschaft

Alles über den Mutterpass

Der Mutterpass ist für Schwangere unerlässlich. Hier wird alles dokumentiert, was für die Schwangerschaft wichtig ist. Doch bei so vielen unverständlichen Abkürzungen fällt die Orientierung nicht leicht. Wir erklären Ihnen, was eigentlich genau im Mutterpass steht.

Mutterpass: Seite 2 und 3

Im Mutterpass auf Seite 2 und 3 werden unter der Überschrift "Serologische Untersuchungen" die Labor-Ergebnisse spezieller Blut-Untersuchungen eingeklebt. Ganz zu Beginn der Schwangerschaft ermittelt das Labor die Blutgruppe (A, AB, B, 0) der Mutter und ihren Rhesusfaktor (negativ oder positiv). Hat die Mutter einen negativen Rhesusfaktor und der Vater einen positiven, ist Vorsicht geboten. Das Baby kann nämlich den positiven Faktor geerbt haben, die Mutter bildet bei Kontakt mit dem Blut ihres Babys (spätestens bei der Geburt) Antikörper gegen den fremden Rhesusfaktor. Das kann auch bei früheren Schwangerschaften passiert sein. Der Arzt notiert darum im Mutterpass auf Seite 4 auch Fehlgeburten (Abort) und Abbrüche (Abruptio) und führt 2 Antikörper-Suchtests durch. Wenn die negativ ausfallen, ist alles okay. Bei rhesusnegativen Schwangeren wird meist vorbeugend eine Anti-D-Prophylaxe durchgeführt. Die soll verhindern, dass sich Antikörper bilden.

Röteln, HIV und Toxoplasmose

Beim Röteln-HAH-Test prüft das Labor, ob die Mutter immun gegen das Röteln-Virus ist, das beim Fötus zu schweren Organschäden führen kann. Hier ist ein positives Ergebnis erfreulich. Ein Titer von 1:16 und höher zeigt einen ausreichenden Schutz

Negative Befunde wünschen sich alle bei der LSR (Lues-Such-Reaktion, sie testet, ob die Mama mit Syphilis infiziert ist), bei der Suche nach dem HBs-Ag (zeigt, ob die Mutter sich mit HepatitisB infiziert hat) und bei dem möglichen HIV-Test (prüft eine Aids-Infizierung) und Toxoplasmose-Test (Parasiten-Befall durch rohes Fleisch oder Katzen-Kot).
Sollten die Ergebnisse positiv ausfallen, kann der Arzt durch eine Behandlung der Mutter die Gefahr für das Baby einschränken. Neben den Blutuntersuchungen werden Schwangere auf Chlamydien (eine bakterielle Infektion, die der Mutter keinerlei Beschwerden macht, aber bei der Geburt auf das Kind übertragen werden und bei ihm Augen- und Lungenentzündungen verursachen kann) getestet. Dazu macht der Arzt oder die Hebamme einen Abstrich vom Gebärmutterhals.

Mutterpass: Tabellen entziffern

Wiegen, Urinprobe und eine Untersuchung des Babybauches - und anschließend wird alles irgendwie im Mutterpass dokumentiert. Was bei den Untersuchungen genau germessen wird und wie Sei die Tabellen entziffern können.

Mutterpass: Seite 7 und 8

Bis zur 32 SSW ist pro Monat ein Besuch beim Gynäkologen oder bei der Hebamme vorgesehen, danach wird alle zwei Wochen der Stand der Dinge ins sogenannte Gravidogramm eingetragen. Für die Messungen muss Mama: '
auf die Waage,
auf die Toilette,
zur Blutabnahme,
ihr Bauch wird abgetastet und -gehört.
Nachdem all diese "Pflichten" erfüllt sind, werden die gemessenen Daten in den Mutterpass eingetragen. Doch wie genau entschlüsselt Mama diese Tabellen im Mutterpass?

Der Fundusstand ist der Abstand der oberen Gebärmutterkante (Fundus) zum Schambein (Symphyse), später zum Nabel (Na) und zum Rippenbogen (Rb oder Ribo). Er dokumentiert das Wachstum der Gebärmutter. Gemessen wird in Querfingern (QF). Daran kann der Arzt und die Hebamme abmessen, ob die Schwangerschaft gesund verläuft. Früher war das die einzige Methode, um das festzustellen. Inzwischen kann der Ultraschall das viel gernauer messen.
Die Kindslage ist entweder eine Schädellage (SL), eine Querlage (QL) oder eine Beckenendlage bzw. Kopflage (BEL oder KL).
Mit Plus- und Minuszeichen dokumentieren der Arzt oder die Hebamme die Herztöne und Kindsbewegungen und kontrollieren, ob Ödeme (Wassereinlagerungen) oder Varizen (Krampfadern) vorliegen. Auch Gewicht und Blutdruck der Schwangeren werden eingetragen.
In der Spalte Hb im Mutterpass geht es um den Eisenwert im Blut. Hb ist die Abkürzung für Hämoglobin, dem in den roten Blutkörperchen (Erythrozyten) enthaltenen Farbstoff. Er transportiert den Sauerstoff. Um ihn herzustellen, braucht der Körper Eisen. Durch die Zunahme des Blutvolumens bei Schwangeren sinkt deren Eisenwert. Ab einem Wert von 10,5 helfen Eisenpräparate, die Sauerstoffversorgung des Babys zu sichern.
Unter Sediment im Mutterpass werden die Urinbefunde eingetragen. Weder Eiweiß, Zucker, Nitrit noch Blut sollten enthalten sein. Positive Werte zeigen mögliche Blasen- , Nieren- oder Zuckerkrankheiten an.
Die vaginale Untersuchung ermittelt, wie lang der Gebärmutterhals ist und ob der Muttermund noch geschlossen ist. Wichtig, um eine Frühgeburt vorauszusehen.
Hebammentipp:
Mit einer bewussten Ernährung haben Sie einen schlappen Eisenwert schnell im Griff. Vitaminreiches Getreide, Fleisch, Obst und Gemüse helfen. Beachten Sie allerdings, dass Kaffee, Milchprodukte und schwarzem Tee die Eisenaufnahme hemmt.

Mutterpass: das Baby in Zahlen

Natürlich wird nicht nur die werdende Mutter während der Schwangerschaft genau vermessen, gewogen und untersucht - auch die Entwicklung des Babys wird ganz genau dokumentiert. Wie genau der Winzling vermessen wir und was die Abkürzungen vor den Werten bedeuten haben wir hier erklärt.

Mutterpass: Seite 10, 11 und 14

Baby-Fernsehen - gibt es etwas Aufregenderes? Auf mindestens drei solcher Ultraschall-Termine (Sonographien) dürfen Sie sich freuen. Sie sollen die Entwicklung des Kindes überprüfen und eventuelle Fehlbildungen aufspüren. Beim 1. Screening in der 9. SSW bis 12. SSW schaut der Arzt, ob der Embryo sich auch tatsächlich in der Gebärmutter eingenistet hat (intrauteriner Sitz), ob er schon eindeutig zu sehen ist und ob schon Herztöne vorhanden sind. Natürlich wird auch kontrolliert, ob es sich um einen oder mehrere Embryonen handelt. Dann wird der Embryo vermessen. Und auch hier gibt es viel zu dokumetieren. Vor allem je größer der Embryo wird:
● der Fruchtsack (FS),
● die Scheitel-Steiß-Länge des Embryos (SSL) und
● der biparietale Durchmesser (BPD), die Strecke von einer Kopfseite zur anderen.
● den FOD: Frontookzipitaler Durchmesser. Die Länge des Kopfes von vorne nach hinten
● den KU (Kopfumfang),
● den ATD: Abdominotransversaldurchmesser. Die Strecke von einer Bauchseite zur anderen
● den APD: Anterior-Posterior-Durchmesser. Die Strecke vom Nabel zum Rückgrat,
● den AU: Abdomenumfang oder Bauchumfang,
● die FL: Femurlänge, als die Länge des kindlichen Oberschenkels
● die HL: Humeruslänge, die Länge des kindlichen Oberarmknochens
Der Arzt kontrolliert außerdem die Fruchtwassermenge und überprüft Sitz und Struktur der Plazenta (Mutterkuchen). Beim 3. Screening werden dieselben Untersuchungen noch einmal wiederholt. Die Mess-Ergebnisse aller Screenings trägt der Mediziner auf Seite 14 in das vorbereitete Normkurven-Diagramm in den Mutterpass ein. Hier ist Mittelmaß gefragt. Alle Punkte, die innerhalb der 3 Linien liegen, sind normal. Ist das Kind viel größer oder viel kleiner, beobachtet das der Arzt genau und entscheidet sich ggf. für weitere Untersuchungen.
Hebammentipp:
Lassen Sie sich von all den Normkurven und Fruchtwassermengen nicht verrückt machen. Genießen Sie lieber die bewegten Bilder von Ihrem Baby.

Mutterpass: medizinisches Fachjargon

Für den Laien ist das medizinische Fachjargon im Mutterpass nur schwer zu verstehen. Damit Ihnen keine wichtige Information entgeht haben wir hier ein kleinesMutterpass-Lexikon für Sie.

Mutterpass: Seite 5 und 6

Die Seite 5 im Mutterpass schlägt der Arzt oder die Hebamme als erste auf, denn die Krankenvorgeschichte (Anamnese) der Mama soll mögliche Risiken für Mutter und Kind klären. Doch uns Laien kommen die Fremdwörter recht spanisch vor. Hier ein kleines Lexikon:
Diabetes mellitus bedeutet Zuckerkrankheit,
Hypertonie Bluthochdruck,
die Abkürzung ZNS steht für Zentralnervensystem,
Thrombosen sind Blutgerinnsel in den Venen,
Rhesus-Inkompatibilität meint Rhesusunverträglichkeit
Adipositas steht für Fettsucht.
Auich auf Seite 6 des Mutterpasses geht es mit dem Fachvokabular weiter. Hier notiert der Arzt weitere gesundheitliche Risiken:
Abusus umschreibt den Missbrauch von Drogen aller Art.
Eine Placenta previa ist ein vorgelagerter Mutterkuchen, er liegt vor dem inneren Muttermund und versperrt dem Kind den natürlichen Geburtsweg.
Hydramnion ist zu viel Fruchtwasser, bei bestimmten Fehlbildungen, Diabetes oder bei Zwillingen möglich.
Oligohydramnie ist das Gegenteil, also zu wenig Fruchtwasser, z.B. bei Übertragung oder kindlichen Nierenschäden.
Eine Placentainsuffizienz ist eine Mangeldurchblutung des Mutterkuchens und führt zur Unterversorgung des Kindes.
Eine Isthmozervikale Insuffizienz ist eine Schwäche des Gebärmutterhalses, der sich vorzeitig öffnet.
Anämie ist Blutarmut, zu wenig rote Blutkörperchen.
Ein indirekter Coombstest zeigt Antikörper im Blut der Mutter, die gegen die Blutgruppenantigene des Kindes gerichtet sind.
Mit Ödemen sind Wassereinlagerungen gemeint.
Hypotonie ist ein niedriger Blutdruck.
Gestationsdiabetes nennt sich die Zuckerkrankheit in der Schwangerschaft.
Außerdem wird auf Seite 6 im Mutterpass der Entbindungstermin berechnet. Dieser Termin ist aber wie immer unverbindlich und nur eine grobe Zeitangabe. In den folgenden Monaten kann der Arzt anhand der Entwicklung des Babys den Geburtstermin viel genauer bestimmen.
Hebammentipp: Eine Risikoschwangerschaft besteht nach dieser Liste im Mutterpass schnell. Sind Sie über 35 Jahre alt, etwas zu schwer, allergisch oder vielleicht sogar Raucherin - schon gehört sie dazu. Die meisten erleben trotzdem eine unkomplizierte Schwangerschaft.

Mutterpass: über die Geburt

Seite 15 im Mutterpass widmet sich dann ganz dem Neugeborenen. Hier steht, wie die Geburt verlaufen ist und wie der Gesundheitszustand des Babys ist. Wir haben den Fachjargon für Sie übersetzt.

Mutterpass: Seite 15

Wenn diese Seite ausgefüllt wird, halten Sie Ihr Kind bereits im Arm. Unter dem Stichwort Geburtmodus trägt der Arzt in den Mutterpass ein, wie Ihr Kind zur Welt kam:

  • normale Geburt (spontan),

  • Kaiserschnitt (sectio) oder

  • mit Hilfe von Zange oder Saugglocke (vaginale Operation).

Er notiert zudem die Geburtslage des Kindes:

  • mit dem Kopf voran (Schädellage)

  • oder mit dem Po zuerst (Beckenendlage).

Der Apgar-Wert beurteilt die Lebensfunktionen des Kindes (Atmung, Puls, Bewegung, Hautfarbe, Muskeltonus). Die höchste Punktzahl ist die 10, geprüft wird 1 Minute, 5 Minuten und 10 Minuten nach der Geburt. Das ideale Ergebnis hat ein Baby mit 10/10/10.
Aufschluss über den Stress des Kindes während der Geburt gibt der pH-Wert des Nabelarterien-Blutes. Dieser Blut-pH-Wert gibt auf einer Skala von null bis 14 an, wie sauer oder basisch das Blut ist. Ein Wert um die 7 ist goldrichtig. Alles bestens überstanden? Ab Seite 17 ist im Mutterpass Platz für ein 2. Kind ...

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