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Das Aus für die Familie? Bis 2040 steigt die Zahl der Single-Haushalte

Allein, allein

Das Aus für die Familie? Bis 2040 steigt die Zahl der Single-Haushalte

Nach einer aktuellen Berechnung des Statistischen Bundesamtes wird die Zahl der Einpersonenhaushalte weiterhin ansteigen. Bis 2040 soll damit jeder vierte Deutsche alleine wohnen. Der Vier-Personen-Haushalt nimmt kontinuierlich ab. Dabei fallen vor allem regionale Unterschiede auf. In diesen Bundesländern gibt es immer mehr Einzelhaushalte.

So werden wir bis 2040 leben

24 % aller Menschen, die in privaten Haushalten wohnen, werden in 20 Jahren alleine leben. Dies zeigt der statistische Trend seit 1991 und eine Bevölkerungsvorrausberechnung. Im Jahr 2018 waren es noch 21 %, die allein lebten. Insgesamt wird daher die Zahl der Privathaushalte 81,7 Millionen umfassen, die nicht in einer Familie leben. Trotz steigenden Eheschließungen, Geburten und Zuwanderung geht der Trend weiter in Richtung Kleinhaushalt. Familienhaushalte mit drei und mehr Mitgliedern werden immer weniger. Auch das Modell des Zwei-Personenhaushalts geht insgesamt zurück. Das heißt, es entscheiden sich auch mehr Paare, getrennt zu wohnen bzw. sind sie dazu gezwungen. Dadurch wird es mehr Single-Wohnungen geben. Ein klassischer Familienhaushalt mit vier Personen ist eher ein Auslaufmodell. Ein Durchschnittshaushalt wird in 20 Jahren nur noch 1,9 Menschen umfassen. 1991 waren es noch 2,3 %. Die demographische Entwicklung und die vielen älteren Menschen, die allein leben, sind natürlich auch ein Teil der Tendenz.

In Thüringen und Sachsen-Anhalt will niemand mehr wohnen

Spannend doch nicht überraschend sind vor allem die regionalen Trends. Hier ist ein leichtes Ost-West-Gefälle erkennbar. Am stärksten werden die Einzelhaushalte bis 2040 in Baden-Württemberg und Bayern zunehmen. Deutlich zurück gehen hingegen die Zahlen in Thüringen und Sachsen. Sehr stark hängen diese Trends sicherlich mit der wirtschaftlichen Lage in den jeweiligen Ländern zusammen. In den beiden süddeutschen Bundesländern  sitzen exportstarke Unternehmen und Autoproduzenten, die viele Arbeitsplätze stellen. Wohingegen Thüringen und Sachsen-Anhalt, sowie auch Mecklenburg-Vorpommern, in den letzten Jahren am wenigsten wirtschaftlich gewachsen sind. In den ostdeutschen Ländern sinkt die Attraktivität, leben und wohnen zu können und zu wollen, danach immer mehr. Wer in absehbarer Zukunft seine Familie ernähren möchte, geht demnach eher in die westlichen Bundesländer oder bleibt eher Single in der Großstadt.

Hat das Modell Kleinfamilie noch eine Zukunft?

Die Statistik zeichnet ein scheinbar trauriges Bild: Immer mehr Menschen wohnen demnach zukünftig allein in den Ballungsgebieten und Großstädten. Sie gehen dahin, wo sie Arbeit finden und es mehr zu erleben gibt, begeben sich aber abends in ihre Single-Wohnung zur Ruhe, umgeben von vielen anderen Singles. Also sind wir scheinbar allein und doch nicht allein, da wir alle in den gleichen Gebieten wohnen werden. Dort, wo es Arbeit und Wohnungen gibt. Weiterhin hängt dies natürlich auch mit der steigenden Zahl allein lebender älterer Menschen zusammen, deren Partner bereits verstorben sind.

Heißt das auch, es wird weniger Kinder geben? Nicht unbedingt, sie werden nur nicht mehr in der klassischen Vier-Personen-Einheit leben. Daher wird auch die Zahl der Alleinerziehenden ansteigen und es werden sich viele neue Lebens- und Wohnungsmodelle ergeben. Nicht immer muss es das klassische Modell sein, wie man an Co-Parenting sieht. Auch das kann funktionieren, wenn man ein gutes soziales Versorgungs- und Betreuungsnetz hat. Die Zukunft wird uns als Eltern und unsere Kinder in jedem Fall mehr herausfordern.

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Quelle: Statistisches Bundesamt

 

Katja Nauck
Das sagtKatja Nauck:

Die Familie verändert sich

Es gibt sicherlich viele Gründe, warum in Zukunft immer mehr Menschen allein leben und wohnen werden. Für viele ist es eine bewusste freie Entscheidung, für manche sicherlich auch ein unfreiwilliger Zustand. In jedem Fall sollte die Gesellschaft zukünftig offen sein für neue Modelle, sei es Wohngemeinschaften, Patchwork- und Regenbogen-Familien und Co-Parenting-Modelle & ähnliches. Jeder ist frei in seinem Lebensmodell und je vielfältiger es wird, um so interessanter für eine heterogene Gesellschaft. Das größte Problem dabei wird sicherlich der Wohnungsmarkt sein. Wenn immer mehr Leute allein wohnen, braucht es immer mehr Wohnraum bzw. eine Politik, die den Mietpreiswucher einschränkt. Hier liegt die eigentliche Herausforderung und eine Lösung scheint aktuell nicht wirklich in Sicht.

Bildquelle: Getty Images/Deagreez

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