Für Links auf dieser Seite erhält familie.de ggf. eine Provision vom Händler, z.B. für mit oder grünblauer Unterstreichung gekennzeichnete. Mehr Infos.
Kinder haben ein Recht darauf, vor gefährlichen Chemikalien geschützt zu werden

Kinderrechte

Kinder haben ein Recht darauf, vor gefährlichen Chemikalien geschützt zu werden

Anlässlich des Welttages für Kinderrecht mahnt das Umweltbundesamt gemeinsam mit dem World Futur Council, dass Kinder immer noch nicht genügend vor schädlichen Umweltstoffen geschützt werden. Kinder haben ein Recht darauf, gesund aufzuwachsen.

Am 20. November 1989 wurde in der Vollversammlung der Vereinten Nationen zum ersten mal die Rechte von Kindern festgeschrieben. Die Staatengemeinschaft verpflichtete sich damit, allen Kindern weltweit ihre Rechte in Gesundheit, Bildung und Schutz zuzusichern. Artikel 24. der UN-Konvention verbrieft zudem das Recht der Kinder auf Gesundheit.

Die gemeinnützige Stiftung World Future Council kürt regelmäßig Projekte, die sich für Kinderrechte und Nachhaltigkeit einsetzen und verleiht dazu im nächsten Jahr einen Preis für Aktionen, die Kinder vor gefährlichen Chemikalien schützen.

Im Umgang mit Chemikalien ist noch viel zu verbessern, damit sie ihr Potential zum Erreichen der UN-Nachhaltigkeitsziele voll entfalten können.

Prof. Dr. Dirk Messner, Präsident des Umweltbundesamtes

Studie bestätigt: Unsere Kinder haben zu viel Chemie im Blut

Eine Studie des Umweltbundesamtes kam zu dem Ergebnis, dass Kinder und Jugendliche zwischen 3 und 17 Jahren viel zu viele langlebige Chemikalien im Blut haben. Dabei handelt es sich um sogenannte polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS). Zu dieser Stoffgruppe gehören über 4.700 verschiedene Chemikalien. In mehr als einem Fünftel der untersuchten Proben wurde eine stark erhöhte Konzentration an PFOS (Perfluoroktansäure) nachgewiesen, die über dem festgelegten Wert lag, ab dem die Gesundheit beeinträchtigt wird. Mit den PFOS waren sogar 100% der untersuchten Kinder belastet.

PFAS lagern sich nicht nur im Menschen, sondern auch in der Umwelt ab. Verwendet werden sie z.B. in Outdoor-Kleidung, Beschichtung von Pfannen oder Kaffeebechern oder Lebensmittelverpackungen. Sie werden dort eingesetzt, weil sie Fett, Wasser und Schmutz abweisen. Als Verbraucher erfahren wir nichts davon, weil es nicht deklariert werden muss. So können wir aktuell auch kaum etwas dagegen tun, weil wir schlicht nicht wissen, wo diese Chemikalien überall vorkommen.

Diese Auswirkungen haben sie auf die Gesundheit

Warum sie so schädlich sind? Diese Stoffe reichern sich im Fettgewebe an und gehen sogar über die Muttermilch in den Säugling über. Die Untersuchung stellte fest, dass gestillte Kinder weitaus belasteter waren als Kinder, die nicht gestillt wurden. Sie wirken sich verschiedentlich auf die Gesundheit aus:

  • Verminderung der Wirkung von Impfungen
  • Größere Neigung zu Infekten
  • Erhöhung der Cholesterinwerte
  • Verringertes Geburtsgewicht von Neugeborenen

Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Ihre Körper reagieren empfindlicher auf Schadstoffe und nehmen diese auch verstärkter auf als Erwachsene. Schon im Mutterleib beginnt die Belastung mit gefährlichen Chemikalien. Kinder haben schwächere Abwehrmechanismen, da sich ihr Körper im Aufbau befindet. Allergien, Wachstumsstörungen, Gehirn- und Nervenschäden, Lernstörungen, geringe IQ Entwicklung oder aggressives Verhalten können die Folgen sein.

Prof. Dr. Michael Otto, Mitgründer und Ehrenratsmitglied des World Future Councils

In diesen 10 Produkten, die wir fast alle zuhause haben, steckt Mikroplastik

In diesen 10 Produkten, die wir fast alle zuhause haben, steckt Mikroplastik
Bilderstrecke starten (11 Bilder)

Problematisch auch für die Umwelt

Doch die Problematik liegt nicht nur in der menschlichen Gesundheit. Die Stoffe sind sehr langlebig und gelangen auch über die Luft und die Meeresströmung weltweit in die Umwelt. Sie seien sogar in den Polargebieten und alpinen Seen nachgewiesen worden, fernab von menschlichen Siedlungen oder Industriegebieten. Da sie nicht abgebaut werden können, reichern sie sich an und landen über das Wasser auch in Fischen und damit auch Seehunden, Ottern, Seeadlern und sogar Eisbären.

Beste Lösung: PFAS soll verboten werden

Als Eltern stecken wir unsere Kinder häufig in Regen- und Matschkleidung, die diese Stoffe wahrscheinlich enthalten, ohne dass wir es wissen. Wir können darauf achten, mehr frische und unverpackte Lebensmittel zu kaufen, doch in Sachen Kleidung haben wir aktuell wenig preisgünstige Alternativen. Da diese Chemikalien auch für die Umwelt so ein großes Problem darstellen, hilft nur eines: Ihre Nutzung generell zu verbieten.

Das Umweltbundesamt arbeitet daher aktuell auch mit anderen Behörden an einem EU-weiten Verbot von PFAS. Für einige dieser Substanzen gelten bereits Beschränkungen. Die sogenannten PFOS dürfen ab Juli 2020 bereits nicht mehr in der EU hergestellt werden. Wer sich weiter über diese Thema informieren möchte, findet detaillierte Informationen beim Umweltbundesamt.

Kinderbücher über nachhaltig leben, Klima und Umweltschutz!

Kinderbücher über nachhaltig leben, Klima und Umweltschutz!
Bilderstrecke starten (25 Bilder)
Katja Nauck
Das sagtKatja Nauck:

Für ein Verbot

Ein generelles Verbot dieser Stoffe käme uns Eltern sehr entgegen. Es ist nicht nur eine Katastrophe, wie die Umwelt dadurch belastet wird. Wie sollen wir unserer Kinder schützen, wenn wir nicht wissen, in welchen Produkten bzw. welcher Kleidung es vorkommt? Wichtig wäre dann auch, Alternativen zu kennen. Verpackungsfrei einkaufen, kann man noch gut steuern, indem man mehr frisch kauft bzw. darauf achtet. Doch welche Alternative gibt es für Regenkleidung, die vor allem für kleine Kinder essentiell ist? Darüber sollte noch weitaus mehr informiert werden. Bzw. müsste es dann auch alternative Kleidung geben, die auch für die meisten bezahlbar ist. Das wird sicherlich nicht einfach werden.

Bildquelle: Getty Images/FamVeld

Galerien

Lies auch

Teste dich