Wiederbefüllbare Nespresso-Kapseln im Test

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Wiederbefüllbare Nespresso-Kapseln im Test

Nespresso-Kapseln liegen im Trend. Dabei sind die Kaffee-Kapseln extrem teuer, vergeuden Rohstoffe und hinterlassen tonnenweise Müll. Besser geht‘s mit wiederbefüllbaren Systemen Doch was taugen die? Die Antwort im Expertentest.

„Mit Mehrweg-Kapseln spart man auf lange Sicht zum einen Geld“, verrät Philipp Sommer von der Deutschen Umwelthilfe, "Zum anderen verursacht man 14mal weniger Verpackungsabfall im Vergleich zu den Einweg-KK." Soweit so gut. Aber ein genauer Blick auf die einzelnen Nachfüll-Produkte lohnt sich. Die Experten von utopia.de haben verschiedene Kapselanbieter getestet - auf Nachhaltigkeit, Handling und Co.

Mycoffeestar: Schraub-Alternative zu Nespresso-Kapseln

Im Frühjahr 2012 brachte die Schweizer Firma Mycoffeestar erste wiederbefüllbare Nespresso-Kapseln auf den Markt. Nach eigenen Angaben sind sie verwendbar in allen Nespresso-Maschinen mit drei Einstechnadeln, hergestellt nach 2003. Das Besondere an der wiederverwendbaren Kaffee-Kapsel von Mycoffeestar: Sie besteht vollständig aus Edelstahl und lässt sich mit einem Schraubgewinde öffnen, füllen und wieder schließen. Prinzipiell ist die Mycoffeestar daher frei von Verschleißteilen. Nur bei einigen Maschinen (erkennbar an Rillen in der Maschine) ist ein Dichtungsring aus Silikon nötig (zwei werden mitgeliefert).
Beim Handling erweist sich das Schraubgewinde als etwas mühsam, vor allem im nassen Zustand, dafür aber als sehr sicher. Mycoffeestar empfiehlt ausdrücklich einen fein bis sehr fein gemahlenen Kaffee und liefert auch eine Kaffeeprobe mit. Den Geschmack finden wir dünner als bei echten Nespresso-Kapseln, aber in Ordnung.
Die wiederverwendbare Kaffee-Kapsel von Mycoffeestar ist unser Favorit, weil besonders robust und langlebig gebaut. Ca. 40 Euro (Dichtungsringe 6,25€/10 Stück), mycoffeestar.com/de

Mister Barista: preiswerter Doppel-Brüher

Die wiederbefüllbare Mister Barista stammt von zwei Tüftlern aus Österreich, die damit seit 2014 eine umweltfreundlichere Alternative zu Wegwerfkapseln anbieten. Die Packung verspricht nicht ausdrücklich Kompatibilität, doch die Website nennt „alle Nespresso-Kaffeemaschinen ab 2003“ als passend.
Mister Barista besteht aus einer Edelstahlkapsel und einem Deckel, der Metall und Gummi verbindet. Mitgeliefert werden zwei: ein brauner Deckel für Filterkaffee, ein schwarzer für Espresso. Er wird einfach auf die gefüllte Kapsel gelegt, diese muss dann fest zugedrückt werden, bevor man sie in die Maschine einsetzt.
Zur Packung gehören ein Kaffeelöffel und eine Halterung. Die Plastikteile erscheinen überflüssig, der Löffel erweist sich aber als nützlich. Die Rückseite der Packung erläutert die Anwendung auch auf Deutsch, könnte aber klarer zeigen, wie genau der Deckel zum Schließen aufzulegen ist. Hat man aber den Bogen raus, gibt es keine Probleme, auch nicht in der Maschine. Auch hier fällt der Geschmack etwas hinter dem Nespresso-Original zurück.
➤ Die Kaffee-Kapsel von Mister Barista ist nicht so stabil wie die Mycoffeestar, aber ein Preistipp - und interessant wegen der Benutzbarkeit mit normalem Kaffee. Ca. 15 Euro (Ersatzdeckel: ca. 10 Euro/2 Stück), mister-barista.biz

Coffeeduck: wiederverwendbar, aber aus Plastik

Die wiederverwendbare Coffeeduck aus den Niederlanden gibt es schon seit etwa 2010. Laut Verpackung eignet sie sich für Maschinen ab Oktober 2010. Wir fanden Coffeeduck im Handel unter den Namen „Xavax Nachfüllbare Kaffeekapseln“ und „Scanpart Coffeeduck“, beide enthalten identische Kapseln von „The Coffeeduck Company“ (coffeeduck.com).
Bei Coffeeduck erhält der Kunde gleich drei Kaffee-Kapseln pro Packung. Das ist nützlich, wenn man etwa drei Tassen hintereinander machen will. Die Coffeeducks sind zwar wiederverwendbar, bestehen aber aus Kunststoff. Das Verbrauchermagazin Ökotest fand darin 2013 PAK-Rückstände (Heft 10/2013), was vielleicht nicht jeder akzeptiert. Eine Coffeeduck-Kapsel dürfte zudem nicht ganz so lange halten wie etwa der Stahl der Mycoffeestar.
Eine Gebrauchsanleitung erklärt jeweils die Benutzung. Kapsel und Deckel sind bei Coffeeduck eine Einheit, die man einfach befüllt und dann mit leichtem Druck schließt. Sonstige Teile gibt es nicht. Im Test fällt positiv auf, dass die Kapsel beim Herausnehmen nicht so heiß erscheint wie die Wettbewerber aus Metall. Der Geschmack erscheint uns hier als am kräftigsten.
➤ Coffeeduck ist in der Handhabung unproblematisch, aber aus Plastik - die Alternativen aus Stahl gefallen uns besser. Ca. 15 Euro/3 Stück. coffeeduck.com

Sealpod: ein bisschen Etiketten-Schwindel

Der Sealpod aus Taiwan ist die dritte wiederverwendbare Kaffee-Kapsel im Test. Er kommt in einer umweltfreundlichen Pappschachtel und erweckt so einen positiven ersten Eindruck. Der verschwindet aber, sobald man das System genauer betrachtet. Sealpod besteht nämlich aus einer Edelstahl-Kapsel mit fest aufgebrachtem Dichtungsring aus Silikon sowie einigen Blättern mit 24 Metallfolien-Aufklebern. Die Kapsel ist wiederverwendbar, die Folien-Aufkleber nicht: Sealpod ist also in Wirklichkeit ein Wegwerfsystem. Immerhin eines, das deutlich weniger Abfälle produziert als die Nespresso -Kapseln.

von links nach rechts: Mycoffeestar, MisterBarista, Sealpod, Coffeeduck

Geld sparen kann man mit Sealpod trotzdem. Dennoch raten wir eher zu Mycoffeestar oder Mister Barista: Einerseits wegen des geringeren Wegwerf-Anteils, aber auch weil die Handhabung mit den Klebefolien sich als recht fummelig erwies, sowohl beim Befüllen als auch beim Entsorgen. Geschmacklich stellten wir keine Unterschiede zu den anderen Metallkapseln fest.

➤ Sealpod ist eine nur „angegrünte“ Kapsel mit Wegwerf-Etiketten – wir raten eher zu Mycoffeestar, Mister Barista oder Coffeeduck. Ca. 20 Euro (12 Euro/100 Folien).

Capsul'in: außer Konkurrenz (eher zum Wegwerfen)

Einige Nutzer wollen mit wiederbefüllbaren Kapseln nicht die Umwelt schonen, sondern bloß Geld sparen. Gut mit den oben genannten Kapseln, schlecht mit Produkten wie „Capsul'in“: Diese Wegwerf-Kapseln bestehen aus Kunststoff und haben jeweils aufzuklebende Alufoliendeckel, die man selbst befüllen kann. Im Test stellt sich uns das Befüllen mit den Klebedeckeln als ziemliche Fummelei dar. Auch wirft man auf diese Weise genauso viele Kapseln weg wie beim Nespresso-Original-System. Und Plastik ist da keineswegs besser als Alu.
➤ Capsul’in sind befüllbar, aber nicht wiederbefüllbar - diese Kaffee-Kapseln braucht keiner. Ca. 12 Euro / 50 Stück.

➤ Und wie steht es um Wichtigste, der Kaffeegeschmack? Weiterlesen auf der nächsten Seite!

Wiederbefüllbare Kaffee-Kapseln: Schmeckt das?

An dieser Stelle ein ehrliches Wort: Der echte Nespresso-Kapsel-Kaffee schmeckt ziemlich gut. Aber ...

... das liegt natürlich auch daran, dass Kaffee und Kapseln hier mit viel Erfahrung und maximaler Kontrolle aufeinander abgestimmt sind. Das im Handbetrieb nachzubauen ist nicht einfach.

Im Test probierten wir mit den vier wiederbefüllbaren Kapseln einen einfachen, eher fein gemahlen, Bio-Fairtrade-Espresso von Basic. Die Kräftigkeit des Originals erreichte bei uns keine Kapsel auf Anhieb. Bei den Metallkapseln haben wir den Eindruck, dass diese Anfangs einen Teil der Wärme des Wassers aufbrauchen und erst dann guten Kaffee produzieren, weswegen uns der Kaffee aus den Coffeeduck-Kapseln tatsächlich etwas besser geschmeckt hat.
Es ist eine Frage der Erfahrung. Beim Test stellen wir fest, dass vor allem der Mahlgrad (möglichst fein), die Frische (möglichst frisch) und die Konsistenz des Kaffeepulvers (nicht zu feucht) darüber entscheiden, ob der Kaffee in Mycoffeestar, Coffeeduck, Mister Barista gelingt. Auch der Füllzustand der Kapsel ist wichtig: Ist sie nicht dicht genug befüllt, wird der Kaffee gerne mal zu dünn; ist sie zu vollgepresst, streikt manche Maschine. Als ideal haben wir auch den manuellen Modus empfunden, wo man selbst die Wasserzufuhr stoppt, sobald erkennbar wird, dass der Kaffee nun dünner wird.
Es kann eine Weile dauern, bis Sie die optimale Mischung aus Kaffeesorte und Mahlgrad für Ihre Kapsel herausgefunden und auch den Bogen bei der Befüllung raus haben. Es soll nicht verschwiegen werden, dass anfangs wahrscheinlich so manche Enttäuschung in die Tasse plätschert. Wer aber den Trick raus hat, kann sich über guten Kaffee freuen - und Tonnenweise Alu-Müll zu vermeiden ist die Mühe wert.

Lohnt der Umstieg auf wiederverwendbare Nespresso-Kapseln?

Wiederverwendbare Kaffeekapseln wie Mister Barista, Coffeeduck oder Mycoffeestar kosten ja 15 bis 40 Euro, einige Konsumenten finden das teuer. Grund dafür ist wahrscheinlich, dass Nespresso-Kapseln oft einzeln in Cent abgerechnet werden und mit Preisen um die „0,35 Euro“ günstig erscheinen.

Aber rechnen wir das doch mal durch. Ein Kilo Kaffee (Bio, Fairtrade) kostet 20 Euro. Die wiederverwendbare Mycoffeestar kostet 40 Euro. Zusammen also 60 Euro für ein Kilo Bio-Fairtrade-Kaffee mit der Kapsel-Maschine. Wie viel Kaffee in Kapsel bekäme man für diese 60 Euro? Beim niedrig angesetzten Kapsel-Preis von 35 Cent = 6 Gramm Kaffee pro Kapsel käme man ebenfalls auf etwa 1 Kilo Kaffee.
Ergo: Schon nach 1 Kilo hat sich selbst die teure Mycoffeestar-Kapsel amortisiert. Danach geht das Sparen erst richtig los: Der Wegwerf-Kunde kauft weiterhin Abzock-Kaffee für über 60 Euro pro Kilo (ohne Bio, ohne Fairtrade), wer hingegen wieder befüllt, zahlt nach dem ersten Kilo nur noch die normalen 5 Euro (billiger Kaffee) bis 20 Euro (Bio-Fairtrade-Kaffee) pro Kilo. Auf die Kapsel umgerechnet wären das 3 bis 12 Cent pro Kapsel statt 35, also etwa ein Drittel bis ein Zehntel des Nespresso-Preises. Na klar lohnt sich das.

Über Utopia.de

Auf Utopia.de dreht sich alles um Nachhaltigkeit in Bereichen wie Ernährung, Haushalt und Wohnen oder Naturkosmetik. Utopia.de berichtet über nachhaltige Mode, grünere Technik, umweltfreundlichen Verkehr und Mitfahrgelegenheiten. Es werden Produkte vorgestellt, die bio, plastikfrei oder vegan sind, aber auch Fairtrade-Produkte oder Superfoods.

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