Attestpflicht in der Schule

Eltern sind genervt, wenn sie für ihre Kinder schon am ersten Tag der Krankheit Atteste ausstellen lassen müssen. Ist dies zulässig und wann ist so ein Attest notwendig?

Wenn eure Kinder länger als drei Tage krank sind, möchten einige Schulen gerne von euch, dass ihr ein ärztliches Attest vorlegt. Das nervt viele, denn es kostet etwas und eigentlich sollte klar sein, dass der Nachwuchs wirklich mit einer schlimmen Grippe im Bett liegt und ihr der Schule nichts vorlügt. Die Schule wird allerdings argumentieren, dass man sich nicht immer sicher kann, ob nicht andere Gründe für die längere Abwesenheit sprechen und sie deshalb lieber auf so ein System zurückgreift, das potentielle Schulschwänzer eher abschreckt. Jetzt fragt ihr euch - dürfen die das?

Attestpflicht in der Schule

Manche Schule verlangen gleich ein ärztliches Attest, wenn das Kind krankheitsbedingt fehlt.


Attestpflicht: Schulordnung gibt Aufschluss

In Deutschland ist alles, was Schule betrifft, Ländersache. Die Bundesländer geben dann den einzelnen Schulen Autonomie in einzelnen Fragen - der rechtliche Rahmen muss allerdings gesichert sein. So hat jede dieser Unterrichtseinrichtungen eigene Anordnungen. Die jeweilige Schulordnung regelt die Rechte und Pflichten von Schülern, Lehrern und Eltern. Bei der Schulkonferenz, die aus Vertretern dieser drei Gruppen besteht, wird über die Schulordnung abgestimmt. Und hier findet ihr dann auch Informationen darüber, ob ihr mit einem Attest aufwarten müsst, sollte eure Tochter oder euer Sohn länger als drei Tage krank sein, oder womöglich schon am ersten Tag. Wie gesagt, jede Schule hält es anders, aber die meisten halten sich an diese weit verbreiteten Regeln:

  • Am ersten Tag des Fehlens wird die Schule mündlich durch die Erziehungsberechtigten darüber informiert.
  • Ab drei Tagen muss diese Information auch schriftlich durch die Erziehungsberechtigten erfolgen.
  • Die betroffenen Schüler müssen zusätzlich eine schriftliche Erklärung ihrer Eltern vorlegen, wenn sie wieder in der Schule erscheinen.
  • Nach zehn Krankheitstagen muss dann ein Attest vorgelegt werden.

Begründete Zweifel müssen durch Attest widerlegt werden

Das ist die normale Handhabe, anders sieht es aber aus, wenn "begründete Zweifel" an der Krankheit seitens der Schule oder Lehrer bestehen. Diese begründete Zweifel speisen sich daraus, dass

  • die Fehlzeiten des betroffenen Schülers oder der betroffenen Schülerin insgesamt hoch sind
  • am Tag des Fehlens eine Arbeit oder ein Test geschrieben wurde
  • die Ferien anstehen oder zu Ende gegangen sind
  • die Glaubwürdigkeit der Eltern in Verruf steht

Gerade, weil immer mehr Eltern ihre Kinder vorzeitig aus dem Unterricht nehmen, um einen günstigeren Urlaub zu ergattern, verlangen immer mehr Schulen ein Attest, wenn Kinder in der Zeit vor oder nach den Ferien fehlen.

Schwieriger wird es auch, wenn die Schüler volljährig sind und sich ihre eigenen Entschuldigungen schreiben können, denn da blitzen dann doch die begründeten Zweifel auf, wenn sich gerade am Tag der Mathearbeit eine Magenverstimmung zeigte. Ebenso, wenn der Arzt, der das Attest ausgestellt hat, gar nicht am Ort wohnt und eine Ferndiagnose gestellt hat.

Ärzte weigern sich, Atteste auszustellen

Man kann die Schule verstehen, wenn sie dem Schulschwänzen mit der Attestpflicht einen Riegel vorschieben möchte. Aber auf der anderen Seite sorgt diese Vorgabe bei den Eltern für Stress, denn manche Kinderärzte weigern sich schlichtweg, ein Attest auszustellen. Die Mediziner argumentieren, dass ihnen wertvolle Zeit verloren ginge, denn die Kinder müssten wegen einer Erkältung eigentlich gar nicht in die Praxis kommen, oder, schlimmer noch, sie erhöhen die Ansteckungsgefahr, wenn sie im Wartezimmer auftauchen.

Außerdem kostet es für die Eltern meistens Geld, so ein Attest einzuholen. Der Appell an die Schulen lautet deshalb, wirklich nur in begründeten Fällen ein Attest zu verlangen. Aber Ärzte können nur appellieren - am Ende entscheiden die Schulen, ob sie nicht doch eine medizinische Begründung für das Fehlen vom Unterricht haben wollen.

Sollten eure Kinder eine Schule besuchen, die eine strenge Attestregelung hat, bleibt euch eigentlich nicht viel übrig als die Schulkonferenz davon zu überzeugen, die Regelung zu lockern und die Attestpflicht nur noch bei begründeten Zweifeln zu verlangen.

 

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