Schulschwänzen: Drakonische Strafen als letzte Konsequenz

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Schulschwänzen: Drakonische Strafen als letzte Konsequenz

Es gibt viele Gründe, warum Kinder die Schule schwänzen. Tun sie es öfter, hat es manchmal weitreichende Folgen.

Jugendliche denken sich oft nichts dabei, statt in die Schule lieber in das Einkaufszentrum zu gehen. Schulschwänzen kann aber erhebliche Folgen haben.

Die Schule zu schwänzen, daran denken viele Schüler und Schülerinnen und manche tun es auch. Einige sporadisch, andere dagegen wiederholt. Es gibt keine Statistik für Gesamtdeutschland, nur für einzelne Bundesländer. In Berlin wurde Alarm geschlagen, denn hier fiel auf, dass auch schon Grundschüler einen Bogen um die Schule machen - 6.392 schwänzten mindestens einmal, 564 mehr als zehnmal und 63 unter ihnen gingen an mehr als 40 Tagen nicht zur Schule. Gymnasiasten schwänzen in Berlin am wenigsten, während fast jeder zweiter Besucher einer Sonderschule dies im Schuljahr 2017/2018 getan hat.

Schulschwänzen: Warum passiert es?

Warum Kinder und Jugendliche die Schule schwänzen, hat unterschiedliche Gründe: Manchmal ist es eine einmalige Angelegenheit, denn das Einkaufszentrum oder das Café lockt oder es ist eine Mutprobe. Es kann auch eine politische Aktion sein, wie die Bewegung "Fridays for Future", die mit ihrem Schulstreik einen besseren Umweltschutz fordern. Schulschwänzen kann aber auch ernstere Gründe haben:

  • Mobbing: Das Kind fühlt sich gemobbt und hat Angst, zur Schule zu gehen.

  • Schlechter Einfluss: In der Clique herrscht die Meinung, dass Schule nicht wichtig ist und dieser Gruppenzwang wirkt.

  • Familiäre Konflikte: Die Familie bricht auseinander, es wird nicht kommuniziert und das Kind fühlt sich alleingelassen und ist hoffnungslos. Schule bietet keinen Halt.

  • Überforderung: Die Noten werden schlechter und ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit macht sich breit. Das Kind denkt, dass es aus der Notenmisere nicht mehr herauskommt.

  • Drogensucht: Die Sucht und die Beschaffung der Drogen wird wichtiger als der Schulbesuch.

  • Keine Perspektive: Die Noten sind nicht so gut und der Traumjob ist in weiter Ferne.

Was können Eltern tun?

Wie kann man da als Eltern gegensteuern? Gemeinsam zu reden, die Gründe zu erfragen und nach Lösungen zu suchen, ist sehr wichtig. Unterstützung ist entscheidend. Manchmal ist es ein gutes Signal, die Kinder wieder jeden Morgen in die Schule zu bringen. So sehen sie , wie wichtig euch es ist, dass sie den Unterricht besuchen.

In einigen Fällen kümmern sich die Erziehungsberechtigten aber nicht darum, ob der Nachwuchs in die Schule geht oder nicht. Diese Haltung ergibt sich entweder aus Überforderung oder auch aus Gleichgültigkeit. In vielen Fällen sind Eltern aber schockiert oder gar verzweifelt, weil sie nicht mehr an ihre Kinder herankommen. Notorisches Schulschwänzen ist ein deutliches Signal. Ein Hilferuf, mag er nun bewusst oder unbewusst eingesetzt worden sein. So oder so - wenn dem nicht Einhalt geboten wird, hat dies zum Teil massive Konsequenzen für die Kinder und Jugendlichen.

Schulschwänzen: Am bitteren Ende wartet das Gefängnis

Bei Jugendlichen, die nicht mehr zur Schule gehen wollen, setzt ein Maßnahmenkatalog ein, der auch die Eltern betrifft. Wird ein Kind beim Schulschwänzen erwischt, werden die Eltern umgehend informiert. Meistens wird der Schüler oder die Schülerin zum Nachsitzen verdonnert, wenn es sich um einen Tag handelt. Passiert das Schwänzen häufiger, gibt es einen Verweis. Wird auch das ignoriert, gibt es wieder einen Verweis, der zum Rauswurf führen kann. In all den Fällen werden die Eltern kontaktiert. Rühren diese sich nicht, macht die Schule einen Hausbesuch, um zu schauen, was passiert ist und was es für Gründe geben könnte. Hier agieren Vertrauenslehrer oder Schulpsychologen, um gemeinsam mit den Eltern eine Lösung zu finden, damit die Kinder oder die Jugendlichen wieder eine Perspektive sehen, zur Schule zu gehen.

Sollten die Schulverantwortlichen das Gefühl haben, dass die Erziehungsberechtigten kein Interesse haben, etwas an der Situation zu ändern, wird das Ordnungsamt eingeschaltet. In Deutschland herrscht Schulpflicht und es ist eine Ordnungswidrigkeit, wenn man ihr nicht nachkommt. Sind die Kinder noch minderjährig, werden die Eltern belangt, denn sie sind dafür verantwortlich, dass ihre Kinder in die Schule gehen. Also hagelt es für sie Bußgelder und die können je nach Bundesland ziemlich happig sein. Bremen berechnet 35 Euro pro Fehltag, in Baden-Württemberg können es unter Umständen bis zu 300 Euro pro Tag sein.

Nutzt das auch nichts, schwänzen die Jugendlichen immer noch, schaltet sich dann das Jugendgericht ein und kann die Betroffenen zu Arbeitsstunden verurteilen. Werden auch diese nicht abgeleistet, geht es dann im schlimmsten Fall tatsächlich für ein paar Wochen ins Jugendgefängnis.

Das ist wirklich die Extremsituation. In den meisten Fällen gibt es einen "Warnschuss" für das Schulschwänzen und dann eskaliert die Situation auch nicht. Für euch als Eltern ist es wichtig, immer im Gespräch mit eurem Kind zu bleiben und jede Hilfe, die die Schule bietet, anzunehmen, alles wieder ins Lot zu bringen. Eine Radikallösung könnte auch ein Schulwechsel sein, um eurem Kind die Chance auf einen Neustart zu gewähren, wenn ihr das Gefühl habt, dass es in der gegenwärtigen Schule keine Perspektive mehr gibt.

Bildquelle:

Getty Images

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