Ab wann ist ein Handy für Kinder sinnvoll?

Kleinkind

Ab wann ist ein Handy für Kinder sinnvoll?

Handys sind praktisch, keine Frage! Ab wann aber macht ein Smartphone für Kinder Sinn? Hier erfährst du alles rund ums Thema Handy für Kinder.

Kommunizieren, Fotografieren, Musik hören und Spielen - moderne Handys sind kleine Tausendsassas und stehen auf der Wunschliste von Schulkindern weit oben. Für Eltern überwiegt eher das Argument: Wenn mein Kind ein Smartphone hat, kann ich es immer erreichen. Und falls es den Bus verpasst oder sonst etwas Unvorhergesehenes passiert, kann das Kind einfach zum Handy greifen und Bescheid geben. Aber ab welchem Alter macht ein Handy für ein Kind Sinn?

Ab wann ein Handy für Kinder Sinn macht, hängt vom jeweiligen Nutzen ab.

Grundschulkinder benötigen noch kein Handy

Pauschal lässt sich diese Frage nicht beantworten. Grundschüler brauchen in der Regel noch kein eigenes Handy. Zumindest keines, das mit allerlei Schnickschnack ausgestattet ist. Wenn Eltern sich sicherer fühlen, wenn sie ihr Kind im Notfall erreichen können, ist ein „Notfallhandy“ sinnvoll.

Kein ganz billiger Spaß, aber dafür mit vielen Sicherheitsfunktionen eine Beruhigung für Kind und Eltern: Notfallhandys können via GPS geortet werden, und sie haben eine Notfalltaste. Anrufen kann man diese Handys wie jedes andere auch – für Kinder stehen aber nur die von den Eltern gespeicherten Rufnummern zum Wählen zur Verfügung.

Für Kinder ab zehn Jahren ist ein Handy okay

Ab der fünften, sechsten Klasse gehört ein Handy inzwischen zum Alltag von Schulkindern dazu, und im Alter von 12 bis 13 Jahren haben bereits 84 Prozent der Kinder ein Smartphone (Quelle: bitkom-Studie 2015). Ist die Anschaffung eines Smartphones aus dem Grund, weil die Freunde auch eins haben, legitim? Der Hamburger Erziehungswissenschaftler Prof. Peter Struck hat dafür Verständnis. „Das Kind kann sonst schnell zum Außenseiter werden. Und Handys dienen dem Austausch und der Kommunikation mit Freunden. Natürlich sollte es aber nicht aus Langeweile genutzt werden.“

Um das zu vermeiden, rät er Eltern, bestimmte Regeln für die Handynutzung festzulegen. „Das geht am besten noch vor der Anschaffung. Eltern sollten ihrem Kind klar machen, dass zum Beispiel Anrufe aus Langeweile zu unterbleiben haben und dass Gespräche grundsätzlich so kurz wie möglich gehalten werden.“

Handys für Kinder: Darauf solltest du achten

Schaffst du deinem Kind ein Handy an, solltest du bereits vor dem Kauf ein paar grundsätzliche Regeln mit deinem Kind aufstellen, damit das Mobiltelefon sinnig genutzt wird und nicht für Frust sorgt:

  • Kinder sollten für den Anfang ein Handy ohne Internetzugang erhalten. So ist ganz klar, was der Sinn des Gerätes ist: Telefonieren.

  • Bei Jugendlichen ist ein Internetzugang fast selbstverständlich. Kläre dein Kind aber in jedem Fall über die Gefahren des Internets ausführlich auf. Stichpunkte hier sind Preisgabe von Daten und Informationen / Hochladen von Fotos / Apps, Spiele, Klingeltöne. Außerdem solltest du einen Adblocker installieren und Zahlungsdaten unzugänglich machen.

  • Für jüngere Handybesitzer sind Prepaid-Tarife empfehlenswert: Die monatliche Grundgebühr entfällt. Und Kinder bekommen ein Gefühl fürs Geld. Denn wenn die Karte leer ist, kann nicht mehr telefoniert werden.

  • Lasse dein Kind einen Teil der Handykosten von seinem Taschengeld bezahlen. So lernt es eher sein Gerät zu schätzen und verantwortungsvoll damit umzugehen.

  • Beschränke die Nutzungszeiten von Anfang an! Als Richtwert gilt: 12-Jährige sollten das Smartphone nicht länger als 45 Minuten täglich nutzen. Bei 14-Jährigen darf es täglich eine Stunde sein.

  • Lege klare Regeln fest: Beim Essen und in der Schule muss das Handy aus oder lautlos gestellt sein.

  • Informiere dich über altersgerechte Apps und Spiele und lade diese selbst runter.

  • Gehe selbst mit gutem Beispiel voran!

  • Und: Jugendliche müssen hier nicht jeden Trend mitmachen! Für Jugendliche sind abgelegte Handys von den Eltern optimal. So halten sich die Kosten in Grenzen – und das Gerät lockt keine Handydiebe an. Außerdem macht das Surfen auf einem älteren Gerät weniger Spaß, die Nutzungszeiten halten sich damit automatisch in Grenzen.

Wofür nutzen Kinder das Handy?

Die Kommunikation per SMS, MMS oder mit Messaging-Diensten wie WhatsApp, Telegram und iMessage ist für die Jugendlichen inzwischen wichtiger als Telefonieren, so die Ergebnisse der jüngsten bitkom-Studie "Jung und vernetzt". Außerdem dominieren Apps wie Snapchat, Instagram und TikTok. Es sollte dich immer im gesunden Maße interessieren, was dein Kind eigentlich alles im Internet tut. Doch statt es auszuspionieren und in sein Handy zu schauen, kannst du auch das Gespräch suchen. Weißt du nicht, was Snapchat ist, dann frage dein Kind sanft danach und lass es dir erklären.

Wo ist mein Kind?

Mittlerweile können Eltern das Handy ihres Kindes sogar orten lassen. Internetfirmen wie www.trackyourkid.de bieten beispielsweise Handyortung über das Mobiltelefon des Kindes. Dies sollte aber nur im absoluten Notfall genutzt und nicht als Überwachungsapp missbraucht werden. Lass deinem Kind seine Freiheiten. Auch, wenn es manchmal schwer fällt!

Bist du vielleicht einen Tick zu überwachend? Wir haben uns mit dem Thema im folgenden Artikel auseinandergesetzt:

Prepaid oder Vertrag?

Wenn die Frage geklärt ist, OB dein Kind ein Handy bekommen soll, stellt sich gleich die nächste: Welcher Vertrag macht Sinn? Prepaid, Flatrate oder ein spezieller Kindertarif? Hier findest du Infos und Tipps für deine Entscheidung.

Welcher Handyvertrag für Kinder?

Die monatlichen Ausgaben für die Handynutzung halten sich bei den meisten Jugendlichen im Rahmen, das zeigen die Ergebnisse der aktuellen bitkom-Studie 2015. Und das unabhängig davon, wer schlussendlich die Rechnung bezahlt. "Im Durchschnitt betragen die Kosten bei den 10- bis 11-Jährigen sieben Euro, bei den 12- bis 13-Jährigen zwölf und bei den 16- bis 18-Jährigen 14 Euro im Monat. Für Apps geben die befragten Kinder und Jugendlichen im Durchschnitt einen Euro pro Monat aus." Nichtsdestotrotz ist es wichtig, sich vor dem Vertragsabschluss genau zu informieren, welche Art von Handy-Tarif für deine Familie die beste Wahl ist.

Neben den Gesprächen und Textmitteilungen sind es vor allem die Extras, die Geld kosten. Bis zu zehn Euro kann das einmalige Herunterladen von Klingeltönen nach Angaben des Magazins „Finanztest“ betragen. Denn Downloads werden oft über teure 0190er oder 0900er Nummern abgewickelt. Gern werden diese mit einer Deutschlandvorwahl kaschiert, z.B. 00491-90. Die Minutenpreise können bis zu zwei Euro betragen.

Prepaid-Vertrag für jüngere Kinder

Für Kinder unter 13 Jahren ist ein Prepaid-Tarif die beste Wahl. Das Prinzip ist einfach: Hier kann nur so viel Geld vertelefoniert oder für andere Dienste ausgegeben werden wie auf die Karte geladen wurde. Unerwünschte Kosten sind bei einem Prepaid-Tarif ausgeschlossen. Eine Zwölf-Euro-Karte pro Monat sollte in diesem Alter ausreichen. Achte darauf, dass das Guthaben sich nicht automatisch auflädt, sondern dass du dazu aktiv werden musst. Nur so hast du die Kosten im Blick!

Das einzelne Gespräch oder die SMS sind mit einer Guthaben-Karte oft verhältnismäßig teuer - aber mit einem Prepaid-Tarif lernen Kinder am besten, wie teuer die Smartphone-Nutzung tatsächlich ist - und üben sich am ehesten darin, ihr Handy nur dann zu nutzen, wenn es wirklich Sinn macht. Wichtig zu wissen: Dein Kind ist auch nach Ablauf des Guthabens noch erreichbar, denn Anrufe entgegennehmen kostet nichts.

Handy-Flatrate für Jugendliche

Angesichts der Tatsache, dass das Handy inzwischen weniger zum Telefonieren als zum Verschicken von Nachrichten verwendet wird, macht für Kinder ab 13, 14 Jahren, die schon deutlich mehr Zeit mit dem Smartphone verbringen, eine Flatrate durchaus Sinn. Hier kann das Kind für einen Pauschalpreis telefonieren, SMS verschicken, chatten und im Internet surfen. Als "Hausnummer" für die Datenmenge gilt: 500 MB Datenvolumen reichen für eine normale Smartphone-Nutzung aus: Ein bisschen chatten, E-Mails checken und hin und wieder ein Video anschauen. Wer Musik-Streaming nutzt, benötigt schnell 1 GB Datenvolumen. Immer wieder im Angebot sind spezielle Kinder-Tarife oder Partner-Tarife für Eltern und Kind, die aber nicht nicht zwangsläufig die günstigste Alternative sind.

Tipps, um Risiken und hohe Kosten zu minieren

  • Überlege gemeinsam mit deinem Kind, welche Handy-Funktionen es momentan (und absehbar in den nächsten zwölf Monaten) nutzt.

  • Die Nutzungsgewohnheiten ändern sich bei Kindern und Jugendlichen schnell - achte darauf, dass der Tarif flexibel geändert werden kann.

  • Lasse Drittanbieter wie Klingelton- und Spiele-Abos sperren.

  • Lasse Sonderrufnummern sperren, damit dein Kind keine teuren Service-Nummern wählen kann.

  • Lasse mobile Verbindungen ins Ausland sperren, denn diese sind oft extrem kostspielig.

Am Anfang ein altes Handy für Kinder

„Ein Handy mit allem Drum und Dran braucht das Kind am Anfang nicht“, meint Medienexperte Professor Hartmut Warkus. Da die meisten Handys aber ohnehin mit Kamera etc. ausgestattet sind, sollten Eltern mit dem Kind nicht nur über die Kosten, sondern auch über deren richtige Nutzung sprechen. „Vielleicht bietet sich für den Anfang Papas altes Handy an“, empfiehlt Warkus.

Auch, wenn es ein neues Handy wird, muss es nicht zwangsläufig das teuerste iPhone sein, nur weil all die Freunde eins haben. Damit macht man sich kurzzeitig vielleicht nicht ganz so beliebt beim Kind, spart aber eine Menge Geld. Außerdem sind Smartphones oftmals auch schadensanfällig. Hier kann eine Schutzhülle ein passendes Geschenk sein.

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