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Emotionale Intelligenz: Wie ihr sie bei euch selbst und euren Kindern stärken könnt

Emotionale Intelligenz
© Getty Images/bernardbodo

Emotionaler Intelligenz wird sowohl für ein erfülltes Privatleben als auch für ein erfolgreiches Berufsleben immer größere Bedeutung zugesprochen. Was emotionale Intelligenz genau ist, wie Kinder sie sich aneignen und wie wir sie testen und trainieren können.

Emotionale Intelligenz: Definition

Von emotionaler Intelligenz spricht man, wenn Menschen dazu in der Lage sind, ihre eigenen Gefühle zu erkennen, zu verstehen, zu regulieren und auch die Emotionen von anderen wahrzunehmen, sich in sie hineinzuversetzen und sie einordnen zu können. 

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Emotionale Intelligenz brauchen wir, um mit unseren Mitmenschen erfolgreich interagieren zu können, gefühlvolle Beziehungen aufzubauen sowie Konflikte und Stress erfolgreich zu bewältigen. Studien haben gezeigt, dass Menschen, die dazu in der Lage sind, ihre Gefühle zu erkennen und zu regulieren, weniger anfälliger für Suchterkrankungen sind, seltener unter psychischen Krankheiten leiden, sich gesünder ernähren und glücklichere persönliche Beziehungen führen.

Diese 5 Fähigkeiten machen emotionale Intelligenz aus

Der Begriff "Emotionale Intelligenz" wurde 1990 durch die Psychologen Peter Salovey und John D. Mayer geprägt und wenige Jahre später von dem Journalisten Daniel Goleman durch sein gleichnamiges Buch bekannt gemacht. Dieser definiert emotionale Intelligenz als Kombination aus 5 Fähigkeiten:

  1. Selbstwahrnehmung: Die eigenen Emotionen bewusst bemerken.
  2. Selbstregulierung: Die Fähigkeit, sich von Gefühlen nicht überwältigen zu lassen, sondern sie kontrollieren und lenken zu können.
  3. Empathie: Sich in andere Menschen hineinfühlen zu können.
  4. Motivation: Die Bereitschaft, angemessen auf die Wahrnehmung der Gefühle zu reagieren und so zu handeln, dass man der Erfüllung seines Ziels näher kommt.
  5. Soziale Kompetenz: Sich selbst als Teil eines Systems wahrnehmen und sich rücksichtsvoll und adäquat zu den Gefühlen anderer zu verhalten, z. B. jemanden zu trösten, wenn er traurig ist.

Wie entwickelt sich emotionale Intelligenz bei Kindern?

Kinder kommen schon mit einem gewissen Grundstock an emotionaler Intelligenz zur Welt. Sie können ihren Gefühlen Ausdruck verleihen und auch gewisse Emotionen bei ihren Eltern schon innerhalb des ersten Lebensjahrs erkennen und deuten. Das Urvertrauen spielt in den ersten Lebensjahren eine besonders große Rolle, was die weitere Entwicklung von emotionaler Intelligenz angeht.

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Durch die Kindheit hindurch entwickelt sich die emotionale Intelligenz immer weiter. Eltern und Bezugspersonen sind unendlich wichtig für diese Entwicklung, da die Kinder ihren Umgang mit Emotionen nachahmen. Ein stabiles Umfeld, in dem Gefühle ernst genommen werden, ihnen weder zu wenig noch ungangemessen viel Beachtung geschenkt wird, sind die Basis für emotionale Intelligenz bei Kindern. Dazu gehört es auch, die Autonomiephasen bei Kindern empathisch zu begleiten. Mit den Tipps aus unserem Video schafft ihr das.

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Die Kinder lernen dabei zunächst erst einmal, die eigenen Gefühle erkennen und ausdrücken zu können. Wenn euer Vierjähriger sagt: "Ich bin jetzt echt wütend" ist das super! Denn er erkennt seine Emotionen, kann sie artikulieren und lenkt sie dadurch sogar schon in regulierte Bahnen.

Durch das Spielen mit anderen Kindern lernen Kids nach und nach, sich in ihr Gegenüber hinein zu versetzen, Gefühle zu verstehen und einfühlsam darauf zu reagieren. Sie begreifen so auch, wie sie bestimmte Emotionen bei anderen auslösen können.

Ein Beispiel für emotionale Intelligenz

Stellt euch vor, ihr habt einen echt anstrengenden Tag hinter euch: Die Chefin hat eure Arbeit kritisiert, das Kind war quengelig und dann haben euch der Partner oder die Partnerin auch noch Vorwürfe gemacht. Ihr könntet jetzt einfach schreien, dass euch alle in Ruhe lassen sollen, mit den Türen knallen, in die Kneipe gehen und auf euren Frust ein paar Drinks kippen.

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Die emotionale Intelligenz aber lässt euch anders vorgehen: Ihr hinterfragt, warum Chefin, Kind und Partner*in unzufrieden waren und versetzt euch in ihre Lage. Darauf aufbauend könnt ihr angemessen reagieren und durch euer Verhalten versuchen, die Auslöser der verärgerten Gefühle eures Gegenübers künftig zu vermeiden. Um euch selber in der stressigen Situation runter zu bringen, könnt ihr euch ein warmes Bad einlassen und bei einem guten Buch entspannen, weil ihr wisst, dass euch das gut tut.

Lässt sich die emotionale Intelligenz mit einem Test herausfinden?

Analog zum Intelligenzquotient (IQ), der die rein kognitiven Fähigkeiten eines Menschen bewertet, lässt sich auch der emotionale Quotient (EQ), die Gefühlskompetenz, über Tests bestimmen. Als bekanntester Test gilt der nach den Begriffsgebern benannte MSCEIT (Mayer-Salovey-Caruso Emotional Intelligence Test) mit über 100 Aufgaben zum richtigen Einschätzen von Emotionen. Auch das Emotional Competence Inventory nach Daniel Goleman ist eine beliebte Testmethode. Dieser Persönlichkeitstest basiert auf Einschätzungen des Umfelds. Je vielfältiger die Personen sind, die um ihre Einschätzung gebeten werden, desto aussagefähiger ist der Test. Der Test "Emotional Intelligence Inventar" von Dr. Lars Satow (IE4) hat sich im deutschsprachigen Raum durchgesetzt.

Kostenlose Tests zur emotionalen Intelligenz

Im Internet gibt es zahlreiche kostenlose Tests, die versprechen, eure emotionale Intelligenz testen zu können. Vor allem Business-Coaches bieten solche EQ-Tests auf ihren Seiten an. Allerdings basieren diese Tests auf dem Prinzip der Selbstwahrnehmung, die natürlich nie neutral ist. Um ein realistischeres Bild zu erhalten, solltet ihr Freund*innen, Arbeitskolleg*innen, Familienmitglieder etc. bitten, euch zusätzlich einzuschätzen. Auch dann sind allerdings viele dieser Tests nicht aussagefähig, da sie oft methodisch schwach sind.

Am besten nutzt ihr deswegen nur wissenschaftlich fundierte, standardisierte Tests wie den "Emotional Intelligence Inventar" nach Satow, den ihr im Netz ebenfalls kostenlos machen könnt. Der Test beinhaltet Aufgaben zur Wahrnehmung, zum Wissen und zur Kontrolle von Gefühlen.

Wie zeigt sich mangelnde emotionale Intelligenz?

Menschen mit einem geringen EQ kannst du z. B. an folgenden Merkmalen erkennen:

  • Gefühle sind ihnen lästig: Emotionen halten sie nicht für wichtig, sie orientieren sich nach eigenen Aussagen eher an Fakten und Zahlen und verkennen, dass es auch noch andere entscheidende Faktoren für eine Entscheidung gibt.
  • Mangelnde Stressbewältigung: Menschen mit einem geringen EQ lassen sich durch stressige Situationen eher aus der Bahn werfen als Personen, die ihre Gefühle einordnen und angemessen darauf reagieren können.
  • Nachtragendes Verhalten: Sie haben oft kein Verständnis dafür, dass Fehler und Irren menschlich sind. Sich selbst und anderen zu verziehen, fällt ihnen schwer.
  • Die anderen sind schuld: Menschen, die über einen geringen EQ verfügen, können die Ursache ihrer Emotionen oft nicht erkennen; sie verstehen nicht, warum sie sich auf eine bestimmte Art fühlen. Deswegen tendieren sie dazu, andere für ihre Gefühle verantwortlich zu machen.
  • Sie sind schnell beleidigt: Mangelnde Kritikfähigkeit ist ein Merkmal, das viele Personen zeigen, die über wenig emotionale Intelligenz verfügen. Sie können sich nur schlecht in die Perspektive des Gegenüber hineinfühlen und fühlen sich bei Widerspruch persönlich angegriffen.  
  • Sie beharren auf ihrer Meinung: Ein wichtiges Merkmal emotionaler Intelligenz ist es, dass wir dazu in der Lage sind, uns in die Gefühle anderer Menschen hinein zu versetzen und zu respektieren, dass sie eine eigene Perspektive einnehmen. Diese Fähigkeit macht uns offen und kompromissbereit. Personen, denen es an emotionaler Intelligenz mangelt, beharren hingegen oft auf ihrem Standpunkt und lassen keine anderen Meinungen gelten.

8 Tipps, wie du die emotionale Intelligenz bei dir und deinem Kind trainieren kannst

Oft wird angenommen, dass manche Menschen von Natur aus ein hohes Maß an emotionaler Intelligenz besitzen, während andere dieses Persönlichkeitsmerkmal eben nicht haben. Das stimmt so aber nicht. Psycholog*innen sind sich einig darüber, dass sich emotionale Intelligenz als Kompetenz trainieren lässt. Mit diesen 8 Tipps könnt ihr eure emotionale Intelligenz und die euer Kids üben:

  • Eigene Gefühle wahrnehmen: Um den EQ zu erhöhen, ist es wichtig, sich selbst genau zu beobachten. Welche Gefühle kommen in mir warum hoch? Das Wahrnehmen könnt ihr auch mit euren Kindern üben, indem ihr die Kleinen z. B. fragt, was heute besonders schön oder auch nicht so toll war und wie sie sich dabei gefühlt haben. Tipp: Auf die Standardfrage "Wie geht es dir?" werdet ihr wahrscheinlich keine besonders aufschlussreiche Antwort bekommen. Hier müsst ihr schon ein wenig konkreter werden. Und dann vor allem auch zuhören!
  • Gefühle bei anderen wahrnehmen: Andere genau zu beobachten und vor allem gut zuzuhören trainiert die emotionale Intelligenz. Wie fühlt sich mein Gegenüber, welche Mimik, welche Gestik zeigt er oder sie? Und was löst diese Emotionen in ihm oder ihr aus? Mit Kindern könnt ihr z. B. Bücher anschauen, in denen die Figuren bestimmte Emotionen darstellen.
  • Selbstbewusstsein aufbauen: Selbstsicherheit ist enorm wichtig, um im Umgang mit anderen Menschen zu bestehen und sich selbst zufrieden zu fühlen. Mit diesen Tipps stärkt ihr das Selbstbewusstsein eurer Kids.
  • Toleranz üben: Emotionale Intelligenz kommt gerade dann zum Tragen, wenn wir mit jemandem nicht einer Meinung sind. Eure pubertierende Tochter hat zu manchen Dingen eine ganz andere Einstellung als ihr? Setzt euch zusammen, hört ihr genau zu und versucht, euch in ihre Situation hinein zu versetzen.
  • Angemessene Kommunikation trainieren: Sprache ist der Ausdruck unserer emotionalen Intelligenz. Ihr könnt es tatsächlich üben, eure Emotionen angemessen und zielgerichtet auszudrücken – vor allem auch im Umgang mit Kindern. Gewaltfreie Kommunikation zielt genau darauf ab.
  • Konfliktsituationen meistern: Euer Kind schaut sich bei euch ab, wie ihr in schwierigen Situationen reagiert. So könnt ihr es schon stärken. Eine weitere Möglichkeit ist, über kritische Situationen mit ihm zu sprechen. Zum Beispiel: "Wenn Nathalie dich im Kindergarten ärgert, sag ihr, dass sie damit aufhören soll. Wenn das nichts nützt, geh ihr aus dem Weg. Und wenn du nicht mehr weiter weißt, gib dem Erzieher Bescheid."
  • Impulse lenken: Ihr könnt mit eurem Kind im Alltag üben, Impulse zu steuern und Lösungen zu finden. Etwa so: "Klar, das macht dich jetzt ungeduldig, dass Jonas auf der Schaukel sitzt, wenn du selber schaukeln willst. Aber es ist trotzdem nicht in Ordnung, ihn jetzt einfach runter zu werfen, er möchte auch schaukeln, genau wie du. Wir warten hier zusammen und spielen in der Zwischenzeit eine Runde Ich sehe was, das du nicht siehst."
  • Negative Gefühle annehmen: Sagt euch selbst und vermittelt auch eurem Kind, dass Scheitern normal und völlig okay ist! Niemand ist immer erfolgreich. Und auch negative Gefühle sind in Ordnung. Redet diese eurem Kind bitte nicht aus, sondern zeigt Verständnis und steht ihm auch bei Wut und Traurigkeit zur Seite. Dann lernt es, auch durch negative Phasen in seinem Leben gut durchzukommen.

Unsere Buchtipps zur Förderung emotionaler Intelligenz bei Kindern

Diese Bücher für Kinder finden wir besonders gelungen, um ihre emotionale Intelligenz schon früh zu fördern:

Glücklich, traurig, wütend, froh

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Ängstlich, wütend, fröhlich sein

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Traurig, wütend, froh

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Quellen: Daniel Goleman, Lexikon der Psychologie

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