Kinder und Sport: Was die beste Sportart für Ihr Kind ist

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Kinder und Sport: Was die beste Sportart für Ihr Kind ist

Kaum im Kindergartenalter können viele Kinder gar nicht genug vom Sport

Als ich klein war, gab es für uns Jungs nur Fußball. Ich ging in die zweite Klasse, wohnte mit meinen Eltern auf dem Land und mein Fußballclub hieß „Sportverein Altlußheim“. Alle meine Freunde waren dabei. Ein paar hatten sogar richtige Fußballschuhe mit Stollen zum An- und Abschrauben (natürlich meist vom großen Bruder geerbt). Das Training war immer mittwochs auf einem staubigen, roten Ascheplatz - ein Höhepunkt der Woche. Und wie stolz wir waren, wenn wir sonntags ein Spiel gewonnen hatten - in unseren viel zu großen Trikots mit der schwarzen Aufschrift unseres Vereins. Wir kamen uns vor wie die Nationalmannschaft. 25 Jahre später: Mein Sohn Tim war schon bei einer Fußball-Schnupperstunde bei den „Bambini“, geht zum „Mini-Turnen“ und - so plant er es mit seinem Freund David - zum Schwimmen bei der „Freien Turnerschaft 1844“. Ganz schön viel Sport für einen Vierjährigen. „Papa, machst du Judo mit mir?“, hat er mich am Samstag gefragt. Oje, jetzt auch noch Kampfsport… Während ich ihn also wie einen echten Judoka über mein rechtes Bein sanft auf den Kinderzimmerboden rollen lasse, frage ich mich, wann der Kleine wohl von einem Talent-Scout entdeckt wird. Wo geht's zur nächsten Olympiade?

Tipps zu Kinder und Sport

Tipps zu Kinder und Sport

  • Wo die nächsten Sportvereine in Ihrer Umgebung sind, weiß das Sportamt Ihrer Gemeinde.

  • In der Deutschen Sportjugend sind fast 90000 Sportvereine organisiert, www.dsj.de

Kinder verlieren oft schnell wieder Lust an einer Sportart

Kinder verlieren oft schnell wieder Lust an einer Sportart

So schnell Kinder begeisterte Mitglieder in einer Handball- oder Hockeymannschaft werden, so schnell sind sie zuweilen auch wieder ausgetreten. Als Erwachsener mag man den Kopf darüber schütteln. Aber: Eine anfängliche Euphorie und die möglicherweise folgende Lustlosigkeit sind völlig normal bei Kindern. Auf der anderen Seite: Wer Durststrecken übersteht, zeigt Disziplin und Durchhaltevermögen. Sie können ihren Nachwuchs hierbei unterstützen, indem sie mit ihm über Gründe für den Wechsel sprechen und behutsam zum Weitermachen ermuntern. Wenn das auch nicht fruchtet: Bitte keinen Druck ausüben“, rät Renate Zimmer; dafür sei Sport als Spaß- und Laune-Bringer zu wertvoll. Wenn ein Kind aber den Sportmuffel gibt? Dann gelte es, nach den Gründen für die Ablehnung zu suchen, so die Expertin: Liegt es möglicherweise daran, dass keine Freunde mitmachen? Oder am Unterricht des Übungsleiters? Gespräche mit Kind und Trainer können in diesem Fall weiterhelfen. Und natürlich sind Eltern als Vorbilder gefragt: Stecken Sie Ihr Kind mit Ihrer eigenen Bewegungsfreude an und gehen Sie mit ihm Rad, Roller oder Rollschuh fahren. Werfen Sie sich Bälle zu, spielen Sie Softball, schlagen sie Purzelbäume auf der Wiese. Erfinden Sie einfach selbst Spiele! Diese Bewegungsarten sind genauso wertvoll wie Vereinssport.

Sport-Ausrüstung für Kinder am Anfang besser nur leihen

Sport-Ausrüstung für Kinder am Anfang besser nur leihen

Rechnen lohnt in beiden Fällen: Fußballschuhe für 60 Euro, Rollschuhe (oder Skates) für 90 Euro, Kletterschuhe und -gurt für 110 Euro - gute Ausrüstung hat ihren Preis. Die recht hohen Anschaffungskosten können sich Familien sparen, indem Sie die Sachen im Verein leihen oder gebraucht kaufen - und nicht sofort im Sportgeschäft zuschlagen! Denn Tims Freund David z.B. hat vergangene Woche doch noch die Lust auf Fußball verloren. Ohne weitere Begründung. Gut!, denke ich mir insgeheim, denn jetzt hat auch Tim seinen Trainingsplan freiwillig auf Eis gelegt. Vorerst. In den Schwimmunterricht darf er nächstes Jahr, haben wir ihm versprochen. Beides - Turnen und Schwimmen - klappt einfach zeitlich nicht. Das hat er eingesehen. Und „Judo“? Da sind wir mittendrin. Ich gebe Tim jeden Abend Privatstunden: Quietschend wirbelt er durch die Luft, und ich lass mich von ihm polternd zu Boden werfen. Dass diese „Judo“-Griffe genauso wie ihre Namen (z.B. Schnelles Gespenst) frei erfunden sind, muss er ja nicht wissen. Die harmlosen Raufereien sind für uns beide auch so ganz großer Sport…

Kinder und Sport: Einstiegsalter und Kosten

Kinder und Sport: Einstiegsalter und Kosten

ab 4 Jahre: Turnen

Noch immer die unangefochtene Nr. 1 bei Kindern! Und eine gute Basis für weiterführende Sportarten. Kosten: Die Mitgliedsbeiträge der Vereine bewegen sich zwischen 20 und 50 Euro pro Jahr.

ab 4 Jahre: Ski fahren

Das Gleiten auf dem Schnee begeistert auch Kinder und schult die Koordination ihrer Bewegungen. Kosten: Komplette Ausrüstung ab ca. 280 Euro, Skipässe ca. 15 bis 25 Euro/Tag.

ab 4 Jahre: Rad fahren

Rad fahren ist mehr als Sport: Kinder erweitern mit dem Fortbewegungsmittel ihren Aktionsradius erheblich! Ein Laufrad (ab ca. 2 Jahre) ist die optimale Vorbereitung fürs Radeln. Ein Helm (ab 10 Euro) ist Pflicht.

ab 6 Jahre: Fußball

Kicken ist nicht nur gut für Kondition und Schnelligkeit, im Verein lernen Kinder auch Teamgeist. Kosten: Stollenschuhe ab 50 Euro, Verein 20 bis 50 Euro/Jahr.

ab 6 Jahre: Judo

Judo stärkt das Selbstvertrauen der Kinder und trainiert Schnelligkeit und Koordination. Kosten: Judoanzug ab 25 Euro, Verein ca. 20 bis 50 Euro/Jahr.

ab 7 Jahre: Schwimmen

Genau das Richtige für alle Wasserratten, die nicht genug von Hallen- und Freibad bekommen können! Und für Eltern ein beruhigendes Gefühl, wenn ihre Kinder gute Schwimmer sind. 20 bis 50 Euro/Jahr.

ab 7 Jahre: Basket-,Volley- und Handball

Schnelle Spiele für wendige und aufmerksame Kinder. Im Team werden die sozialen Fähigkeiten gestärkt. Kosten: Verein ca. 20 bis 50 Euro/Jahr.

ab 7 Jahre: Klettern

Beim Klettern und gegenseitigen Absichern erleben Kinder Sicherheit und Vertrauen. (Nur unter fachgerechter Aufsicht eines Erwachsenen!) Kosten: Schuhe und Gurt ca. 110 Euro, Verein ab ca. 10 Euro/Jahr.

ab 7 Jahre: Karate

Macht selbstbewusst und stark! Gut geeignet für Jungen, die nicht wissen wohin mit all ihrer Kraft. Nützlich für die Selbstverteidigung. Kosten: Anzug ab ca. 50 Euro, Mitgliedsbeiträge ca. 20 bis 50 Euro/Jahr.

ab 8 Jahre: Tennis

Gefragt sind Reaktionsvermögen, Schnelligkeit und Koordination! Kosten: Schläger ab 40 Euro; Sportverein (günstiger als Tennisclub): 20 bis 50 Euro/Jahr.

ab 10 Jahre: Leichtathletik

Schneller, höher, weiter - hier wird Wettkampf groß geschrieben! Gut für Kraft, Ausdauer und Schnelligkeit. Kosten: Vereinsbeiträge ca. 20 bis 50 Euro/Jahr.

Die richtige Sportart für Ihr Kind

Die richtige Sportart für Ihr Kind

Nur: Wo sollen wir unsere Sportskanone jetzt anmelden? Die Woche hat nur fünf Trainingstage, abzüglich Kindergarten sind es nur noch drei unverplante Nachmittage, na ja, und dann kosten die Vereine auch Geld; und Stollenschuhe, sagte Tims Trainer beim ersten Treffen auf dem Rasen, möge er sich doch bitte bis zum nächsten Mal zulegen. Mal langsam! So viele Termine passen beim besten Willen nicht mehr in unseren Familienkalender. Und zu viele Sportarten sind in diesem Alter sogar kontraproduktiv, haben Sportwissenschaftler herausgefunden: Erst ab dem Grundschulalter, etwa mit sechs oder sieben Jahren, sollen Kinder mit „richtigen“ Disziplinen wie den Ballsportarten beginnen. Eltern sollten bei einem „Schnuppertraining“ ihrer Kinder darauf achten, dass die Trainer die Stunde abwechslungsreich und spielerisch gestalten. Also nicht nur stramme Zuspiel-Übungen abhalten und Pässe einstudieren. Besser, so Renate Zimmer, seien kindgerechte, spannende Spiele und Übungen, die den Körper auf vielfältige Weise fordern.

Turnen als idealer Einstiegs-Sport für Kinder

Turnen als idealer Einstiegs-Sport für Kinder

Eine ideale Basis für die weiterführenden Sportarten legen die Turnstunden, wie sie von Sportvereinen oder Volkshochschulen für Kinder ab drei Jahre angeboten werden: Wild in der Sporthalle herumhüpfen, über Kästen klettern, mit dem Seil springen, Purzelbäume auf der Matte schlagen, Bälle werfen und fangen - das macht fast allen Kindern riesig Spaß! Als Ausrüstung genügen in der Regel Turnschuhe und Sporthosen, die Jahresbeiträge beginnen bei rund 20 Euro. Ein relativ geringer finanzieller Aufwand mit großem Nutzen für die Entwicklung von Kindern. Wichtig: Die Übungsleiter sollten nicht nur einen guten Draht zu den Minis haben, sondern auch entsprechend ausgebildet sein - damit sie bei Unfällen richtig handeln. Im Kinderturnen lernen die Nachwuchssportler dann oft zum ersten Mal das Spielen in einer Mannschaft kennen. Im Team erleben und erwerben Kinder dabei so genannte soziale Kompetenzen: Zusammenarbeit, Rücksichtnahme, Verständnis für Regeln und das Lösen von Konflikten etwa. Wer bei Spiel und Sport Bestätigung findet, steckt auch mal Frust in der Schule leichter weg. Bewegung macht also nicht nur klug, sondern auch selbstbewusst! Allgemein gilt: Kinder sollen möglichst viele Sportarten ausprobieren können. Nicht selten kommen die Anstöße dazu von Freunden und Klassenkameraden der Kinder: „Kommst du morgen mit zum Training?“ Das zieht fast immer!

Sport macht Kinder klug

Sport macht Kinder klug

Tim hat wie die meisten Kinder in seinem Alter einen Heidenspaß daran, schnell zu sein oder Neues mit seinem kleinen, aber gelenkigen Körper auszuprobieren. Das ist gut so, denn viel Bewegung fördert nicht nur die körperliche Entwicklung, sondern auch die geistige: „Beim Bewegen, etwa beim Balancieren, benutzen Kinder ihren Gleichgewichtssinn, sie trainieren die Koordination und stärken ihre Konzentrationsfähigkeit“, sagt Prof. Renate Zimmer, Sportpädagogin an der Universität Osnabrück. „Toben macht klug“, lautet ihr Fazit, mit dem sie Eltern ermuntert, ihren Kindern ganz viel spielerische Bewegung im Alltag zu ermöglichen - Treppen steigen, Roller fahren, Fangen spielen usw. Aber auch die Angebote der Sportvereine für die Kleinsten werden inzwischen immer vielfältiger. So weit so gut.

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