Resilienz fördern bei Kindern

Aufstehen, weitermachen!

Resilienz fördern bei Kindern

Wer resilient ist, steckt Stress und Frustration besser weg. Psychische Widerstandskraft hilft auch Kindern, besser mit Krisensituationen fertigzuwerden. Wie kannst du deinem Kind dabei helfen, diese innere Stärke zu entwickeln?

Wenn du ein Kind großziehst, möchtest du es fit machen fürs Leben. Dafür braucht es auch Resilienz, um mit den Herausforderungen und Problemen, die jedem von uns immer wieder begegnen, souverän umgehen zu können. Doch was ist Resilienz eigentlich? Hat dein Kind diese psychische Widerstandsfähigkeit, dann wird es von einer misslungenen Mathearbeit ebenso wenig aus der Bahn geworfen wie von Streitereien mit Freunden oder einem nicht gehaltenen Versprechen. Fehler zu machen und zuzugeben, will auch gelernt sein. Resiliente Menschen haben eine höhere Stresstoleranz, verdauen Lebenskrisen besser und ziehen daraus idealerweise neue Kraft und positive Erkenntnisse.

Resilienz erhöht die Stresstoleranz und hilft bei der Bewältigung von Krisen.

Resilienz wird manchmal missverstanden

Neben Achtsamkeit gehört Resilienz zu einem der aktuellen Zauberworte, wenn es um bewusste Lebensführung und psychische Gesundheit geht. Jeder sucht nach Wegen, Stress zu reduzieren, anders damit umzugehen oder ihn am besten gar nicht erst aufkommen zu lassen. Resilienz ist dabei ein Instrument aus unserem Werkzeugkasten.

Doch manche Eltern stoßen sich an dem Begriff, weil sie denken, dass es darum geht, Kindern ihre Emotionalität zu nehmen, ihre Gefühle zu bewerten oder sie ihrer Individualität zu berauben; sie fürchten, dass ihre Kinder einfach nur gut funktionieren sollen, wie kleine Maschinen. Sie wünschen sich für ihre Kinder freie Entfaltung und sehen Resilienz als Begrenzung oder Drill.

Dabei geht es, wenn man den Begriff richtig liest, nicht darum, dem Kind ein bestimmtes Verhalten oder einen vorgezeichneten Lebensweg zu diktieren, sondern darum, ihm die innere Kraft zu geben, mit Herausforderungen souverän umzugehen und sich nicht so leicht unterkriegen zu lassen, wenn es mal nicht so gut läuft. Resilienz macht Kinder also stärker, nicht schwächer.

Kann man Resilienz lernen?

Manche Menschen sind von Natur aus resilienter als andere und es gibt auch Kinder, die bereits erstaunliche kleine Stehaufmänner und -frauen sind, obwohl sie noch nicht über viel Lebenserfahrung verfügen. Die meisten Kinder entwickeln Resilienz jedoch erst dank der Unterstützung von Eltern, Lehrern und anderen Vertrauenspersonen. Du kannst einiges dafür tun, dass dein Kind widerstandsfähiger gegenüber negativen Gefühlen wird – denn tatsächlich ist die innere Haltung der entscheidende Faktor, wenn es um Resilienz geht.

Was Resilienz auszeichnet:

  • Positiv denken: Resiliente Menschen sehen das Glas als halb voll an, nicht als halb leer. Sie lernen aus Fehlern und können auch aus unerfreulichen Erfahrungen zumindest noch eine positive Erkenntnis ziehen, die ihnen weiterhilft.
  • Flexibilität: Mit dem Kopf durch die Wand geht es selten am besten – manchmal bringt einen Plan B leichter zum Ziel. Darum sollten Kinder lernen, bei Lösungsansätzen ebenso wie bei ihren Erwartungen flexibel zu sein. Fehler einzusehen und umzudenken, gehört dazu.
  • Großzügigkeit: Resiliente Kinder müssen nicht immer im Mittelpunkt stehen und können teilen, anderen auch mal den Vortritt lassen, anderen etwas gönnen.
  • Warten können: Ob es Belohnungen, Geschenke, Erfolge oder Resultate sind – resiliente Menschen können die nötige Geduld aufbringen und müssen nicht alles sofort haben.
  • Weitsicht entwickeln: Resiliente Kinder können eine momentane Frustration aushalten, wenn sie erkennen, dass die Situation sich hoffentlich bald bessern oder die Krise sich auflösen wird.
  • Vertrauen und Hoffnung: Resilienz erfordert ein Urvertrauen, dass alles wieder gut werden kann.
  • Selbstbewusstsein und Zuversicht: Wer resilient ist, ruht mehr in sich und hat eher das Gefühl, sein Leben insgesamt unter Kontrolle zu haben. Das gibt Selbstbewusstsein. Außerdem fühlen sich resiliente Menschen ihren negativen Gefühlen (Angst, Wut, Trauer) und schwierigen Situationen weniger ausgeliefert.
  • Mut: Wer weniger Angst vor Fehlschlägen hat, traut sich mehr. Resilienz macht mutig und ermöglicht Kindern, sich auszuprobieren und ihre Potentiale zu leben.

Was Resilienz und Erziehung dazu nicht sein sollte:

  • Härte: Abhärtung durch zu viel Leid, Schmerz und Enttäuschung ist nicht das Ziel.
  • Abstumpfung: Das Kind soll nicht von seinen Emotionen abgeschnitten werden.
  • Unterdrückung: Das Kind soll nicht in ein Schema gepresst werden, selbst wenn es den Eltern erfolgversprechend erscheint.
  • Duckmäusertum: Resilienz bedeutet nicht, dass man sich immer ängstlich regelkonform verhält, aus Sorge vor negativen Konsequenzen.
  • Rücksichtslosigkeit: Vorausschauendes Handeln und emotionale Kontrolle sollen nicht dazu führen, dass ein Kind manipulativ wird und nur auf den eigenen Vorteil bedacht ist.
  • Überheblichkeit: Ein starkes Kind sollte nicht auf schwächere Kinder herabblicken, sondern empathisch und hilfsbereit sein

Resilienz kann man Kindern bereits im Kleinkindalter spielerisch näherbringen. Je früher du damit beginnst und je konsequenter du bist, desto eher wird dein Kind dann von sich aus seelische Widerstandskraft entwickeln. Hier kommen zehn Tipps, wie du Resilienz fördern kannst:

10 Tipps, wie du dein Kind zu innerer Stärke erziehst

10 Tipps, wie du dein Kind zu innerer Stärke erziehst
Bilderstrecke starten (10 Bilder)

Resilienz und psychische Gesundheit

Manche Kinder fällt es leichter als anderen, Resilienz zu entwickeln. Einige Kinder bleiben jedoch immer sensibler und werden in Krisenzeiten stärker hadern. Dafür sollten wir sie nicht verurteilen, sondern sie so gut wie möglich unterstützen und ermutigen. Ein Mangel an Resilienz ist kein Charakterfehler oder Versagen, sondern eine weitere individuelle Eigenschaft, die man nicht bewerten oder verurteilen sollte.

Widrige Umstände und traumatische Erlebnisse können Resilienz ebenfalls erschweren. Ein Kind, das Schlimmes erlebt hat oder zeitlebens existenzieller Unsicherheit ausgesetzt ist, wird leichter retraumatisiert und leidet eher, als dass es an Problemen und Herausforderungen wächst. Mit professioneller Hilfe, emotionaler Unterstützung und praktischer Hilfestellung kann es vielleicht jedoch auch ein Stück weit widerstandsfähiger werden.

Immer mehr Kinder und Jugendliche sind psychisch krank. Das Robert-Koch-Institut geht davon aus, dass 20 Prozent unter psychischen und Verhaltensstörungen leiden. Die Probleme reichen von Depressionen und Angststörungen bis zu Magersucht und Bulimie. Zu den Auslösern zählen unter anderem Stress, Überforderung, Leistungsdruck oder soziale Isolation – Herausforderungen, die man mit Resilienz besser durchsteht. Könnte eine Erziehung, die Widerstandskraft fördert, psychischen Erkrankungen vorbeugen? Das lässt sich sicher nicht pauschal beantworten. Aber wenn du dir wünschst, dass dein Kind später einmal in der Lage ist, sein Leben in die Hand zu nehmen und aktiv zu gestalten, ohne sich von Rückschlägen und Hindernissen allzu sehr beirren zu lassen, ist ein gewisses Maß an Resilienz sicher erstrebenswert.

Bildquelle: Getty Images

Galerien

Lies auch

Teste dich