Schule und Lernen mit neuen Medien

Kleinkind

Schule und Lernen mit neuen Medien

Hier erfahren Sie, warum Deutschland mit der Digitalisierung der Schulbildung hinterher hängt, welche Vorteile und Risiken das Lernen mit neuen Medien für Kinder bietet und unter welchen Bedingungen mit digitalen Medien erfolgreich gelernt werden kann.

Deutschland hängt dem Fortschritt hinterher

"Das 21. Jahrhundert ist in jedem Lebensbereich geprägt durch die Digitalisierung von Information und Kommunikation. Ausgerechnet der Ort aber, der Ausgangspunkt des Lernens und Entwickelns kognitiver und sozialer Fähigkeiten und Wissens für jeden Menschen ist, die Schule, hat Deutschland im Vergleich zu den meisten anderen Ländern ähnlicher Struktur den Anschluss verloren." - Mit dieser Feststellung leitet der Medienpsychologe Jo Groebel den Bericht zu seiner Studie Digitale Lernwerkzeuge ein.

In deutschen Schulen wird bisher nur selten mit neuen Medien gearbeitet.

Und tatsächlich, ein Blick in andere Länder zeigt: Deutschland hängt mit dem Einsatz digitaler Medien im Klassenzimmer hinterher. In den USA zum Beispiel ist die Verwendung von iPads und Apps im Schulunterricht keine Ausnahme mehr. Das iPad soll in naher Zukunft sogar das gedruckte Schulbuch ersetzen. In Südkorea ist die Digitalisierung der Schulbildung bereits so weit vorangeschritten, dass dort schon 2015 alle Lehrmittel nur noch in digitaler Form angeboten werden sollen.
Aber warum hängt Deutschland, eine der führenden Industrienationen, so mit der Digitalisierung der Schulbildung hinterher? Stefan Aufenanger, Professor für Medienpädagogik an der Uni Mainz, ist sich sicher, dass die grundlegende Medienskepsis der Deutschen das Problem ist. Das bedeutet, dass neue Medien in Deutschland oftmals nur auf ihre möglichen Risiken reduziert werden und es den Menschen schwer fällt, auch die positiven Seiten und Möglichkeiten digitaler Medien zu sehen. Kein Wunder also, dass in Deutschland gerade bei den sensiblen Themen Kinder und Schulbildung oft nur sehr langsam neue digitale Wege beschritten werden.

Lesen Sie auf den nächsten Seiten mehr über die Vorteile des Lernens mit digitalen Medien sowie über die Risiken beim Lernen mit Tablet und Co.!

Richtlinien für effektives Lernen mit neuen Medien

Die Macher der Online-Nachhilfe-Plattform sofatutor sind sich sicher, dass digitale Medien das Lernen verbessern, solange sie mit der richtigen Strategie genutzt werden.

Richtlinien für effektives Lernen mit digitalen Medien

1. Dauer und Häufigkeit der Nutzung beachten
Je nachdem, wie alt das Schulkind ist, sollte die Nutzung digitaler Medien zum Lernen bedarfsweise ausgerichtet werden. Wöchentlich können z.B. fünf Stunden ok sein, wenn diese gleichmäßig auf die Nachmittage verteilt sind. Nur bei intensiveren Schularbeiten oder Prüfungsvorbereitungen sollten längere Nutzungszeiten von maximal zwei Stunden pro Tag erlaubt sein.
2. Digitale Medien zielgerichtet nutzen
Bevor sich das Kind mit digitalen Lernangeboten beschäftigt, sollte es ein klares Lernziel vor Augen haben. Welche Informationen benötigt es? Welcher Stoff soll gelernt werden? Mit einem klaren Lernziel können Informationen besser gefiltert werden und man "verzettelt" sich weniger. Wenn Ihr Kind Probleme dabei hat, helfen Sie ihm, sich das Lernziel vorher abzustecken und die benötigten Informationen einzugrenzen. Für Referate kann es bspw. hilfreich sein, sich zunächst eine grobe Gliederung auszudenken, um dann gezielt nach Informationen zu suchen, anstatt sich ziellos durch alle verfügbaren Seiten zum Thema zu „googlen“.

3. Digitale Medien nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung betrachten

Digitale Medien sollten nicht als Zauberformel für schnelles und einfaches Lernen betrachtet werden! Sie eignen sich toll dazu, im Schulunterricht besprochene Inhalte zu vertiefen, zu veranschaulichen und zu wiederholen. Wichtig ist auch, dass digitale Lerninhalte hinterfragt, diskutiert und mit anderen Quellen verbunden und aktiv mitgestaltet werden.
4. Die richtigen Erwartungen stellen
Nur, weil ein Kind verschiedene Lernprogramme besitzt und diese auch ab und zu nutzt, heißt das nicht, dass es automatisch alle Inhalte verinnerlicht. Lernen bleibt Lernen, auch wenn digitale Angebote es etwas angenehmer und abwechslungsreicher gestalten können und z.T. auch unbewusste Lernvorgänge in Gang setzen. Auch mit digitalen Lerninhalten muss zum größten Teil intensiv gearbeitet werden.
5. Ablenkungsquellen minimieren und Multitasking vermeiden
Beim Lernen mit digitalen Medien muss das Motto gelten: Entweder – Oder! Während des Lernens sind soziale Netzwerke, Chats, E-Mails und Spiele tabu. Lernerfolge sind nur dann möglich, wenn sich für den Zeitraum der Beschäftigung mit den Lerninhalten voll auf diese konzentriert wird, ohne jegliche Ablenkungen.
6. Grundschüler: Lernen mit Maß und Anleitung

Vor allem die Jüngsten brauchen Anleitung und Unterstützung.

Gerade in den ersten zwei Schuljahren brauchen Kinder Unterstützung und Anleitung beim Lernen mit digitalen Medien. Auch später sind klare Grenzen und die Überprüfung der Lerninhalte und Anwendungen durch die Eltern bzw. Lehrer wichtig. Dabei können bspw. festgelegte Zeitregelungen, konkrete Aufgabenstellungen sowie eine „Kindersicherung“ für das Internet helfen.

Risiken beim Lernen mit neuen Medien

Die zweite Seite der Medaille sind die Risiken und Nachteile des Lernens mit neuen Medien. Dazu gehört vor allem das Potential zur Ablenkung.

1. Ablenkung

Die Versuchungen, die Online-Spiele-Plattformen oder soziale Netzwerke bieten, könnten vom eigentlichen Ziel – der schulischen Recherche oder Arbeit – ablenken.

2. Reizüberflutung

Klare Lernziele vermeiden die Gefahr von Reizüberflutungen.

Zwar veranschaulichen Bilder und Videos den zu lernenden Stoff, aber ihr Einsatz darf nicht über ein gewisses Maß hinausgehen. Zu viele Multimedia-Angebote könnten den Schüler irritieren oder dem Lernen im Wege stehen. Daher ist es wichtig, dass qualitativ hochwertige Lernangebote genutzt und klare Lernziele verfolgt werden.

3. App-Gap

Als App-Gap wird die Kluft bezeichnet, die sich zwischen Kindern vermögender und Kindern ärmerer Elternhäuser hinsichtlich der Möglichkeit zur Anschaffung/Nutzung digitaler Lernangebote abzeichnet. Leistungsfähige PCs, Tablets oder Smartphones sowie die dazugehörigen Internet-Tarife oder Lernprogramme können sich einfach nicht alle Familien leisten, sodass Kinder aus sozial schwächeren Verhältnissen benachteiligt werden könnten. Um jedem Kind die gleichen Chancen zu ermöglichen, müssten Förderprogramme die Finanzierung von Geräten und Programmen übernehmen.

Vorteile beim Lernen mit neuen Medien

Lesen Sie hier, welche Vorteile das Lernen mit neuen Medien bietet.

1. Lernen, den PC und das Internet als Arbeitsmittel zu begreifen

Gemeinsames Lernen mit neuen Medien kann viel Spaß machen.

Allein das zielgerichtete Arbeiten mit dem Computer und dem Internet hilft Kindern dabei, sie von Beginn an als normale und praktische Arbeitsmittel zu begreifen, was ggf. die „Sucht-Gefahr“ beider Medien verringert. Außerdem lernen Kinder so den Umgang mit digitaler Technologie, was im Alltag allgemein, v.a. aber im Berufsleben später Grundvoraussetzung ist. Jo Groebel fordert in seiner Studie daher den Einsatz von Tablets in deutschen Klassenzimmern, da die Schüler damit nicht nur von einem verbesserten Unterricht profitieren sondern auch die entscheidende Schlüsselqualifikation "Digitale Bildung" erwerben würden.

2. Auswahl und Bewertung von Informationen trainieren

Abgesehen von der technischen Komponente lernen Kinder im zielgerichteten Umgang mit dem Internet auch noch weitere Fähigkeiten, die in der heutigen Welt enorm wichtig sind. Zum Beispiel aus der Hülle und Fülle von zugänglichen Informationen die wichtigsten auszuwählen, zu vergleichen und auch kritisch zu hinterfragen. Auf diese Weise wird während der schulischen Recherche ganz nebenbei noch eine theoretische Medienkompetenz erreicht, die es im Alltag später auch erleichtert, wahre von unwahren und seriöse von unseriösen Informationen zu unterscheiden.

3. Aktives, selbstgesteuertes Lernen

Auch die Möglichkeit des freien Erarbeitens von Informationen im weltweiten Datennetz sieht Stefan Aufenanger als ideales Hilfsmittel, um individuelles und konstruktives Lernen zu fördern und es so als aktiver und selbstgesteuerter zu erleben.

4. Multimedialität

Die Multimedialität des Computers und des Internets ist ein weiterer Vorteil, den mediengestütztes Lernen bietet. So können bspw. Bilder und Videos zu den aktuellen Schulthemen angeschaut werden, die das Gelernte veranschaulichen und so noch einmal verinnerlichen. Lernprogramme und Lernspiele helfen ebenfalls, gelernte Informationen zu festigen. Konkret können z.B. Hörproben in Sprachlernprogrammen das Lernen und Üben einer neuen Sprache außerhalb des Unterrichts unterstützen. Außerdem können geeignete Lernmedien Unterrichtsinhalte, die vom Kind noch nicht verstanden wurden, mit anschaulichen Beispielen verständlich aufbereiten.

5. Motivation zum Lernen fördern

Neue Medien können die Motivation zum Lernen steigern.

Ein nicht zu unterschätzender Faktor ist auch die Motivation zum Lernen, das durch digitale Medien immens gefördert werden kann. Allein der Spaß an der Arbeit mit dem Computer kann das als mühsam empfundene Lernen zumindest angenehmer gestalten. Lernwebseiten, -programme und -spiele geben zudem meist direktes Feedback zur eigenen Leistung, veranschaulichen die Lernfortschritte und belohnen Lernerfolge, was Kinder zum „Dranbleiben“ motiviert.

6. Lernen mit Spaß

Das spielerische Üben und Ausprobieren kann dabei auch zu unbewussten Lernvorgängen führen, sodass der Stoff ohne trockenes und mühsames Lernen im traditionellen Sinn verinnerlicht wird. Die abwechslungsreiche und kindgerechte Darstellung des Lernstoffs sorgt außerdem dafür, dass sich Kinder gern mit den Inhalten beschäftigen und die kindliche Neugier zum Weiterrecherchieren und Ausprobieren geweckt wird.

7. Zeit- und ortsunabhängiges Lernen

Durch die vielen tragbaren „Computer“, sprich Tablets und Smartphones, wird das Lernen noch zeit- und ortsunabhängiger. In jeder freien Minute (außerhalb der Unterrichtsstunden) können die Schüler Themen und Links folgen, die ihr Interesse geweckt haben oder auf Online-Lernplattformen zugreifen.

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