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Geschenkeflut

Warum ich meinem Sohn nichts zu Weihnachten schenke

Das zweite Weihnachtsfest mit meinem kleinen Sohn steht vor der Tür. Doch von mir wird er kein Geschenk bekommen – und das nicht nur, um mir Stress zu ersparen. Für mich hat das Beschenken von Kindern leider an Bedeutung verloren.

Hier ein Mitbringsel, da ein Geschenk

In den letzten Wochen höre ich von vielen Seiten die Frage, was ich bzw. mein Partner und ich eigentlich unserem Sohn zu Weihnachten schenken. Er ist 19 Monate alt, oder auf Nicht-Eltern-Deutsch: etwas älter als 1,5 Jahre. Es ist sein zweites Weihnachten und natürlich war er letztes Jahr, als er noch nicht mal krabbeln konnte, noch viel zu klein, um Weihnachten wahrzunehmen. Dennoch ist er auch da schon beschenkt worden – allerdings nicht von uns. Sämtliche Familien- und Nicht-Familienmitglieder hatten seit seiner Geburt und natürlich auch an Weihnachten etwas für den Kleinen parat: hier ein Auto, da ein Geräusche-machendes Plastik-irgendwas.

Am Anfang fanden wir das noch ganz cool, aber irgendwann hatten wir einen Haufen aus Spielzeug zu Hause, mit dem unser Sohn in seinem Alter noch gar nichts anfangen konnte (und von dem er auch später nur einen Bruchteil „brauchen“ würde).

Kind packt Weihnachtsgeschenke aus
Weihnachten bedeutet Geschenke: Das lernen die Kleinen schon früh genug.

Die Geschenkflut der anderen hat meine Schenkfreude verdorben

Ich möchte nicht undankbar klingen. Natürlich ist es schön, wenn man die glücklichen Gesichter der Urgroßeltern oder anderer Verwandten und Bekannten sieht, wenn sie dem Kleinen etwas überreichen und er es neugierig betrachtet. Nicht alle werden noch viele Jahre am Leben meines Sohnes teilnehmen können und man möchte ihnen eigentlich die Freude des Schenkens nicht verderben. Das ist ein sehr schwieriger Punkt für mich. Und natürlich sparen wir auch Geld und Zeit, wenn wir als Eltern kein Spielzeug kaufen müssen. Allerdings liegt nun sooo viel Zeug bei uns herum, teilweise doppelt und dreifach. Bei fast jedem Besuch bekommt mein Kind etwas in die Hand gedrückt. Vorher gefragt, ob das okay ist, wurden wir als Eltern nie.

Dabei sind die meisten Spielsachen unnötig, denn: Am spannendsten sind in dem Alter noch die ganz einfachen Dinge wie ein Salzstreuer oder eine leere Shampooflasche. Doch die Reizüberflutung beginnt durch den Geschenkewahn bereits im Babyalter.

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In meiner Kindheit waren Geschenke noch besonders

Meine Kindheit begann kurz vor der Wende in der DDR. Spielzeug war etwas Besonderes, die Auswahl begrenzt. Eine Geschenkeflut, wie es sie heute gibt, kannte man damals nicht. Und dennoch hatte ich eine sehr glückliche Kindheit. Klar bekam auch ich ein paar Jahre nach der Wiedervereinigung ein großes LEGO-Set oder endlich die Barbie, die ich mir schon lange gewünscht hatte. Aber meine Eltern machten mir immer klar, dass diese Geschenke Geld kosten und ich solche Dinge nur an Weihnachten oder zum Geburtstag bekommen würde. Und noch heute erinnere ich mich sehr gut an viele dieser besonderen Geschenke und meine große Freude darüber. Doch langsam frage ich mich, ob mein Kind die Dinge ebenso zu schätzen wissen wird, wie ich damals.

Reden ist zwecklos

Wir haben schon öfter versucht, die Geschenkeflut durch Gespräche einzudämmen – erfolglos. Zwar gibt es auch Familienmitglieder, die sich zurückhalten und tatsächlich nur zu besonderen Anlässen etwas schenken. Wir haben auch früh kommuniziert, dass wir vor allem Holzspielzeug und Bücher bevorzugen würden, immerhin dieser Aspekt wird mittlerweile von vielen respektiert.

Dennoch wird unser Sohn weiter regelmäßig überschüttet, sei es nur mit Kleinigkeiten, die man mal eben so mit in den Einkaufswagen packt. Am Ende beschäftigt er sich ein paar Tage damit, dann landet es in der Kiste bei all den anderen Sachen. Und genau das hat dafür gesorgt, dass ich meinem Kleinen noch nie etwas geschenkt habe, bis auf den Babykuchen, den ich an seinem ersten Geburtstag gebacken habe. Denn noch mehr Dinge passen kaum in seine riesige Spielzeugkiste und ich bezweifle auch, dass meine Geschenke eine besondere Bedeutung für ihn hätten. Und das finde ich unheimlich schade.

Junge mit Lichterkette
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Die Maßstäbe werden bereits jetzt gesetzt

Ein bisschen fühlt es sich an, als würde jemand in meine Erziehung reingrätschen. Ich möchte meinem Sohn gerne beibringen, dass alles einen gewissen Wert hat. Wie soll er Dinge zu schätzen lernen oder als besonders ansehen, wenn es sie im Übermaße und ständig gibt? Wie soll er lernen, sich in seinem jungen Alter noch mit den einfachen Dingen zu beschäftigen, wenn der musikmachende Plastikaffe mit den Leuchtknöpfen durchs Wohnzimmer läuft? Das ist weder für seine eigene Entwicklung gut noch für uns Eltern, die sich dann im schlimmsten Fall Jahr für Jahr erneut „das perfekte Geschenk“ einfallen lassen müssen, um die Präsente der anderen aus dem Vorjahr zu übertrumpfen.

Ich sehe bereits bei älteren Kindern von Freunden, dass ihnen Geschenke einfach nichts mehr bedeuten. Und tatsächlich habe ich mir das Schenken bei diesen Kindern auch abgewöhnt, weil es mir so verschwendet vorkommt.

Sag niemals nie

Trotz allem gehe ich übrigens davon aus, dass es nächstes oder übernächstes Weihnachten schon ganz anders aussehen kann. Wenn die Kommunikation mit meinem Sohn einfacher wird und er alles bewusster wahrnimmt, wächst in mir vielleicht auch der Wunsch, ihm mit Geschenken eine Freude zu machen. Damit das passiert, muss sich allerdings im Umfeld viel ändern. Vielleicht können wir Freunde und Verwandte ja tatsächlich noch davon überzeugen, ihm nur noch zu besonderen Anlässen etwas mitzubringen und uns als Eltern vorher zu fragen, was denn passend wäre. Dafür müssen wir vermutlich konkrete Ansagen machen und die Geschenk-Anzahl fest limitieren. Ob wir das wirklich hinbekommen? Keine Ahnung, aber einen Versuch ist es wert, denn natürlich möchte auch ich mal in den Genuss der leuchtenden Augen kommen, wenn mein Kind das wohlüberlegte Geschenk seiner Mama auspackt.

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Bildquelle: Getty Images / AleksandarNakic / svetikd / ArtMarie

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