Meine Suppe ess' ich nicht! Hilfe bei kleinen Suppenkaspern

Kleinkind

Meine Suppe ess' ich nicht! Hilfe bei kleinen Suppenkaspern

Jede Mahlzeit mutiert zum Kampf, der Knirps hat an allem etwas auszusetzen. Kommt Ihnen bekannt vor? Vor allem kleine Kinder mutieren beim Essen oft zu großen Mäklern. Warum das so ist und Tipps, wie Sie als Eltern damit umgehen sollten.

Zum Essen zwingen sollten Sie Ihr Kind nicht.

Unruhig rutscht der zweijährige Simon auf seinem Stühlchen hin und her. Mamas liebevoll gekochtes Ratatouille auf seinem Teller ist unberührt. „Probier doch wenigstens mal, vielleicht schmeckt es dir ja doch“, drängt seine Mutter. Aber Simon verzieht bloß die Schnute. „Bäh, mag nicht“, verkündet das Kind – für ihn ist das Mittagessen beendet. Solche Szenen kennen viele Eltern nur zu gut: Die Kinder wollen einfach nicht richtig essen. Nicht das Gemüse, nicht das Fleisch, nicht dieses und nicht jenes. Oft werden lediglich Spatzenportionen akzeptiert. Viele Eltern machen sich dann große Sorgen: Wie sollen sie ihre Kinder gesund ernähren, wenn sie wichtige Lebensmittel ablehnen oder aber nur lustlos im Essen herumstochern?

Kinder müssen dem Essen vertrauen

Doch solche Phasen der Mäkelei oder gar Essensverweigerung sind bei Kindern völlig normal, wie die Ernährungswissenschaftlerin und Kochbuchautorin Edith Gätjen erklärt: „Kinder haben nicht jeden Tag den gleichen Appetit. Mal essen sie mehr, mal weniger – und oft sehr einseitig.“ Kinder stellen ihren Speiseplan nach anderen Kriterien zusammen als wir. „Essen ist eine Vertrauensfrage. Da Kinder viele Nahrungsmittel noch nicht kennen, entscheiden sie instinktiv: Was ist sicher, und was sichert mein Überleben“, so die Expertin aus Bergisch Gladbach. Das trifft zum Beispiel auf Süßes zu, aber auch auf andere kalorienreiche Kost. Bevorzugt wird, was satt macht und die nötige Energie fürs Wachstum liefert.

Manchmal brauchen sie länger, um Essen zu akzeptieren

Somit ist schnell klar: Gemüse passt nicht in dieses Schema. Es den Kindern immer wieder anzubieten, lohnt sich trotzdem. Oft brauchen Kinder bis zu zehn Kontakte mit einem Lebensmittel, bis sie es akzeptieren. „Sie riechen erst einmal, betrachten die Farbe, fühlen die Konsistenz und schauen sich an, wie andere das essen. Erst zum Schluss probieren sie, wie etwas schmeckt“, erklärt Edith Gätjen. Um Kinder an die kulinarische Vielfalt einer gesunden Ernährung heranzuführen, ist also Geduld gefragt. Geben Sie nicht gleich auf, wenn Ihr Nachwuchs den Spinat beim ersten Mal stehen lässt. Bieten Sie ihn immer wieder an. „Lassen Sie einfach ein Gewöhnungsprogramm laufen. Irgendwann kommt dann vielleicht der Zeitpunkt, zu dem das Kind zugreift“, sagt die Ernährungsberaterin.

Machtkämpfe ums Essen sind tabu!

Zum Essen zwingen sollten Sie Kinder auf keinen Fall. Auch Tricks und Überredungskünste gehören nicht an den Tisch – zumal solche Versuche meist ohnehin nicht von Erfolg gekrönt sind. „Damit riskiert man nur nervenaufreibende Machtkämpfe“, weiß die vierfache Mutter. Das gilt vor allem, wenn hinter der Verweigerung purer Trotz steckt. „Kleinkinder nutzen gerne die Mahlzeiten, um auch einmal den Bestimmer zu spielen. Denn sie merken schnell, dass Essen ein Punkt ist, der die Eltern sorgt“, so Edith Gätjen.

Sie bestimmen welches Essen, Ihre Kinder ob und wie viel

Da helfen nur Gelassenheit und eine konsequente Strategie: Sie bestimmen, wann Sie etwas zu essen anbieten und was es gibt, die Kinder, ob und wie viel sie davon essen möchten. „Zusätzlich gehört ein Brotkorb auf den Tisch, an dem sich die Kinder bedienen können, wenn sie etwas nicht mögen“, rät die Expertin. Gut ist auch, stets eine vertraute Komponente auf den Teller zu bringen, zum Beispiel Nudeln. Dann braucht es keine Extrawürste am Familientisch. Denn die sind eher kontraproduktiv.

Niemand verhungert freiwillig

Was aber tun, wenn das Kind zu wenig isst? Diesen Hilferuf hört Edith Gätjen oft. Zumeist sei er jedoch unbegründet: „Abgesehen von den normalen Appetitschwankungen haben viele Eltern einfach eine falsche Vorstellung davon, welche Nahrungsmenge ein Kind braucht.“ Hinzu komme, dass sich der Nachwuchs häufig schon zwischendurch satt isst. Apfelschnitze, Dinkelstangen: Auch das füllt den kleinen Magen. Bei Tisch sind die Knirpse dann nicht richtig hungrig – und werden wählerisch.
Besorgten Eltern rät die Expertin, einige Tage ein Ernährungsprotokoll zu führen – inklusive aller Naschereien. Wahrscheinlich sind Sie am Ende erstaunt, wie viel Ihr Junior tatsächlich isst. „Ein gesundes Kind verhungert nicht freiwillig. Solange es fröhlich und aktiv wirkt, ist in der Regel alles in Ordnung“, so Edith Gätjen. Verschmäht Ihr Kind aber über Wochen ganze Lebensmittelgruppen, wirkt es kränklich, antriebslos oder nimmt es längere Zeit nicht zu, sollten Sie zum Arzt gehen.

Kinder legen beim Essen Wert aufs Äußere

Ein heikler Punkt bei kleinen Essern ist häufig das Gemüse, vor allem gekochtes. „Die meisten Kinder mögen seine glitschige Konsistenz nicht. Ebenso spielen Ansehnlichkeit und Farbe eine Rolle“, weiß Edith Gätjen. Ihr Tipp: Garen Sie Gemüse nur bissfest oder bieten Sie es als Rohkost an. Kohlrabi-, Paprika- oder Möhrenstifte etwa knabbern viele Minis gerne. Manche Gemüsesorten lassen sich in pürierten Soßen oder Suppen verstecken. Hilft auch das nicht weiter, können Sie fehlendes Gemüse durch mehr Obst und Kartoffeln ausgleichen.

Kinder lieben Obst, noch lieber in anderer Form

Dass Kinder kein Obst mögen, ist eher selten. Süße Früchte wie Apfel, Mandarine oder Banane sind bei den meisten beliebt. Lehnen Ihre Kinder die gängigen Sorten ab, ist Detektivarbeit gefragt: Vielleicht mag er ja Ananas, Mango oder Kiwi? „Häufig hilft es schon, wenn man das Obst in eine andere Form bringt oder spielerisch anrichtet, zum Beispiel Apfelscheiben an einer Kordel aufreiht“, so Edith Gätjen. Auch Obstspieße und mundgerechte Stücke mit Quarkdipp verleiten zum Zugreifen. Oder probieren Sie es in pürierter Form, als Smoothie oder Eisstick. Bleiben Sie am Ball! Zum Glück sind die „Esskapaden“ der Kleinen meist vorübergehender Natur. Also nur Geduld: Auch ein Spatz wird bald zum entspannten Esser.

Gesunde Ernährung für Kinder: 10 goldene Regeln

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Kleine Suppenkasper: Tipps von der Ernährungsexpertin

Interview mit Dagmar von Cramm, Ernährungswissenschaftlerin und Autorin mehrerer Kinderkochbücher zur Ernährungserziehung.

Dagmar von Cramm zum das Essverhalten von Kindern

Kinder erforschen ihr Essen mit allen Sinnen.

baby&co: Welche Rolle spielt das Essverhalten der Eltern, damit Kinder wichtige Lebensmittel wie Gemüse akzeptieren?
Dagmar von Cramm: Eltern sind Vorbilder – und ein negatives Vorbild wirkt stärker als ein positives. Wenn also der Papa übers „Kaninchenfutter“ die Nase rümpft, dann kann die Mami noch so begeistert sein von Kohl & Co. – die Kinder werden es eher ablehnen.
Was können Eltern tun, um gute Vorbilder zu sein?
Zunächst einmal sollten sie sich einig sein. Und dann sollten sie auch selber mal etwas Neues ausprobieren und neugierig sein – gemeinsam mit dem Kind. Zudem gilt: Nicht mauern und nicht schummeln!

Wie hilfreich sind Ermahnungen oder Argumente wie „Das ist so gesund!“?

Sie bewirken eher das Gegenteil. Gesund ist kein Ziel für Kinder, sondern der Normalzustand. Die Devise sollte vielmehr lauten: Weniger reden, mehr handeln. Zum Beispiel gegen den ersten Hunger nach der Kita Knabbergemüse auf den Tisch stellen, pürieren oder überbacken – alles ist erlaubt. Auch sollte eine wichtige Grundregel durchgehalten werden: Es wird möglichst alles probiert!
Sind Belohnungen für gutes Essverhalten sinnvoll?

Die Freude der Eltern, wenn es dem Kind gut geht und es gut isst, spürt das Kind von selber. Da braucht es kein extra Lob. Denn Essen ist keine Leistung. Andererseits: Wenn schlechte Esser besonders viel Aufmerksamkeit bekommen, verstärkt sich das negative Verhalten. Notwendig für ein gesundes Essverhalten ist die frühe Gewöhnung an Vielfalt. Denn der Mensch mag, was er isst. Und da helfen Rituale und Regeln. Man kann ja nicht jeden Tag alles neu verhandeln. Das kostet einfach zu viel Kraft.

Machen Sie das Essen für Kinder auch optisch attraktiv.

Tipps und Tricks, damit's noch besser schmeckt

Sollen die Mahlzeiten stressfrei verlaufen, müssen die Rahmenbedingungen stimmen. Diese Maßnahmen helfen:
Feste Tischzeiten
: Achten Sie auf regelmäßige Mahlzeiten und nehmen Sie diese möglichst gemeinsam ein. Denn in Gesellschaft schmeckt es den Kleinen besser und sie lernen, dass Essen zum Wohlbefinden beiträgt.
Keine Ablenkung: Essens- und Spielzeiten sollten klar getrennt sein. Das heißt: Kein Fernseher, kein Radio, keine Spiele bei Tisch. Nur so kann sich das Kind richtig auf seinen Teller konzentrieren und lernen, genussvoll zu essen.
Vorsicht mit Snacks: Wer sich zwischendurch schon satt nascht, kann es sich leisten, bei Tisch wählerisch zu werden. Und das ist doppelt schade. Denn: Hunger macht mutig!
Kindgerecht servieren: Bieten Sie Speisen so an, dass sie für Kinder attraktiv sind: in kleinen Portionen, spielerisch angerichtet, in lustigen Formen oder mundgerechten Happen. Auch ein nett gedeckter Tisch fördert den Appetit.Kein Druck oder Zwang: Der Teller muss nicht leer gegessen werden. Beachten Sie vielmehr Hunger- und Sättigungssignale des Kindes. Auch muss niemand alles mögen. Es ist normal, wenn Kinder einige Speisen ablehnen. Das sollte man akzeptieren.
Nicht diskutieren: Sie bestimmen, was auf den Tisch kommt. Verweigert der Knirps das Gericht: Bieten Sie ihm zum Sattwerden Brot an oder – wenn gar nichts geht – beenden Sie freundlich die Mahlzeit. Versuchen Sie dabei möglichst ohne Vorwürfe oder Enttäuschungsbekundungen auszukommen.
Mitmachen lassen: Spannen Sie den Nachwuchs beim Einkaufen und Kochen ein. Das fördert das Interesse an Nahrungsmitteln. Einmal die Woche darf sich Ihr Kind sein Leibgericht wünschen.

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