Für Links auf dieser Seite erhält familie.de ggf. eine Provision vom Händler, z.B. für mit oder grünblauer Unterstreichung gekennzeichnete. Mehr Infos.
Mein Kind isst nicht: Gelassenheit am Esstisch hilft allen

Vertrauensfrage

Mein Kind isst nicht: Gelassenheit am Esstisch hilft allen

Jede Mahlzeit mutiert zum Kampf, der Knirps hat an allem etwas auszusetzen. Kommt euch bekannt vor? Vor allem kleine Kinder mutieren beim Essen oft zu großen Mäklern. Das Kind isst dann nicht.

"Kind! Warum isst du nicht?"

Unruhig rutscht der vierjährige Simon in seinem Hochstuhl hin und her. Mamas gekochtes Ratatouille auf seinem Teller ist unberührt. „Probier doch wenigstens mal, vielleicht schmeckt es dir ja doch“, drängt seine Mutter. Aber Simon verzieht bloß die Schnute. „Bäh, mag nicht“, verkündet das Kind – für ihn ist das Mittagessen beendet.

Solche Szenen kennen viele Eltern nur zu gut: Das Kind isst einfach nicht. Nicht das Gemüse, nicht das Fleisch, nicht dieses und nicht jenes. Oft werden lediglich Spatzenportionen akzeptiert. Viele Eltern machen sich dann große Sorgen: Wie sollen sie ihre Kinder gesund ernähren, wenn sie wichtige Lebensmittel ablehnen oder aber nur lustlos im Essen herumstochern?

10 Rituale für Kinder beim Essen

10 Rituale für Kinder beim Essen
Bilderstrecke starten (10 Bilder)

Doch solche Phasen der Mäkelei oder gar Essensverweigerung sind bei Kindern völlig normal, wie die Ernährungswissenschaftlerin und Kochbuchautorin Edith Gätjen erklärt: „Kinder haben nicht jeden Tag den gleichen Appetit. Mal essen sie mehr, mal weniger – und oft sehr einseitig.“ Kinder stellen ihren Speiseplan nach anderen Kriterien zusammen als wir.

„Essen ist eine Vertrauensfrage. Da Kinder viele Nahrungsmittel noch nicht kennen, entscheiden sie instinktiv: Was ist sicher, und was sichert mein Überleben“, so die Expertin aus Bergisch Gladbach. Das trifft zum Beispiel auf Süßes zu, aber auch auf andere kalorienreiche Kost. Bevorzugt wird, was satt macht und die nötige Energie fürs Wachstum liefert.

Alles nur 'ne Phase!

Auch wir in der Redaktion haben unterschiedliche Erfahrungen gemacht in Sachen "mein Kind will nicht essen" und wissen: manchmal klappt es Wochen problemlos mit dem Essen und dann gibt es wieder Phase, wo es schwierig ist.

Katja beispielsweise sagt:

Mein Kind isst in der Kita alles und war bis vor kurzem zu Hause wählerisch, aber mittlerweile sind wir entspannter. Sie findet immer irgendwas und am Wochenende kochen wir eher das, was sie gern isst. Zum Glück ist das von Nudeln, über Spätzle, Gnocchi, Grießbrei, Eierkuchen, CousCous & Co ziemlich viel und phasenweise hat sie keinen Bock abends auf Brot, aber dann findet sich auch immer was oder halt nur Gurke.

Katja, Redakteurin bei familie.de

Andrea bringt einfach mehrere Komponenten auf den Tisch:

Meine Kinder essen immer... Irgendwas. Also vielleicht nicht das ganze Essen, aber Komponenten davon. Und zur Not geht immer Käsebrot.

Andrea, Redakteurin bei familie.de

Und so sieht es aus, wenn Andrea die Komponenten mischt: "So sieht Flammkuchen bei uns aus, damit wirklich alle was essen. Und wer hat wieder vergessen, sich eine Ecke zu sichern? Ich musste den Zweijährigen bitten, mir was abzugeben, weil ich die anderen Ecken nicht mochte."

Micky setzt im Zweifel auf Suppe:

Kind 1 isst verschiedene Dinge nicht, z. B. alles Grüne, Zwiebeln und Knoblauch. Allerdings, so bald man es nicht sieht, geht fast alles. Als Suppe püriert z.B. wird alles gern gegessen, sogar Knoblauchsuppe

Micky, Chefredakteurin bei familie.de

Kochen für die Familie: 365 Rezeptideen, die leicht gelingen und allen schmecken (GU Familienküche)

Kochen für die Familie: 365 Rezeptideen, die leicht gelingen und allen schmecken (GU Familienküche)

Kochen für Kinder (GU Familienküche)

Kochen für Kinder (GU Familienküche)

"Mein Kind isst nichts!" Wir Eltern sollten Ruhe vermitteln

Somit ist schnell klar: Gemüse passt nicht in dieses Schema. Es den Kindern immer wieder anzubieten, lohnt sich trotzdem. Oft brauchen Kinder bis zu zehn Kontakte mit einem Lebensmittel, bis sie es akzeptieren.

„Sie riechen erst einmal, betrachten die Farbe, fühlen die Konsistenz und schauen sich an, wie andere das essen. Erst zum Schluss probieren sie, wie etwas schmeckt“, erklärt Edith Gätjen.

Um Kinder an die kulinarische Vielfalt einer gesunden Ernährung heranzuführen, ist also Geduld gefragt. Gebt nicht gleich auf, wenn euer Nachwuchs den Spinat beim ersten Mal stehen lässt. Bietet ihn immer wieder an. „Lassen Sie einfach ein Gewöhnungsprogramm laufen. Irgendwann kommt dann vielleicht der Zeitpunkt, zu dem das Kind zugreift“, sagt die Ernährungsberaterin.

Zum Essen zwingen sollten Eltern ihre Kinder auf keinen Fall. Auch Tricks und Überredungskünste gehören nicht an den Tisch – zumal solche Versuche meist ohnehin nicht von Erfolg gekrönt sind.

„Damit riskiert man nur nervenaufreibende Machtkämpfe“, weiß die vierfache Mutter. Das gilt vor allem, wenn hinter der Verweigerung purer Trotz steckt. „Kleinkinder nutzen gerne die Mahlzeiten, um auch einmal den Bestimmer zu spielen. Denn sie merken schnell, dass Essen ein Punkt ist, der die Eltern sorgt“, so Edith Gätjen.

Mama und Papa bestimmen welches Essen, eure Kinder ob und wie viel

Da helfen nur Gelassenheit und eine konsequente Strategie: Wir Eltern bestimmen, wann wir etwas zu essen anbieten und was es gibt, die Kinder, ob und wie viel sie davon essen möchten. „Zusätzlich gehört ein Brotkorb auf den Tisch, an dem sich die Kinder bedienen können, wenn sie etwas nicht mögen“, rät die Expertin.

Gut ist auch, stets eine vertraute Komponente auf den Teller zu bringen, zum Beispiel Nudeln. Dann braucht es keine Extrawürste am Familientisch. Denn die sind eher kontraproduktiv.

Was aber tun, wenn das Kind zu wenig isst? Diesen Hilferuf hört Edith Gätjen oft. Zumeist sei er jedoch unbegründet: „Abgesehen von den normalen Appetitschwankungen haben viele Eltern einfach eine falsche Vorstellung davon, welche Nahrungsmenge ein Kind braucht.“

Hinzu komme, dass sich der Nachwuchs häufig schon zwischendurch satt isst. Apfelschnitze, Dinkelstangen: Auch das füllt den kleinen Magen. Bei Tisch sind die Knirpse dann nicht richtig hungrig – und werden wählerisch.

Besorgten Eltern rät die Expertin, einige Tage ein Ernährungsprotokoll zu führen – inklusive aller Naschereien. Wahrscheinlich seid ihr am Ende erstaunt, wie viel euer Junior tatsächlich isst. „Ein gesundes Kind verhungert nicht freiwillig.

Solange es fröhlich und aktiv wirkt, ist in der Regel alles in Ordnung“, so Edith Gätjen. Verschmäht Ihr Kind aber über Wochen ganze Lebensmittelgruppen, wirkt es kränklich, antriebslos oder nimmt es längere Zeit nicht zu, sollten ihr zum Arzt gehen.

Kinder lieben Obst, noch lieber in anderer Form

Ein heikler Punkt bei kleinen Essern ist häufig das Gemüse, vor allem gekochtes. „Die meisten Kinder mögen seine glitschige Konsistenz nicht. Ebenso spielen Ansehnlichkeit und Farbe eine Rolle“, weiß Edith Gätjen.

Ihr Tipp: Gart Gemüse nur bissfest oder bietet es als Rohkost an. Kohlrabi-, Paprika- oder Möhrenstifte etwa knabbern viele Minis gerne. Manche Gemüsesorten lassen sich in pürierten Soßen oder Suppen verstecken. Hilft auch das nicht weiter, könnt ihr fehlendes Gemüse durch mehr Obst und Kartoffeln ausgleichen.

Dass Kinder kein Obst mögen, ist eher selten. Süße Früchte wie Apfel, Mandarine oder Banane sind bei den meisten beliebt. Lehnen eure Kinder die gängigen Sorten ab, ist Detektivarbeit gefragt: Vielleicht mag er ja Ananas, Mango oder Kiwi? „Häufig hilft es schon, wenn man das Obst in eine andere Form bringt oder spielerisch anrichtet, zum Beispiel Apfelscheiben an einer Kordel aufreiht“, so Edith Gätjen.

Auch Obstspieße und mundgerechte Stücke mit Quarkdipp verleiten zum Zugreifen. Oder probiert es in pürierter Form, als Smoothie oder Eisstick. Bleibt am Ball! Zum Glück sind die „Esskapaden“ der Kleinen meist vorübergehender Natur. Also nur Geduld: Auch ein Spatz wird bald zum entspannten Esser.

Gesunde Ernährung für Kinder: Unsere 10 goldenen Regeln

Gesunde Ernährung für Kinder: Unsere 10 goldenen Regeln
Bilderstrecke starten (12 Bilder)

Was tun, wenn das Kind nicht isst?

Sollen die Mahlzeiten stressfrei verlaufen, müssen die Rahmenbedingungen stimmen. Diese Maßnahmen helfen:

  • Feste Tischzeiten: Achtet auf regelmäßige Mahlzeiten und nehmt diese möglichst gemeinsam ein. Denn in Gesellschaft schmeckt es den Kleinen besser und sie lernen, dass Essen zum Wohlbefinden beiträgt.
  • Keine Ablenkung: Essens- und Spielzeiten sollten klar getrennt sein. Das heißt: Kein Fernseher, kein Radio, keine Spiele bei Tisch. Nur so kann sich das Kind richtig auf seinen Teller konzentrieren und lernen, genussvoll zu essen.
  • Vorsicht mit Snacks: Wer sich zwischendurch schon satt nascht, kann es sich leisten, bei Tisch wählerisch zu werden. Und das ist doppelt schade. Denn: Hunger macht mutig!
  • Kindgerecht servieren: Bietet Speisen so an, dass sie für Kinder attraktiv sind: in kleinen Portionen, spielerisch angerichtet, in lustigen Formen oder mundgerechten Happen. Auch ein nett gedeckter Tisch fördert den Appetit.
  • Kein Druck oder Zwang: Der Teller muss nicht leer gegessen werden. Beachtet vielmehr Hunger- und Sättigungssignale des Kindes. Auch muss niemand alles mögen. Es ist normal, wenn Kinder einige Speisen ablehnen. Das sollte man akzeptieren, denn wir mögen auch nicht alles.
  • Nicht diskutieren: Wir Eltern bestimmen, was auf den Tisch kommt. Verweigert der Knirps das Gericht: Bietet ihm zum Sattwerden Brot an oder – wenn gar nichts geht – beendet freundlich die Mahlzeit. Versucht dabei möglichst ohne Vorwürfe oder Enttäuschungsbekundungen auszukommen.
  • Mitmachen lassen: Spannt den Nachwuchs beim Einkaufen und Kochen ein. Das fördert das Interesse an Nahrungsmitteln. Einmal die Woche darf sich euer Kind sein Leibgericht wünschen.
Kinderleichte Becherküche Band 4- 3 Messbecher und ein Rezepbuch mit 10 Rezepten

Kinderleichte Becherküche Band 4- 3 Messbecher und ein Rezepbuch mit 10 Rezepten

Sarah Plück
Das sagtSarah Plück:

Essen mit allen Sinnen erfahren lassen

Ich bin davon überzeugt, dass Kinder Essen mit allen Sinnen begreifen müssen. Das gilt vor allem für die Zeit vor dem ersten Geburtstag. Wir haben jedenfalls die Erfahrung gemacht, dass unser Sohn Brei zwar gegessen hat, aber viel besser fand er Fingerfood. Er hat es am Anfang auch gar nicht groß gegessen, sondern zermatscht. Da ist viel aaaatmen gefragt. Mittlerweile isst er mit Löffel und Gabel ;-). Bisher haben wir nur eine Sache gefunden, die er nicht mag: Wenn es Überbackenes gibt, den Käse. Aber dafür finden sich ja immer Abnehmer. Wichtig ist uns: Er muss nichts aufessen und wir überreden ihn auch nicht zum Essen.

Bildquelle: Gettyimages/gpointstudio

Galerien

Lies auch

Teste dich