Hitzefrei: Wie heiß muss es sein, damit Schulen schließen?

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Hitzefrei: Wie heiß muss es sein, damit Schulen schließen?

Wann es während einer Hitzewelle hitzefrei gibt, ist nicht einheitlich geregelt. Wie sieht es in deinem Bundesland aus?

Eis essen und im Freibad toben fällt in einer Hitzewelle entschieden leichter, als sich im stickigen Klassenzimmer zu konzentrieren. Wann es hitzefrei gibt, ist in Deutschland jedoch nicht einheitlich geregelt. Jedes Bundesland kann eine eigene Regelung beschließen und außerdem liegt es im Ermessen jeder einzelnen Schule, wann es hitzefrei gibt.

Hitzefrei: Jedes Bundesland geht anders mit Hitzewellen um.

Hitzefrei: Wer darf bei Hitze nach Hause gehen?

1892 gab's zum allerersten Mal hitzefrei, auf Erlass des preußischen Schulministeriums. Heute ist die Hitzefrei-Frage Ländersache, aber nur einige Bundesländer geben hierzu Richtlinien vor. Letztendlich ist es der Schulleiter, der beschließt, dass es hitzefrei gibt. Viele Schulen haben deshalb eine interne Regelung, welche Temperatur erreicht werden muss, damit es hitzefrei gibt.

Doch nicht alle Schüler kommen in den Genuss, sondern nur Grundschüler und Schüler der Sekundarstufe I. In der Oberstufe, an Berufsschulen oder in Schulen des zweiten Bildungsweges wird weiter gelernt und geschwitzt.

Hitzefrei: Die Bundesländer im Vergleich

  • Baden-Württemberg: Das Kultuministerium gibt keine offizielle Regelung vor, bietet Schulleitern aber diese Kriterien zur Orientierung an: Wenn die Außentemperatur um 11 Uhr mindestens 25 Grad Celsius im Schatten beträgt, gibt es frühestens nach der vierten Stunde hitzefrei. Benachbarte Schulen stimmen sich ab und entscheiden möglichst gleichmäßig.

  • Bayern: Wenn es besonders heiß ist, kann der Unterricht "ausnahmsweise vorzeitig" beendet werden. Die Notwendigkeit soll aber ebenso geprüft werden wie die Möglichkeiten, kühlere Orte für den Unterricht zu finden. Auf konkrete Umstände wie Fahrschüler, die auf Busse angewiesen sind, sollte Rücksicht genommen werden.

  • Berlin: Auch hier soll hitzefrei die absolute Ausnahme bilden. Es gibt keine starre Temperaturgrenze mehr, stattdessen sollte der Unterricht den Witterungsbedingungen angepasst werden.

  • Brandenburg: Wenn um 10 Uhr früh bereits 25 Grad Außentemperatur oder um 11 Uhr 25 Uhr im Schulgebäude erreicht werden, sollte der Schulunterricht um 12 Uhr beendet werden, rät das Kultusministerium.

  • Bremen: Hier kann ab einer Temperatur von 25 Grad im Schulgebäude hitzefrei gegeben werden. Ausnahme aus naheliegenden Gründen: der Schwimmunterricht.

  • Hamburg: Ab einer Außentemperatur von 27 Grad und einer Innentemperatur, die "nicht mehr zumutbar" erscheint, können die Schulen ab 11.30 Uhr hitzefrei geben. Die Schulkonferenz darf weitere sonderreglungen beschließen.

  • Hessen: Das Kulturministerium erlaubt Schulen "alternative Formen des Unterrichts" und den Verzicht auf Hausaufgaben verzichten. Der Unterricht kann frühestens nach der fünften Stunde vorzeitig beendet werden und die Entschedung ist mit benachbarten Schulen abzustimmen..

  • Mecklenburg-Vorpommern: Hier wird nicht nur auf die Temperatur geschaut, sondern auch auf die Luftfeuchtigkeit. Wenn es unzumutbar schwül ist, können Unterrichtsstunden verkürzt werden. Im Extremfall kann es auch hitzefrei geben.

  • Niedersachen: "Wenn der Unterricht durch hohe Temperaturen in den Schulräumen erheblich beeinträchtigt wird und andere Formen der Unterrichtsgestaltung nicht sinnvoll erscheinen", wie der Erlass des Kultusministeriums sagt, kann der Schulleiter hitzefrei geben. Die Erziehungsberechtigten von Grundschülern sind vorab zu informieren.

  • Nordrhein-Westfalen: Hier soll es auf die Temperatur innerhalb des Schulgebäudes ankommen: Ab 27 Grad kann es hitzefrei geben. Das Kulturministerium untersagt ausdrücklich hitzefrei bei Raumtemperaturen unter 25 Grad – da kann es draußen noch so heiß sein.

  • Rheinland-Pfalz: Die Schulen entscheiden selbst, Richtlinien werden nicht vorgegeben.

  • Saarland: Damit Eltern Familie und Beruf besser vereinen können, wurde der alte Hitzefrei-Erlass abgeschafft. Stattdessen sollten Schulen Klassenarbeiten wenn nötig verschieben und Lehrer können mit Schülern bereits behandelten Stoff wiederholen oder sie Hausaufgaben machen lassen, statt ihnen neuen Lernstoff zu präsentieren.

  • Sachsen: Das Kulturministerium gibt keine Richttemperatur vor und überlässt es den Schulleitern, ob sie hitzefrei geben, die Pausen verlängern oder die Unterrichtsstruktur anpassen.

  • Sachsen-Anhalt: Erreichen die Temperaturen im Klassenzimmer um 11 Uhr bereits 26 Grad oder mehr, kann es hitzefrei geben. Bei extremer Hitze können sogar die Oberstufenschüler hitzefrei bekommen.

  • Schleswig-Holstein: Bei außergewöhnlichen Witterungsverhältnissen im Sommer entscheidet die Schulleiterin oder der Schulleiter im Rahmen der Fürsorgepflicht, ob und in welchem Umfang Unterricht erteilt werden kann - so der Erlass des Kultusministeriums.

  • Thüringen: Die Entscheidung soll laut Bildungsministerium die Schulleitung treffen, "nach Beurteilung der konkreten Situation im Schulgebäude". Falls an der Schule Schüler auf Schulbusse angewiesen sind, ist der Schulträger in die Entscheidung einzubeziehen.

Früher gab es häufiger hitzefrei – warum?

Schüler freuen sich, wenn es hitzefrei gibt, aber für viele Eltern ist es ein Problem: Wer selbst bei der Arbeit ist, kann sich schlecht um ein Kind kümmern, das frühzeitig aus der Schule nach Hause kommt. Ob es hitzefrei gibt, wird meist kurzfristig entschieden und so klappt es beispielsweise oft nicht, die Kinder wie gewohnt von der Schule abzuholen.

Insbesondere Ganztagsschulen, von denen es immer mehr gibt, sichern den Eltern feste Betreuungszeiten zu. So können die Kinder nicht, wie es früher häufiger der Fall war, bei heißem Wetter einfach frühzeitig entlassen werden.

Wie Schulen auf Hitze reagieren können

Nicht betreute Kinder einfach hinaus in die Hitze zu schicken, ist keine Option in vielen Fällen. Schulen können auf hohe Temperaturen und schwüle Witterung aber auch reagieren, indem sie den Unterricht und den Stundenplan ein wenig anpassen. Zwar lassen sich Klassenarbeiten nicht immer verschieben, aber beispielsweise beim Sportunterricht kann man es etwas ruhiger angehen lassen.

Man muss bei großer Hitze keinen schwierigen neuen Lehrstoff behandeln, sondern kann bereits behandelte Themen wiederholen oder vielleicht auch mal eine Diskussion oder ein Rollenspiel ansetzen. Und statt in einem sonnenbeschienenen Klassenzimmer zu schmoren, können Lehrer und Schüler auch mal an ein schattigeres Plätzchen wechseln und den Unterricht etwas freier gestalten. Hitzefrei ist nicht einzige Weg, heiße Sommertage in der Schule erträglicher zu machen.

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