Die Alternativen: Ersatzmilch oder Muttermilchbörse?

Manchen Müttern bleibt das Stillen aus medizinischen Gründen verwehrt, andere entscheiden sich bewusst dagegen. Sollten sie zur künstlichen Ersatzmilch greifen oder sind Muttermilchbörsen die bessere Alternative?


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Muttermilch ist einzigartig und kann nicht kopiert werden


Das sagt Nationale Stillkommission. Und die Experten gehen noch einen Schritt weiter, indem sie sich für ein Verbot „irreführender“ Werbung aussprechen: „Die Begriffe

•  ‚nach dem Vorbild der Muttermilch‘ und
•  ‚nach dem Vorbild der Natur‘ sowie
•  ‚muttermilchnah‘

idealisieren Säuglingsanfangs- und Folgenahrungen und sind sachlich falsch. Aus Sicht der Nationalen Stillkommission am BfR (Bundesinstitut für Risikobewertung, Anm. d. Red.) sind Produkte, die mit diesen Begriffen gekennzeichnet sind, nicht verkehrsfähig.“ (1)
Ist Ersatzmilch also ein Tabu?
Nein! Muttermilch ist in ihrer Einzigartigkeit zwar nicht kopierbar. Für Mütter, die nicht stillen können oder nicht stillen möchten, ist industriell hergestellte Säuglingsanfangs- und Folgenahrung aber die richtige Alternative. Wie diese Produkte zusammengestellt sind und welche Anforderungen sie erfüllen müssen, ist in der Diätenverordnung gesetzlich festgelegt.

Das Füttern mit Ersatzmilch schadet also keinem Baby. Gestillte Kinder scheinen Untersuchungen zufolge nur einen gesundheitlichen Vorteil zu haben.

Muttermilchbörsen oder Ersatzmilch?

Ersatzmilch schadet nicht - ihr fehlt nur das gewisse Extra.


© Thinsktock
Muttermilchbörsen: Warum Experten davon abraten

Die Idee der Muttermilchbörsen ist keine neue. Es gab schon immer Frauen, die gern Muttermilch abgeben sowie Mütter, die selbst nicht stillen können, ihr Baby aber trotzdem mit Muttermilch versorgen möchten. Früher geschah dies über Milchbanken in Krankenhäusern. In Zeiten von Social Media und Internet-Foren finden sich Spenderinnen und Abnehmerinnen aber selbst und es entstehen schnell sogenannte Muttermilchbörsen. Die Idee dahinter klingt gut und findet Anklang.

Jedoch warnt der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) vor dem Muttermilch-Handel über das Internet: „Spenderinnen können Medikamente oder Drogen nehmen, ansteckende Krankheiten wie AIDS oder Hepatitis haben. Keine Mutter kann kontrollieren, ob die fremde Muttermilch für das eigene Kind unbedenklich ist. Auch der Transport kann die Qualität der Muttermilch beeinträchtigen und ungenießbar machen. Anders als bei Lebensmitteln, die man im Laden kauft, gibt es beim Handel mit Muttermilch keinerlei amtliche unabhängige Kontrollen.“ so Dr. Wolfram Hartmann, Präsident des BVKJ.


„Bei Muttermilch müssen die gleichen Kriterien angelegt werden wie beim Blutspenden, da kann man sich auch nicht drauf verlassen, dass jemand sympathisch ist. Er kann trotzdem Hepatitis B haben....”

von Skadi Springer, Leiterin der Leipziger Uni-Milchbank (3)

Professor Bernd Koletzko, Kinderarzt am Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität in München, bezeichnet den unkontrollierten Handel von Muttermilch gar als „gemeingefährlich“ und „absolut unverantwortlich“ (2).

Das Problem sehen die Experten in der fehlenden Kontrolle. Zwar müssen Spenderinnen gesundheitliche Auskünfte machen, diese sind aber in der Regel freiwillig und müssen in den seltensten Fällen bewiesen werden.

Bei Muttermilchbörsen, vor allem wenn sie einer privaten Initiative entstammen, ist also Vorsicht geboten. Der BVKJ rät Müttern daher von Muttermilchbörsen ab und empfiehlt stattdessen industriell hergestellte Säuglingsnahrung. Die kommt zwar in der Zusammensetzung der Inhaltsstoffe nicht an die Muttermilch heran, kann aber bedenkenlos gefüttert werden.

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Quellen: (1) Stellungnahme der Nationalen Stillkommission  (2) sueddeutsche.de  (3) deutsche-startups.de


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