Keuchhusten - gefährliches Comeback einer Krankheit

Die Zahl der Keuchhusten-Infektionen ist in Deutschland stark gestiegen - weil der Impfschutz fehlt. Eine Gefahr für Babys, denn für sie ist Keuchhusten mehr als nur lästig.


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Keuchhustenwelle in Deutschland



„Säuglinge erkranken meist schwer, jedoch ohne die typischen Hustenanfälle. Vielmehr kann es bei ihnen zu lebensbedrohlichen Atemstillständen kommen....”

von Dr. Roswitha Bruns

Laut Robert Koch-Institut ist die Zahl der Keuchhustenfälle mit über 22.000 Erkrankungen im Jahr 2016 auf einem absoluten Höchststand seit Beginn der Meldepflicht. Die Gründe laut RKI: Zum einen begünstigen Impflücken die Verbreitung von Keuchhusten, zum anderen steigen die Fallzahlen aber auch durch die bessere Erfassung der Daten und Patienten. Durch die Keuchhusten-Welle sind besonders Babys gefährdet; 2016 starben in Deutschland drei Neugeborene an Keuchhusten, das sind ungewöhnlich viele. Dies erinnert an Schreckliches: Zu Zeiten, in denen es keine Impfung gab, endete Keuchhusten für 10.000 Babys im Jahr mit dem Tod. 

Keuchhusten ist keine Kinderkrankheit


© iStock
Es vergehen oft mehr als drei Monate, bis Keuchhusten endgültig überstanden ist: Kaum eine andere Kinderkrankheit ist für den Sprössling und seine Eltern so kräftezehrend wie der Keuchhusten. Vor allem nachts leiden die Kinder unter den quälenden Hustenattacken - oft im Halbstundentakt. Mit lauten, stakkatoartigen Hustenstößen versuchen sie, den zähen Schleim loszuwerden, der sich in ihren Bronchien gesammmelt hat. Anschließend atmen sie pfeifend und keuchend ein: Es entsteht das typische Geräusch, dem der hochansteckende Keuchhusten seinen Namen verdankt.
Keuchhusten-Symptome & Verlauf

Ein bis zwei Wochen nach der Ansteckung mit Keuchhusten treten Schnupfen, Husten, manchmal auch Fieber auf. "Die Symptome lassen sich noch leicht mit einer banalen Atemwegsinfektion verwechseln. Das Tückische ist aber, dass die Erkrankten schon in diesem Stadium hochansteckend sind", erklärt Dr. Roswitha Bruns, Oberärztin der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin der Universität Greifswald. So haben die Pertussis Erreger ungestört Zeit, sich weiter zu verbreiten. Denn der Verdacht fällt meist erst dann auf Keuchhusten, wenn es richtig losgeht: "Nach ein bis zwei Wochen beginnt das zweite Erkrankungsstadium mit den charakteristischen, stakkatoartigen Hustenanfällen, die oft auch zum Erbrechen führen. Bis zu 40 solcher Hustenattacken pro Tag sind möglich", so die Infektiologin.

Impfempfehlung der STIKO
  • 1 / 4
    Säuglinge

    Die Grundimmunsierung erfolgt zusammen mit den anderen Standardimpfungen in vier Schritten: Ab dem vollendeten zweiten Lebensmonat erhält das Baby zunächst drei Impfungen im Abstand von je vier Wochen. Erst dann besteht voller Schutz. Die vierte Impfung erfolgt zwischen dem vollendeten 11. bis 14. Monat.

  • 2 / 4
    Schulkinder

    Eine Auffrischung wird um die Einschulung herum empfohlen, im Alter von 5 bis 6 Jahren.

  • 3 / 4
    Jugendliche

    Eine weitere Auffrischung sollte zwischen dem 9. bis 17. Lebensjahr vorgenommen werden.

  • 4 / 4
    Erwachsene

    Erwachsene erhalten bei der Impfung gegen Tetanus und Diphterie einen Kombinationsimpfstoff mit Keuchhustenanteil. Dieser Impfschutz hält etwa zehn Jahre. Ausnahme: Enge Kontaktpersonen von Säuglingen sollten sich bis spätestens vier Wochen vor der Geburt des Babys impfen lassen.


Diese äußerst belastende Phase dauert meist zwischen vier und sechs Wochen. Anschließend, im dritten Stadium, geht es allmählich bergauf: Die Hustensalven werden seltener und klingen schließlich ab. Trotzdem kann es noch sechs bis zehn Wochen dauern, bis der kleine Patient wieder ganz gesund ist. "Wichtig ist, dass schon zu einem frühen Erkrankungszeitpunkt eine Behandlung mit Antibiotika erfolgt. Nur so lässt sich der Verlauf etwas verkürzen", sagt Roswitha Bruns. Später können Antibiotika lediglich noch die Gefahr mindern, dass sich weitere Menschen anstecken.

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Keuchhusten bei Erwachsenen

Was viele nicht wissen: Keuchhusten ist keine reine Kinderkrankheit. Trat Pertussis, so der medizinische Fachbegriff, vor 30 Jahren noch überwiegend bei Säuglingen und Kleinkindern auf, sind heute acht von zehn Patienten über 15 Jahre alt. Jeder dritte ist sogar älter als 45 Jahre. Das liegt daran, dass die Kinder überwiegend geimpft sind. Der Impfschutz hält jedoch nicht ewig. Und auch eine durchgemachte Erkrankung bietet keine lebenslange Immunität. Nach etwa zehn Jahren verliert das Immunsystem seine Fähigkeit, sich gegen die Bakterien zur Wehr zu setzen. Das Problem ist: Die wenigsten Jugendlichen und Erwachsenen mit Keuchhusten bemerken, was sie da eigentlich quält. Denn bei ihnen verläuft die Infektion häufig milder und längst nicht so eindeutig wie bei Kindern. Deshalb wird der hartnäckige Husten oft als Bronchitis, Asthma oder als langwierige Erkältung fehlgedeutet. In Wahrheit stellen die Erkrankten jedoch eine gefährliche Infektionsquelle für ihre Umgebung dar – vor allem für die Kleinsten.
Keuchhusten gefährdet Babys

Vor einigen Krankheiten sind Neugeborene durch den Nestschutz ihrer Mutter zunächst gefeit. Nicht so vor Keuchhusten. Neugeborene Babys sind somit besonders gefährdet, sich anzustecken. Gleichzeitig ist gerade bei ihnen das Risiko am größten, dass die Sache ernst wird. „Säuglinge erkranken meist schwer, jedoch ohne die typischen Hustenanfälle. Vielmehr kann es bei ihnen zu lebensbedrohlichen Atemstillständen, sogenannten Apnoen, kommen“, warnt die Ärztin. Denn die Bronchien der Kleinen sind noch eng. Dadurch können sie schnell verlegt werden oder zuschwellen. Laufen die Kinder blau an, besteht akute Erstickungsgefahr. Die Atemaussetzer können zudem zu einem Sauerstoffmangel im Gehirn führen und es dauerhaft schädigen. Weitere mögliche Komplikationen sind vor allem im ersten Lebensjahr bakterielle Zusatzinfektionen wie eine Lungenentzündung.
Keuchhusten-Impfung

Umso wichtiger ist es, besonders die Kleinsten sorgfältig vor dem „Stickhusten“ zu schützen. „Da Neugeborene nicht sofort geimpft werden können, muss man ihnen den Nestschutz anders geben – indem man die Umgebung gut durchimpft“, sagt Roswitha Bruns. So lautet auch die Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut. Sie sieht vor, dass alle Erwachsenen bei ihrer nächsten Impfung gegen Tetanus und Diptherie gleichzeitig eine Auffrischung für Keuchhusten erhalten. Da es keinen Einzelimpfstoff gibt, wird in dieser Kombination geimpft.

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Frauen mit Kinderwunsch wird geraten, die Impfung möglichst vor der Schwangerschaft vorzunehmen. Und auch andere Bezugspersonen des Babys sollten sich noch vor der Geburt impfen lassen, um den Säugling nicht anstecken zu können. „Entscheidend ist natürlich, das auch das Kind selbst zum frühestmöglichen Zeitpunkt, also ab der achten Lebenswoche, die Grundimmunisierung erhält“, so Roswitha Bruns. Schwere Nebenwirkungen sind dabei nicht mehr zu befürchten. Denn anders als früher verwenden die heutigen Keuchhusten-Impfstoffe nur noch Teile des abgetöteten Erregers, nicht den ganzen Keim. Dadurch gelten sie als sehr gut verträglich.

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